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Regionen · Kapitel 7

Zentralmexiko — Koloniale Silberstädte

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RegionenKapitel 7: Zentralmexiko — Koloniale Silberstädte
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Zentralmexiko — Koloniale Silberstädte

Im Hochland Zentralmexikos liegen die schönsten Kolonialstädte des Landes: bunte Gassen, barocke Kirchen, unterirdische Straßen und die Wiege des Tequilas. Hier schlägt das kulturelle Herz Mexikos — fernab der Strände, aber mitten in der Seele des Landes.

Guanajuato — Die bunteste Stadt Mexikos★★★

Guanajuato ist ein Traum in Technicolor: Die UNESCO-Welterbe-Stadt liegt in einem engen Tal, und die bunten Häuser klettern in allen Farben des Regenbogens die steilen Hänge hinauf. Dazu kommt ein unterirdisches Straßennetz (ehemalige Flusskanäle!), eine lebendige Universitätsstadt-Atmosphäre und eine der charmantesten Altstädte Mexikos.

Guanajuato war im 18. Jahrhundert die reichste Stadt Mexikos — dank der Silberminen, die ein Viertel der weltweiten Silberproduktion lieferten. Dieser Reichtum finanzierte die barocken Kirchen, Theater und Plätze, die die Stadt heute so einzigartig machen.

Highlights

  • Callejoneadas: DAS Guanajuato-Erlebnis. Studentengruppen in mittelalterlichen Kostümen (Estudiantinas) führen singend und weintrinkend durch die engen Gassen. Jeden Abend ab 20 Uhr. Kostenlos (Trinkgeld erwartet).
  • Callejón del Beso (Gasse des Kusses): Nur 68 cm breit — der Legende nach küssen sich Paare von den gegenüberliegenden Balkonen. Romantisch und touristisch zugleich.
  • Jardín de la Unión: Der dreieckige Hauptplatz unter Lorbeerbäumen. Mariachis, Cafés, Straßenmusiker — das Wohnzimmer der Stadt.
  • Teatro Juárez: Eines der schönsten Theater Mexikos (1903). Neoklassizische Fassade, maurischer Innenraum. Führungen 50 MXN.
  • Pípila-Denkmal: Auf dem Hügel über der Stadt. Der beste Aussichtspunkt! Per Standseilbahn (30 MXN) oder zu Fuß (15 min). Zum Sonnenuntergang kommen, wenn die bunten Häuser im Abendlicht leuchten.
  • Museo de las Momias: Morbid, aber faszinierend: über 100 natürlich mumifizierte Leichen aus dem 19. Jahrhundert. Mexikos meistbesuchtes Museum außerhalb von CDMX. 85 MXN. Nichts für schwache Nerven!
  • Alhóndiga de Granaditas: Ehemaliger Kornspeicher, heute Museum. Hier begann 1810 der mexikanische Unabhängigkeitskrieg — der Minenarbeiter „El Pípila" setzte die Tore in Brand.

Tipp

Guanajuato ist eine Studentenstadt — das Nachtleben ist lebendig und günstig. Die Callejoneadas (singende Studentengruppen) sind das Highlight: einfach am Jardín de la Unión um 20 Uhr auf eine Gruppe warten und mitlaufen.

San Miguel de Allende — Die Schöne★★★

San Miguel de Allende wird regelmäßig zur „schönsten Stadt der Welt" gewählt (Condé Nast Traveler, Travel + Leisure) — und es ist leicht zu verstehen warum. Die perfekt erhaltene Kolonialstadt mit ihren ockerfarbenen Mauern, schmiedeeisernen Balkonen und der rosa neugotischen Pfarrkirche ist ein lebendiges Kunstwerk.

UNESCO-Welterbe seit 2008, hat San Miguel eine große Expat-Gemeinde (vor allem US-Amerikaner und Kanadier), die der Stadt eine kosmopolitische Note verleiht: erstklassige Restaurants, Galerien, Boutique-Hotels. Es ist teurer als der Rest Mexikos, aber jeden Peso wert.

