Buchara
Buchara entdecken
Buchara (usbekisch Buxoro) ist vielleicht die stimmungsvollste Stadt der gesamten Seidenstraße. Während Samarkand mit seinen Monumenten beeindruckt und Chiwa ein Freilichtmuseum ist, fühlt sich Buchara lebendig und authentisch an — eine Stadt, in der das alte Zentralasien noch atmet.
Die Geschichte reicht über 2.500 Jahre zurück. Buchara war ein Zentrum des islamischen Wissens und der Theologie — sie trug den Beinamen „Buchara-yi Sharif" (die Edle) und galt neben Mekka und Medina als eine der heiligsten Städte des Islam. Hier wirkten Gelehrte wie Avicenna (Ibn Sina) und der Hadith-Gelehrte al-Bukhari, dessen Sammlung als zweitwichtigstes Buch des Islam nach dem Koran gilt.
Die Altstadt ist seit 1993 UNESCO-Welterbe. Auf wenigen Quadratkilometern findest du über 140 historische Bauwerke: Moscheen, Medresen, Minarette, Karawansereien, Hamams und die berühmten überdachten Basare (Trading Domes). Plane mindestens 2 Tage — besser 3.
Orientierung
Bucharas Altstadt ist kompakt und fußgängerfreundlich — alles liegt innerhalb von 1–2 km:
- Lyabi-Hauz: Der zentrale Platz mit einem Teich, umgeben von Medresen und Restaurants. Ausgangspunkt für Erkundungen und der stimmungsvollste Ort abends.
- Ark-Festung & Po-i-Kalon: Nordwestlich vom Lyabi-Hauz. Die Festung und der berühmte Kalon-Minarett-Komplex.
- Trading Domes: Zwischen Lyabi-Hauz und Ark. Drei überdachte Basare aus dem 16. Jahrhundert.
- Chor-Minor: Östlich der Altstadt, etwas abseits. Die vier Minarette sind Bucharas fotogenstes Motiv.
- Neustadt: Nördlich der Altstadt. Hotels, Restaurants, Supermärkte.
Sehenswürdigkeiten
Po-i-Kalon-Komplex — Bucharas Kronjuwel
Der Po-i-Kalon („Fuß des Großen") ist das Herz der historischen Stadt — ein Ensemble aus drei Bauwerken, das zu den beeindruckendsten Zentralasiens zählt:
- Kalon-Minarett (1127): Der 47 m hohe Turm ist Bucharas Wahrzeichen und seit 900 Jahren das höchste Bauwerk der Stadt. Erbaut aus gebrannten Ziegeln mit 14 verschiedenen Ornamentbändern — jedes einzigartig. Der Legende nach war Dschingis Khan so beeindruckt, dass er das Minarett als einziges Gebäude verschonte, als er Buchara 1220 zerstörte. Einst diente es auch als „Turm des Todes": Verurteilte wurden von der Spitze gestürzt.
- Kalon-Moschee (1514): Eine der größten Moscheen Zentralasiens. Der riesige Innenhof mit 288 Kuppeln und einer Kapazität für 12.000 Gläubige ist überwältigend in seiner schlichten Eleganz.
- Mir-i-Arab-Medrese (1535): Gegenüber der Moschee, mit zwei türkisblauen Kuppeln. Eine aktive islamische Hochschule — sie wurde selbst in der Sowjetzeit nie geschlossen und bildet bis heute Theologen aus. Betreten nur für Studenten, aber der Blick von außen ist fantastisch.
Ark-Festung
Die Ark ist eine massive Festung (5. Jahrhundert), die über 1.000 Jahre lang Sitz der Herrscher von Buchara war — zuletzt des Emirs, der hier bis 1920 residierte. Innerhalb der Mauern: Thronsaal, Moschee, Kerker und ein kleines Museum zur Geschichte des Emirats. Die Mauern sind bis zu 20 m hoch und wirken uneinnehmbar. Von der Terrasse: fantastischer Blick über die Altstadt und auf das Kalon-Minarett. Eintritt: ca. 25.000 UZS (~2€).
