Trinkgeld weltweit: Wie viel wo?
Trinkgeld-Regeln unterscheiden sich von Land zu Land massiv. Während man in den USA oft über 20 % gibt, wird es in Japan als Beleidigung empfunden. Dieser Guide zeigt dir für 50+ Länder, wie viel üblich ist - und wo du vorsichtig sein solltest.
Warum Trinkgeld so unterschiedlich ist
Trinkgeld ist ein kulturelles Thema - nicht nur eine Rechenaufgabe. In manchen Ländern ist es fester Bestandteil des Einkommens von Service-Kräften (USA), in anderen gelten feste Prozente (Deutschland), und manchmal wird Trinkgeld schlicht abgelehnt (Japan, Südkorea).
Die drei wichtigsten Fragen, bevor du Geld aus der Tasche ziehst:
- Ist Trinkgeld kulturell erwartet oder optional?
- Ist Service-Charge bereits auf der Rechnung (dann: Trinkgeld optional)?
- Wie viel ist angemessen - in Prozent oder als fester Betrag?
USA & Kanada - Trinkgeld als Lohnbestandteil
In den USA und Kanada sind Löhne im Service-Bereich oft niedriger als der Mindestlohn vorsieht - weil das Trinkgeld mit eingerechnet ist. Ohne Trinkgeld verdienen Kellner faktisch nichts. Es ist gesellschaftlich erwartet, nicht optional.
- Restaurants: 18-22 % (20 % ist der Standard) auf den Nettobetrag vor Steuer
- Bars: 1-2 USD pro Drink oder 15-20 % bei Rechnung
- Taxi/Uber: 15-20 %
- Hotel-Housekeeping: 2-5 USD pro Nacht, auf dem Kissen hinterlassen
- Bellhop/Gepäckträger: 1-2 USD pro Gepäckstück
- Valet Parking: 2-5 USD beim Abholen
- Friseur/Spa: 15-20 %
Viele US-Restaurants rechnen bei Gruppen ab 6 Personen automatisch 18 % 'gratuity' auf. Prüfe die Rechnung - doppelt zahlen ist nicht nötig.
Europa - fair, aber bescheiden
In den meisten europäischen Ländern ist Trinkgeld optional und moderat. Service ist meist im Preis enthalten, aber ein kleines Extra wird gern gesehen.
Deutschland, Österreich, Schweiz
- Restaurant: 5-10 %, meist aufgerundet
- Hotel: 1-2 € pro Gepäckstück für den Pagen
- Taxi: Aufrunden auf den nächsten Euro-Betrag
- Friseur: 5-10 %
Frankreich, Italien, Spanien
- Restaurant: 5-10 % - Service compris/servizio/servicio ist oft inkludiert
- In Italien kommt oft ein 'coperto' (1-3 € pro Person Gedeck)
- Cafés/Bars: Kleingeld zurücklassen
- Hotel: 1-2 € pro Service
UK, Irland, Niederlande
- Restaurant: 10-12,5 %, oft bereits als 'service charge' enthalten
- Pubs: KEIN Trinkgeld - stattdessen 'buy the bartender a drink'
- Taxi: 10 %
Skandinavien
- In Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland ist Trinkgeld nicht erwartet
- Aufrunden der Rechnung ist üblich, mehr nicht
- Löhne sind hoch - Service ist voll bezahlt
Asien - große Unterschiede
Japan & Südkorea - kein Trinkgeld!
In Japan und Südkorea ist Trinkgeld nicht üblich und kann sogar als Beleidigung empfunden werden. Gute Arbeit wird durch den Lohn honoriert - ein Trinkgeld signalisiert, dass der Service als Betteln empfunden wird.
- Kein Trinkgeld in Restaurants, Taxis, Hotels
- Wenn du etwas geben willst: in einem Umschlag, formvollendet - aber besser: lass es
Thailand, Vietnam, Indonesien, Philippinen
- Restaurants mit gehobenem Service: 5-10 %, oder aufrunden
- Straßenessen: nicht erforderlich
- Hotel-Housekeeping: 20-50 THB/VND-Äquivalent pro Nacht
- Taxi: Aufrunden, Grab/Uber nicht nötig
- Thailand-Hinweis: 20 Baht Schein als Dankeschön ist üblich in guten Restaurants
China & Hongkong
- In China Festland: Trinkgeld unüblich und oft abgelehnt
- Hongkong: 10 % service charge oft auf Rechnung, extra ~5 % optional in guten Restaurants
- Hotels: für Butler-Service kleine Beträge akzeptiert
Indien, Sri Lanka, Nepal
- Restaurants: 5-10 %, wenn nicht bereits 'service charge' auf Rechnung
- Trekking-Guides & Porter (Nepal): feste Tagesbeträge sind Teil des Einkommens - 10-15 % der Tour-Kosten insgesamt
- Fahrer bei Mehrtagestouren: 500-1000 Rupien pro Tag
Karibik & Lateinamerika
Karibik (Dominikanische Republik, Jamaika, Kuba, Mexiko)
- Restaurants: 10-15 %, oft als 'propina' oder 'gratuity' bereits 10 % eingerechnet
- All-Inclusive-Resorts: 1-2 USD pro Barkeeper-Drink, 2-5 USD pro Tag für Zimmermädchen
- Taxi: 10 %
- Ausflugs-Guides: 10 % des Tourpreises
Argentinien, Chile, Kolumbien, Peru
- Restaurants: 10 % Standard, in Peru oft 'propina sugerida' 10 %
- Trekking-Guides (Machu Picchu, Patagonien): 100-200 USD für mehrtägige Tour
- Taxi: aufrunden, nicht prozentual
In Lateinamerika oft mit Kleingeld in Landeswährung bezahlen - USD als Trinkgeld wirkt gut gemeint, ist aber für Angestellte oft schwer zu wechseln.
