Kadıköy & die asiatische Seite
Kadıköy — Istanbuls hippes Herz
Kadıköy ist das, was Kreuzberg für Berlin ist: ein kreatives, lebendiges, multikulturelles Viertel auf der asiatischen Seite des Bosporus, das sich rasant zum gastronomischen und kulturellen Epizentrum Istanbuls entwickelt hat. Hier gibt es keine Moscheen und Paläste als Hauptattraktionen — hier sind es die Menschen, das Essen und die Atmosphäre.
Kadıköy-Markt (Çarşı)
Der Kadıköy-Markt ist der beste Lebensmittelmarkt Istanbuls — und das ist keine Übertreibung. In einem Gewirr aus überdachten Gassen und offenen Ständen findest du:
- Frischer Fisch: Glänzende Dorade, Wolfsbarsch, Hamsi (Sardellen) — direkt vom Bosporus.
- Käse: Dutzende türkische Käsesorten — Beyaz Peynir (Weichkäse), Kaşar (Hartkäse), Van Otlu (Kräuterkäse aus Ostanatolien).
- Gewürze & Oliven: Berge von Pul Biber, Sumak, Kreuzkümmel und 20 Olivensorten.
- Baklava & Süßigkeiten: Die besten Baklava-Läden sind hier — nicht am Gewürzbasar. Probiere das Baklava bei Güllüoğlu oder Baylan.
- Street Food: Kokoreç (gegrillte Lammdärme im Brot — klingt abenteuerlich, schmeckt fantastisch), Midye dolma (gefüllte Muscheln), Tantuni (Rindfleisch-Wrap).
Moda — Istanbuls Riviera
Südlich von Kadıköy liegt Moda — ein ruhiges, baumbestandenes Viertel mit Jugendstilhäusern, unabhängigen Cafés und einer Uferpromenade, die zu den schönsten Istanbuls gehört. Der Moda-Pier bietet einen traumhaften Blick auf die Skyline der europäischen Seite. In den Cafés sitzen junge Istanbuler über ihren Laptops, in den Parks spielen Familien — das Tempo ist merklich langsamer als in Beyoğlu.
- Moda-Promenade: 2 km Uferweg von Kadıköy bis zum Fenerbahçe-Park — perfekt zum Joggen, Spazieren oder einfach Sitzen und Gucken.
- Cafés: Moda hat die höchste Café-Dichte Istanbuls — Third-Wave-Coffee-Shops wie Walter's Coffee, Café Fazıl oder Montag reihen sich aneinander.
- Fenerbahçe-Park: Am Ende der Halbinsel: ein großer Park mit Strand, Teegärten und dem Stadion von Fenerbahçe (Istanbuls Fußball-Rivale von Galatasaray).
Tipp
Der beste Plan für die asiatische Seite: Morgens mit der Fähre von Eminönü nach Kadıköy (20 Min., 0,50€), den Markt erkunden, Kahvaltı (türkisches Frühstück) in einem der Frühstücks-Cafés, dann zu Fuß nach Moda spazieren, Kaffee am Moda-Pier, abends mit der Fähre zurück — die Rückfahrt bei Sonnenuntergang ist magisch.
Üsküdar & Çamlıca-Hügel
Üsküdar
Üsküdar ist eines der ältesten und konservativsten Viertel der asiatischen Seite — und eines der atmosphärischsten. Die Moscheen am Ufer (Mihrimah Sultan Camii, Yeni Valide Camii) bieten einen der besten Blicke auf die europäische Skyline, besonders bei Sonnenuntergang. Der Fähranleger ist ein Treffpunkt für Angler, Çay-Trinker und Möwen.
