Patagonien
Perito Moreno Gletscher & El Calafate★★★
★★★ Perito Moreno Gletscher — Das lebende Naturwunder
Der Perito Moreno ist nicht einfach ein Gletscher — er ist ein lebendes Naturwunder und eines der wenigen auf der Welt, das noch wächst. Mit einer Frontbreite von 5 Kilometern, einer Höhe von 60–70 Metern über dem Wasser (und weiteren 100 Metern darunter) ragt er wie eine gigantische eisige Wand aus dem türkisfarbenen Lago Argentino. Die Gesamtfläche des Gletschers: 250 km² — so groß wie die Stadt Buenos Aires.
Das Besondere am Perito Moreno: Er ist einer der dynamischsten Gletscher der Erde. Pro Tag schiebt sich das Eis etwa 2 Meter vorwärts. Alle paar Minuten brechen mit einem ohrenbetäubenden Donner hausgroße Eisbrocken von der 60 Meter hohen Front ab und stürzen in den See — ein Schauspiel, das man stundenlang beobachten kann und nie satt wird. Die Geräusche sind unbeschreiblich: Erst ein tiefes Grollen, dann ein Knacken wie Gewitterdonner, dann der Aufprall mit einer meterhohen Fontäne. Die Farben des Eises reichen von blendend weiß über tiefblau bis türkis — je älter und dichter das Eis, desto blauer leuchtet es.
Alle paar Jahre entsteht ein noch spektakuläreres Phänomen: Der Gletscher schiebt sich so weit vor, dass er den Lago Argentino in zwei Hälften teilt. Der Druck des gestauten Wassers steigt, bis sich ein Eistunnel bildet, der mit gewaltigem Getöse einstürzt — die „Ruptura", ein Naturspektakel, das tausende Zuschauer anzieht und international übertragen wird. Die letzte große Ruptura war 2018.
Parque Nacional Los Glaciares. Eintritt: ca. 25.000 ARS (ca. 20€, Ausländerpreis). Täglich 8:00–18:00 (Sommer), 9:00–16:00 (Winter). Von El Calafate: 80 km, ca. 1,5h per Bus (ab Busterminal, mehrmals täglich, ca. 8.000 ARS hin/zurück) oder organisierte Tour.
Erlebnisse am Perito Moreno
Die Pasarelas (Stege) — Das kostenlose Highlight
Ein System aus mehreren Kilometern Holzstegen mit verschiedenen Aussichtspunkten auf mehreren Ebenen — manche auf Augenhöhe mit der Gletscherfront, andere von oben mit Panoramablick. Im Parkeintritt enthalten. Plane mindestens 2–3 Stunden ein — aber ehrlich gesagt wirst du länger bleiben wollen. Es gibt etwas Hypnotisches daran, dem Gletscher beim „Arbeiten" zuzuschauen und auf die nächste Kalbung zu warten.
Die drei Hauptstege:
- Pasarela Superior: Überblick von oben — ideal für Panoramafotos
- Pasarela Central: Auf Augenhöhe mit der Gletscherfront — die dramatischste Perspektive
- Pasarela Inferior: Vom Wasserstand aus — hier siehst du die Kalbungen am nächsten
★★★ Mini-Trekking — Auf dem Gletscher gehen
DAS Highlight für alle, die dem Eis nahekommen wollen: Eine geführte Gletscherwanderung (ca. 1,5 Stunden auf dem Eis) mit Steigeisen. Du wanderst über das blaue Eis, durch Gletscherspalten, vorbei an Eishöhlen und über Schmelzwasserbäche. Mittlere Fitness reicht — die Guides passen das Tempo an. Das absolute Highlight: Am Ende der Wanderung wird Whisky mit Gletschereis serviert — direkt aus einer Spalte gebrochen. Das Eis ist Hunderte Jahre alt und knistert im Glas, wenn die eingeschlossenen Luftblasen entweichen.
Anbieter: Hielo y Aventura (Monopol). Ca. 100–150€ (80.000–120.000 ARS). Alter: 10–65 Jahre. Dauer gesamt: ca. 5h (inkl. Transfers, Boot, Wanderung). Schuhgröße 35–47 (Steigeisen werden gestellt). Nicht vergessen: Sonnencreme, Sonnenbrille, Wasser! RESERVIERUNG UNBEDINGT — mindestens 1 Woche vorher, in der Hochsaison 2–3 Wochen.