Lyabi-Hauz-Ensemble
Der Lyabi-Hauz (1620) ist ein rechteckiger Teich, umgeben von Maulbeerbäumen, zwei Medresen und einer Karawanserei. Hier sitzt ganz Buchara abends draußen: Touristen, Einheimische, Teetrinkende, Schaschlik-Essende. Die Nadir-Divan-Begi-Medrese (1622) am Teich zeigt auf ihrem Portal Fabelwesen und Sonnen mit menschlichen Gesichtern — wieder ein „Verstoß" gegen das Bilderverbot, der heute als Kunstwerk gefeiert wird. Die Atmosphäre am Lyabi-Hauz bei Sonnenuntergang ist magisch.
Trading Domes (Handelskuppeln)
Bucharas berühmte überdachte Basare aus dem 16. Jahrhundert liegen auf der historischen Handelsroute zwischen Ark und Lyabi-Hauz:
- Taki-Zargaron: Der Juwelier-Basar. Heute: Schmuck, Miniaturmalereien, Souvenirs.
- Taki-Telpak-Furushon: Einst Mützenmacher-Basar. Heute: Textilien, Suzani-Stickereien, Seide.
- Taki-Sarrafon: Der Geldwechsler-Basar. Heute: Teppiche, Antiquitäten, Keramik.
Die Kuppeln regulierten das Klima — kühl im Sommer, geschützt im Winter. Heute sind sie Souvenirparadiese mit faireren Preisen als an den Hauptsehenswürdigkeiten.
Chor-Minor
Das Chor-Minor (1807, „Vier Minarette") ist Bucharas fotogenstes Gebäude: Vier kleine, jeweils unterschiedlich dekorierte Türme krönen ein Torhaus — kein Minarett im eigentlichen Sinne, sondern das Eingangstor einer längst verschwundenen Medrese. Versteckt in einem Wohnviertel östlich der Altstadt, abseits der Touristenströme. Eintritt: kostenlos (Trinkgeld für den Wächter).
Bolo-Hauz-Moschee
Gegenüber der Ark-Festung. Die 20 geschnitzten Holzsäulen der Terrasse spiegeln sich in einem Wasserbecken — ein ikonisches Fotomotiv. Die Moschee (1712) diente dem Emir als Freitagsmoschee. Die Holzschnitzereien sind exquisit.
Essen & Kultur in Buchara
Bucharas Küche
Buchara hat seine eigenen kulinarischen Traditionen, die sich von Taschkent und Samarkand unterscheiden:
- Osh-i-Sofiy (Buchara-Plov): Der Buchara-Plov wird mit grünen Mungbohnen statt Kichererbsen zubereitet und ist etwas leichter als die Taschkenter Variante.
- Jiz: Innereien vom Lamm (Leber, Herz, Lunge), schnell gebraten mit Zwiebeln. Ein Buchara-Klassiker, den Mutige unbedingt probieren sollten.
- Sumalak: Ein süßes Weizengras-Gericht, das zum Navruz-Fest (21. März) tagelang gekocht wird. Die Zubereitung ist ein gemeinschaftliches Ritual — Frauen kochen und singen die ganze Nacht.
- Bugursak: Kleine frittierte Teigbällchen, serviert mit Honig oder Puderzucker. Das perfekte Begleitgebäck zum Tee.
Wo essen?
- Lyabi-Hauz-Restaurants: Rund um den Teich reihen sich Restaurants aneinander. Touristisch, aber die Atmosphäre abends ist unschlagbar. Hauptgericht 3–8€.
- Old Bukhara Restaurant: Traditionelle Küche in einem wunderschönen historischen Haus mit Innenhof. Eines der besten Restaurants der Stadt.
