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Verstehen · Kapitel 9

Geschichte

London Reiseführer

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VerstehenKapitel 9: Geschichte
Verstehen · Kapitel 9

Geschichte

Von der römischen Siedlung Londinium über die Pest und den Großen Brand bis zum Blitz und dem Swinging London — Londons Geschichte ist ein episches Drama aus Eroberung, Katastrophe, Wiederaufbau und Weltherrschaft.

Von den Römern bis zu den Tudors

Londons Geschichte beginnt mit den Römern. 43 n. Chr. gründeten sie Londinium als Handelsposten an der Themse — die Brücke, die sie bauten, stand ungefähr dort, wo heute die London Bridge steht. Londinium wuchs schnell zur größten Stadt Britanniens (30.000 Einwohner), wurde 60 n. Chr. von Königin Boudicca niedergebrannt (eine rote Ascheschicht ist heute noch in Ausgrabungen sichtbar) und wieder aufgebaut.

Normannische Eroberung (1066)

Wilhelm der Eroberer besiegte bei Hastings den angelsächsischen König Harold und marschierte auf London. Um die Kontrolle zu sichern, ließ er den Tower of London bauen — ursprünglich ein Holzturm, bald ein massiver Steinbau (White Tower), der die Stadt bis heute überragt. Die Westminster Abbey wurde zur Krönungskirche, und London wurde endgültig zur Hauptstadt Englands.

Mittelalter & Tudors

Im Mittelalter wuchs London zur größten Stadt Europas — und litt unter entsprechenden Problemen: die Pest (Black Death, 1348–49) tötete ein Drittel der Bevölkerung. Die Tudor-Ära (1485–1603) brachte Glanz und Grausamkeit: Heinrich VIII. brach mit Rom und gründete die Church of England (weil der Papst seine Scheidung nicht genehmigen wollte), ließ zwei seiner sechs Ehefrauen im Tower köpfen und löste die Klöster auf. Seine Tochter Elisabeth I. regierte 45 Jahre, besiegte die Spanische Armada (1588) und machte England zur Seemacht. In ihrer Zeit schrieb Shakespeare im Globe Theatre seine Dramen.

Der Große Brand & das Empire

Der Große Brand von London (1666)

Am 2. September 1666 brach in einer Bäckerei in der Pudding Lane ein Feuer aus, das vier Tage lang wütete und 80% der City of London zerstörte: 13.200 Häuser, 87 Kirchen und die alte St Paul's Cathedral. Erstaunlicherweise starben „nur" wenige Menschen (offiziell: 6, real wohl mehr). Aus der Asche baute Sir Christopher Wren die neue St Paul's Cathedral und über 50 weitere Kirchen. Das Monument (61 Meter, 311 Stufen, 5£) am Ausgangsort des Feuers erinnert daran.

Das Britische Empire

Im 18. und 19. Jahrhundert wurde London zur Hauptstadt des größten Weltreichs der Geschichte. Auf seinem Höhepunkt kontrollierte das British Empire ein Viertel der Weltbevölkerung und der Landfläche. London war das unangefochtene Zentrum: die Docks verarbeiteten Waren aus aller Welt, die Bank of England dominierte die Weltwirtschaft, und die Museen füllten sich mit Schätzen aus den Kolonien (der Rosetta-Stein aus Ägypten, die Elgin Marbles aus Griechenland, die Benin Bronzes aus Nigeria — die Rückgabedebatte ist heute aktueller denn je).

Viktorianisches London

Unter Königin Victoria (1837–1901) wuchs London zur größten Stadt der Welt (6,7 Millionen Einwohner 1900). Die Underground wurde eröffnet (1863, die erste U-Bahn der Welt!), die großen Bahnhöfe gebaut (St Pancras, Paddington, King's Cross), das Abwassersystem von Joseph Bazalgette konstruiert (nach der „Great Stink" von 1858 — die Themse stank so bestialisch, dass das Parlament evakuiert wurde) und die viktorianischen Stadtteile errichtet, die London bis heute prägen.

Weltkriege & modernes London

Der Blitz (1940–41)

Vom 7. September 1940 bis Mai 1941 bombardierte die deutsche Luftwaffe London 57 aufeinanderfolgende Nächte lang — und danach sporadisch bis 1945. Über 30.000 Londoner starben, 70.000 Gebäude wurden zerstört. Die East-End-Docks und die City wurden am schwersten getroffen. Die Londoner flüchteten in die Underground-Stationen (die als Luftschutzbunker dienten — in den Tunnel von Aldwych kann man heute Führungen buchen) und zeigten den stoischen „Blitz Spirit", der bis heute Teil der britischen Identität ist. Churchill regierte aus dem War Cabinet Room unter der Whitehall (heute: Churchill War Rooms, Eintritt: 25£ — absolut sehenswert!).

Nachkriegszeit & Swinging London

Das Empire zerfiel nach dem Krieg: Indien wurde 1947 unabhängig, Afrika folgte in den 1950ern und 60ern. Die Immigration aus dem Commonwealth — Karibik (Windrush Generation), Indien, Pakistan, Bangladesch, Afrika — verwandelte London in die multikulturelle Metropole, die sie heute ist. In den 1960ern wurde London zum Zentrum der Pop-Kultur: die Beatles auf der Abbey Road, die Rolling Stones im Marquee Club, Carnaby Street als Mode-Mekka, und die British Invasion eroberte die Welt.

London heute

Seit den 1980ern hat sich London neu erfunden: die Docklands wurden zum Finanzzentrum, die Tate Modern eröffnete in einem Kraftwerk, die Olympischen Spiele 2012 regenerierten den Osten, und der Brexit (2016) stellte Londons Verhältnis zu Europa auf den Kopf — London stimmte mit 60% für „Remain". Heute ist London eine Global City der Superlative: 9 Millionen Einwohner, 300+ Sprachen, eine der größten Wirtschaftsleistungen aller Städte weltweit, und trotz (oder wegen) aller Probleme — Wohnungskosten, Brexit-Folgen, soziale Ungleichheit — eine der aufregendsten Städte der Welt.

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