Südschweden · Abschnitt 1/5

Malmö & Skåne

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Malmö & Skåne

Malmö ist Schwedens drittgrößte Stadt (ca. 350.000 Einwohner) und das Tor nach Skandinavien. Die Öresundbrücke verbindet sie mit Kopenhagen — viele Malmöer pendeln täglich nach Dänemark und umgekehrt. Die Stadt ist jung, multikulturell und überraschend kosmopolitisch: Über 180 Nationalitäten leben hier, was sich in einer fantastischen Restaurantszene niederschlägt — von syrischen Falafel-Buden über äthiopische Injera bis zu den besten Sushi-Restaurants Skandinaviens.

Malmö hat sich in den letzten 20 Jahren von einer krisengebeutelten Industriestadt (der Kockums-Werftuntergang in den 1980ern traf die Stadt hart) zu einem Symbol urbaner Erneuerung gewandelt. Die Mischung aus alter Architektur (Lilla Torg, Malmöhus), innovativem Städtebau (Västra Hamnen) und einer lebendigen Kulturszene macht Malmö zu einem der spannendsten Städtetrips Skandinaviens — und oft übersehen zugunsten von Stockholm und Kopenhagen.

Turning Torso & Västra Hamnen

Västra Hamnen / Turning Torso, 211 15 Malmö
Turning Torso: Wohngebäude, nicht öffentlich zugänglich (nur Außenbesichtigung). Ribersborgs Kallbadhus: Mo–Fr 8:30–20:00, Sa–So 8:30–18:00.
Kallbadhus: 80 SEK (7 €). Västra Hamnen: frei zugänglich.

Das Turning Torso (2005) ist Malmös Wahrzeichen und ein architektonisches Meisterwerk: Ein 190 Meter hoher, sich 90 Grad um die eigene Achse drehender Wolkenkratzer, entworfen von dem spanischen Architekten Santiago Calatrava — inspiriert von einer verdrehten Skulptur. Es war bei Fertigstellung das höchste Wohngebäude Europas (inzwischen überholt, aber architektonisch unübertroffen). Der Turm besteht aus neun fünfeckigen Segmenten, die sich spiralförmig übereinander schichten — je nach Standort sieht er komplett anders aus. Die beste Fotoposition ist vom Sundspromenaden am Meer, mit der Öresundbrücke im Hintergrund.

Das umgebende Viertel Västra Hamnen (Westhafen) ist ein Modellprojekt für nachhaltiges Bauen, das weltweit studiert wird: Das ehemalige Werftgelände wurde ab 2001 zum CO2-neutralen Stadtteil umgebaut — betrieben mit 100% erneuerbaren Energien (Wind, Solar, Geothermie), begrünten Dächern, integrierten Grünflächen und direktem Zugang zum Meer. Die Architektur ist experimentell: jedes Haus anders, von verschiedenen internationalen Architekten entworfen.

Im Sommer baden die Malmöer am Ribersborgs Kallbadhus — einem historischen Freiluft-Badhaus aus dem Jahr 1898, das auf Stelzen im Meer steht. Getrennte Bereiche für Frauen und Männer (Nacktbaden!), dazu eine Bastuflotte (Saunafloß) und ein Café. Eintritt: 80 SEK (7 €). Ganzjährig geöffnet — die Hartgesottenen baden auch bei Minusgraden im Öresund.

Altstadt & Lilla Torg

Malmös historisches Zentrum rund um den Stortorget (Großer Platz) und den Lilla Torg (Kleiner Platz) ist charmant und kompakt. Das Rathaus (Rådhuset) aus dem 16. Jahrhundert dominiert den Stortorget mit seiner niederländisch-renaissancistischen Fassade — im Keller befindet sich das atmosphärische Rådhuskällaren, eines der ältesten Restaurants Schwedens. Der Lilla Torg mit seinen bunten Fachwerkhäusern aus dem 16.–18. Jahrhundert ist Malmös gemütlichster Platz — voller Restaurants und Cafés, besonders schön im Sommer unter freiem Himmel, wenn die Terrassen bis spätabends gefüllt sind.

