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Regionen · Kapitel 6

Puszta & Ostungarn

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RegionenKapitel 6: Puszta & Ostungarn
Regionen · Kapitel 6

Puszta & Ostungarn

Östlich der Donau erstreckt sich ein anderes Ungarn: die endlose Steppe der Puszta, wo Reiterhirten ihre Pferde im Galopp dirigieren und Kranichschwärme den Himmel verdunkeln. Dazu kommen die Weinlegenden von Tokaj und Eger, die mächtige Burg über dem Tal der Schönen Frauen und die unterirdischen Höhlenbäder von Miskolctapolca.

Hortobágy-Nationalpark (UNESCO)

Die Hortobágy-Puszta ist Europas größte zusammenhängende natürliche Graslandfläche — eine endlose, flache Steppe, die sich bis zum Horizont erstreckt, ohne dass ein Baum oder ein Hügel den Blick bricht. Seit 1999 UNESCO-Welterbe, ist der Hortobágy-Nationalpark (82.000 Hektar) die Quintessenz des ungarischen Mythos: Csikós auf galoppierenden Pferden, Graurinder mit meterbreiten Hörnern, Racka-Schafe mit korkenzieherförmig gedrehten Hörnern und Mangalica-Wollschweine.

Die Csikós-Reitshow

Die Csikós — Ungarns legendäre Reiterhirten — sind die Stars der Puszta. Ihre Kunststücke sind atemberaubend: Sie reiten stehend auf dem Rücken von zwei nebeneinander galoppierenden Pferden (die Puszta-Fünf — ein Mann lenkt fünf Pferde im Galopp, stehend auf den beiden hintersten), lassen Pferde auf Zuruf hinlegen, knallen mit meterlangen Peitschen und zeigen Reitkunst von einer Virtuosität, die selbst erfahrene Reiter sprachlos macht. Reitshows gibt es täglich auf den Gestüten nahe der Hortobágy-Brücke — die Neun-Bogen-Brücke (Kilenclyukú híd), die längste Steinbrücke Ungarns (1833), ist selbst ein Wahrzeichen.

Reitshow mit Kutschfahrt und Puszta-Mittagessen (Gulasch im Kessel): ca. 6.000–10.000 HUF (15–25€). Buchbar vor Ort oder über Hotels in Debrecen.

Vogelparadies

Die Hortobágy ist eines der wichtigsten Vogelschutzgebiete Europas. Im Herbst (September–November) rasten hier bis zu 100.000 Kraniche auf ihrem Zug nach Süden — ein Naturschauspiel von biblischem Ausmaß. Im Frühling (März–Mai) kehren die Löffler, Silberreiher, Seeadler und über 340 weitere Vogelarten zurück. Geführte Vogelbeobachtungstouren starten vom Nationalpark-Besucherzentrum.

Debrecen

Ungarns zweitgrößte Stadt (200.000 Einwohner) liegt am Rand der Puszta und ist das kulturelle Zentrum Ostungarns. Die Reformierte Großkirche (Nagytemplom) — die größte reformierte Kirche Ungarns — ist das Wahrzeichen. Der Große Wald (Nagyerdő) am Stadtrand beherbergt Thermalbäder, einen Zoo und die Universität. Debrecen war zweimal (!) provisorische Hauptstadt Ungarns und spielte eine Schlüsselrolle in der ungarischen Geschichte.

Tipp

Die beste Zeit für den Hortobágy: September–Oktober für den Kranichzug (ein unvergessliches Naturschauspiel), April–Mai für Frühlingsvögel und Wildblumen. Im Sommer kann es in der Puszta über 38°C heiß werden — Sonnenschutz ist Pflicht!

Eger — Burg, Wein & Minarett

Eger ist eine der schönsten und geschichtsträchtigsten Städte Ungarns — und eine der unterschätztesten. Die Barockstadt (56.000 Einwohner) am Fuß des Bükk-Gebirges vereint auf engem Raum: eine mächtige mittelalterliche Burg, das nördlichste osmanische Minarett der Welt, barocke Kirchen, ein Lyzeum mit historischer Bibliothek und — vor allem — das Tal der Schönen Frauen (Szépasszonyvölgy), eines der romantischsten Weinviertel Europas.

Die Burg von Eger

Die Burg (Egri vár) thront auf einem Hügel über der Stadt und ist Schauplatz einer der legendärsten Belagerungen der ungarischen Geschichte: 1552 verteidigten nur 2.000 ungarische Soldaten und Bürger unter Hauptmann István Dobó die Burg gegen 35.000–40.000 osmanische Belagerer — und gewannen. Der Sieg wurde zum Nationalmythos und ist Gegenstand des berühmtesten ungarischen Romans („Sterne von Eger" / „Egri csillagok" von Géza Gárdonyi). Die Burg beherbergt ein unterirdisches Kasemattensystem, eine Galerie und das Dobó-Museum. Eintritt: ca. 3.000 HUF (8€).

Das Minarett

Egers Minarett (1596) ist das nördlichste erhaltene osmanische Minarett der Welt und eines von nur drei in Ungarn. Der 40 Meter hohe schlanke Turm kann bestiegen werden — 97 enge, spiralförmige Stufen führen auf die Galerie mit einem Panoramablick über die Stadt. Eintritt: 600 HUF (1,50€). Nichts für Klaustrophobiker — der Turm hat nur 78 cm Innendurchmesser!

