Saint-Tropez — Vom Fischerdorf zum Mythos
Alles begann 1956, als Roger Vadim hier „Und ewig lockt das Weib" mit Brigitte Bardot drehte. Über Nacht wurde das verschlafene Fischerdorf zum Inbegriff des Jetset. Heute liegen Megayachten im Hafen, Lamborghinis parken am Quai, und die Strandclubs an der Plage de Pampelonne verlangen 60€ für eine Sonnenliege. Und doch: Wenn du morgens um 7 Uhr durch die Altstadt gehst, wenn die Fischer ihre Netze flicken und die Bäcker ihre Croissants aus dem Ofen holen, dann verstehst du, warum Bardot, Picasso und die Impressionisten sich in diesen Ort verliebt haben.
Der Hafen — Bühne der Eitelkeiten
Der Vieux Port ist Saint-Tropez' berühmteste Kulisse: bunte Häuser im provenzalischen Stil, Fischerboote neben 50-Meter-Yachten, Cafés mit Terrassen zum Sehen und Gesehenwerden. Das Café Sénéquier (seit 1887, erkennbar an den roten Stühlen) ist die Institution am Hafen — ein Espresso kostet 4€, aber der Blick auf die Yachten und das Treiben ist unbezahlbar. Morgens ist der Hafen am authentischsten, wenn der Fischmarkt (Place aux Herbes) frischen Fang anbietet.
Die Altstadt
Die Altstadt hinter dem Hafen ist ein Gewirr aus Gassen mit ockerfarbenen und pastellfarbenen Fassaden, Bougainvillea, kleinen Plätzen und Boutiquen. Die Place des Lices ist das Herz: ein schattiger Platz unter Platanen, auf dem die Einheimischen Pétanque spielen (ja, wirklich — auch zwischen den Ferraris). Dienstags und samstags findet hier einer der schönsten Wochenmärkte der Provence statt: Lavendelhonig, Olivenöl, Tapenade, Socca, provenzalische Stoffe.
Musée de l'Annonciade
In der ehemaligen Kapelle am Hafen zeigt das Musée de l'Annonciade eine überraschend hochkarätige Sammlung der Post-Impressionisten und Fauvisten, die Saint-Tropez als Malort entdeckten: Signac, Matisse, Bonnard, Vuillard, Derain. Das Licht, das diese Maler suchten, fällt durch die hohen Fenster auf die Bilder — man sieht die gleiche Küste im Bild und im Fenster. Eintritt: 8€.
Plage de Pampelonne
Der legendäre Strand von Pampelonne erstreckt sich über fünf Kilometer südlich von Saint-Tropez: feiner weißer Sand, türkisfarbenes Wasser und die berühmtesten Strandclubs der Welt. Club 55 (seit 1955, als die Bardot-Crew hier Mittagessen bestellte), Nikki Beach (Champagner und DJs) und Tahiti (der älteste Strandclub) kosten 40–80€ für eine Liege, aber es gibt auch öffentliche Abschnitte, die kostenlos und genauso schön sind.
💡 Tipp
Saint-Tropez ist im Juli/August kaum bezahlbar und heillos überlaufen — der Stau auf der einzigen Zufahrtsstraße kann Stunden dauern. Komm stattdessen im Juni oder September: das Meer ist warm, die Strände ruhig, die Preise halbieren sich. Oder nimm das Boot von Sainte-Maxime (20 Minuten, 15€ Hin-Rück) und umgehe den Stau komplett.