★★★ Big Ice — Für die Abenteuerlustigen
Die erweiterte Variante des Mini-Trekking: ca. 3,5 Stunden auf dem Eis, tiefere Erkundung des Gletschers, höhere Abschnitte, beeindruckendere Gletscherspalten und Eishöhlen. Anspruchsvoller (gute Kondition nötig, steile Passagen), aber das intensivste Erlebnis, das man mit einem Gletscher haben kann — ohne Bergsteiger zu sein.
Ca. 150–200€ (120.000–160.000 ARS). Alter: 18–50 Jahre (strikt!). Dauer gesamt: ca. 7h. Nur Nov–März, bei gutem Wetter. Noch wichtiger als beim Mini-Trekking: Früh reservieren!
★★ Safari Náutico — Per Boot zur Gletscherfront
Für alle, die keine Lust auf Steigeisen haben: Eine Bootsfahrt direkt an die Gletscherfront heran — die Perspektive von unten, mit der 60 Meter hohen Eiswand über dir, ist überwältigend. Die Kalbungen aus dieser Nähe zu erleben (die Wellen!) ist unvergesslich. Dauert ca. 1 Stunde.
Ca. 30–40€. Abfahrt am Hafen Bajo las Sombras (6 km vor den Pasarelas). Mehrere Abfahrten täglich. Gut kombinierbar mit den Stegen am selben Tag.
★★ Glaciar Upsala — Der Koloss
Der Upsala-Gletscher ist mit 50 km Länge der größte Gletscher des Nationalparks — aber nur per Bootsfahrt über den Brazo Norte des Lago Argentino erreichbar. Die Tour führt durch Kanäle mit schwimmenden Eisbergen (manche so groß wie Häuser, in unwirklichen Blautönen) zum Gletscher. Ganztagesausflug ab El Calafate, oft kombiniert mit dem Glaciar Spegazzini.
Ca. 80–120€ (Ganztag, inkl. Bus + Boot). Anbieter: Solo Patagonia. Abfahrt ca. 7:00 Uhr, Rückkehr ca. 18:00 Uhr.
Tipp
Komme FRÜH morgens zum Gletscher (8:00–9:00), wenn die Touristenbusse noch nicht da sind! Die ersten zwei Stunden gehören dir fast allein. Und: Bringe ein Fernglas mit — damit siehst du die Risse im Eis kurz bevor ein Stück abbricht. Mittags (12–14 Uhr) ist es am vollsten. Nachmittags kommen oft die besten Kalbungen, weil die Sonne das Eis erwärmt.
El Calafate — Die Basis€€
El Calafate — Die Gletscherstadt
Die Basisstadt für den Perito Moreno liegt am Südufer des riesigen Lago Argentino und hat sich vom verschlafenen Andendorf zur touristischen Drehscheibe Patagoniens entwickelt. Die Avenida del Libertador ist die Hauptachse: Hotels, Restaurants, Outdoor-Shops, Tour-Agenturen und Geldautomaten reihen sich aneinander.
Was tun in El Calafate (außer Perito Moreno)?
- Glaciarium: Modernes Eismuseum am Stadtrand — interaktive Ausstellung über Gletscher und Klimawandel. Im Keller: die Glaciobar, eine Eisbar, in der alles aus Gletschereis geschnitzt ist (Wände, Tische, Gläser). Cocktails im Eistempel! Ca. 8.000 ARS inkl. einem Drink
- Laguna Nimez: Ein kleines Naturreservat am Seeufer (10 Min. zu Fuß vom Zentrum), Heimat von Flamingos, Schwänen und über 80 Vogelarten. Perfekt für einen Morgenspaziergang. Ca. 3.000 ARS
- Estancia-Besuch: Tagesausflüge zu Gaucho-Ranches in der Umgebung — Reitausflüge, Schafscheren-Demonstration, traditionelles Asado. Die Estancia Cristina (nur per Boot über den Lago Argentino erreichbar, Ganztag, ca. 120€) ist die spektakulärste
Essen & Trinken
- La Tablita (Coronel Rosales 24): Die beste Parrilla der Stadt — riesige Portionen vom offenen Grill, patagonisches Lamm (Cordero Patagónico) als Spezialität. Ab 8.000 ARS. Reservieren!
