Kunst & Kultur
Wasserpuppentheater (Múa Rối Nước)
Das Wasserpuppentheater ist eine einzigartige vietnamesische Kunstform, die nirgendwo sonst auf der Welt existiert. Entstanden im 11. Jahrhundert in den überfluteten Reisfeldern des Roten-Fluss-Deltas, als Bauern während der Hochwassersaison ihre Unterhaltung auf das Wasser verlegten.
Die Technik ist faszinierend: Die Puppenspieler stehen hüfttief im Wasser, versteckt hinter einem Bambusvorhang. Sie steuern die 40–50 cm großen, lackierten Holzpuppen über lange Bambusstangen und Seile unter der Wasseroberfläche — die Mechanik bleibt für das Publikum unsichtbar. Die Puppen schwimmen, tauchen, spritzen Wasser und interagieren miteinander mit erstaunlicher Lebendigkeit.
Die Geschichten sind ein Mix aus Legenden (der Drachenkönig), historischen Ereignissen (der Sieg über die Chinesen) und Alltagsszenen (Fischfang, Reisanbau, Feste). Begleitet von einem traditionellen Orchester mit Đàn Bầu (einsaitiges Monochord), Bambusflöten, Trommeln und Gesang.
Das beste Theater: Thăng Long Wasserpuppentheater am Hoàn-Kiếm-See in Hanoi. Mehrere Vorstellungen täglich (50 Min., 100.000 VND / 3,70 €). Auch in HCMC und Hội An gibt es Vorführungen.
Áo Dài — Vietnams Nationaltracht
Das Áo Dài (ausgesprochen „ao zai" im Süden, „ao yai" im Norden) ist Vietnams eleganteste Bekleidung: ein eng anliegendes, seidig fließendes Oberteil mit hohem Kragen und langen Seitenschlitzen, getragen über einer weiten Hose. Es ist das offizielle Kostüm für Vietnamesinnen bei formellen Anlässen, Hochzeiten, Tết-Feierlichkeiten und als Schuluniform für Oberstufenschülerinnen.
Die Geschichte des Áo Dài reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück, wurde aber in seiner modernen Form in den 1930er Jahren von Nguyễn Cát Tường entworfen — inspiriert von Pariser Mode. Heute gibt es das Áo Dài in allen Variationen: von klassisch weiß (Schulen) über leuchtende Farben (Hochzeiten) bis zu modernen Interpretationen auf den Laufstegen Hanois.
In Hội An und Hanoi kannst du dir ein Áo Dài maßschneidern lassen — ab 500.000 VND (18,50 €) für einfache Stoffe bis 3.000.000 VND (111 €) für Seide. Ein wunderschönes Souvenir.
Lacquerware & Pagoden
Lacquerware (Sơn Mài) ist Vietnams berühmtestes Kunsthandwerk — eine Technik, die über 2.000 Jahre alt ist. Dutzende Schichten Naturlack werden auf Holz, Bambus oder Papiermaché aufgetragen, jede Schicht einzeln geschliffen. Die Motive reichen von abstrakten Mustern über Landschaften bis zu Drachen und Phönixen. Die besten Stücke leuchten in tiefem Schwarz, Rot und Gold.
In Hanoi ist das Dorf Hạ Thái (15 km südlich) seit dem 11. Jahrhundert auf Lacquerware spezialisiert. In Hội An und HCMC gibt es zahlreiche Geschäfte und Werkstätten. Preise: ab 200.000 VND (7,40 €) für kleine Schalen bis 10.000.000+ VND (370+ €) für Kunstwerke.
Pagoden
Vietnams Pagoden (Chùa) sind keine reinen Tempel — sie sind lebendige Orte der Spiritualität, wo Buddhismus, Taoismus und Ahnenkult verschmelzen. Die schönsten:
- Chùa Một Cột (Ein-Säulen-Pagode, Hanoi): Lotusblüte auf einem einzelnen Steinsockel. Wahrzeichen.
- Thiên Mụ (Huế): Siebenstöckiger Turm über dem Parfümfluss.
- Bái Đính (Ninh Bình): Größter Tempelkomplex Vietnams — 500 Arhat-Statuen.
- Linh Ứng (Đà Nẵng): 67 m hohe weiße Guanyin-Statue (Lady Buddha) auf der Sơn-Trà-Halbinsel.
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