Highlights

  • Parroquia de San Miguel Arcángel: Die ikonische neugotische Kirche (1880er) mit ihren rosa Türmen ist das Wahrzeichen der Stadt. Nachts beleuchtet besonders schön. Zeferino Gutiérrez, ein indigener Maurer, entwarf die Fassade — angeblich inspiriert von Postkarten europäischer Kathedralen.
  • Jardín Principal: Der schattige Hauptplatz vor der Parroquia. Hier trifft sich die ganze Stadt: Schuhputzer, Ballonverkäufer, Rentner, Touristen.
  • Fábrica La Aurora: Ehemalige Textilfabrik, heute Mexikos coolster Kunstkomplex: Galerien, Design-Studios, Antiquitätenläden, Cafés. Samstags mit Live-Musik.
  • Mirador & Jardín Botánico: Panoramablick über die Stadt vom Aussichtspunkt El Charco del Ingenio. Der botanische Garten daneben zeigt die Vielfalt mexikanischer Kakteen und Sukkulenten.
  • Heiße Quellen: La Gruta und Escondido Place — natürliche Thermalquellen außerhalb der Stadt. Perfekt nach einem Wandertag.

Tipp

San Miguel de Allende ist am magischsten in der Weihnachtszeit und zu Semana Santa (Ostern) — die Prozessionen, Feuerwerke und Straßenfeste sind spektakulär. Aber: Hotels frühzeitig buchen!

Guadalajara & Tequila-Route★★

Guadalajara ist Mexikos zweitgrößte Stadt (5 Mio.) und die Geburtsstätte von allem, was als „typisch mexikanisch" gilt: Mariachi, Tequila, Charreada (Rodeo) und die Jarabe Tapatío (der mexikanische Hut-Tanz). Hier ist Mexiko am mexikanischsten.

Guadalajara erleben

  • Centro Histórico: Kathedrale (1618), Hospicio Cabañas (UNESCO — mit den monumentalen Orozco-Murales), Teatro Degollado (neoklassizisch, 1866).
  • Tlaquepaque: Vorort, heute Kunsthandwerk-Zentrum. Mundgeblasenes Glas, Talavera-Keramik, Papel Picado. Die Calle Independencia ist ein einziger Kunstmarkt.
  • Tonalá: Donnerstags und sonntags Riesen-Markt für Keramik, Papiermaché und Glaswaren. Günstiger als Tlaquepaque.
  • Plaza de los Mariachis: Abends spielen Dutzende Mariachi-Gruppen — bestelle ein Lied (100–200 MXN pro Song) oder genieße die Atmosphäre bei einem Bier.

Die Tequila-Route

Die Stadt Tequila liegt 60 km westlich von Guadalajara, umgeben von endlosen blauen Agavenfeldern (UNESCO-Welterbe). Der Tequila-Zug (José Cuervo Express, ab 2.500 MXN) fährt samstags und sonntags mit Live-Mariachi, offenem Tequila und Destillerie-Besuch.

  • Casa José Cuervo: Die älteste Tequila-Destillerie der Welt (seit 1758). Führung + Verkostung ab 200 MXN.
  • Tequila Herradura: Hacienda San José del Refugio — schöne Anlage, Premium-Tequilas.
  • Agavenfelder: Die blauen Weber-Agaven brauchen 7–10 Jahre bis zur Ernte. Die Jimadores (Agavenschneider) sind Meister ihres Handwerks.

Tipp

Der José-Cuervo-Express-Zug ist ein Erlebnis — aber teuer. Günstiger: Colectivo nach Tequila (50 MXN), eigenständig Destillerien besuchen und in einer der Bars am Hauptplatz verkosten. Mehr Freiheit, weniger Touristengruppe.

Puebla — Barockstadt & Mole-Hauptstadt★★

Puebla (2,5 Stunden von Mexiko-Stadt) ist eine der prächtigsten Kolonialstädte Mexikos — und eine der unterschätztesten. Die UNESCO-Welterbe-Altstadt hat über 2.600 Kolonialgebäude, viele davon mit den berühmten Talavera-Kacheln (bunt glasierte Keramikfliesen) dekoriert.

