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Verstehen · Kapitel 8

Geschichte & Identität

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VerstehenKapitel 8: Geschichte & Identität
Verstehen · Kapitel 8

Geschichte & Identität

Budapests Geschichte ist eine Achterbahnfahrt: von der magyarischen Landnahme über die osmanische Besatzung, die habsburgische Glanzzeit und die Tragödie des 20. Jahrhunderts bis zur pulsierenden Gegenwart. Eine Stadt, die immer wieder zerstört und immer wieder aufgebaut wurde.

Von den Römern bis zu den Osmanen

Die Geschichte Budapests beginnt mit den Römern: Aquincum, die Hauptstadt der Provinz Pannonien, lag im heutigen Óbuda (Alt-Buda). Ruinen des Amphitheaters und der Zivilstadt sind bis heute sichtbar. Nach dem Fall Roms kamen Hunnen, Awaren und Slawen.

Die Magyaren (896)

Im Jahr 896 führte Fürst Árpád die sieben magyarischen Stämme aus der eurasischen Steppe in das Karpatenbecken — die Landnahme (Honfoglalás), das Gründungsereignis des ungarischen Staates. Die Zahl 896 ist allgegenwärtig: Das Parlament ist 96 Meter hoch, die Andrássy-Straße hat die Hausnummer 896. Im Jahr 1000 wurde Stephan I. zum ersten christlichen König gekrönt — die Heilige Stephanskrone, Ungarns heiligstes Relikt, steht heute im Parlament.

Tatarensturm und Blütezeit

1241 verwüstete der Tatarensturm Ungarn. Danach baute König Béla IV. die Budaer Burg als Festung — der Beginn Budas als königliche Residenz. Im 15. Jahrhundert, unter König Matthias Corvinus, erlebte Budapest eine Renaissance-Blüte: Der König war ein Humanist, der eine berühmte Bibliothek (Bibliotheca Corviniana) aufbaute und den Visegráder Palast zu einem der prächtigsten Europas machte.

Osmanische Besatzung (1541–1686)

150 Jahre lang stand Budapest unter osmanischer Herrschaft. Die Türken bauten Moscheen (die meisten sind verschwunden) und — als bleibendes Erbe — die Thermalbäder: Rudas, Király und Veli Bej stammen aus dieser Zeit. Die Rückeroberung Budas 1686 durch die Habsburger war blutig — die Stadt lag in Trümmern.

Habsburger Glanzzeit & das moderne Budapest

Die Doppelmonarchie (1867–1918)

Der Ausgleich von 1867 machte Ungarn zum gleichberechtigten Partner in der Österreichisch-Ungarischen Doppelmonarchie. Budapest erlebte einen beispiellosen Bauboom: Das Parlament, die Oper, die Andrássy-Straße, die Kettenbrücke, die Große Markthalle, die Millenniums-U-Bahn (die erste auf dem Kontinent!) — alles entstand in wenigen Jahrzehnten. Budapest wurde zur Weltstadt, gleichrangig mit Wien, und die Bevölkerung explodierte von 270.000 (1867) auf über 1 Million (1910).

Die Krönung von Franz Joseph und Elisabeth (Sisi) 1867 in der Matthiaskirche markierte den Beginn dieser goldenen Ära. Sisi, die Ungarn liebte und Ungarisch sprach, ist in Budapest bis heute populärer als in Wien — ihr Name schmückt eine Brücke, einen Aussichtspunkt und zahllose Cafés.

Die Tragödien des 20. Jahrhunderts

Nach dem Ersten Weltkrieg verlor Ungarn durch den Vertrag von Trianon (1920) zwei Drittel seines Territoriums und ein Drittel seiner Bevölkerung — ein nationales Trauma, das bis heute nachwirkt.

Im Zweiten Weltkrieg war Budapest Schauplatz einer der schlimmsten Belagerungen des Krieges (Dezember 1944 – Februar 1945): 38.000 Zivilisten starben, alle Donaubrücken wurden zerstört, das Burgviertel lag in Trümmern. Davor: die Deportation von über 400.000 ungarischen Juden 1944, die Ermordungen an der Donau durch die Pfeilkreuzler und die heldenhaften Rettungsaktionen von Raoul Wallenberg und anderen Diplomaten.

Kommunismus und Revolution (1945–1989)

Nach 1945 wurde Ungarn zum sowjetischen Satellitenstaat. Am 23. Oktober 1956 brach die Ungarische Revolution aus: Studenten und Arbeiter forderten Demokratie und den Abzug der Sowjets. Zwei Wochen lang war Budapest frei — dann rollten sowjetische Panzer ein und schlugen den Aufstand blutig nieder (2.500 Tote, 200.000 Flüchtlinge). Die Einschusslöcher an der Technischen Universität und am Corvin-Kino sind bis heute sichtbar.

Die Wende und die Gegenwart

1989: Der Eiserne Vorhang fiel, auch dank Ungarns Entscheidung, die Grenze zu Österreich zu öffnen und DDR-Flüchtlinge ausreisen zu lassen. Seit 2010 regiert Viktor Orbán mit seiner Fidesz-Partei — was in der EU und auch in Budapest selbst kontrovers diskutiert wird. Budapest ist eine liberale, kosmopolitische Insel in einem zunehmend konservativen Land — die Spannungen zwischen Hauptstadt und Regierung sind spürbar.

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