Der Grachtengürtel
Amsterdams Grachtengürtel (Grachtengordel) ist seit 2010 UNESCO-Welterbe und eines der großartigsten Beispiele für Stadtplanung in der Geschichte. Im 17. Jahrhundert — dem Goldenen Zeitalter — wurde die Stadt systematisch um drei konzentrische Hauptgrachten erweitert:
Die drei Hauptgrachten
- Herengracht (Herrenkanal): Die vornehmste Gracht, benannt nach den „Herren" (Regenten) der Stadt. Die „Goldene Kurve" (Gouden Bocht) zwischen Leidsestraat und Vijzelstraat zeigt die prächtigsten Patrizierhäuser — hier lebte das reichste Viertel der Welt. Heute: Konsulate, Büros und einige der teuersten Immobilien Europas.
- Keizersgracht (Kaiserkanal): Die breiteste Gracht, nach Kaiser Maximilian I. benannt. Elegante Giebelhäuser, das Haus mit dem breitesten Grachtenhaus (Nr. 401) und das Museum van Loon (ein original erhaltenes Patrizierhaus aus dem 17. Jh., Eintritt: 12,50€).
- Prinsengracht (Prinzenkanal): Die äußerste und lebendigste Gracht. Hier liegen das Anne Frank Haus (Nr. 263), die Westerkerk (höchster Kirchturm Amsterdams, 85 m), Hausboote und die besten Cafés. Weniger pompös als die Herengracht, dafür atmosphärischer.
Grachtenfahrt
Eine Grachtenfahrt ist Pflicht — auch wenn es touristisch klingt. Vom Wasser aus sieht man die Giebelhäuser, die versteckten Gärten und die Brücken aus einer Perspektive, die vom Ufer aus unmöglich ist. Anbieter: Those Dam Boat Guys (kleine, persönliche Touren, ab 28€), Blue Boat Company (klassisch, ab 16€), oder ein Tretboot mieten (ab 15€/h für 2 Personen) und selbst fahren. Am schönsten: bei Sonnenuntergang, wenn die Giebelhäuser golden leuchten und die Brückenlichter angehen.
💡 Tipp
Die schiefe Giebel der Amsterdamer Grachtenhäuser sind kein Baufehler — sie wurden absichtlich nach vorne geneigt, damit man Waren per Seilzug nach oben ziehen konnte, ohne die Fassade zu beschädigen. Der Haken an der Giebelspitze (hijsbalk) ist bis heute an fast jedem Haus zu sehen.