Gesundheit & Wasser
Impfungen
Keine Pflichtimpfungen für Nepal (außer Gelbfieber bei Einreise aus Endemiegebiet). Empfohlen:
- Standard: Tetanus, Diphtherie, Polio (auffrischen!)
- Hepatitis A: Dringend empfohlen — das Risiko ist in Nepal hoch (kontaminiertes Wasser und Essen)
- Hepatitis B: Bei längerem Aufenthalt oder medizinischem Kontakt
- Typhus: Empfohlen — besonders für Backpacker und Trekker, die Straßenessen essen
- Tollwut: Dringend empfohlen! Nepal hat viele streunende Hunde (geschätzt 3 Millionen!) und Affen (Swayambhunath, Pashupatinath). Tollwut ist zu 100% tödlich nach Symptombeginn, und Impfstoff ist auf dem Trek nicht verfügbar. Die Impfung erfordert 3 Dosen über 3–4 Wochen — rechtzeitig vor der Reise beginnen. Bei einem Biss trotzdem sofort Arzt aufsuchen (Auffrischungsdosen nötig)
- Japanische Enzephalitis: Bei Aufenthalt im Terai während der Monsunzeit (Juni–Oktober)
- Cholera: Oral-Impfung optional bei empfindlichem Magen und Straßenessen-Plänen
Wasser — Das A und O
Leitungswasser in Nepal NIEMALS trinken! Auch nicht zum Zähneputzen. Auch keine Eiswürfel in Getränken (es sei denn, das Restaurant stellt sie aus gefiltertem Wasser her). Optionen:
- UV-Wasserentkeimer (SteriPEN): Die beste Lösung für Trekker — 90 Sekunden UV-Licht tötet 99,9% aller Erreger. Kostet ab 80€, amortisiert sich innerhalb weniger Trek-Tage (kein teures „boiled water" kaufen). Braucht Batterien/Ladung — Powerbank mitnehmen!
- Wasserfilter-Flasche (LifeStraw, Grayl): Kompakt, keine Energie nötig, filtert Bakterien und Protozoen. Ab 30€
- Abgekochtes Wasser: In Tea Houses immer verfügbar. Preise steigen mit der Höhe: 50 NPR im Tal, 200–400 NPR auf 4.000 m
- Wasserreinigungstabletten: Micropur oder Chlortabletten — günstig (2€ für 100 Tabletten in Kathmandu), leicht, aber Geschmack leidet
- Flaschenwasser: In Städten verfügbar. Auf dem Trek: bitte KEIN Plastik kaufen! Müllentsorgung auf Höhe ist ein riesiges Umweltproblem — Tausende Plastikflaschen verschandeln die Trekkingrouten
Magen-Darm — Nepals häufigste Touristenkrankheit
„Delhi Belly" gibt es auch in Nepal: Durchfall, Übelkeit und Bauchkrämpfe treffen 30–50% aller Reisenden mindestens einmal. Prävention:
- Hände regelmäßig waschen oder desinfizieren (besonders vor dem Essen)
- Nur geschältes Obst essen, kein rohes Gemüse in billigen Restaurants
- Straßenessen nur von Ständen, die gut besucht sind (hoher Umsatz = frischere Zutaten)
- Mitbringen: Imodium (Akut-Stopper), Elektrolyte (ORS-Pulver, in jeder Apotheke in Kathmandu für 10 NPR), ggf. ein Breitband-Antibiotikum (Ciprofloxacin — mit dem Reisearzt besprechen)
Medizinische Versorgung
In Kathmandu gibt es gute Privatkliniken:
- CIWEC Hospital: Spezialisiert auf Reisekrankheiten, westliche Ärzte, teuer aber gut. Lazimpat, Kathmandu
- Nepal International Clinic: Ebenfalls auf Reisende spezialisiert. Lal Durbar, Kathmandu
Auf dem Trek: nur einfache Health Posts und die HRA-Stationen (Himalayan Rescue Association) in Manang (Annapurna) und Pheriche (EBC). Reisekrankenversicherung mit Helikopter-Evakuierung ist PFLICHT! Eine Rettung per Heli aus dem Khumbu kostet 5.000–10.000 USD. Prüfe deine Police genau: Deckung für Höhen über 4.000 m? Helikopter-Evakuierung inkludiert? Empfohlene Versicherer: Allianz Global Assistance, World Nomads, DAV (für Clubmitglieder).
