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Regionen · Kapitel 7

Westungarn & Thermalquellen

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Regionen · Kapitel 7

Westungarn & Thermalquellen

Westlich der Donau erstreckt sich Transdanubien — eine Region, in der sich römische Ruinen mit osmanischen Moscheen mischen, habsburgische Eleganz auf pannonische Weinberge trifft und Thermalquellen seit Jahrtausenden aus der Erde sprudeln. Pécs, Sopron und die Weinregion Villány sind die Juwelen dieses vielfältigen Landstrichs.

Pécs — Kulturhauptstadt & osmanisches Erbe

Pécs (sprich: Petsch, 145.000 Einwohner) ist die faszinierendste Stadt Ungarns außerhalb von Budapest — und das seit 2.000 Jahren. Die Römer gründeten hier Sopianae, deren frühchristliche Grabkammern zum UNESCO-Welterbe gehören. Die Osmanen hinterließen die besterhaltenen islamischen Bauwerke Ungarns. Die Habsburger gaben der Stadt barocken Glanz. Und 2010 war Pécs Europäische Kulturhauptstadt — ein Titel, der der Stadt eine Modernisierung bescherte, die man bis heute spürt.

Hauptplatz & Moschee des Pascha Gázi Kászim

Der Széchenyi tér (Hauptplatz) ist einer der schönsten Plätze Ungarns — und in seinem Zentrum steht das beeindruckendste osmanische Bauwerk des Landes: Die ehemalige Moschee des Pascha Gázi Kászim (1543–1546), heute als katholische Kirche genutzt, aber mit der originalen Kuppel und den muslimischen Gebetsnischen (Mihrab) im Inneren. Die Koexistenz von Kreuz und Halbmond in einem Gebäude ist einzigartig in Europa. Eintritt: 1.200 HUF (3€).

Frühchristliche Grabkammern (UNESCO)

Unter dem Dom von Pécs verbergen sich frühchristliche Grabkammern aus dem 4. Jahrhundert — die am besten erhaltenen ihrer Art nördlich der Alpen. Die Wandmalereien (Adam und Eva, Daniel in der Löwengrube) sind erstaunlich lebendig und farbenfroh. Seit 2000 UNESCO-Welterbe. Eintritt: 2.500 HUF (6€).

Zsolnay-Kulturviertel

Pécs ist die Heimat der Zsolnay-Manufaktur — die legendäre Keramik- und Porzellanfabrik, deren iridisierende Eosin-Glasur Dächer in ganz Ungarn schmückt (die Große Markthalle und die Matthiaskirche in Budapest!). Das ehemalige Fabrikgelände wurde zum Zsolnay-Kulturviertel umgebaut: Museum, Ateliers, Shops, Spielplätze und ein Restaurant in den historischen Fabrikhallen. Die Dauerausstellung zeigt 150 Jahre Zsolnay-Geschichte — von Gebrauchskeramik bis zu Kunstwerken von Weltrang.

Studentenstadt mit Flair

Pécs ist eine lebendige Universitätsstadt (gegründet 1367, eine der ältesten Europas) mit einer jungen, kreativen Szene. Die Gassen der Altstadt sind voller Cafés, kleiner Galerien und Weinbars. Das mediterrane Klima — Pécs ist eine der sonnigsten und wärmsten Städte Ungarns — verleiht der Stadt eine fast südländische Atmosphäre. Feigenbäume und Mandelbäume wachsen in den Gärten, und die Terrassen sind bis in den Oktober besetzt.

Tipp

Pécs lässt sich perfekt mit der Weinregion Villány kombinieren: 30 Minuten südlich liegt eines der besten Rotwein-Gebiete Ungarns. Tagsüber Pécs erkunden, abends in den Weinkellern von Villány verkosten — ein idealer Zweitagesausflug.

Sopron — Die treueste Stadt

Sopron (sprich: Schopron, 62.000 Einwohner) liegt nur 6 km von der österreichischen Grenze entfernt und trägt den Ehrentitel „Civitas Fidelissima" — die treueste Stadt. 1921, als Westungarn an Österreich fallen sollte, stimmte Sopron in einer Volksabstimmung für den Verbleib bei Ungarn. Dieser Akt der Treue wird bis heute gefeiert.

Altstadt & Feuerturm

Soprons Altstadt ist eine der besterhaltenen in ganz Ungarn — ein kompaktes Oval aus mittelalterlichen und barocken Gebäuden, umgeben von den Resten der Stadtmauer. Das Wahrzeichen ist der Feuerturm (Tűztorony) am Hauptplatz: ein 61 Meter hoher Turm, der romanische, gotische, Renaissance- und barocke Elemente vereint — ein Schichtkuchen der Architekturgeschichte. Die Aussichtsplattform bietet einen Rundblick über die Stadt und bei klarem Wetter bis nach Österreich. Eintritt: 2.000 HUF (5€).