Sehenswürdigkeiten

  • Catedral de Puebla: Eine der größten und schönsten Kathedralen Mexikos. Die Zwillingstürme (69 m) sind die höchsten des Landes.
  • Capilla del Rosario: In der Kirche Santo Domingo — die „achte Weltwunder" genannte Barockkapelle, vollständig mit Gold und Stuck überzogen. Atemberaubend.
  • Biblioteca Palafoxiana: Die älteste öffentliche Bibliothek Amerikas (1646). Wunderschöne Regale mit 40.000 Bänden. UNESCO-Weltdokumentenerbe.
  • Callejón de los Sapos (Froschgasse): Antiquitätenläden, Cafés und am Wochenende ein Flohmarkt.
  • Talavera-Werkstätten: Uriarte (seit 1824) bietet Führungen durch die Produktion der berühmten Keramik. Die Technik stammt aus Spanien (Talavera de la Reina), wurde in Puebla aber einzigartig weiterentwickelt.

Kulinarik

Puebla beansprucht die Erfindung von Mexikos berühmtestem Gericht:

  • Mole Poblano: Die komplexeste Sauce der Welt — über 25 Zutaten (Chilischoten, Schokolade, Nüsse, Gewürze). Der Legende nach im Convento de Santa Rosa für einen Bischofsbesuch erfunden.
  • Chiles en Nogada: Gefüllte Poblano-Chilis mit Walnuss-Sauce und Granatapfelkernen — Grün, Weiß, Rot wie die mexikanische Flagge. Nur August/September (Saison).
  • Cemitas: Pueblas legendäres Sandwich mit Avocado, Quesillo, Pápalo-Kraut und verschiedenen Fleischsorten.

Tipp

Puebla lässt sich perfekt als Tagesausflug von Mexiko-Stadt machen (2h Bus, ADO alle 20 Minuten). Aber: Wer übernachtet, erlebt die Stadt nachts beleuchtet — und das ist wunderschön.

Taxco — Die Silberstadt★★

Taxco (sprich: „TAS-ko") ist Mexikos Silberhauptstadt — eine weiß getünchte Bergstadt, die sich an steile Hänge klammert. Die engen, kopfsteingepflasterten Gassen sind voller Silberschmieden (über 300!), und die barocke Kirche Santa Prisca dominiert den zentralen Platz.

Highlights

  • Iglesia de Santa Prisca: Finanziert von einem einzigen Silberminenbesitzer (José de la Borda), ist diese Churrigueresque-Kirche (1751-1758) ein Meisterwerk des mexikanischen Barock. Die vergoldeten Altarretabel im Inneren sind atemberaubend.
  • Plaza Borda: Der zentrale Platz mit Blick auf Santa Prisca. Cafés, Silberläden und Eis.
  • Silberwerkstätten: Taxco-Silber ist weltweit bekannt (925er Sterling). In den Werkstätten kannst du Silberschmieden bei der Arbeit zusehen. Preise: Ring ab 200 MXN, Kette ab 500 MXN.
  • Teleferico (Seilbahn): Von der Stadt zum Hotel Monte Taxco — fantastischer Blick über die Stadt und die umliegenden Berge. 100 MXN.
  • Grutas de Cacahuamilpa: 30 km entfernt. Riesige Tropfsteinhöhlen mit bis zu 80 m hohen Kammern. Geführte Tour 1,5h. 120 MXN.

Anreise: 3h von Mexiko-Stadt per Bus (ab Terminal Taxqueña, Estrella de Oro/Futura). Auch als Tagesausflug machbar, aber eine Übernachtung lohnt sich.

Tipp

Silber kaufen: Achte auf den Stempel „925" (Sterling Silber). Auf dem Mercado de Plata sind die Preise verhandelbar. Werkstätten bieten bessere Qualität als Straßenverkäufer.

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