Westgeorgien & Schwarzmeerküste
Kutaisi
★★★ Kutaisi — Georgiens zweite Stadt
Kutaisi (ca. 150.000 Einwohner) ist Georgiens zweitgrößte Stadt und die Hauptstadt der Region Imeretien. Sie gilt als eine der ältesten durchgehend bewohnten Städte Europas — bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. war Kutaisi das Zentrum des Königreichs Kolchis, jenem mythischen Land, in das die griechischen Argonauten segelten, um das Goldene Vlies zu rauben.
Heute ist Kutaisi ein angenehmes, überschaubares Städtchen am Fluss Rioni mit einem charmanten Markt, einer lebhaften Altstadt und zwei der wichtigsten sakralen Bauwerke Georgiens direkt vor den Toren.
★★★ Gelati-Kloster (UNESCO-Welterbe)
Das Kloster Gelati (1106 gegründet von König David IV. dem Erbauer) ist Georgiens bedeutendstes Kulturdenkmal und UNESCO-Weltkulturerbe. Es war nicht nur ein Kloster, sondern eine Akademie — eines der ersten Zentren höherer Bildung in Europa, vergleichbar mit den Universitäten von Bologna und Paris.
Die Hauptkirche (Jungfrau-Maria-Kathedrale) beherbergt ein gewaltiges Mosaik der Jungfrau Maria in der Apsis — eines der bedeutendsten byzantinischen Mosaike außerhalb Konstantinopels. Die Fresken (12.–17. Jh.) bedecken jede Wand und Decke. König David IV. liegt am Eingang begraben — er wollte, dass jeder, der das Kloster betritt, über sein Grab schreitet.
11 km nordöstlich von Kutaisi. Marshrutka (1 GEL) oder Taxi (10 GEL). Kostenlos. Angemessene Kleidung!
★★ Bagrati-Kathedrale
Die Bagrati-Kathedrale (11. Jh.) thront auf einem Hügel über Kutaisi und bietet einen herrlichen Blick über die Stadt und das Rioni-Tal. Sie wurde 1691 von den Osmanen zerstört und 2012 kontrovers wiederaufgebaut — was dazu führte, dass die UNESCO den Welterbestatus entzog. Trotzdem: Das Gebäude ist beeindruckend und der Panoramablick von der Terrasse großartig.
★★ Kutaisi-Markt (Green Bazaar)
Der Green Bazaar von Kutaisi ist einer der besten Märkte Georgiens. Berge von Churchkhela, Gewürzen, Tschurtschchela, Käse, Obst und eingelegtem Gemüse. Hier kaufen die Einheimischen ein — die Atmosphäre ist authentisch und die Preise unschlagbar. Probieren ist ausdrücklich erwünscht!
Prometheus-Höhle & Naturwunder
★★★ Prometheus-Höhle (Kumistavi Cave)
Die Prometheus-Höhle ist eine der spektakulärsten Tropfsteinhöhlen Europas. Auf einer Länge von 1,4 km (von insgesamt 11 km erforschter Höhle) führt ein gut ausgebauter Weg durch gewaltige Hallen mit Stalaktiten, Stalagmiten, versteinerten Wasserfällen und unterirdischen Seen — stimmungsvoll beleuchtet und mit klassischer Musik beschallt.
Das Highlight: Am Ende der Tour eine Bootsfahrt auf dem unterirdischen Fluss durch einen Kanal, dessen Decke nur Zentimeter über dem Wasser hängt. Ein magisches Erlebnis.
40 km nordwestlich von Kutaisi, bei Kumistavi. 23 GEL (Höhle), +17 GEL (Bootsfahrt — unbedingt dazubuchen!). Täglich 10:00–17:30. Taxi ab Kutaisi ca. 25 GEL (one way). Temperatur in der Höhle: konstant 14°C — Jacke mitnehmen!
★★ Martvili-Canyon
Der Martvili-Canyon ist eine smaragdgrüne Schlucht, durch die sich der Fluss Abasha gegraben hat. Eine kurze Bootsfahrt (20 Min.) führt durch den engen Canyon mit überhängenden Kalksteinwänden, Moosbewachsung und kristallklarem Wasser. Danach ein Spaziergang entlang des oberen Canyons mit kleinen Wasserfällen.
50 km nordwestlich von Kutaisi. 17 GEL (inkl. Bootsfahrt). Im Sommer oft voll — früh morgens kommen!
★★ Okatse-Canyon
Ein schwindelerregender Metallsteg (780 m lang) führt in 50 m Höhe entlang der Schlucht des Okatse-Canyons. Am Ende: ein gläserner Aussichtspunkt, der über den Abgrund ragt. Nichts für Höhenängstliche, aber das Panorama ist sensationell.
45 km westlich von Kutaisi, nahe Gordi. 17 GEL. Tipp: Okatse und Martvili an einem Tag kombinieren.
★★ Sataplia-Naturreservat
Nahe Kutaisi gelegen, bietet Sataplia eine Dinosaurier-Fußspur (echte versteinerte Spuren!) und eine kleine, aber hübsche Tropfsteinhöhle. Dazu einen gläsernen Skywalk über dem Sataplia-Berg mit Panoramablick. Perfekt für Familien.
10 km nordwestlich von Kutaisi. 17 GEL. Taxi 10 GEL.
