Kunst & Architektur · Abschnitt 2/4

Medersas, Kasbahs & Riads

🇲🇦 Marokko Reiseführer

Kunst & Architektur|
VerstehenMedersas, Kasbahs & Riads

Medersas, Kasbahs & Riads

Marokkos Architektur lässt sich in drei große Typologien gliedern, die das Land auf einzigartige Weise prägen:

Medersas (Koranschulen) sind die Juwelen der marokkanischen Architektur. Zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert erbaut, dienten sie als Internate für Theologiestudenten der nahegelegenen Moscheen. Da Moscheen für Nicht-Muslime gesperrt sind, sind die Medersas die einzige Möglichkeit, die Pracht islamischer Sakralarchitektur in Marokko zu erleben. Der typische Aufbau: Ein Innenhof mit Marmorbrunnen, umgeben von Galerien auf zwei Stockwerken, die Wände von unten nach oben bedeckt mit Zellige, Stuck und Zedernholz. Die wichtigsten Medersas sind die Bou-Inania (Fes, 1351–1357) — die einzige Medersa Marokkos mit eigenem Minarett —, die Attarine (Fes, 1325) und die Ben-Youssef-Medersa (Marrakesch, 16. Jh.) — die größte Medersa Nordafrikas mit 130 Studentenzellen um einen gewaltigen Innenhof.

Kasbahs und Ksour (Plural von Ksar) sind die Wahrzeichen des marokkanischen Südens. Aus Stampflehm (Pisé) errichtet — einer Mischung aus Erde, Stroh und Wasser, die in Holzrahmen geschichtet wird —, verschmelzen sie farblich mit der Landschaft, als wüchsen sie aus dem Boden. Eine Kasbah ist die befestigte Residenz eines Stammesführers (Caïd), ein Ksar dagegen ein ganzes befestigtes Dorf. Das berühmteste Ksar ist Aït Benhaddou (UNESCO), das wie eine mittelalterliche Festung über dem Fluss Ounila thront. Die Kasbahs entlang der "Straße der Kasbahs" zwischen Ouarzazate und Errachidia sind eine einzigartige Kulturlandschaft. Ihr größtes Problem: Ohne Pflege zerfällt Stampflehm innerhalb weniger Jahrzehnte — viele Kasbahs sind bereits Ruinen.

Riads — die traditionellen Stadthäuser der Medina — folgen einem Prinzip, das die gesamte islamische Architektur durchzieht: Die Schönheit liegt innen. Von außen zeigt ein Riad nur eine schmucklose Mauer und eine unauffällige Tür. Dahinter öffnet sich ein Innenhof mit Brunnen, Orangenbäumen, Zellige-Böden und offenen Galerien auf zwei bis drei Stockwerken — eine private Oase der Ruhe inmitten des Medina-Chaos. Seit den 2000er Jahren haben Europäer und wohlhabende Marokkaner hunderte verfallene Riads in Marrakesch und Fes restauriert und in Boutique-Hotels verwandelt — oft mit erstaunlicher Liebe zum Detail und unter Verwendung der traditionellen Drei-Künste (Zellige, Stuck, Zeder). Eine Übernachtung im Riad (ab 400 MAD/DZ mit Frühstück) ist eines der schönsten Erlebnisse Marokkos.

Reise nach Marokko planen

* Partnerlinks – bei Buchung erhalten wir eine Provision, ohne Mehrkosten für dich