- Casimiro Biguá (Av. del Libertador 963): Gehobener, mit exzellenter Weinkarte und patagonischen Spezialitäten (Lammragout, Wildforelle). Ab 10.000 ARS
- Viva la Pepa (Emilio Amado 833): Kleines Café mit den besten Crêpes und Kuchen der Stadt — perfekt für eine Pause
Anreise
- Flughafen El Calafate (FTE): 3h ab Buenos Aires (Aerolíneas Argentinas, FlyBondi, JetSMART). Der Flughafen liegt 22 km östlich — Shuttlebus (ca. 3.000 ARS) oder Taxi (ca. 8.000 ARS)
- Bus ab El Chaltén: 3h (mehrmals täglich, ca. 6.000 ARS). Spektakuläre Fahrt durch die patagonische Steppe mit Blick auf den Lago Viedma
- Bus ab Ushuaia: 12–14h (Nachtbus) oder Flug via Buenos Aires
Fitz Roy & El Chaltén — Die Trekking-Hauptstadt
★★★ El Chaltén — Argentiniens Trekking-Hauptstadt
Das kleine Bergdorf El Chaltén (ca. 1.600 Einwohner) am Fuße des Monte Fitz Roy ist Argentiniens jüngstes Dorf (gegründet 1985, um den Gebietsanspruch gegen Chile zu sichern!) und seine Trekking-Hauptstadt. Von hier starten einige der spektakulärsten Wanderungen Südamerikas — alle kostenlos (kein Parkeintritt im Nationalpark-Bereich um El Chaltén!) und ohne Guide möglich. Die Wege sind gut markiert, die Landschaft ist überwältigend, und die Berge sind so nah, dass du das Eis der Gletscher glitzern siehst.
El Chaltén selbst ist ein charmantes Trekkerdorf: Eine Hauptstraße mit Outdoor-Shops, Restaurants, Brauereien und Hostels, umgeben von Lenga-Wäldern und Bergpanoramen. Die Stimmung ist entspannt und gemeinschaftlich — abends sitzen Trekker aus aller Welt in den Brauereien und tauschen Trail-Geschichten aus. Es gibt kein Geldautomaten-Netz (nur einen ATM, der oft leer ist!) — bringe genug Bargeld mit!
Achtung
Das Wetter in El Chaltén ändert sich minutenschnell! Starte Trekkings nur bei gutem Wetter und drehe um, wenn Wolken aufziehen. Der Wind kann auf den exponierten Abschnitten (besonders am letzten Anstieg zur Laguna de los Tres) gefährlich werden — 80 km/h sind keine Seltenheit. Melde dich IMMER beim Ranger-Büro am Dorfeingang an — sie kennen die aktuelle Wetterlage und geben wichtige Sicherheitshinweise. Packliste: Regenjacke, Windjacke, Handschuhe, Mütze, Sonnencreme LSF 50+, mindestens 2 Liter Wasser, Snacks für 10+ Stunden.
Laguna de los Tres — Schritt für Schritt
★★★ Laguna de los Tres (Fitz Roy) — DER Klassiker
Die Wanderung zur Laguna de los Tres am Fuß des Monte Fitz Roy ist eine der berühmtesten Wanderungen Südamerikas — und die Belohnung am Ende gehört zu den spektakulärsten Aussichtspunkten der Welt. So machst du es:
| Detail | Info |
|---|---|
| Distanz | 20 km (hin und zurück) |
| Höhenmeter | 750 m Aufstieg insgesamt |
| Dauer | 8–10 Stunden |
| Schwierigkeit | Anspruchsvoll (letzter Anstieg!) |
| Start | Am Dorfrand von El Chaltén (beschildert) |
| Eintritt | Kostenlos! |
| Guide nötig? | Nein, Weg gut markiert |
Der Weg im Detail:
Phase 1: Aufstieg zum Mirador (km 0–3, ca. 1h)
Vom Dorfrand steigt der Weg steil durch Lenga-Wald an. Nach ca. 3 km erreichst du den ersten Mirador del Fitz Roy — ein Aussichtspunkt mit dem ersten freien Blick auf das Fitz-Roy-Massiv. Hier stockt vielen der Atem: Die Granitnadeln ragen scheinbar direkt vor dir auf. Pause machen, Fotos schießen, durchatmen.