Kız Kulesi (Leanderturm / Mädchenturm)
Der Mädchenturm steht auf einer kleinen Insel im Bosporus vor Üsküdar — ein ikonisches Istanbuler Wahrzeichen, das seit 2.500 Jahren die Fantasie beflügelt. Verschiedene Legenden ranken sich um den Turm: Ein Sultan sperrte seine Tochter ein, um sie vor einer prophezeiten Schlange zu schützen — vergeblich. Heute beherbergt der restaurierte Turm ein Restaurant und eine Aussichtsplattform. Fähre ab Üsküdar (15€ hin/rück).
Çamlıca-Hügel & Moschee
Der Çamlıca-Hügel (268 m) ist der höchste Punkt Istanbuls und bietet den weitreichendsten Panoramablick der Stadt — über den Bosporus, die Marmarasee, die Prinzeninseln und bei klarer Sicht bis zum Uludağ (120 km entfernt). Auf dem Hügel steht seit 2019 die Çamlıca-Moschee, die größte Moschee der Türkei: Platz für 63.000 Gläubige, sechs Minarette, 72 Meter hohe Kuppel. Architektonisch umstritten, aber die Dimension ist beeindruckend. Eintritt: kostenlos.
- Teegärten: Rund um den Hügel gibt es mehrere Çay Bahçesi (Teegärten) mit Panoramablick. Ein Glas Çay (0,50€) und der Blick über Istanbul — besser wird es nicht.
- Anreise: Metro bis Üsküdar, dann Bus (15 Min.) oder Taxi (10€).
Prinzeninseln — Istanbuls Flucht
Die Adalar (Prinzeninseln) sind eine Gruppe von neun Inseln in der Marmarasee, 12–20 km südlich von Istanbul. Im Osmanischen Reich dienten sie als Verbannungsort für Prinzen und Mönche — heute sind sie Istanbuls beliebtestes Wochenend-Ausflugsziel: autofrei, grün, ruhig und mit dem Charme einer vergessenen Belle Époque.
Büyükada (Große Insel)
Die größte und beliebteste Prinzeninsel: viktorianische Holzvillen, Kutschenfahrten (seit 2020 durch Elektrofahrzeuge ersetzt), Pinienwälder und ein griechisch-orthodoxes Kloster (Aya Yorgi) auf dem höchsten Punkt. Die Uferpromenade ist gesäumt von Fischrestaurants und Cafés.
- Fahrrad: Die beste Art, Büyükada zu erkunden. Räder leihen am Hafen (ab 5€/Tag). Die Insel-Umrundung (ca. 12 km) führt durch Pinienwälder, vorbei an verlassenen Villen und zu einsamen Badebuchten.
- Aya Yorgi: Das griechisch-orthodoxe Kloster auf dem Hügel (203 m). 20 Minuten Aufstieg, belohnt mit einem Panoramablick über die Marmarasee und die Küste Istanbuls. Pilger binden Fäden an den Zaun und wünschen sich etwas.
- Strände: Yörük Ali Beach und Halik Koyu auf der Rückseite der Insel — ruhig und mit sauberem Wasser.
Heybeliada
Die zweitgrößte Insel und die ruhigere Alternative zu Büyükada: weniger Touristen, mehr Pinienwälder, das historische griechisch-orthodoxe Priesterseminar (Halki) auf dem Hügel (geschlossen seit 1971, politisch umstritten). Perfekt zum Wandern und Schwimmen.
Anreise
Fähren ab Kabataş (europäische Seite, 1,5h) oder Kadıköy/Bostancı (asiatische Seite, 45–60 Min.). Preis mit Istanbulkart: ca. 1€. Im Sommer: Fähren alle 30–60 Minuten. Die Fahrt selbst — vorbei an der Skyline Istanbuls, dem Mädchenturm und den anderen Inseln — ist bereits ein Erlebnis.
Tipp
Vermeide die Prinzeninseln am Wochenende im Sommer — die Fähren sind überfüllt und die Inseln platzen aus allen Nähten. Unter der Woche (Di–Do) ist es herrlich ruhig. Für Büyükada reicht ein halber Tag. Nimm die frühe Fähre (9 Uhr) und die Rückfahrt am Nachmittag.
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