Antananarivo & Hochland
Antananarivo entdecken
Antananarivo — kurz Tana — ist eine Stadt, die polarisiert. Für manche ist sie ein chaotisches Durchgangslager auf dem Weg zu den Nationalparks, für andere ein unterschätztes Juwel mit einer Geschichte, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Die Wahrheit liegt dazwischen: Tana ist laut, staubig, verstopft — und gleichzeitig voller Charme, wenn man genau hinschaut.
Die Stadt erstreckt sich über zwölf Hügel auf einer Hochebene auf 1.200–1.400 m Höhe, was für angenehm kühle Temperaturen sorgt (15–25°C). Oben thront der Rova (Königspalast, derzeit im Wiederaufbau), unten wuselt das Leben in den Straßen der Unterstadt. Dazwischen: steile Gassen, bunte Kolonialbauten, überfüllte Märkte und ein Verkehrschaos, das selbst hartgesottene Reisende zum Staunen bringt.
Plane 1–2 Tage für Tana ein — genug, um die Altstadt, den Zoma-Markt und Ambohimanga zu erkunden, bevor du in die Regionen aufbrichst.
Orientierung
Tana teilt sich in Ober- und Unterstadt:
- Haute Ville (Oberstadt): Der historische Kern auf dem höchsten Hügel mit dem Rova-Palast, dem Premierministerpalast (Andafiavaratra) und kolonialen Bauten. Hier liegen auch die besseren Restaurants und Hotels.
- Analakely (Unterstadt): Das kommerzielle Zentrum mit dem großen Zoma-Markt, Geschäften, Banken und dem Bahnhof. Laut, voll und energiegeladen.
- Isoraka & Ambatonakanga: Viertel mit guten Mittelklasse-Hotels und Restaurants, zwischen Ober- und Unterstadt gelegen.
- Ivandry & Ankorondrano: Modernere Viertel im Osten mit Einkaufszentren, internationalen Hotels und dem Flughafen-Zugang.
- Flughafen Ivato: 15 km nördlich der Stadt. Transfer: 30–60 Min. (je nach Verkehr), Taxi 15–25€.
Sehenswürdigkeiten in Tana
Rova von Antananarivo (Königspalast)
Der Rova thront auf dem höchsten Hügel der Stadt und war Jahrhunderte lang Sitz der Merina-Könige und -Königinnen. Der Komplex wurde 1995 durch ein verheerendes Feuer zerstört und befindet sich seitdem im Wiederaufbau. Die Außenanlage kann besichtigt werden und bietet einen spektakulären 360-Grad-Blick über die Stadt und die Reisfelder des Umlands. Die Geschichte des Rova — von Königin Ranavalona I. bis zur französischen Kolonisierung — ist fesselnd.
Ambohimanga — UNESCO-Welterbe
Der Königshügel von Ambohimanga, 21 km nördlich von Tana, ist die wichtigste historische Stätte Madagaskars und seit 2001 UNESCO-Welterbe. Hier residierte König Andrianampoinimerina (1787–1810), der Madagaskar vereinte. Die Holzpaläste, die Befestigungsanlagen und der heilige Wald sind bemerkenswert gut erhalten. Für viele Madagassen ist Ambohimanga noch heute ein Pilgerort — bitte zeige Respekt und befolge die Fady (Tabus). Eintritt: ca. 5€, Guide empfohlen.
Andafiavaratra-Palast
Der ehemalige Premierministerpalast in der Haute Ville beherbergt ein Museum mit Artefakten der Merina-Monarchie: Thronsessel, königliche Gewänder, historische Fotografien. Der rosafarbene Bau selbst ist ein architektonisches Highlight. Eintritt: ca. 3€.
Zoma-Markt & Analakely
Der Zoma war einst der größte Freiluftmarkt der Welt — heute ist er kleiner, aber immer noch überwältigend. Gewürze, Vanille, Raffia-Körbe, Holzschnitzereien, Halbedelsteine und alles, was Madagaskar produziert, findest du hier. Freitag ist der größte Markttag. Achtung: Taschendiebe sind aktiv — Wertsachen sicher verstauen.
Lac Anosy & Jardin Botanique
Der Lac Anosy im Süden der Stadt ist ein künstlicher See mit einer Gedenksäule für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. In der Mitte nisten Kuhreiher und manchmal sind Schildkröten zu sehen. Der nahe Parc de Tsimbazaza (Zoo und Botanischer Garten) zeigt endemische Tiere wie Lemuren, Fossas und Krokodile — in einfachen Verhältnissen, aber lehrreich.
Tipp
Besuche Ambohimanga morgens früh, bevor die Touristenbusse kommen. Die heilige Stätte hat dann eine meditative Ruhe, die am Nachmittag verloren geht. Kombiniere den Besuch mit einer Fahrt durch die Reisfelder nördlich von Tana.
