Die Wallace-Linie — Wo Asien auf Australien trifft
Eine unsichtbare Linie verläuft durch Indonesien — zwischen Bali und Lombok, zwischen Borneo und Sulawesi — und teilt die Tierwelt des Archipels in zwei grundverschiedene Welten. Die Wallace-Linie, benannt nach dem britischen Naturforscher Alfred Russel Wallace, markiert die Grenze zwischen der asiatischen und der australischen Fauna.
Westlich der Linie (Sumatra, Java, Borneo, Bali) leben asiatische Tiere: Tiger, Elefanten, Orang-Utans, Nashörner. Östlich (Sulawesi, Flores, Molukken, Papua) finden sich australische Verwandte: Baumkängurus, Paradiesvögel und der Komodowaran — ein Relikt aus der Zeit, als Australien noch näher an Südostasien lag.
Die Erklärung: Während der Eiszeiten, als der Meeresspiegel 120 Meter tiefer lag, waren Sumatra, Java und Borneo über Landbrücken mit dem asiatischen Festland verbunden. Östlich der Wallace-Linie war der Ozean immer tief genug, um als Barriere zu wirken. Die Tiere konnten nicht hinüberschwimmen — und so entwickelten sich auf beiden Seiten völlig verschiedene Ökosysteme.
Für Reisende bedeutet das: Wenn du von Java nach Flores fährst, überquerst du eine der wichtigsten biogeographischen Grenzen der Erde — auch wenn du davon nichts siehst.