Rund um den Hauptplatz (Fő tér) stehen prachtvolle Barock- und Renaissancebauten, darunter die Geißkirche (Kecske-templom, gotisch, 13. Jh.), die als schönste gotische Kirche Ungarns gilt. In den Kellern unter der Altstadt verbergen sich römische Ruinen — Sopron (als Scarbantia) war eine wichtige römische Siedlung am Bernsteinweg.

Paneuropäisches Picknick

Am 19. August 1989 wurde bei Sopron Geschichte geschrieben: Beim Paneuropäischen Picknick öffnete sich die Grenze zu Österreich für drei Stunden — und über 600 DDR-Bürger nutzten die Chance zur Flucht in den Westen. Dieser Moment war ein Schlüsselereignis auf dem Weg zum Fall der Berliner Mauer drei Monate später. Eine Gedenkstätte am Grenzübergang erinnert an dieses historische Ereignis.

Wein & Genuss

Sopron ist von Weinbergen umgeben — die Sopron-Weinregion ist berühmt für ihren Kékfrankos (Blaufränkisch), einen eleganten, mittelkräftigen Rotwein. Die Weinkeller im Lővér-Hügelgebiet sind weniger touristisch als Eger oder Tokaj, aber ebenso charmant. Sopron ist auch bekannt für seine Cafés und Konditoreien — der österreichische Einfluss ist unverkennbar. Tipp: Viele Österreicher kommen zum günstigen Zahnarztbesuch und zum Einkaufen — Soprons Markthalle ist ein Geheimtipp für günstige ungarische Delikatessen.

Villány — Ungarns Rotwein-Mekka

Ganz im Süden Ungarns, nahe der kroatischen Grenze, liegt die Weinregion Villány-Siklós — das beste Rotwein-Gebiet des Landes und eines der aufregendsten in ganz Mitteleuropa. Das mediterrane Mikroklima (die wärmste Region Ungarns, mehr Sonnenstunden als Bordeaux!) und die Kalksteinböden schaffen ideale Bedingungen für kräftige Rotweine, die in den letzten Jahren international Furore gemacht haben.

Die Weinstraße von Villány

Die Villányi Borút (Weinstraße) verbindet auf 15 km die Orte Villány, Villánykövesd und Palkonya — ein Band aus Weinkellern, Degustationsräumen und Restaurants. Die Kellergasse von Villánykövesd ist besonders malerisch: weiß getünchte Keller, mit Weinranken überwachsene Eingänge, Steintische unter Nussbäumen. Hier verkosten und kaufen direkt beim Winzer — eine Flasche Premium-Rotwein ab 2.000 HUF (5€), eine Verkostung mit 5 Weinen ab 3.000 HUF (8€).

Die Weine

Villány ist berühmt für:

  • Cabernet Franc — Die Paraderebsorte Villánys. Elegant, würzig, mit Noten von roter Paprika und Veilchen. Die besten Exemplare rivalisieren mit der Loire.
  • Portugieser (Kékoportó) — Leichter, fruchtiger Rotwein, perfekt als Einstieg oder zum Mittagessen. Villánys „Alltagswein".
  • Merlot & Cabernet Sauvignon — In den besten Lagen von Weltklasse-Qualität. Die Bordeaux-Blends aus Villány haben bei internationalen Wettbewerben abgeräumt.

Empfehlenswerte Weingüter: Gere Attila (der Pionier), Bock József (modern und innovativ), Tiffán (Familientradition), Sauska (architektonisch beeindruckend) und Günzer Tamás (hervorragender Cabernet Franc).

Siklós & Harkány

Nur wenige Kilometer von Villány entfernt liegen zwei weitere Perlen: Siklós mit seiner mächtigen Burg (eine der besterhaltenen mittelalterlichen Burgen Ungarns, mit Hotel und Restaurant) und Harkány mit seinem Thermalfreibad — eines der besten in Südungarn, mit schwefelhaltigem Wasser bei 62°C aus 50 m Tiefe. Die Kombination Wein, Burg und Thermalbad macht die Region zum perfekten Dreitages-Ziel.

Tipp

Villány lässt sich hervorragend als Tagesausflug von Pécs aus erkunden (30 Min. Fahrt). Noch besser: Übernachte in einem Weingut-Hotel (Sauska Lodge, Bock Hotel — ab 25.000 HUF / 65€) und genieße die Region in Ruhe. Die besten Weingüter brauchen eine Vorab-Reservierung!

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