Sonnenschutz — Unterschätztes Risiko
Die UV-Strahlung in Nepal ist deutlich intensiver als in Mitteleuropa — pro 1.000 Höhenmeter steigt die UV-Belastung um ca. 10–12%. Auf 4.000 m ist die UV-Strahlung 40% stärker als auf Meereshöhe, und Schnee reflektiert zusätzlich bis zu 80% der Strahlung. Schneeblindheit, schwerer Sonnenbrand und langfristige Hautschäden sind reale Gefahren, die viele Trekker unterschätzen.
- Sonnencreme: Mindestens LSF 50+, wasserfest, großzügig und alle 2 Stunden nachcremen — auch bei bewölktem Himmel (UV durchdringt Wolken). Lippen mit Lippenbalsam LSF 30+ schützen (rissige, verbrannte Lippen auf dem Trek sind extrem unangenehm)
- Sonnenbrille: Kategorie 3 oder 4 mit seitlichem Blendschutz. Auf Höhe ab 3.500 m und besonders auf Schneefeldern ist eine gletschertaugliche Brille mit Seitenschutz empfehlenswert. Schneeblindheit (UV-Keratitis) fühlt sich an wie Sand in den Augen, ist extrem schmerzhaft und kann 24–48 Stunden anhalten — auf dem Trek ein ernstes Problem, das den Weitermarsch unmöglich machen kann
- Kopfbedeckung: Breitkrempiger Hut oder Kappe mit Nackenschutz. Auf dem Trek unverzichtbar — auch bei Wind und Wolken
Reiseapotheke — Was mitnehmen?
In Kathmandu gibt es Apotheken an jeder Straßenecke, die die meisten Medikamente rezeptfrei und günstig verkaufen. Trotzdem solltest du eine Grundausstattung mitbringen, da die Qualität nicht immer gewährleistet ist und auf dem Trek keine Apotheken existieren:
- Durchfall & Magen: Imodium (Loperamid), Elektrolytpulver (ORS), Ciprofloxacin (mit Arzt besprechen), Buscopan gegen Krämpfe
- Schmerzen & Fieber: Ibuprofen 400mg (wirkt auch gegen Höhenkopfschmerz besser als Paracetamol), Paracetamol als Reserve
- Höhenkrankheit: Diamox (Acetazolamid) 250mg — prophylaktisch 125mg morgens und abends ab 3.000 m, oder therapeutisch bei Symptomen. Vorher testen! Nebenwirkungen: Kribbeln in Fingern/Zehen, häufiges Wasserlassen, Geschmacksveränderungen bei kohlensäurehaltigen Getränken. Rezeptpflichtig in Deutschland, in Nepal rezeptfrei für ca. 50 NPR pro Tablette
- Erkältung: Nasenspray, Halstabletten, Hustenstiller — trockene, kalte Luft auf Höhe macht die Atemwege anfällig. Der berüchtigte „Khumbu Cough" (trockener Reizhusten durch kalte, dünne Luft) kann wochenlang anhalten
- Wundversorgung: Desinfektionsspray (Octenisept), Pflaster, Blasenpflaster (Compeed — absolut ESSENZIELL auf dem Trek!), sterile Kompressen, elastische Binde für Verstauchungen
- Augen: Augentropfen gegen trockene Augen (Staub!), ggf. Antibiotika-Augentropfen für Bindehautentzündung
- Sonstiges: Antihistaminikum (Allergien, Insektenstiche), Sonnencreme LSF 50+, DEET-Mückenspray (30–50% für Terai/Chitwan), Kohletabletten, Pinzette für Zecken/Splitter
Tipp: Lasse dir von deinem Hausarzt ein Notfall-Set mit Rezepten zusammenstellen — viele reisemedizinische Praxen bieten das als Paket an. Die Beratung kostet ca. 30–50€ und ist das beste investierte Geld vor einer Nepal-Reise.
💡 Tipp
Investiere in einen UV-Wasserentkeimer (SteriPEN) oder eine Filtersystem-Flasche (Grayl Geopress)! Du sparst Geld (kein teures „boiled water" in Tea Houses), produzierst keinen Plastikmüll und hast jederzeit sauberes Wasser. Eine Grayl-Flasche kostet 60€ und amortisiert sich innerhalb von 5 Trekking-Tagen. Auf einem 14-Tage-Trek sparst du 30–50€ — und du hilfst, Nepals Trekkingrouten sauber zu halten.