Sicher Reisen: Die wichtigsten Sicherheitstipps
Von Taschendiebstahl bis Cyberkriminalität – so schützt du dich unterwegs vor den häufigsten Gefahren.
Lesezeit: ca. 12 Minuten
1. Taschendiebstahl vermeiden – die wichtigste Grundregel
Taschendiebstahl ist das häufigste Verbrechen gegen Touristen weltweit. Besonders an belebten Orten wie Bahnhöfen, Märkten, öffentlichen Verkehrsmitteln und touristischen Hotspots sind professionelle Taschendiebe aktiv. Sie arbeiten oft in Teams: Eine Person lenkt ab, eine andere greift zu.
- Trage Wertsachen in einer Bauchtasche unter der Kleidung oder einem Brustbeutel
- Rucksäcke gehören in Menschenmengen nach vorne
- Handtaschen immer geschlossen halten und auf der straßenabgewandten Seite tragen
- Zeige niemals große Geldmengen in der Öffentlichkeit
- Lass Handy und Geldbörse nie offen auf dem Café-Tisch liegen
Tipp: Verwende eine Dummy-Geldbörse mit etwas Kleingeld. Falls du ausgeraubt wirst, gibst du diese ab – dein echtes Geld bleibt sicher versteckt.
2. Dokumente sichern – Kopien retten Leben
Stell dir vor: Reisepass gestohlen, kein Nachweis deiner Identität, tausende Kilometer von zu Hause entfernt. Dieses Horrorszenario lässt sich mit einfacher Vorbereitung entschärfen.
- Fotografiere alle Dokumente: Reisepass, Personalausweis, Führerschein, Versicherungskarte, Impfausweis
- Speichere die Fotos in einer verschlüsselten Cloud (z.B. Google Drive, iCloud)
- Schicke dir die Scans per E-Mail – so hast du immer Zugriff
- Drucke zusätzlich Papierkopien aus und bewahre sie getrennt vom Original auf
- Notiere dir die Passnummer und das Ausstellungsdatum separat
Bei Verlust des Reisepasses wende dich sofort an die deutsche Botschaft oder das Konsulat vor Ort. Mit Kopien geht die Neuausstellung eines Notpasses deutlich schneller.
3. Notfallnummern – immer griffbereit
In einer Notsituation zählt jede Sekunde. Die Polizeinummer deines Reiselandes ist nicht überall die 110 – in den USA ist es die 911, in Großbritannien die 999, in Australien die 000. Die europaweite Notrufnummer 112 funktioniert in allen EU-Ländern.
- Lokaler Notruf des Reiselandes (Polizei, Feuerwehr, Rettung)
- Deutsche Botschaft / Konsulat – Adresse und Telefonnummer
- Auslandskrankenversicherung – 24h-Hotline-Nummer
- Sperrhotline für Bankkarten: +49 116 116 (weltweit erreichbar)
- Kontaktperson zu Hause – jemand, der im Notfall handeln kann
Tipp: Speichere alle Nummern im Handy UND auf einem kleinen Zettel im Geldbeutel. Wenn das Handy weg ist, brauchst du einen Backup-Plan.
4. Krisengebiete meiden – Auswärtiges Amt nutzen
Bevor du ein Reiseziel buchst, prüfe immer die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts. Diese werden laufend aktualisiert und enthalten konkrete Warnungen zu politischen Unruhen, Naturkatastrophen, Terrorgefahren und gesundheitlichen Risiken.
- Besuche auswaertiges-amt.de und gib dein Reiseland ein
- Registriere dich in der Krisenvorsorgeliste (ELEFAND) – so kann die Botschaft dich im Notfall kontaktieren
- Lade die App „Sicher Reisen“ des Auswärtigen Amts herunter (kostenlos)
- Beachte den Unterschied: „Reisewarnung“ ist stärker als ein „Sicherheitshinweis“
Eine offizielle Reisewarnung bedeutet, dass das Auswärtige Amt von Reisen in dieses Gebiet abrät. Deine Reiseversicherung kann in diesem Fall die Leistung verweigern.
