Santiago entdecken
Santiago ist die Insel, die man verstehen muss, um die Kapverden wirklich zu begreifen. Als größte Insel (991 km²) beherbergt sie mit Praia nicht nur die Hauptstadt und das politische Zentrum des Landes, sondern auch das kulturelle Fundament des kapverdischen Volkes. Hier liegt Cidade Velha, die erste europäische Siedlung in den Tropen und Dreh- und Angelpunkt des transatlantischen Sklavenhandels. Hier entstand das Kriolu, die kreolische Sprache, aus dem Aufeinandertreffen von Portugiesisch und westafrikanischen Sprachen. Hier entwickelte sich die Batuku-Musik, der urtümlichste und afrikanischste Rhythmus der Kapverden.
Santiago ist die am wenigsten touristische der Hauptinseln — und genau das macht sie so faszinierend. Keine All-inclusive-Resorts, keine aufgehübschten Touristenzonen, sondern das echte, ungefilterte Leben der Kapverden. In Praia mischen sich Markthändlerinnen mit Geschäftsleuten, auf dem Sucupira-Markt wird lautstark gefeilscht, und in den Vierteln von Platô erklingen abends Morna und Funana aus den Bars.
Die Landschaft Santiagos ist überraschend grün — zumindest in der Regenzeit. Im Zentrum erhebt sich die Serra Malagueta auf über 1.000 Meter, mit dichten Nebelwäldern und spektakulären Wanderwegen. Im Süden liegt das fruchtbare Ribeira Seca-Tal, die Brotkammer der Insel. Plane 3–4 Tage für Santiago: einen Tag für Praia, einen für Cidade Velha, einen für die Serra Malagueta und einen für das ländliche Hinterland.
Orientierung
Santiago ist die mit Abstand größte Kapverden-Insel. Die wichtigsten Orte:
- Praia (Süden): Die Hauptstadt mit ca. 160.000 Einwohnern. Geschäftiges Zentrum auf dem Platô-Hügel, der lebhafte Sucupira-Markt, Strände in Quebra Canela und Prainha.
- Cidade Velha (Südwesten): 15 km westlich von Praia. Die ehemalige Hauptstadt Ribeira Grande, UNESCO-Welterbe seit 2009. Wiege der kapverdischen Zivilisation.
- Assomada (Zentrum): Bergstadt im Herzen der Insel mit dem größten Markt Santiagos (Mittwoch und Samstag). Ausgangspunkt für Wanderungen in der Serra Malagueta.
- Tarrafal (Norden): Entspannter Fischerort mit dem schönsten Badestrand Santiagos — einer Bucht mit warmem, ruhigem Wasser und Kokospalmen. Ehemaliges politisches Gefangenenlager aus der Kolonialzeit (heute Museum).
- Serra Malagueta (Zentrum-Nord): Naturpark mit dramatischen Gipfeln (bis 1.064 m) und den besten Wanderungen Santiagos.