Phase 2: Flaches Tal (km 3–8, ca. 1,5h)
Der Weg verläuft relativ flach durch ein weites Tal entlang des Río Blanco. Links: Lenga-Wald. Rechts: der Fitz Roy, mal hinter Wolken versteckt, mal in voller Pracht. Du überquerst Brücken über Gletscherbäche und passierst den Campamento Poincenot (kostenloses Wildcamp, die beliebteste Übernachtungsoption für Mehrtages-Trekker). Hier: Letzte Chance für Wasser und Toilette vor dem Anstieg!
Phase 3: Der brutale Anstieg (km 8–10, ca. 1–1,5h)
Jetzt wird es ernst: Der letzte Kilometer geht 400 Höhenmeter steil bergauf — über Geröll, lose Steine und exponierte Felsstufen. Der steilste Abschnitt auf der gesamten Wanderung. Viele unterschätzen ihn. Nimm dir Zeit, trinke genug, mache Pausen. Bei Regen oder Schnee kann dieser Abschnitt rutschig und gefährlich werden!
Phase 4: Die Belohnung — Laguna de los Tres
Du erreichst die Kante — und dann explodiert die Aussicht: Die Laguna de los Tres, ein Gletschersee in unwirklichem Türkisblau, liegt in einem Kessel, umrahmt von den drei Granitnadeln des Fitz Roy (Fitz Roy 3.405 m, Poincenot 3.002 m, Rafael Juárez 3.410 m). Dahinter: Der Glaciar de los Tres, der in die Lagune kalbt. Das Wasser ist so klar, dass du den Grund siehst. Die Granitnadeln spiegeln sich in der Oberfläche. Bei Sonnenaufgang leuchten sie orangerot — daher starten viele Trekker um 4:00 Uhr morgens (oder campen am Campamento Poincenot und wandern im Dunkeln hoch). Dieser Moment ist einer der schönsten, den die Natur auf diesem Planeten zu bieten hat.
Tipp
Für den Sonnenaufgang am Fitz Roy (DAS Erlebnis!): Übernachte im Campamento Poincenot (gratis, Zelt mitnehmen!) und starte um 5:00 Uhr im Dunkeln mit Stirnlampe den Aufstieg. Du bist um 6:00–6:30 oben, wenn die ersten Strahlen die Granitnadeln in Flammen setzen. Die Schönheit ist unbeschreiblich. Alternativ: Um 4:30 Uhr aus El Chaltén starten — machbar, aber hart.
Laguna Torre & weitere Trekkings
★★★ Laguna Torre
Die zweite große Wanderung ab El Chaltén — und für viele die stimmungsvollere. Der Cerro Torre (3.128 m) ist weniger hoch als der Fitz Roy, aber seine nadelförmige Spitze, die fast immer in Wolken und Eis gehüllt ist, gilt als einer der schwierigsten Kletterberge der Welt. Die Lagune an seinem Fuß ist voller schwimmender Eisberge vom Glaciar Grande.
| Detail | Info |
|---|---|
| Distanz | 18 km (hin und zurück) |
| Höhenmeter | 350 m Aufstieg |
| Dauer | 6–8 Stunden |
| Schwierigkeit | Moderat (kein brutaler Endanstieg wie bei Laguna de los Tres) |
Der Weg führt durch Lenga-Wälder und über offene Steppe mit Blick auf den Torre und den Glaciar Grande. Die Lagune selbst ist düsterer und dramatischer als die Laguna de los Tres — oft windgepeitscht, mit schwimmenden Eisbergen in milchig-türkisem Wasser. Am Mirador Maestri (kurzer Abstecher vom Hauptweg) hast du den besten Blick auf den Cerro Torre.
