Geschichte & Festivals
Schottlands dramatische Geschichte
Schottlands Geschichte ist eine der dramatischsten Europas — geprägt von Kriegen um Unabhängigkeit, mächtigen Clans, verratenen Königen und einem unbändigen Freiheitswillen, der bis heute im schottischen Selbstverständnis lebt.
Die Unabhängigkeitskriege (1296–1357)
Als der englische König Edward I. (genannt „Hammer of the Scots") Schottland unterwerfen wollte, erhoben sich zwei Nationalhelden: William Wallace (dessen Braveheart-Geschichte Hollywood unsterblich machte, wenn auch historisch fragwürdig) und Robert the Bruce, der Schottland in der Schlacht von Bannockburn (1314) die Unabhängigkeit erkämpfte. Der Declaration of Arbroath (1320) — Schottlands Unabhängigkeitserklärung — ist eines der bedeutendsten politischen Dokumente des Mittelalters.
Mary Queen of Scots (1542–1587)
Maria Stuart war sechs Tage alt, als sie Königin von Schottland wurde. Ihr Leben liest sich wie ein Shakespeare-Drama: Kindheit in Frankreich, Ehen voller Intrigen und Morde (ihr Privatsekretär Rizzio wurde vor ihren Augen im Holyrood Palace erstochen, ihr zweiter Ehemann Darnley wenig später in einer Explosion getötet), Flucht nach England, 18 Jahre Gefangenschaft und schließlich die Enthauptung auf Befehl ihrer Cousine Elizabeth I. Ihre Geschichte geistert durch jeden Stein Edinburghs.
Die Aufklärung (18. Jh.)
Im 18. Jahrhundert wurde Edinburgh zum „Athen des Nordens" — die schottische Aufklärung machte die Stadt zu einem der intellektuellen Zentren der Welt. David Hume (Philosophie), Adam Smith (Wirtschaftswissenschaft, „Der Wohlstand der Nationen"), James Watt (Dampfmaschine) und Robert Burns (Nationaldichter) — Schottlands Beitrag zur modernen Welt ist enorm.
Union und Unabhängigkeitsbewegung
1707 vereinigten sich Schottland und England zum Königreich Großbritannien — ein Schritt, den viele Schotten bis heute als Verrat empfinden. Die Unabhängigkeitsbewegung lebt: 2014 stimmten 45% für die Unabhängigkeit, und die Debatte hält an. Edinburgh ist als schottische Hauptstadt das Zentrum dieser politischen Spannung — hier sitzt das schottische Parlament, hier wird die Zukunft Schottlands verhandelt.
Das Edinburgh Festival (August)
Im August wird Edinburgh zur Welthauptstadt der Kunst. Was als einzelnes Festival 1947 begann, ist heute ein Ökosystem aus mehreren Festivals, die gleichzeitig stattfinden und die Stadt in einen einzigen großen Kunstraum verwandeln:
Edinburgh Festival Fringe
Das größte Kunstfestival der Welt — und das anarchischste. Keine Jury, keine Auswahl: Jeder kann auftreten. Das Ergebnis: über 3.000 Shows in 300+ Venues über 25 Tage. Comedy (das Sprungbrett für britische Comedians — hier wurden Eddie Izzard, Phoebe Waller-Bridge und Fleabag entdeckt), Theater, Tanz, Musik, Kindertheater, experimentelle Performances. Von der Kirchenempore über Kellergewölbe bis zum Taxi: Alles wird zur Bühne.
- Free Fringe: Hunderte kostenlose Shows — du bezahlst nur, was du willst (Hutgeld). Perfekt für Budget-Reisende.
- Straßenkünstler: Die Royal Mile wird zur Open-Air-Bühne: Akrobaten, Musiker, Comedians, Zauberer. Stundenlange Unterhaltung ohne einen Penny auszugeben.
- Tickets: Für die Top-Shows frühzeitig buchen (edfringe.com). Viele Shows kosten nur £5–15. Last-Minute-Schnäppchen am Half-Price-Hut auf dem Mound.