- Chaikhana Sahil: Direkt am Lyabi-Hauz. Tee, Schaschlik und Plov bei Kerzenlicht am Wasser.
- Basar-Essen: Der kleine Basar in der Altstadt hat Stände mit Samsa, Non und frischem Obst.
Handwerk & Einkaufen
Buchara ist das Handwerkszentrum Usbekistans:
- Suzani-Stickereien: Die berühmten handgestickten Textilien mit floralen Motiven. Preise: 20–500€ je nach Größe und Qualität. Achtung: Maschinell hergestellte Suzanis gibt es für 5–10€ — den Unterschied erkennt man an der Rückseite.
- Seidenscheren (Buchara-Scheren): Handgeschmiedete Scheren in Storch-Form. Ein klassisches Souvenir (5–15€).
- Miniaturmalerei: Auf Seidenpapier gemalte persische Miniaturen. In der Taki-Zargaron und in der Nadir-Divan-Begi-Medrese.
- Teppiche: Buchara-Teppiche sind weltberühmt. In der Taki-Sarrafon und spezialisierten Geschäften. Versand nach Deutschland wird oft arrangiert.
Tipp
Abends am Lyabi-Hauz sitzen, Tee trinken und dem Treiben zuschauen — das ist Buchara pur. Die Restaurants direkt am Teich sind etwas teurer, aber die Atmosphäre mit den beleuchteten Medresen im Hintergrund ist jeden Cent wert.
Praktische Tipps Buchara
Anreise
- Afrosiyob-Zug ab Samarkand: 1,5h, ca. 70.000–120.000 UZS (5–9€). Die bequemste Option. 2–3 Verbindungen täglich. Online buchen: railway.uz.
- Afrosiyob ab Taschkent: 3,5h direkt, ca. 120.000–180.000 UZS (9–14€).
- Geteiltes Taxi ab Samarkand: 3–4h, 50.000–80.000 UZS (4–6€) pro Person. Die Strecke führt durch karge Steppe — landschaftlich eindrucksvoll.
- Flugzeug: Buchara hat einen Flughafen (BHK) mit Verbindungen nach Taschkent (1h, ab 25€).
Transport vor Ort
Die Altstadt ist komplett zu Fuß erkundbar. Vom Bahnhof zur Altstadt: Taxi (2–3€, 15 Min.). In der Altstadt brauchst du kein Taxi — alle Sehenswürdigkeiten liegen innerhalb eines 20-Minuten-Radius.
Übernachten
- Budget: Rumi Hostel, Saasha Special Hostel — sauber, zentral, 8–12€/Nacht.
- Mittelklasse: Boutique Hotel Minzifa, Komil Bukhara — in historischen Gebäuden, Innenhof, 20–40€/DZ. Unsere Empfehlung!
- Gehoben: Hotel Amelia, Lyabi House — restaurierte historische Gebäude, 50–90€/DZ.
Weiterreise nach Chiwa
Die Strecke Buchara–Chiwa (ca. 450 km) ist die längste Etappe der klassischen Usbekistan-Route:
- Geteiltes Taxi: 6–7h durch die Wüste. 100.000–150.000 UZS (8–12€) pro Person. Die gängigste Methode. Abfahrt am Busbahnhof morgens.
- Zug: Nachtzug Buchara–Urgench (nächste Großstadt bei Chiwa), ca. 8–10h. Ab 30.000 UZS (2–3€). Wenig Komfort, aber ein Erlebnis.
- Flug: Buchara–Urgench mit Uzbekistan Airways (1h, ab 25€). Die schnellste, aber auch unpersönlichste Option.
Achtung
Die Fahrt Buchara–Chiwa durch die Wüste ist lang (6–7h) und heiß im Sommer. Nimm ausreichend Wasser mit (mindestens 2 Liter pro Person), Snacks und etwas zum Lesen. Die Landschaft ist monoton — aber die Ankunft in Chiwa entschädigt für alles.
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