★★ Malmöhus

Skandinaviens älteste erhaltene Renaissanceburg (erbaut 1434, umgebaut im 16. Jh.) beherbergt gleich mehrere Museen: ein Kunstmuseum (schwedische Malerei vom 16. Jh. bis heute), ein Naturkundemuseum (mit einem begehbaren Aquarium und einem lebensgroßen Walknochen-Skelett), ein Stadtmuseum (Malmös Geschichte von der Hanse bis heute) und wechselnde Ausstellungen. Die Burg selbst — umgeben von einem Wassergraben und einem Park (Kungsparken) — ist architektonisch beeindruckend. Hier wurde 1568 der dänisch-schwedische König Erik XIV. gefangengehalten.

Eintritt: 40 SEK (3,50 €). Täglich 10:00–17:00.

★★ Moderna Museet Malmö

Ableger des Stockholmer Moderna Museet in einer ehemaligen Turbinenhalle — der orangefarbene Anbau aus perforiertem Stahl ist selbst ein Kunstwerk. Wechselausstellungen zeitgenössischer und moderner Kunst von Weltrang. Eintritt frei!

★ Folkets Park

Schwedens ältester Volkspark (seit 1891) — ein grüner Treffpunkt mitten in der Stadt mit Spielplätzen, Minigolf, einem kleinen Tierpark, Streetfood-Ständen und im Sommer Open-Air-Veranstaltungen. Hier treffen sich Familien und Jugendliche aller Kulturen — Malmös multikulturelle Seele in einem Park.

Essen in Malmö

Malmös Restaurantszene ist dank der 180 Nationalitäten in der Stadt eine der vielfältigsten Skandinaviens:

  • Bastard · Mäster Johansgatan 11 — New Nordic Cuisine trifft Streetfood. Sharing-Konzept, saisonale Karte, Naturweine. Hauptgericht: 195–295 SEK. Das beste Restaurant der Stadt für moderne Küche.
  • Saltimporten Canteen · Grimsbygatan 24, Västra Hamnen — Mittagslunch-Institution im Hafenviertel. Frische, kreative Küche für 135 SEK inkl. Salat, Brot und Kaffee. Nur Mo–Fr.
  • Falafel No. 1 · Bergsgatan 28 — Malmö hat den besten Falafel Schwedens (manche sagen: Europas). Falafelrulle für 60–80 SEK. Die Bergsgatan ist Malmös „Falafel-Meile".
  • Vollmers · Tegelgårdsgatan 5 — 2 Michelin-Sterne. Skånes Fine-Dining-Spitze: saisonale, lokale Zutaten in 8–10 Gängen. Menü ab 1.795 SEK. Reservierung Wochen vorher.
  • Far i Hatten · Folkets Park — Restaurant im Volkspark mit Außenterrasse und schwedisch-internationaler Karte. Familien- und kinderfreundlich.

💡 Tipp

Die Malmö Card (1 Tag 250 SEK, 2 Tage 350 SEK) bietet kostenlosen Eintritt in Museen, freien Nahverkehr und Rabatte in Restaurants und Geschäften. Für 1–2 Tage in Malmö lohnt sie sich fast immer. Tipp: Kombiniere Malmö mit einem Tagesausflug nach Kopenhagen (35 Min. per Zug, 130 SEK) — zwei Hauptstädte, ein Trip!

Skåne — Schwedens Süden

Ales Stenar, Kåseberga, 271 37 Ystad

Die Provinz Skåne ist Schwedens südlichste Region und fühlt sich manchmal eher dänisch als schwedisch an — die sanft hügelige Agrarlandschaft, die Buchenwälder, die Sandstrände und die Backsteinkirchen erinnern an Dänemark und Norddeutschland. Bis 1658 gehörte Skåne tatsächlich zu Dänemark — und manche Skåningar haben die Trennung bis heute nicht ganz verwunden.