Royal Edinburgh Military Tattoo
Das Military Tattoo auf der Esplanade vor Edinburgh Castle ist ein Spektakel der besonderen Art: Militärkapellen, Dudelsackspieler, Trommler und Lichtshows vor der Kulisse der beleuchteten Burg. Über 220.000 Zuschauer pro Saison, weltweit im Fernsehen übertragen. Tickets (ab £30) sind Monate im Voraus ausverkauft.
Edinburgh International Festival
Das „offizielle" Festival (im Gegensatz zum anarchischen Fringe): Weltklasse-Aufführungen in Klassik, Oper, Theater und Tanz — mit internationalen Stars in den großen Venues (Usher Hall, Festival Theatre, The Hub). Das Abschlussfeuerwerk am letzten Abend über dem Castle ist legendär.
Edinburgh International Book Festival
Das weltweit größte Literaturfestival — über 900 Autoren in zwei Wochen: Lesungen, Diskussionen, Signierstunden. Im Charlotte Square Gardens, einer grünen Oase mitten in der New Town.
Tipp
Im August ist Edinburgh eine andere Stadt — voller, lauter, teurer, aber auch aufregender als zu jeder anderen Zeit. Hotels im August frühzeitig buchen (Januar/Februar ist nicht zu früh!) und Airbnb als Alternative prüfen. Für Fringe-Shows: Die „Free Fringe"-App laden und spontan in Shows gehen — die besten Entdeckungen macht man ungeplant.
Harry Potter in Edinburgh
J.K. Rowling schrieb große Teile der Harry-Potter-Romane in Edinburgh — und die Stadt hat die Bücher tief geprägt. Wer mit offenen Augen durch Edinburgh geht, findet Hogwarts an jeder Ecke:
Die wichtigsten Harry-Potter-Orte
- Greyfriars Kirkyard: Auf den Grabsteinen stehen die Namen Tom Riddell (Lord Voldemort), William McGonagall (Professor McGonagall) und Elizabeth Moodie (Mad-Eye Moody). Rowling spazierte hier, als sie die ersten Bücher schrieb.
- George Heriot's School: Das Internat hinter dem Greyfriars Kirkyard — mit Türmen, Zinnen und vier Häusern — ist die visuelle Inspiration für Hogwarts. Von der Terrasse des Greyfriars-Friedhofs hast du den besten Blick.
- Victoria Street: Die geschwungene, bunte Straße mit ihren kleinen Läden ist die Inspiration für die Winkelgasse (Diagon Alley). Hier findest du auch Scherzartikel-Läden und Potter-Shops.
- The Elephant House: Das Café in der George IV Bridge, in dem Rowling Teile von Harry Potter schrieb — mit Blick auf Edinburgh Castle (das Vorbild für Hogwarts aus der Ferne). Nach einem Brand 2021 wiedereröffnet.
- Spoon Café (ehem. Nicolson's): Ein weiteres Café, in dem Rowling schrieb — in den frühen Tagen, als sie als alleinerziehende Mutter auf Sozialhilfe lebte. Weniger bekannt als das Elephant House, aber historisch bedeutender.
- Balmoral Hotel: In Suite 552 schrieb Rowling den letzten Satz von „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes". Sie hinterließ eine Büste von Hermes und die Inschrift „JK Rowling finished writing Harry Potter and the Deathly Hallows in this room (Jan 11th 2007)." Die Suite kann gebucht werden (für sehr viel Geld).
Harry-Potter-Touren
Mehrere Anbieter bieten geführte Harry-Potter-Touren durch Edinburgh (1,5–2 Std., ab £15). Die besten sind die, die nicht nur die Potter-Orte zeigen, sondern auch die Geschichte der Stadt und ihrer Inspiration erzählen. Kostenlose Walking Tours (auf Trinkgeld-Basis) gibt es ebenfalls — „Potter Trail" ist einer der bekanntesten.
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