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Regionen · Kapitel 5

Zentralkreta — Heraklion, Knossos & Weinland

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Regionen · Kapitel 5

Zentralkreta — Heraklion, Knossos & Weinland

Zentralkreta ist das geschichtliche und kulturelle Herz der Insel — hier lag das Zentrum der minoischen Hochkultur, hier steht das bedeutendste archäologische Museum Griechenlands, und hier wächst einiger der besten Wein der Ägäis. Von der lebendigen Hauptstadt Heraklion bis zum Hippie-Strand von Matala.

Heraklion — Kretas pulsierende Hauptstadt

Heraklion (Ηράκλειο, auch Iraklio) ist mit 175.000 Einwohnern die größte Stadt Kretas und die viertgrößte Griechenlands. Auf den ersten Blick wirkt sie chaotisch und urban — doch wer genauer hinsieht, entdeckt eine faszinierende Stadt mit venezianischen Festungsmauern, lebendigen Märkten und einem der bedeutendsten Museen Europas.

Die venezianische Festung Koules (Rocca a Mare) bewacht seit 1540 den Hafen und ist Heraklions Wahrzeichen. Die mächtigen Stadtmauern, ebenfalls venezianisch, sind bis zu 40 Meter dick und umschließen die gesamte Altstadt — sie zählen zu den besterhaltenen Befestigungsanlagen des Mittelmeerraums. Auf ihnen kann man heute spazieren gehen und die Stadt von oben überblicken.

Das Archäologische Museum Heraklion ist das wichtigste Museum Kretas und eines der bedeutendsten der Welt für die Bronzezeit. Hier sind die Schätze der minoischen Zivilisation versammelt: der berühmte Diskos von Phaistos (mit seiner bis heute nicht entschlüsselten Schrift), die Schlangengöttin, das Stierspringer-Fresko aus Knossos, goldener Schmuck, filigrane Keramik und die erstaunlich modernen Fresken, die vor 3.500 Jahren gemalt wurden. Plane mindestens 2 Stunden ein — das Museum wurde 2014 komplett renoviert und ist hervorragend gestaltet. Eintritt: 12€ (Kombi-Ticket mit Knossos: 20€).

Die Marktstraße 1866 (Odos 1866) ist Heraklions pulsierende Lebensader: Auf mehreren hundert Metern reihen sich Obststände, Käsehändler, Kräuterläden, Metzger und Souvenir-Shops aneinander. Hier kaufen die Heraklioten selbst ein — probiere unbedingt Graviera (kretischen Hartäse), Staka (Schmalzbutter) und Paximadi (Gerstenzwieback). Abends verwandeln sich die Seitenstraßen in eine lebhafte Restaurant-Szene.

Weitere Highlights: Der Löwenbrunnen (Morosini-Brunnen, 1628) auf dem Löwenplatz (Platia Venizelou), die Loggia (venezianisches Rathaus, heute Rathaus), die Kathedrale Agios Minas und das Historische Museum Kretas (mit dem einzigen El Greco auf Kreta: „Blick auf den Berg Sinai und das Kloster St. Katharina").

Tipp

Heraklion ist chaotischer als Chania oder Rethymno — viele Reisende übernachten lieber dort und kommen nur für das Museum und Knossos nach Heraklion. Wenn du bleibst: Das Viertel um die Odos Korai und den Agios-Titos-Platz hat die besten Restaurants und Bars.

Knossos — Palast des Minotaurus★★★

Apr–Okt: 8:00–20:00, Nov–Mär: 8:00–15:00
15€ (Kombi mit Museum: 20€)

Der Palast von Knossos (Κνωσός) ist die meistbesuchte archäologische Stätte Griechenlands nach der Akropolis — und das zu Recht. Hier, nur 5 km südlich von Heraklion, stand vor über 4.000 Jahren das Zentrum der minoischen Zivilisation, der ersten Hochkultur Europas. Ein Palast mit über 1.300 Räumen auf mehreren Stockwerken, fließendem Wasser, Kanalisation, Lagerhäusern für Hunderte von Pithos-Fässern und farbenprächtigen Fresken, die von einer lebensfreudigen, friedlichen Gesellschaft zeugen.

Die Minoer (benannt nach dem mythischen König Minos) waren ihrer Zeit Jahrtausende voraus: Sie hatten eine Schrift (Linear A und B), betrieben Fernhandel mit Ägypten und dem Nahen Osten, verehrten weibliche Gottheiten und schufen Kunst von atemberaubender Eleganz. Der Mythos des Minotaurus — halb Mensch, halb Stier, gefangen im Labyrinth unter dem Palast — hat hier seinen Ursprung. Ob das verschachtelte Palastgebäude selbst das „Labyrinth" war, wird bis heute debattiert.

Die heutige Anlage ist untrennbar mit dem britischen Archäologen Sir Arthur Evans verbunden, der Knossos ab 1900 ausgrub und teilweise rekonstruierte. Seine farbigen Betonrekonstruktionen (das berühmte rote Treppenhaus, die Freskenkopien an den Wänden) sind wissenschaftlich umstritten — aber sie helfen enorm, sich das Leben in einem minoischen Palast vorzustellen. Das Thronsaal-Zimmer mit dem alabasternen Thron (der älteste Thron Europas!), die Prozessionsfreske, das Delphin-Fresko im Megaron der Königin und die riesigen Vorratskammern mit ihren mannshohen Pithos-Gefäßen sind die Höhepunkte.

