Nyhavn, Christianshavn & das Wasser
Nyhavn — Das Postkartengesicht Kopenhagens
Nyhavn (Neuer Hafen) ist das Bild, das jeder mit Kopenhagen verbindet: ein schmaler Kanal, gesäumt von bunten Giebelhäusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert, historische Holzsegelschiffe am Kai, Restaurants und Bars mit Kanalblick. Es ist kitschig schön — und gleichzeitig authentisch lebendig.
Geschichte
Nyhavn wurde 1671 als Handelshafen gegraben — schwedische Kriegsgefangene leisteten die Arbeit. Im 18. und 19. Jahrhundert war es ein raues Matrosenviertel: Bordelle, Kneipen, Schlägereien. Hans Christian Andersen lebte hier an drei verschiedenen Adressen (Nr. 20, 67 und 18) und schrieb einige seiner berühmtesten Märchen in Nyhavn. Heute ist es Kopenhagens beliebtester Flanierort — gehoben, aber nicht steif.
Das Erlebnis
- Sonnenseite: Die nördliche Kanalseite (ungerade Hausnummern) liegt in der Sonne — hier reihen sich die Restaurant-Terrassen. Teuer, aber die Atmosphäre ist unschlagbar. Ein Bier auf der Terrasse: ab 70 DKK (9€).
- Kaimauer: Kostenlos und mindestens genauso stimmungsvoll: Setz dich auf die Kaimauer, kauf ein Bier im Supermarkt (15 DKK / 2€) und genieße den Blick. Die Kopenhagener machen es genauso.
- Die Schiffe: Die historischen Holzschiffe am Kai sind restaurierte Handels- und Fischerschiffe. Einige sind für Rundfahrten nutzbar, andere dienen als schwimmende Bars.
- Der Nyhavn-Anker: Am Ende des Kanals steht ein großer Anker — das Denkmal für die dänischen Seeleute, die im Zweiten Weltkrieg fielen.
Tipp
Nyhavn ist am schönsten im Nachmittagslicht, wenn die Sonne die bunten Fassaden anstrahlt. Am besten: auf der Kaimauer sitzen, Bier aus dem 7-Eleven oder Netto am Kongens Nytorv holen (15–20 DKK statt 70 DKK auf der Terrasse) und das Treiben genießen. Morgens um 7–8 Uhr ist Nyhavn fast leer — perfekt für Fotos ohne Menschenmassen.
Christianshavn — Kanäle & Bohème
Christianshavn liegt auf einer künstlichen Insel östlich der Altstadt und ist Kopenhagens Amsterdamer Ecke: Kanäle, Hausboote, bunte Häuser und eine entspannte, bohème Atmosphäre. Das Viertel wurde im 17. Jahrhundert von Christian IV. als Handels- und Militärhafen angelegt und hat seinen Charakter als eigenständiges, etwas rebellisches Quartier bewahrt.
Die Kanäle
Die Christianshavns Kanal ist einer der malerischsten Orte Kopenhagens: Hausboote, Weiden am Ufer, Entenfamilien, Cafés am Wasser. Der Kanal ist umrundet von einem Spazierweg, der an einem sonnigen Nachmittag zum Verweilen einlädt. Die Kanalrundfahrten (ab 80 DKK / 11€) starten in Nyhavn und führen durch die Kanäle von Christianshavn — eine der schönsten Möglichkeiten, Kopenhagen zu sehen.
Vor Frelsers Kirke — Der Spiralturm
Die Erlöserkirche (Vor Frelsers Kirke) hat den berühmtesten Kirchturm Skandinaviens: eine äußere Wendeltreppe, die sich 90 Meter in die Höhe schraubt — 400 Stufen, die letzten draußen an der Turmspitze, immer enger werdend, bis man auf einer winzigen Plattform steht mit Blick über ganz Kopenhagen, den Öresund und bis nach Schweden. Nichts für Höhenangst! Eintritt: 65 DKK (9€). Im Sommer lange Warteschlangen — früh kommen oder online buchen.
Hafenbäder
Kopenhagens Hafen ist so sauber, dass man darin schwimmen kann — und die Dänen tun es mit Begeisterung. Die wichtigsten Hafenbäder:
- Islands Brygge Havnebad: Das beliebteste Hafenbad mit fünf Becken (davon ein Sprungbecken mit 5-Meter-Turm). Kostenlos. Im Sommer voll — Atmosphäre wie am Strand.
- Kalvebod Bølge: Architektonische Wellenformation (Bølge = Welle) mit Sprungbrettern, Kajakverleih und Sonnenterrassen. Gratis.
- Sandkaj Havnebad: Im neuen Viertel Nordhavn, modernes Design, weniger überlaufen.
Christiania — Die Freistadt
Die Freistadt Christiania ist eines der faszinierendsten sozialen Experimente Europas — und eines der kontroversesten. 1971 besetzten Hausbesetzer ein verlassenes Militärgelände in Christianshavn und gründeten eine selbstverwaltete Gemeinschaft mit eigenen Regeln, eigener Infrastruktur und einer radikalen Vision von Freiheit und Gemeinschaft.
Was ist Christiania?