Das Hochland: Antsirabe & Ambositra
Das zentrale Hochland südlich von Tana ist die landschaftlich spektakulärste Strecke auf der Route Nationale 7 — und ein eigenständiges Reiseziel, das viele Besucher zu schnell durchfahren.
Antsirabe — Die Stadt des guten Wassers
Antsirabe (175 km südlich von Tana, 3–4h) liegt auf 1.500 m Höhe und war in der Kolonialzeit ein Thermalkurort. Die Stadt hat einen charmanten kolonialen Kern mit breiten Boulevards, Pousse-Pousse (Rikschas) und dem alten Thermalbad Hôtel des Thermes (renoviert, besichtigbar). Antsirabe ist das Handwerkszentrum Madagaskars:
- Edelsteinschleiferein: Madagaskar ist reich an Saphiren, Turmalinen und Amethysten. In Antsirabe kannst du Werkstätten besuchen und direkt einkaufen.
- Miniaturmodell-Werkstätten: Aus Recycling-Materialien (Blechdosen, Fahrradteile) werden erstaunlich detaillierte Modelle von Autos, Flugzeugen und Schiffen gefertigt.
- Zebu-Hornschnitzereien: Kämme, Schmuck und Figuren aus den Hörnern der madagassischen Zebu-Rinder.
Rund um Antsirabe: Der Lac Tritriva (30 km), ein Kratersee in einem erloschenen Vulkan, umgeben von einer tragischen Liebeslegende. Der Lac Andraikiba bietet Picknick-Möglichkeiten am Ufer.
Ambositra — Hauptstadt der Holzschnitzkunst
Ambositra (90 km südlich von Antsirabe) ist das Zentrum der Zafimaniry-Holzschnitzkunst — seit 2003 immaterielles UNESCO-Kulturerbe. Die Zafimaniry leben in den Bergen östlich der Stadt und verzieren ihre Holzhäuser und Alltagsgegenstände mit geometrischen Mustern, die Generationen überdauern. In Ambositra reihen sich Schnitzwerkstätten und Souvenirläden aneinander.
Die Reisterrassen zwischen Antsirabe und Ambositra gehören zu den schönsten Landschaften Madagaskars: smaragdgrüne Stufen, die sich an die Hügel schmiegen, durchsetzt von Eukalyptus und roten Laterit-Pfaden. Im Morgenlicht ist die Szenerie atemberaubend.
Essen & Praktisches in Tana
Essen in Antananarivo
Tana hat die beste Restaurantszene Madagaskars — von der Garküche um die Ecke bis zum französisch inspirierten Gourmet-Tempel. Die Dichte an guten Restaurants, besonders in der Haute Ville, ist bemerkenswert:
- La Varangue: Gehobenes Restaurant in einem kolonialen Stadthaus in der Oberstadt. Französisch-madagassische Fusionsküche, stilvolles Ambiente, Hauptgerichte 10–25€. Reservierung empfohlen.
- Restaurant Sakamanga: Institution in Tana — im gleichnamigen Hotel gelegen. Zebu-Steak, Meeresfrüchte, lokale Klassiker. 5–15€ pro Gericht. Live-Musik am Wochenende.
- Hotely (Garküchen): Überall in der Unterstadt. Reis (vary) mit Rindfleisch (hen'omby), Huhn (akoho) oder Bohnen (tsaramaso), dazu Brühe (ro). Ein vollständiges Essen für 1–2€.
- Pâtisserien: Das französische Erbe lebt in den Bäckereien weiter. Croissants, Pain au chocolat und Baguette sind in Tana überraschend gut und kosten 0,20–0,50€.
Sicherheit in Tana
Tana ist bei Tag grundsätzlich sicher, wenn du normale Vorsicht walten lässt: Wertsachen nicht offen tragen, Rucksack vorne tragen, auf Taschendiebe achten (besonders am Zoma-Markt und in Menschenmengen). Nachts solltest du nicht zu Fuß gehen — nimm immer ein Taxi. Die Unterstadt (Analakely) ist nach Einbruch der Dunkelheit menschenleer und unsicher. Die Haute Ville und die Hotels in Isoraka sind sicherer.
Transport in Tana
Die Stadt hat kein funktionierendes ÖPNV-System. Fortbewegung per Taxi (innerhalb der Stadt 1–4€, immer vorher Preis verhandeln!) oder zu Fuß (in der Oberstadt gut möglich). Vom Flughafen Ivato: Taxi 15–25€, Transfer über das Hotel vorbuchen ist am stressfreiesten.
Achtung
Gehe in Tana NIEMALS nachts zu Fuß — auch nicht kurze Strecken. Nimm immer ein Taxi. Bewaffnete Überfälle auf Fußgänger nach Einbruch der Dunkelheit sind keine Seltenheit, besonders in der Unterstadt.
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