Tipp
Plane einen vollen Tag für die Naturwunder um Kutaisi ein: Prometheus-Höhle am Vormittag, Martvili- oder Okatse-Canyon am Nachmittag. Am besten mit Taxi oder Mietwagen, da die öffentliche Anbindung schwierig ist. Ein Taxi für den ganzen Tag kostet ca. 80–100 GEL (25–30€).
Batumi
★★★ Batumi — Georgiens Schwarzmeerperle
Batumi (ca. 180.000 Einwohner) ist Georgiens drittgrößte Stadt und der wichtigste Badeort des Landes — eine faszinierende Mischung aus Belle-Époque-Charme und futuristischer Architektur. Die Stadt hat sich in den letzten 15 Jahren von einem verschlafenen Hafenstädtchen zu einer der aufregendsten Städte am Schwarzen Meer entwickelt.
Die Highlights
- Boulevard (Primorski): Die 7 km lange Uferpromenade ist Batumis Herzstück — Palmen, Skulpturen, Cafés, Fahrradwege und die berühmte Skulptur Ali und Nino (zwei sich bewegende Metallfiguren, die sich abwechselnd vereinen und trennen — ein Symbol für Liebe und Verständigung zwischen Ost und West). Abends bei Sonnenuntergang: magisch.
- Altstadt: Die Straßen rund um den Europa-Platz (Piazza) sind ein charmantes Gewirr aus Backsteinhäusern mit Jugendstil-Fassaden, Boutiquen und Weinbars. Auf dem Europa-Platz steht ein Astronomieuhrturm und die Medea-Statue mit dem Goldenen Vlies.
- Alphabet Tower: Ein 130 m hoher Turm in Form der DNA-Helix, bestückt mit den 33 Buchstaben des georgischen Alphabets. Oben: eine drehbare Aussichtsplattform und ein Restaurant.
- Strand: Batumis Strand ist ein Kiesstrand (kein Sand!), der sich 6 km entlang der Küste zieht. Das Schwarze Meer ist im Sommer angenehm warm (24–26°C). Liegestühle und Strandbars überall.
- Botanischer Garten: 9 km nördlich von Batumi liegt einer der größten botanischen Gärten Europas (113 Hektar) auf einem Hügel über dem Meer. Subtropische Pflanzen aus aller Welt, spektakuläre Ausblicke. 15 GEL. Mindestens 2 Stunden einplanen.
Batumi als Nachtleben-Destination
Batumi hat sich zu einem der lebhaftesten Nachtleben-Spots im Kaukasus entwickelt. Im Sommer (Juni–September) pulsiert die Stadt: Rooftop-Bars, Beach-Clubs, Kasinos (Batumi ist die Kasino-Hauptstadt Georgiens — Spielen ist für Ausländer erlaubt) und Musik-Events. Die Strandpromenade wird zur Party-Meile.
Anfahrt
- Zug ab Tiflis: 5h, ab 25 GEL. Komfortabel und landschaftlich schön. Nachtzug mit Schlafwagen verfügbar.
- Marshrutka ab Tiflis: 5–6h, 25 GEL. Ab Didube-Busbahnhof.
- Flug: Turkish Airlines und Wizz Air fliegen Batumi an. Im Sommer Saisonverbindungen.
- Auto: Autobahn Tiflis–Kutaisi (3h), dann Landstraße Kutaisi–Batumi (2,5h).
Tipp
Batumi ist am besten Juni–September: warmes Meer, pulsierendes Nachtleben, lange Abende am Boulevard. Im Winter ist die Stadt ruhiger und regnerischer — aber günstiger und charmant. Plane 2–3 Nächte ein. Der Kiesstrand braucht Badeschuhe (Aquaschuhe mitbringen!).
Kolchis-Feuchtgebiete (UNESCO)
★★ Kolchis-Regenwälder und Feuchtgebiete (UNESCO-Weltnaturerbe)
Die Kolchis-Regenwälder und Feuchtgebiete wurden 2021 als UNESCO-Weltnaturerbe anerkannt und umfassen mehrere Schutzgebiete entlang der westgeorgischen Schwarzmeerküste. Sie bewahren einzigartige Feuchtgebiets-Ökosysteme, die seit dem Tertiär (vor 2–5 Millionen Jahren) nahezu unverändert überlebt haben — Relikt-Wälder mit Pflanzenarten, die in den Eiszeiten nur hier überlebten.
Was zu sehen ist
- Kolkheti-Nationalpark (bei Poti): Feuchtgebiete, Torfmoore und Auenwälder an der Mündung des Rioni. Bootsfahrten durch die Kanäle, Vogelbeobachtung (über 200 Arten, darunter seltene Wasservögel). Das Besucherzentrum organisiert geführte Touren.
- Mtirala-Nationalpark (bei Batumi): Subtropischer Regenwald — ja, Regenwald in Europa! Mtirala bedeutet „der Weinende" — es regnet hier bis zu 4.520 mm pro Jahr (einer der regenreichsten Orte Europas). Wanderwege durch moosbedeckte Wälder mit Lianen und Farnen.
- Sataplia-Naturreservat (bei Kutaisi): Kolchis-Wald mit Dinosaurierspuren und einer Tropfsteinhöhle.
Warum es sich lohnt
Die Kolchis-Feuchtgebiete sind kein klassisches Touristen-Highlight — aber für Naturliebhaber faszinierend. Diese Wälder existierten schon, als Mammuts durch Europa streiften. Einige Baumarten (Kolchischer Buchsbaum, Pontische Eiche) gibt es sonst nirgendwo auf der Welt. Es ist buchstäblich ein Blick in die Urzeit Europas.
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