★★ Loma del Pliegue Tumbado — Das 360°-Panorama
Weniger besucht, aber mit dem besten Panorama aller Trekkings: Von der Loma (1.490 m) siehst du BEIDES — Fitz Roy UND Cerro Torre — plus den gesamten Viedma-See und die patagonische Steppe bis zum Horizont. Perfekt an einem klaren Tag.
18 km, 7–9h, 1.000 Hm, anspruchsvoll. Start am Dorfrand.
★★ Mirador de los Cóndores & Águilas
Die perfekte kurze Wanderung für den Ankunftstag oder einen entspannten Nachmittag: Nur 3 km, 1 Stunde, mit einem herrlichen Blick auf El Chaltén, den Lago Viedma und (mit Glück) Kondore, die über die Thermik gleiten. Start direkt am Ranger-Büro am Dorfeingang.
Mehrtages-Trekkings
Für die Ambitionierten: Die beiden großen Trekkings (Laguna de los Tres und Laguna Torre) lassen sich zu einem Huemul Circuit verbinden — ein anspruchsvoller 4-Tage-Circuit um das Fitz-Roy-Massiv mit Flussquerungen (in Brusthöhe!), Gletscherüberquerungen und absoluter Wildnis. Nur für erfahrene Trekker, Registrierung beim Ranger-Büro Pflicht, keine markierten Wege auf Teilstrecken.
Ushuaia & Feuerland — Das Ende der Welt
★★★ Ushuaia — Die südlichste Stadt der Welt
Ushuaia (54°48' Süd) liegt am Beagle-Kanal — benannt nach dem Schiff, das Charles Darwin 1833 hier durchfuhr — eingeklemmt zwischen schneebedeckten Bergen der Cordillera Darwin und dem eiskalten Wasser des Kanals. Es ist die südlichste Stadt der Welt (Puerto Williams in Chile ist kleiner und gilt offiziell als „Siedlung"), das Tor zur Antarktis (alle Antarktis-Kreuzfahrten starten hier) und ein Ort voller Symbolik und Abenteuer.
Die Stadt selbst ist kein architektonisches Juwel — eher eine Ansammlung von bunten Häusern, die sich die steilen Hänge hochziehen. Aber die Lage ist atemberaubend: Schneebedeckte Gipfel hinter der Stadt, der silbrige Beagle-Kanal davor, und abends ein Licht, das Fotografen zum Weinen bringt. Das berühmte Schild „Ushuaia — Fin del Mundo" (Ende der Welt) am Hafen ist Pflichtfoto für jeden Besucher. Im Postamt am Hafen bekommst du den legendären „Fin del Mundo"-Stempel in deinen Reisepass — das coolste Passstempel-Souvenir der Welt.
Beagle-Kanal — Bootstour mit Seelöwen und Pinguinen
★★★ Beagle-Kanal Bootstour
Die Bootstour durch den Beagle-Kanal ist Ushuaias Highlight Nr. 1 (neben dem Nationalpark). Die Fahrt führt vorbei an:
- Isla de los Lobos: Hunderte Seelöwen (Lobos Marinos) liegen auf den Felsen und brüllen — man kommt nahe genug heran, um sie zu riechen (intensiv!)
- Isla de los Pájaros: Tausende Kormorane (Magellan- und Imperial-Kormorane) auf den Klippen — ein Vogelparadies
- Leuchtturm Les Éclaireurs: Der ikonische rot-weiße Leuchtturm auf einer kleinen Felsinsel — fälschlicherweise oft als „Leuchtturm am Ende der Welt" bezeichnet (Jules Vernes Leuchtturm steht eigentlich auf der Isla de los Estados, weiter östlich). Trotzdem: Das fotogenste Bild Ushuaias
- Isla Martillo (Pinguinera): Die erweiterten Touren fahren zur Pinguinkolonie — Magellan-Pinguine (Oktober–März) und seltene Felsenpinguine. Man kann auf der Insel aussteigen und zwischen den Pinguinen spazieren!
Standardtour (2,5–3h): ca. 30.000–40.000 ARS (ca. 30–40€). Erweiterte Tour mit Pinguinera (5–6h): ca. 60.000–80.000 ARS. Mehrere Anbieter ab Hafen. Beste Zeit: Nov–März (Pinguinsaison). Warme Kleidung — auf dem Wasser ist es KALT, auch im Sommer!