Afrika & Naher Osten
Ägypten, Marokko, Tunesien
In Nordafrika ist das Bakschisch-System tief verwurzelt - kleine Trinkgelder für fast jede Dienstleistung. Das ist nicht 'Betteln', sondern Teil der Wirtschaftsstruktur.
- Restaurants: 10 %
- Hotel-Pagen: 1-2 EUR/USD pro Gepäckstück
- Reiseführer: 10-15 % der Tour
- Kleinere Dienste (Fotos, Beratung): 1-5 LE (Ägypten), 5-10 MAD (Marokko)
Südafrika, Kenia, Tansania, Namibia
- Restaurants: 10-15 %
- Safari-Guides: 10-15 USD pro Tag pro Gast (Lodge-Tradition)
- Safari-Tracker: 5-10 USD pro Tag
- Lodge-Housekeeping: pauschal 5 USD pro Nacht in Sammelkasse
VAE (Dubai), Saudi-Arabien, Oman
- Restaurants: 10 %, oft 'service charge' 10 % inkludiert
- Taxi: Aufrunden
- Hotel-Butler/Pagen: 10-20 AED
Spezialfälle: Kreuzfahrt, Rundreise, Safari
Kreuzfahrtschiffe
Die meisten Reedereien haben fixe Tagesbeträge für Service-Personal, die automatisch abgerechnet werden:
- Internationale Reedereien (MSC, Royal Caribbean, NCL): 14-18 USD pro Tag pro Passagier
- Deutsche Reedereien (AIDA, Mein Schiff): Serviceentgelt oft bereits im Preis enthalten
- Bar-Personal: Cocktail-Rechnungen haben oft 18 % 'gratuity' automatisch
Geführte Rundreisen (Europa, Asien, Lateinamerika)
- Reiseleiter: 3-5 EUR pro Tag pro Gast
- Busfahrer: 1-2 EUR pro Tag
- Am letzten Abend oft 'gemeinschaftlicher Umschlag'
Safari (Afrika)
Safari-Trinkgelder sind ein wichtiges Thema - viele Guides leben davon. Die Lodges haben meist Empfehlungs-Richtlinien:
- Ranger/Guide: 10-15 USD pro Tag pro Gast
- Tracker: 5-10 USD pro Tag pro Gast
- Lodge-Team gesammelt (Housekeeping, Koch): 5-10 USD pro Tag pro Gast
- Am Ende der Safari in Umschlägen übergeben
Trinkgeld-Knigge: 5 globale Grundregeln
- Immer bar: auch bei Kartenzahlung auf der Rechnung, Trinkgeld bar übergeben - so kommt es wirklich beim Service-Personal an
- Kleingeld sammeln: in vielen Ländern sind kleine Scheine Gold wert. Vor Reisebeginn Wechselgeld besorgen
- Service-Charge prüfen: Wenn 10-15 % 'service charge' auf der Rechnung stehen, ist extra-Trinkgeld optional
- Kulturell anpassen: In Japan nicht, in den USA großzügig, in Europa moderat
- Bei Unsicherheit: lokales Paar oder Hotel-Concierge fragen - das ist nicht peinlich
Häufige Fragen
Muss ich in Deutschland Trinkgeld geben?
Trinkgeld ist in Deutschland nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber 5-10 % oder Aufrunden sind sozial erwartet - besonders in Restaurants.
Wie viel Trinkgeld in den USA wirklich?
20 % ist der Standard in Restaurants. Weniger wird als Unzufriedenheit interpretiert. Bei sehr schlechtem Service kann man auf 15 % runtergehen.
Warum kein Trinkgeld in Japan?
In Japan wird guter Service als Standard erwartet, nicht als Extraleistung. Trinkgeld kann als implizite Kritik empfunden werden, dass der Lohn nicht reicht.
Wie viel Trinkgeld bei All-Inclusive-Urlaub?
Trotz All-Inclusive werden in der Karibik und Mexiko 1-2 USD pro Drink und 2-5 USD pro Tag für das Zimmermädchen gerne gesehen - außer das Hotel verbietet es ausdrücklich.
Trinkgeld bar oder mit Karte?
Bar ist fast immer besser - so bekommt es die Person direkt. Bei Kartenzahlung landet das Trinkgeld oft in einem Pool oder beim Betreiber.
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