Von der Unabhängigkeit zur Samtenen Revolution
Erste Republik (1918–1938)
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Tschechoslowakei gegründet — mit Prag als Hauptstadt und Tomáš Garrigue Masaryk als erstem Präsidenten. Die Erste Republik war der demokratischste und wirtschaftlich erfolgreichste Staat Mitteleuropas — bis Hitler kam.
NS-Besatzung und Kommunismus
1939–1945: NS-Deutschland annektierte die Sudetengebiete (Münchner Abkommen 1938) und errichtete das „Protektorat Böhmen und Mähren". Die jüdische Bevölkerung wurde systematisch deportiert und ermordet — von 118.000 tschechischen und mährischen Juden überlebten nur 26.000.
1948–1989: Nach einem kommunistischen Putsch wurde die Tschechoslowakei ein Satellitenstaat der Sowjetunion. Der Prager Frühling 1968 — der Versuch, einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz" zu schaffen — wurde von sowjetischen Panzern brutal niedergeschlagen. Jan Palach verbrannte sich 1969 auf dem Wenzelsplatz aus Protest.
Die Samtene Revolution (17. November 1989)
Am 17. November 1989 demonstrierten Studenten auf der Národní třída (Nationalstraße) — die Polizei schlug brutal zu. Die Empörung wuchs, binnen Tagen versammelten sich 500.000 Menschen auf dem Wenzelsplatz. Sie klirrten mit Schlüsseln — das Symbol für das „Aufschließen der Freiheit". Der Dramatiker Václav Havel führte die Opposition an und wurde im Dezember 1989 zum Präsidenten gewählt. Am 1. Januar 1993 trennte sich die Tschechoslowakei friedlich in Tschechien und die Slowakei — die „Samtene Scheidung".
EU-Beitritt und Gegenwart
2004 trat Tschechien der EU bei (aber nicht dem Euro — die Krone bleibt). Prag hat sich seitdem zu einer der beliebtesten Städtereisedestinationen Europas entwickelt — mit allen Vor- und Nachteilen des Massentourismus. Die Stadt kämpft mit steigenden Mieten, Airbnb-Druck und der Balance zwischen Tourismus und Lebensqualität.