Auf 34 Hektar leben etwa 900 Menschen in selbstgebauten, oft fantastisch-kreativen Häusern: von Baumhäusern über Öko-Häuser bis zu umgebauten Militärbaracken. Es gibt eigene Kindergärten, Werkstätten, ein Musikhaus (Loppen), Restaurants (Morgenstedet — vegetarisches Restaurant, Café Nemoland) und Kunstateliers. Christiania hat keine Privatgrundstücke — alles gehört der Gemeinschaft.
Was erwartet dich?
- Die Architektur: Die selbstgebauten Häuser sind faszinierend — kreativ, bunt, oft aus recycelten Materialien. Manche sehen aus wie Hobbit-Häuser, andere wie kleine Schlösser. Ein Spaziergang durch die Wohngebiete (außerhalb des Hauptweges) ist ein Erlebnis.
- Die Natur: Christiania liegt an einem See und hat erstaunlich viel Grün: Gemeinschaftsgärten, Wildblumenwiesen, Obstbäume. Die Atmosphäre ist ruhiger und grüner, als man erwartet.
- Kunst & Musik: Street Art, Skulpturen, Murals — Christiania ist eine Freiluft-Galerie. Das Loppen (Konzerthaus) und das Operaen bieten Live-Musik.
- Die Kontroverse: Die ehemalige „Pusher Street" (Marihuana-Verkaufsstraße) wurde 2023/2024 von den Bewohnern selbst abgerissen und durch Neubauten ersetzt — ein historischer Wendepunkt. Christiania befindet sich im Wandel, bleibt aber eine alternative Gemeinschaft.
Achtung
Fotografieren ist in Teilen von Christiania nicht erlaubt — Schilder weisen darauf hin. Respektiere die Privatsphäre der Bewohner. Christiania ist kein Zoo — es ist ein Wohnort. Geh respektvoll und neugierig, nicht gaffend. Der Haupteingang ist in der Prinsessegade. Eintritt: kostenlos.
Kastellet & Die Kleine Meerjungfrau
Kastellet — Die Sternfestung
Das Kastellet ist eine der besterhaltenen Sternfestungen Nordeuropas: fünf Bastionen, ein Wassergraben, Windmühle, Kirche und Soldatenbaracken — alles im Originalzustand seit dem 17. Jahrhundert. Es ist immer noch ein aktives Militärgelände, aber die Wälle und Parks sind öffentlich zugänglich. Ein Spaziergang auf den Wällen bietet schöne Blicke über den Hafen und ist ein perfekter Kontrast zum Stadttrubel. Kostenlos und zu jeder Jahreszeit schön — besonders im Herbst mit buntem Laub und im Winter mit Raureif.
Die Kleine Meerjungfrau (Den lille Havfrue)
Die Kleine Meerjungfrau sitzt seit 1913 auf ihrem Felsen an der Langelinie-Promenade — und ist Kopenhagens bekanntestes (und umstrittenstes) Wahrzeichen. Die Bronze-Statue (nur 1,25 Meter hoch) wurde vom Brauer Carl Jacobsen (Carlsberg) in Auftrag gegeben, inspiriert von Hans Christian Andersens Märchen und dem Ballett im Königlichen Theater.
Erwartungsmanagement: Die Statue ist klein. Wirklich klein. Umgeben von Touristen mit Selfie-Sticks. Viele Besucher sind enttäuscht. Aber wenn du um 7 Uhr morgens hingehst, wenn das Licht auf den Öresund fällt und du allein mit ihr bist, hat sie ihren Zauber. Sie hat auch eine bewegte Geschichte: Der Kopf wurde zweimal abgesägt (1964, 1998), ein Arm abgetrennt (1984), sie wurde mit Farbe besprüht und mit einem Burkini bekleidet. Sie überlebt alles.
Tipp
Der perfekte Morgenspaziergang: Start am Kastellet (über die Wälle), weiter zur Kleinen Meerjungfrau (vor 9 Uhr, um die Massen zu vermeiden), dann entlang der Langelinie-Promenade zurück zum Hafen. Dauer: 45–60 Minuten. Kostenlos und entspannend.
Stadtrundgang
Nyhavn, Christianshavn & Christiania
Von Nyhavn über die Kanäle nach Christiania und zurück über den Spiralturm — Kopenhagens vielfältigste Route.
Nyhavn
Start am ikonischen Kanal. Bier auf der Kaimauer, Hans Christian Andersens Häuser (Nr. 20, 67, 18).
20 Min.Inderhavnsbroen
Die elegante Fußgänger- und Radfahrerbrücke über den Innenhafen. Blick auf die Oper und Christianshavn.
10 Min.Christianshavns Kanal
Spaziergang entlang der Kanäle mit Hausbooten, Weiden und dem Charme eines Dorfes in der Großstadt.
15 Min.Christiania
Durch den Haupteingang (Prinsessegade) in die Freistadt. Spaziergang durch die Wohngebiete, Café Nemoland.
45–60 Min.Vor Frelsers Kirke
Den Spiralturm besteigen (400 Stufen, letzter Abschnitt draußen). Panoramablick. 65 DKK.
30–40 Min.Reffen / Paper Island
Street-Food-Markt auf der Refshaleøen — Essen aus aller Welt, Hafenblick, entspannte Atmosphäre.
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