Krieg, Trennung & Unabhängigkeit
Die japanische Besatzung (1942–1945)
Am 15. Februar 1942 fiel Singapur an Japan — die schlimmste Kapitulation der britischen Militärgeschichte. Winston Churchill nannte es die „größte Katastrophe und Kapitulation in der britischen Geschichte". Die japanische Besatzung dauerte dreieinhalb Jahre und war brutal: Massaker an der chinesischen Bevölkerung (Sook Ching), Zwangsarbeit und Hungersnöte. Das Erlebnis prägte Singapurs Seele — nie wieder abhängig, nie wieder verletzlich sein.
Der Weg zur Unabhängigkeit
Nach dem Krieg kehrten die Briten zurück, aber die Kolonialmacht war geschwächt. 1959 wurde Lee Kuan Yew zum ersten Premierminister des selbstregierten Singapur gewählt — ein Cambridge-Absolvent mit einem Stahlwillen und einer Vision. 1963 schloss sich Singapur der Federation of Malaysia an, doch ethnische Spannungen zwischen der malaiisch-dominierten Regierung in Kuala Lumpur und der chinesisch-dominierten Regierung in Singapur führten zu Konflikten.
Am 9. August 1965 wurde Singapur aus Malaysia ausgeschlossen — es war die einzige Nation der Welt, die gegen ihren Willen unabhängig wurde. Lee Kuan Yew weinte im Fernsehen: „Für mich ist dies ein Moment der Angst." Singapur war nun ein winziger Stadtstaat ohne Hinterland, ohne natürliche Ressourcen, ohne eigenes Trinkwasser, mit einer multikulturellen Bevölkerung voller Spannungen. Die meisten Beobachter gaben dem Land keine Chance.