Das Goldene Zeitalter & Königin Tamar
Das Goldene Zeitalter (11.–13. Jh.)
Unter der Bagrationi-Dynastie erlebte Georgien seine Blütezeit. König David IV. der Erbauer (1089–1125) vereinigte das fragmentierte Land, vertrieb die Seldschuken und machte Georgien zur dominierenden Macht im Kaukasus. Er gründete das Kloster Gelati (UNESCO) als Akademie — eines der ersten Zentren höherer Bildung in Europa.
★★★ Königin Tamar (1184–1213)
Der Höhepunkt war die Herrschaft von Königin Tamar (თამარ) — der mächtigsten Frau der georgischen Geschichte und einer der bemerkenswertesten Herrscherinnen des Mittelalters. Unter ihrer Regentschaft erreichte Georgien seine größte territoriale Ausdehnung: von der Schwarzmeerküste bis zum Kaspischen Meer, vom Kaukasus bis nach Nordostanatolien.
Tamar förderte Kunst, Literatur und Architektur. In ihrer Regierungszeit entstand Schota Rustawelis Nationalepos „Der Recke im Tigerfell" (Vepkhistkaosani) — eines der Meisterwerke der mittelalterlichen Weltliteratur. Tamar wird in Georgien bis heute als Heilige verehrt; ihr Bildnis ziert den 50-Lari-Schein.
Mongolen, Perser, Osmanen (13.–18. Jh.)
Nach dem Goldenen Zeitalter folgte eine lange Phase der Zerstörung und des Überlebens:
- 1235: Die Mongolen verwüsten Georgien
- 1386–1403: Tamerlan (Timur Lenk) überfällt Georgien achtmal und hinterlässt Zerstörung
- 15.–18. Jh.: Georgien ist eingeklemmt zwischen dem Osmanischen Reich (Westen) und Persien (Osten). Das Land wird wiederholt erobert, geteilt und verwüstet. Der persische Schah Abbas I. deportiert 1614–1617 100.000 Georgier nach Persien
Trotz all der Invasionen verlor Georgien nie seinen christlichen Glauben und seine kulturelle Identität — ein Wunder des Widerstands.