Parque Nacional Tierra del Fuego
★★★ Parque Nacional Tierra del Fuego
Argentiniens südlichster Nationalpark, 12 km westlich von Ushuaia, schützt 63.000 Hektar subantarktischen Wald, Torfmoore, Seen und Küstenlinie am Beagle-Kanal. Die Landschaft ist anders als alles, was du in Patagonien gesehen hast: Moosbewachsene Lenga-Wälder, Biberdämme (eine invasive Art, die enormen Schaden anrichtet), stille Seen und die raue Küste des Beagle-Kanals.
Die besten Wanderungen:
- ★★★ Senda Costera (Küstenweg): 8 km, 3–4h. Die schönste Route — entlang der Küste des Beagle-Kanals, durch Wald und über Kieselstrände. Endpunkt: Bahía Lapataia, der absolute Endpunkt der Ruta Nacional 3 (die in Buenos Aires beginnt, 3.079 km nördlich). Hier steht das berühmte Schild: „Aquí finaliza la Ruta Nacional 3"
- ★★ Senda Hito XXIV: 10 km (hin und zurück), 3–4h. Zum Grenzstein an der chilenischen Grenze, durch dichten Wald am Lago Roca. Flach und friedlich
- ★★ Laguna Negra: Kurzer Rundweg (950 m) durch ein faszinierendes Torfmoor — eine Landschaft wie von einem anderen Planeten
- ★ Cerro Guanaco: 8 km, 4–5h, steil (950 Hm). Für Ambitionierte: 360°-Panorama über den Beagle-Kanal, den Lago Roca und die Berge Chiles
Eintritt: ca. 15.000 ARS (ca. 12€, Ausländerpreis). Täglich 8:00–20:00 (Sommer), 9:00–17:00 (Winter). Anreise: Shuttlebus ab Ushuaia-Zentrum (ca. 5.000 ARS hin/zurück) oder Taxi (ca. 8.000 ARS einfach).
Martial Gletscher, Tren del Fin del Mundo & mehr
★★ Glaciar Martial — Der Stadtgletscher
Der Glaciar Martial hängt an den Bergen direkt hinter Ushuaia — du kannst ihn vom Zentrum aus sehen! Ein Sessellift (Aerosilla, ca. 5.000 ARS hin/zurück) bringt dich auf 1.050 m Höhe, von dort wanderst du in 1–1,5h zum Gletscherrand. Der Ausblick über Ushuaia, den Beagle-Kanal und — an klaren Tagen — bis zu den Inseln Chiles ist sensationell. Im Winter: Skifahren und Rodeln!
7 km vom Zentrum (Taxi ca. 3.000 ARS). Sessellift: täglich 10:00–17:00 (Sommer).
★ Tren del Fin del Mundo — Die Eisenbahn am Ende der Welt
Die historische Schmalspurbahn fährt auf einem Teilstück der Route, die einst Strafgefangene des berüchtigten Gefängnisses von Ushuaia transportierte (1910–1947). Die 40-minütige Fahrt durch den Lenga-Wald, über Brücken und durch Schluchten ist malerisch — aber ehrlich gesagt: touristisch und teuer für das, was es ist. Für Eisenbahnfans ein Muss, für alle anderen optional.
Ca. 40.000–60.000 ARS (40–60€!) je nach Klasse (Tourist, First, Presidential). Start: Estación del Fin del Mundo (8 km westlich von Ushuaia). Die Fahrt endet im Nationalpark. Achtung: Der Parkeintritt ist NICHT im Zugticket enthalten!
★★ Museo Marítimo (Altes Gefängnis)
Das ehemalige Presidio de Ushuaia (1902–1947) — eines der härtesten Gefängnisse der Welt, am buchstäblichen Ende der Welt gelegen. Hierher wurden Argentiniens gefährlichste Verbrecher geschickt — politische Gefangene, Mörder, Anarchisten. Die Zellen sind erhalten, die Geschichten der Häftlinge an den Wänden dokumentiert. Ein Flügel ist dem Museo Marítimo gewidmet (Seefahrtsgeschichte), ein anderer der Antarktis-Exploration. Beeindruckend und bedrückend zugleich.