5. Digitale Sicherheit – VPN und WLAN-Schutz
Öffentliches WLAN in Hotels, Cafés und Flughäfen ist ein Paradies für Hacker. Ohne Schutz können Dritte deinen gesamten Datenverkehr mitlesen: Passwörter, Bankdaten, E-Mails – alles.
- Nutze immer ein VPN (Virtual Private Network) in öffentlichen WLANs – gute Anbieter kosten ab 3€/Monat
- Deaktiviere die automatische WLAN-Verbindung auf deinem Smartphone
- Führe kein Online-Banking über öffentliches WLAN durch – auch nicht mit VPN
- Aktiviere die Zwei-Faktor-Authentifizierung für alle wichtigen Konten vor der Reise
- Halte dein Betriebssystem und alle Apps auf dem neuesten Stand
Tipp: Richte vor der Reise „Find my Phone“ (iPhone) oder „Mein Gerät finden“ (Android) ein. So kannst du dein Handy orten oder aus der Ferne sperren und löschen.
6. Geld sicher transportieren – niemals alles an einem Ort
Die goldene Regel der Reisesicherheit: Verteile dein Geld auf mehrere Orte. Wenn ein Versteck kompromittiert wird, hast du immer noch Zugang zu den anderen.
- Hauptkreditkarte im Brustbeutel oder der Bauchtasche
- Zweite Kreditkarte (andere Bank!) im Hotelsafe oder tief im Rucksack
- Bargeld aufteilen: Etwas in der Geldbörse, etwas im Schuh, etwas im Hotelsafe
- Notfallreserve: 50–100€ gut versteckt als absolute Notration
- In manchen Ländern ist Bargeld König – informiere dich vorab über die Zahlungskultur
Informiere deine Bank vor der Reise über das Zielland, damit deine Karte nicht wegen „verdächtiger Auslandstransaktionen“ gesperrt wird.
7. Allein unterwegs – Sicherheit für Solo-Reisende
Solo-Reisen ist eine fantastische Erfahrung, erfordert aber erhöhte Aufmerksamkeit. Als Alleinreisender bist du ein leichteres Ziel als eine Gruppe – besonders wenn du offensichtlich als Tourist erkennbar bist.
- Teile deinen Reiseplan mit einer Vertrauensperson zu Hause – melde dich regelmäßig
- Teile deinen Live-Standort über WhatsApp oder Google Maps mit Freunden oder Familie
- Wähle gut bewertete Unterkünfte in sicheren Vierteln – lies die Bewertungen genau
- Vertraue deinem Bauchgefühl: Wenn sich eine Situation falsch anfühlt, geh weg
- Lerne die Worte für „Hilfe“ und „Polizei“ in der Landessprache
Tipp: Trage dich in Hostel-Gruppenchats oder lokale Meetup-Gruppen ein. So findest du schnell Gleichgesinnte für Ausflüge und abendliche Unternehmungen.
8. Sicher unterwegs bei Nacht
Die meisten Zwischenfälle auf Reisen passieren nach Einbruch der Dunkelheit. Das bedeutet nicht, dass du abends im Hotel bleiben musst – aber erhöhte Vorsicht ist geboten.
- Bleibe auf belebten, gut beleuchteten Straßen
- Meide dunkle Gassen und abgelegene Gebiete, auch wenn die Karte einen kürzeren Weg zeigt
- Nutze offizielle Taxis oder Ride-Hailing-Apps (Uber, Bolt, Grab) statt Straßentaxis
- Trinke niemals aus einem Glas, das du nicht selbst bestellt oder geöffnet hast
- Halte dein Handy nicht offen in der Hand – besonders an Straßenkreuzungen (Motorbike-Snatch)
In vielen asiatischen und südamerikanischen Städten sind Motorrad-Diebstähle verbreitet: Ein Beifahrer greift im Vorbeifahren nach Handys oder Handtaschen. Halte deine Wertsachen daher immer körpernah.
9. Sicherer Transport – Taxi, Bus und Mietwagen
Transport ist einer der Momente, in denen Reisende am verletzlichsten sind – du kennst die Strecke nicht, verstehst vielleicht die Sprache nicht und hast dein gesamtes Gepäck dabei.
