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Geschichte · Abschnitt 1/1

Taiwans bewegte Geschichte

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Taiwans bewegte Geschichte

Indigene Bevölkerung (vor 6.000 Jahren–heute)

Taiwans Ureinwohner — die austronesischen Indigenen — besiedeln die Insel seit mindestens 6.000 Jahren. Taiwan gilt als Urheimat aller austronesischen Völker — von hier aus besiedelten Seevölker über Jahrtausende den gesamten Pazifik, von den Philippinen über Polynesien bis nach Neuseeland und Madagaskar. Die 16 offiziell anerkannten Gruppen (Amis, Atayal, Paiwan, Bunun u.a.) machen heute ca. 2,5% der Bevölkerung aus und bewahren eine der ältesten noch lebendigen Kulturen Asiens.

Europäische Kolonialzeit (1624–1683)

Die Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC) gründete 1624 Fort Zeelandia (heute Anping in Tainan) und begann mit der systematischen Kolonisierung Südtaiwans. Gleichzeitig besetzten die Spanier den Norden (Keelung, Tamsui), wurden aber 1642 von den Niederländern vertrieben. 1662 eroberte der chinesische Loyalist Koxinga (Zheng Chenggong) Fort Zeelandia nach neunmonatiger Belagerung und vertrieb die Niederländer. Er etablierte ein kurzlebiges chinesisches Königreich, das 1683 von der Qing-Dynastie annektiert wurde.

Japanische Kolonialzeit (1895–1945)

Nach dem Sino-Japanischen Krieg trat China Taiwan 1895 an Japan ab. Die 50 Jahre japanischer Herrschaft prägten Taiwan nachhaltig — und ambivalent: Japan modernisierte die Infrastruktur (Eisenbahn, Schulen, Krankenhäuser, Kanalisation), baute die Alishan-Waldeisenbahn und Beitou als Kurort aus, und führte den modernen Reisanbau ein. Gleichzeitig unterdrückte Japan die taiwanische Kultur und zwang die Bevölkerung zur Japanisierung. Viele ältere Taiwaner (über 80) sprechen bis heute Japanisch, und die japanischen Einflüsse sind überall sichtbar: in der Architektur, der Küche (Ramen, Sashimi), der Badekultur und der Höflichkeit.

Chiang Kai-shek & der Weiße Terror (1945–1987)

Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel Taiwan an die Republik China unter Chiang Kai-shek. Als die Kommunisten unter Mao 1949 das Festland eroberten, floh Chiang mit 2 Millionen Anhängern nach Taiwan — und brachte den gesamten Staatsschatz des Nationalen Palastmuseums mit (deshalb hat Taipei eine der weltbesten Sammlungen chinesischer Kunst). Chiang errichtete eine Einparteiendiktatur unter Kriegsrecht — der sogenannte Weiße Terror (1949–1987) war die längste Phase des Kriegsrechts der modernen Geschichte. Zehntausende Oppositionelle wurden verhaftet, gefoltert oder hingerichtet.

Demokratisierung & moderne Demokratie

1987 wurde das Kriegsrecht aufgehoben, 1996 fand die erste freie Präsidentenwahl statt — ein Meilenstein in Asiens Demokratie-Geschichte. Heute ist Taiwan eine der lebendigsten Demokratien Asiens: freie Presse, Meinungsfreiheit, unabhängige Justiz und eine aktive Zivilgesellschaft. 2019 legalisierte Taiwan als erstes Land Asiens die gleichgeschlechtliche Ehe. Die Beziehung zum Festland China bleibt Taiwans zentraler politischer Konflikt — die Volksrepublik betrachtet Taiwan als „abtrünnige Provinz", während die meisten Taiwaner sich als eigenständige Nation verstehen.

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