★★ Ales Stenar — Schwedens Stonehenge

Auf einer Klippe über dem Meer bei Kåseberga (25 km südöstlich von Ystad) liegt Schwedens rätselhaftestes Monument: Ales Stenar, eine 67 Meter lange, schiffsförmige Steinsetzung aus 59 Findlingen, die auf ca. 600 n. Chr. datiert wird. Die Steine bilden den Umriss eines Wikingerschiffs und markieren — nach einer Theorie — einen Sonnenkalender, der die Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen anzeigt. Der Blick von den Klippen über die Ostsee ist atemberaubend, besonders bei Sonnenuntergang. Ein mystischer, fast spiritueller Ort.

Frei zugänglich. Parken: 40 SEK. 15 Min. Fußweg vom Parkplatz. In Kåseberga: Fischräucherei mit frisch geräuchertem Aal — eine Skåne-Spezialität!

★★ Ystad — Wallander-Stadt

Das mittelalterliche Ystad ist durch Henning Mankells Wallander-Krimis weltberühmt geworden — Kommissar Kurt Wallander ermittelt in den Fachwerkhäusern, engen Gassen und düsteren Stränden dieser Kleinstadt. Über 300 gut erhaltene Fachwerkhäuser (korsvirkeshus) aus dem 16.–18. Jahrhundert machen Ystad zu einem der charmantesten Städtchen Schwedens. Wallander-Fans können auf eigene Faust die Drehorte besichtigen: das Polizeihaus (Kristianstadsgatan), Wallanders Wohnung (Mariagatan 10) und das Friedhofsgelände. Geführte Wallander-Touren: ab 150 SEK.

Ystad ist auch Fährhafen nach Bornholm (Dänemark, 1h 20 per Schnellfähre) und Ausgangspunkt für Ales Stenar.

★ Lund — Universitätsstadt

Die alte Universitätsstadt Lund (15 Min. per Zug von Malmö) ist eine Perle: Der Dom zu Lund (Domkyrkan, 1145) ist eine der ältesten und schönsten romanischen Kirchen Skandinaviens — die astronomische Uhr (Horologium mirabile Lundense, 14. Jh.) zeigt jeden Tag um 12 Uhr und 15 Uhr ein mittelalterliches Figurenspiel. Die Universität (gegründet 1666) gibt der Stadt studentisches Flair, und das Kulturen (Freilichtmuseum mit mittelalterlichen Häusern) ist kostenlos. Lund hat auch die besten Studentenkneipen Schwedens — die „Nationerna" (Studentenverbindungen) sind teils öffentlich zugänglich.

Die Öresundregion

Malmö und Kopenhagen bilden zusammen die Öresundregion — eine der dynamischsten Metropolregionen Europas. Die Öresundbrücke (2000) hat aus zwei getrennten Städten eine Zwillingsmetropole gemacht: Malmöer gehen in Kopenhagen ins Theater und zu Konzerten, Kopenhagener fahren nach Malmö zum Shoppen (günstigere Preise in Schweden für manche Waren) und für das Nachtleben. Über 30.000 Pendler überqueren täglich die Brücke.

Für Reisende bedeutet das: Kombiniere Malmö und Kopenhagen! Der Öresundståg fährt alle 20 Minuten (35 Minuten, ca. 130 SEK). Ein perfektes Wochenende: 2 Tage Kopenhagen + 1 Tag Malmö oder umgekehrt. Die Zugfahrt über die Brücke — erst durch den Drogden-Tunnel, dann über die offene Brücke mit Blick auf beide Küsten — ist selbst ein Erlebnis.

💡 Tipp

Für Fans der Serie „Die Brücke" (Bron/Broen): Die Öresundbrücke wurde durch die schwedisch-dänische Krimiserie weltberühmt. Der Parkplatz an der dänischen Seite, wo die Leiche gefunden wurde, existiert wirklich — aber bitte nicht anhalten.

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