Antike Königreiche & Bagan
Myanmars Geschichte ist von mächtigen Königreichen geprägt, die über Jahrhunderte das Schicksal Südostasiens mitbestimmten und eine kulturelle Blüte hervorbrachten, deren Zeugnisse Reisende noch heute überwältigen.
Pyu-Städte (2. Jh. v. Chr. – 11. Jh.)
Die Pyu waren die ersten bekannten Stadtstaaten-Bewohner Zentralmyanmars. Ihre Städte — Sri Ksetra, Beikthano und Halin — sind seit 2014 UNESCO-Weltkulturerbe. Die Pyu brachten den Buddhismus aus Indien ins Land und legten die kulturellen Grundlagen für alle späteren birmanischen Reiche. Ihre Wasserversorgungssysteme, Stadtmauern und astronomischen Kenntnisse zeugen von einer hochentwickelten Zivilisation.
Das Königreich Bagan (1044–1287)
König Anawrahta gründete 1044 das erste vereinte birmanische Reich mit der Hauptstadt Bagan. Er konvertierte zum Theravada-Buddhismus, besiegte das Mon-Königreich im Süden und etablierte die Religion als Staatsideologie. Was folgte, war eine 250 Jahre währende Explosion religiöser Baukunst: Über 10.000 Tempel, Pagoden und Klöster entstanden in der Bagan-Ebene — finanziert von Königen, Adligen und wohlhabenden Bürgern, die durch den Bau religiöses Verdienst (Merit) für zukünftige Leben anhäufen wollten.
Das Königreich Bagan war ein kulturelles Zentrum ersten Ranges: Pali-Gelehrsamkeit, Medizin, Astronomie und Kunst blühten. Die Architektur entwickelte sich von Mon-inspirierten Formen zu einem eigenständigen burmesischen Stil. Das Reich endete 1287, als die Mongolen unter Kublai Khan einfielen. Es folgten Jahrhunderte fragmentierter Kleinstaaten und Rivalitäten.
Konbaung-Dynastie (1752–1885)
Das letzte große burmesische Königreich vereinte das Land erneut, eroberte Siam (Thailand), zerstörte Ayutthaya (1767) und expandierte in alle Richtungen. König Mindon gründete 1857 Mandalay als neue Hauptstadt und veranstaltete das Fünfte Buddhistische Konzil, bei dem der gesamte Pali-Kanon auf 729 Marmortafeln graviert wurde — das „weltgrößte Buch" der Kuthodaw-Pagode in Mandalay.