Praktisches: Eintritt: 15€ (Kombi-Ticket mit Archäologischem Museum: 20€). Öffnungszeiten: Apr–Okt 8:00–20:00, Nov–Mär 8:00–15:00. Anreise: Bus Nr. 2 ab Heraklion Busbahnhof (alle 15 Min., 1,70€), oder Taxi (10€). Plane 1,5–2 Stunden. Ein Guide (vor Ort buchbar, ca. 10€/Person in der Gruppe) ist sehr empfehlenswert — ohne Erklärungen sind die Ruinen schwer zu deuten. Wenig Schatten — Hut und Wasser mitnehmen!

Tipp

Komm zur Öffnung um 8:00 Uhr — ab 10 Uhr kommen die Kreuzfahrt-Busse aus Heraklion. Besuche zuerst Knossos, dann das Archäologische Museum: Die Originale der Fresken und Artefakte im Museum ergänzen perfekt, was du in Knossos gesehen hast.

Matala — Höhlen, Hippies & Sonnenuntergänge

Matala (Μάταλα) ist ein Stück Gegenkultur-Geschichte an der Südküste Zentralkretas. Das kleine Fischerdorf wurde in den 1960er und 70er Jahren zur Hippie-Legende: In den römischen Grabhöhlen, die in die Sandsteinklippen über dem Strand gehauen sind, lebten Aussteiger aus aller Welt — darunter angeblich auch Joni Mitchell (die hier „Carey" schrieb) und Bob Dylan. „Today is life, tomorrow never comes" steht noch an einer Höhlenwand.

Heute sind die Höhlen eingezäunt und als archäologische Stätte zugänglich (Eintritt: 3€). Sie stammen ursprünglich aus der Römerzeit (1.–2. Jh. n. Chr.) und dienten als Grabkammern — die rechteckigen Aushöhlungen in den Wänden waren Nischen für Sarkophage. Der Kontrast zwischen der antiken Geschichte und der Hippie-Ära macht den besonderen Reiz aus.

Der Strand von Matala ist eine geschützte Bucht mit feinem Sand und klarem Wasser, eingerahmt von den dramatischen Sandsteinklippen. Rechts die Höhlen, links die Klippen — der Sonnenuntergang von Matala gehört zu den schönsten Kretas. Wer über die Klippen nach links klettert (10–15 Minuten, fest trittsicheres Schuhwerk nötig), erreicht den Red Beach (Kokkinos Ammos) — einen FKK-freundlichen Strand mit rotem Sand zwischen Felskulissen. Deutlich ruhiger und wilder als der Hauptstrand.

Jedes Jahr im Juni findet das Matala Beach Festival statt — ein dreitägiges Musikfestival direkt am Strand, das an die Hippie-Ära erinnert, mit Rock, Reggae und Weltmusik. Matala ist auch ein guter Ausgangspunkt für Besuche der minoischen Ausgrabung von Phaistos (15 km nördlich) und der römischen Ruinen von Gortyn (30 km).

Weinland & Zaros — Kretas grünes Herz

Südlich von Heraklion erstreckt sich Kretas Weinregion — ein Mosaik aus Rebhängen, Olivenhainen und Bergdörfern, das zu den aufregendsten Weinlandschaften Griechenlands gehört. Die Gegend um Archanes, Peza und Dafnes produziert hervorragende Weine aus autochthonen Rebsorten, die nirgendwo sonst auf der Welt wachsen: Vidiano (ein eleganter Weißwein), Kotsifali und Mandilari (kraftvolle Rote) sowie Vilana (frischer Weißer).

Mehrere Weingüter bieten Verkostungen und Führungen an — eine der besten Möglichkeiten, die kretische Kultur abseits der Strände zu erleben:

  • Boutari Winery (Skalani) — Einer der renommiertesten Produzenten Kretas, moderne Architektur, ausgezeichnete Führungen. Verkostung ab 8€.
  • Lyrarakis (Alagni) — Familienweingut, das vergessene Rebsorten wiederbelebt hat. Probiere den Plyto und den Dafni!
  • Douloufakis (Dafnes) — Preisgekrönter Vidiano und hervorragender Kotsifali.
  • Paterianakis (Melesses) — Klein, familiär, hervorragender Bio-Wein in atemberaubender Lage.

Das Bergdorf Zaros (Ζαρός, 340 m Höhe) am Fuß des Psiloritis-Gebirges (Ida, 2.456 m — Kretas höchster Berg) ist das grüne Herz der Insel: Quellwasser (Zaros-Mineralwasser ist in ganz Griechenland bekannt), Forellenzucht, Walnussbäume und die spektakuläre Rouvas-Schlucht mit ihrem einzigartigen Steineichenwald. Von Zaros aus führen Wanderwege hinauf in die Ida-Höhle (Ideon Andron), in der laut Mythologie Zeus aufwuchs — eine der heiligsten Stätten der minoischen Religion.

Die Messara-Ebene südlich der Weinregion ist Kretas fruchtbarste Gegend: Gewächshäuser, Olivenhaine und die archäologischen Stätten Phaistos (der zweitgrößte minoische Palast, in spektakulärer Lage auf einem Hügel — weniger rekonstruiert als Knossos, dafür atmosphärischer) und Gortyn (römische Hauptstadt Kretas, mit dem berühmten Gesetzeskodex aus dem 5. Jh. v. Chr., dem ältesten bekannten europäischen Gesetzestext).

Tipp

Ein perfekter Tagesausflug ab Heraklion: Morgens Knossos, mittags Weingut-Besuch mit Verkostung und kretischem Essen in Archanes, nachmittags Phaistos und auf dem Rückweg durch die Bergdörfer fahren. Mit Mietwagen in 8 Stunden machbar.

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