- Nutze nur lizenzierte Taxis oder Fahrdienst-Apps – steige nie in unmarkierte Fahrzeuge
- Prüfe bei Ride-Hailing-Apps das Kennzeichen und Foto des Fahrers vor dem Einsteigen
- Setze dich im Taxi immer hinten hin – so hast du Zugang zu beiden Türen
- Bei Mietwagen: Fotografiere Schäden vor der Übernahme und bestehe auf schriftliche Dokumentation
- Lasse Gepäck nie unbeaufsichtigt in Bus- oder Zug-Gepäckfächern – nutze ein kleines Kabelschloss
In manchen Ländern sind Nachtbusse berüchtigt für Gepäckdiebstahl. Behalte deine Wertsachen immer im Handgepäck, das du bei dir trägst.
10. Betrugsmaschen erkennen – die häufigsten Tricks
Weltweit gibt es bewährte Betrugsmaschen, die speziell auf Touristen abzielen. Wenn du sie kennst, fällst du nicht darauf herein.
- Der freundliche Fremde: Jemand spricht dich überschwänglich an, bietet eine „kostenlose Tour“ oder ein Getränk an – und am Ende kommt eine hohe Rechnung
- Taxi-Umweg: Der Fahrer nimmt den „scenic route“ oder behauptet, das Taxameter sei kaputt. Bestehe auf Meter oder verhandle den Preis vorher
- Geldwechsel-Trick: Falsche Wechselkurse oder fehlende Scheine beim Rückgeld. Zähle immer nach und kenne den ungefähren Wechselkurs
- Fleck auf der Kleidung: Jemand „hilft“ dir, einen Fleck von deiner Jacke zu wischen – während ein Komplize deine Taschen leert
- Fake-Polizisten: „Polizisten“ in Zivil wollen deinen Pass oder dein Geld „prüfen“. Echte Polizei nimmt dich mit zur Wache
- Überteuerte Restaurants: Du wirst von Schleppern in ein Restaurant geführt – die Rechnung ist astronomisch. Wähle Restaurants selbst aus
11. Unterkunft sichern – Hotel und Airbnb
Deine Unterkunft ist dein sicherer Rückzugsort. Stelle sicher, dass sie tatsächlich sicher ist.
- Buche nur über vertrauenswürdige Plattformen – lies Bewertungen kritisch
- Nutze den Hotelsafe für Wertsachen, die du nicht mitträgst (Pass-Original, Extrakarte, Schmuck)
- Prüfe bei Ankunft Türschlösser, Fenster und Rauchmelder
- Merke dir die Fluchtwege – besonders in höheren Stockwerken
- Hänge das „Bitte nicht stören“-Schild an die Tür, wenn du ausgehst – es suggeriert Anwesenheit
- Öffne die Tür nicht jedem Klopfen – verifiziere, wer vor der Tür steht
12. Gesundheit und Sicherheit – Versicherung und Vorsorge
Sicherheit bedeutet auch, auf gesundheitliche Risiken vorbereitet zu sein. Ein medizinischer Notfall im Ausland kann ohne Versicherung schnell existenzbedrohend teuer werden.
- Schließe eine Auslandskrankenversicherung mit Rücktransport ab – Pflicht für jede Reise
- Packe eine Reiseapotheke: Schmerzmittel, Pflaster, Durchfallmedikament, Desinfektionsmittel, persönliche Medikamente
- Prüfe Impfempfehlungen für dein Reiseland (Tropeninstitut, Hausarzt)
- In Risikogebieten: Nur abgekochtes oder abgepacktes Wasser trinken
- Kenne die Adresse des nächsten Krankenhauses an deinem Urlaubsort
- Trage wichtige medizinische Informationen bei dir (Allergien, Blutgruppe, Medikamente)
Tipp: Lade die App „Was hab ich?“ oder ein medizinisches Wörterbuch herunter, um Symptome im Ausland verständlich beschreiben zu können.
Sicher vorbereitet in den nächsten Urlaub?