Gobernador Paz & Yaganes. Täglich 10:00–20:00. Ca. 8.000 ARS.
Winteraktivitäten (Juni–September)
- Cerro Castor: Das südlichste Skigebiet der Welt! 34 Pisten, 650 m Höhenunterschied, guter Schnee und — im Vergleich zu europäischen Skigebieten — keine Warteschlangen. Tagespass: ca. 30.000 ARS
- Hundeschlittenfahrten: Durch verschneite Wälder am Fuße der Berge — ein magisches Erlebnis. Ab ca. 30.000 ARS
- Langlauf & Schneeschuhwandern: Im Tal von Tierra Mayor, 20 km von Ushuaia
Ruta 40 & Península Valdés
★★★ Ruta 40 — Argentiniens legendäre Straße
Die Ruta Nacional 40 ist Argentiniens „Route 66" — und mit über 5.194 km eine der längsten Straßen der Welt. Sie verläuft von Cabo Vírgenes im äußersten Süden Patagoniens (fast an der Magellanstraße) bis La Quiaca an der bolivianischen Grenze im Norden, immer entlang der Anden. Die Ruta 40 durchquert 11 Provinzen, überwindet 27 Andenpässe, kreuzt 18 große Flüsse und verbindet die unterschiedlichsten Landschaften Argentiniens — von den Gletschern Patagoniens über die Weinberge Mendozas bis zu den bunten Bergen der Quebrada de Humahuaca.
Die besten Abschnitte für einen Roadtrip:
★★★ Patagonien-Abschnitt (El Calafate – El Chaltén – Perito Moreno [Stadt]):
Die wildeste Strecke — endlose Steppe, Guanako-Herden, kein Mensch weit und breit, Schotterpisten und ein Himmel, der nie endet. Die 220 km von El Chaltén nach Perito Moreno (die Stadt, nicht der Gletscher!) sind legendär: Stunden ohne ein einziges Fahrzeug, Tankstellen 200+ km auseinander, der Wind drückt das Auto zur Seite. Allrad empfohlen, Ersatzkanister Pflicht!
★★★ Nordwesten-Abschnitt (Cafayate – Cachi – Salta):
Die farbenprächtigste Strecke — die Quebrada de las Flechas, die Valles Calchaquíes mit ihren Regenbogenbergen, die Cuesta del Obispo (Passstraße mit 3.348 m) und die Recta Tin Tin (eine schnurgerade Strecke durch den Parque Nacional Los Cardones mit riesigen Kakteen). Asphaltiert und in 2 Tagen machbar.
★★ Weinland-Abschnitt (Mendoza – San Juan):
Bodegas, Olivenhaine und die Vorberge der Anden. Gut asphaltiert, entspannt zu fahren.
★★★ Península Valdés — Wale und Wildlife
Weiter nördlich in Patagonien (ab Puerto Madryn erreichbar) liegt die Halbinsel Valdés (UNESCO-Weltnaturerbe) — einer der besten Orte der Welt für Wildtierbeobachtung:
| Tier | Beste Zeit | Highlight |
|---|---|---|
| Südliche Glattwale | Juni–Dezember | Tausende kommen zum Kalben in die geschützten Buchten. Bootstouren ab Puerto Pirámides (ab 50€) |
| Orcas | März–April | Stürzen sich spektakulär auf den Strand, um Seelöwen zu jagen — ein weltweit einzigartiges Phänomen! Punta Norte |
| Magellan-Pinguine | September–März | Riesige Kolonie bei Punta Tombo (500.000+ Pinguine!) |
| See-Elefanten | Ganzjährig | Die größten Robben der Welt (bis 4 Tonnen!) bei Punta Delgada |
| Seelöwen | Ganzjährig | Kolonien an mehreren Stränden |
| Gürteltiere, Nandus, Maras | Ganzjährig | Auf den Schotterpisten der Halbinsel |
Puerto Madryn: Flughafen (REL), 2h ab Buenos Aires. Bus ab BA: 18h (Nachtbus). Tagesausflug Península Valdés: ca. 40–60€ (organisierte Tour). Eintritt Valdés: ca. 15€.
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