Tal der Schönen Frauen (Szépasszonyvölgy)

Einen 20-minütigen Spaziergang vom Stadtzentrum entfernt liegt die berühmteste Kellergasse Ungarns. Dutzende kleine Weinkeller — in den Hang gegraben, mit Steintischen und Bänken davor — laden zur Verkostung ein. Das Konzept ist simpel und genial: Du gehst von Keller zu Keller und probierst die Weine direkt vom Fass — ein Glas (1 dl) kostet 200–500 HUF (0,50–1,30€). Die Stimmung, besonders am Abend, ist einzigartig: Zigeunermusik, Gelächter, der Duft von Holzkohle und Wein.

Der berühmteste Wein Egers: Egri Bikavér — das „Erlauer Stierblut". Ein kräftiger Rotwein-Cuvée (mindestens drei Rebsorten, meist Kékfrankos, Kadarka und Cabernet), dessen Legende besagt, dass die Verteidiger der Burg 1552 rotweingefärbtes Wasser tranken — die Osmanen dachten, es sei Stierblut, und flohen. Die Premium-Version „Bikavér Superior" kann mit guten Bordeaux-Weinen mithalten.

Tokaj — Der Wein der Könige

Die Tokaj-Weinregion (Tokaj-Hegyalja) im Nordosten Ungarns ist seit 2002 UNESCO-Welterbe und eine der ältesten geschützten Weinregionen der Welt (klassifiziert seit 1730 — 120 Jahre vor Bordeaux!). Hier entsteht der Tokaji Aszú — der „Wein der Könige, König der Weine", wie ihn Ludwig XIV. nannte.

Tokaji Aszú — Flüssiges Gold

Der Aszú ist einer der außergewöhnlichsten Weine der Welt: Aus von der Edelfäule (Botrytis cinerea) befallenen Furmint-Trauben handgelesen, werden die eingeschrumpelten, rosinenartig süßen Beeren (aszú) tropfenweise ausgepresst und zu einem Wein von bernsteingoldener Farbe, komplexer Aromatik (Honig, Aprikose, Ingwer, gebrannte Mandel) und nahezu unsterblicher Haltbarkeit verarbeitet. Ein 5-Puttonyos-Aszú (die klassische Qualitätsstufe) kann Jahrzehnte, ja Jahrhunderte reifen — in den Kellern von Tokaj lagern Flaschen aus dem 18. Jahrhundert.

Die Keller selbst sind ein Erlebnis: Kilometerlange, in vulkanischen Tuffstein gehauene Gänge, die Wände bedeckt mit Cladosporium cellare — einem schwarzen Edelschimmel, der sich von den Alkoholdämpfen ernährt und ein einzigartiges Mikroklima schafft. Die Temperatur bleibt ganzjährig bei 10–12°C, die Luftfeuchtigkeit bei 95%. In diesen Kellern zu stehen, umgeben von Fässern und Flaschen, den Schimmel an den Wänden, den Duft von Wein und Geschichte in der Nase — das ist zeitlos.

Weinverkostung in Tokaj

Der kleine Ort Tokaj (ca. 4.000 Einwohner) am Zusammenfluss von Theiß und Bodrog ist das Zentrum der Region. In der Hauptstraße und den Seitengassen reihen sich Weinkeller aneinander. Eine Verkostung (3–6 Weine) kostet 2.000–5.000 HUF (5–13€) — für Weine, die im Export das Dreifache kosten. Unbedingt probieren: trockener Furmint (der neue Trend), Szamorodni (halbtrocken bis süß, aus ganzen Trauben, nicht selektiert) und natürlich den 5-Puttonyos Aszú.

Empfehlenswerte Weingüter: Disznókő (grandioser Keller, guter Einstieg), Oremus (Álvaro Palacios-Qualität), Royal Tokaji (der Klassiker) und Patricius (moderne Linie). Die meisten bieten Führungen mit Kellerbesichtigung und Verkostung an — vorab reservieren!

Miskolctapolca — Höhlenbad

Nur eine Autostunde westlich von Tokaj liegt Miskolctapolca mit seinem einzigartigen Höhlenbad (Barlangfürdő): Du schwimmst in natürlichen Kalksteinhöhlen, durch unterirdische Gänge und Becken, in 30°C warmem Thermalwasser. Das Licht bricht sich an den Stalaktiten, die Akustik hallt geheimnissvoll, und du treibst durch Räume, die die Natur in Millionen von Jahren geformt hat. Ein weltweit einzigartiges Erlebnis. Eintritt: ca. 4.000 HUF (10€). Das Bad hat auch ein Außenbecken und ist ganzjährig geöffnet.

Tipp

Der beste Weg, Tokaj zu erleben: Buche eine Übernachtung in einer Pension oder einem Weingut (ab 15.000 HUF / 40€ pro Nacht) und nimm dir zwei Tage. Ein Tag für die Weinkeller und Verkostungen, ein Tag für einen Ausflug zum Höhlenbad Miskolctapolca und die Burgruine von Boldogkőváralja — spektakulär auf einem Felsen thronend, mit Blick über die Weinlandschaft.

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