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Verstehen · Kapitel 8

Geschichte

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VerstehenKapitel 8: Geschichte
Verstehen · Kapitel 8

Geschichte

Von den Pikten und Kelten über William Wallace und Robert the Bruce bis zur Unabhängigkeitsdebatte — Schottlands Geschichte ist ein epischer Roman aus Freiheitskampf, Verrat, Clan-Fehden und unbeugsamen Widerstand gegen die englische Krone.

Pikten, Kelten & frühes Schottland

Schottland wurde nach der letzten Eiszeit vor etwa 12.000 Jahren besiedelt — Jäger und Sammler folgten dem zurückweichenden Eis. Die frühesten monumentalen Spuren sind die neolithischen Stätten auf Orkney (Skara Brae, 3180 v. Chr.), die zu den ältesten erhaltenen Siedlungen Europas gehören.

Die Pikten

Die Pikten waren die ursprünglichen Bewohner Schottlands nördlich des Forth — ein mysteriöses Volk, das für seine kunstvollen Steinsymbole bekannt ist (rätselhafte Zeichen, die nie vollständig entschlüsselt wurden). Sie widerstanden erfolgreich den Römern: Kaiser Hadrian baute seinen Wall (Hadrian's Wall, 122 n. Chr.) nicht zum Schutz vor den Pikten, sondern weil er Schottland schlicht nicht erobern konnte.

Vereinigung unter Kenneth MacAlpin

Um 843 vereinigte Kenneth MacAlpin die Pikten und die gälischen Skoten (keltische Einwanderer aus Irland) zum Königreich Alba — dem Vorläufer Schottlands. Von nun an wurde Schottland als ein Reich betrachtet, das seine Unabhängigkeit gegen Wikinger, Angeln und später die Engländer verteidigen musste.

Unabhängigkeitskriege & William Wallace

Edward I. und die Krise der Krone

1286 starb der schottische König Alexander III., und England sah seine Chance. König Edward I. von England (der „Hammer der Schotten") nutzte einen Thronstreit aus, um sich selbst zum Oberherrn Schottlands zu erklären. Er raubte den Stone of Destiny (den Krönungsstein) und brachte ihn nach Westminster — ein Akt, der die schottische Seele zutiefst verwundete.

William Wallace (1270–1305)

William Wallace ist Schottlands Nationalheld — ein niederer Adliger, der 1297 eine Rebellenarmee gegen die englische Besatzung anführte und in der Schlacht von Stirling Bridge eine zahlenmäßig überlegene englische Armee vernichtend schlug. Wallace wurde zum Guardian of Scotland ernannt, aber 1305 verraten, gefangen genommen und in London brutal hingerichtet (gehängt, gestreckt und geviertelt). Sein Opfer machte ihn zum unsterblichen Symbol des schottischen Freiheitswillens. Das Wallace Monument bei Stirling (67 m hoher Turm) ehrt sein Andenken. Der Film „Braveheart" (1995) ist historisch fragwürdig, hat aber Wallace weltweit bekannt gemacht.

Robert the Bruce (1274–1329)

Wo Wallace scheiterte, triumphierte Robert the Bruce. Er ließ sich 1306 zum König krönen, führte einen jahrelangen Guerillakrieg gegen die Engländer und gewann 1314 die Schlacht von Bannockburn — Schottlands größter militärischer Sieg. 1320 formulierte die Declaration of Arbroath das Recht auf Unabhängigkeit — einer der einflussreichsten Texte der politischen Geschichte. 1328 erkannte England Schottlands Unabhängigkeit an.

Mary Queen of Scots & die Jakobiten

Mary, Queen of Scots (1542–1587)

Maria Stuart ist die tragischste Figur der schottischen Geschichte. Mit sechs Tagen Königin, mit fünf Jahren nach Frankreich geschickt, mit 18 zurück in ein religiös zerrissenes Schottland. Drei Ehen (die zweite endete mit der Ermordung ihres Mannes, die dritte mit dem mutmaßlichen Mörder), erzwungene Abdankung, 19 Jahre Gefangenschaft in England und schließlich Hinrichtung durch ihre Cousine Elizabeth I. im Jahr 1587. Ihr Leben liest sich wie ein Shakespeare-Drama — nur dass es real war. In Edinburgh kann man die Räume im Palace of Holyroodhouse besuchen, in denen sich das Drama abspielte.

Die Jakobiten-Aufstände (1689–1746)

Nach der Union of the Crowns (1603) und der Act of Union (1707), die Schottland und England zum Vereinigten Königreich vereinten, wollten die Jakobiten die Stuart-Dynastie auf den Thron zurückbringen. Der letzte und berühmteste Versuch war Bonnie Prince Charlie (Charles Edward Stuart), der 1745 in den Highlands landete, eine Armee aufstellte und bis nach Derby in England vorrückte.

Der Traum endete auf dem Schlachtfeld von Culloden am 16. April 1746 — der letzten Landschlacht auf britischem Boden. In nur 40 Minuten zerstörte die englische Armee die Jakobiten-Streitkräfte. Es folgten die Highland Clearances: die systematische Zerstörung der Highland-Kultur — Clan-System, Tartan, Dudelsack und Gälisch wurden verboten, Zehntausende vertrieben. Das Schlachtfeld bei Inverness ist heute eine bewegende Gedenkstätte.

Das moderne Schottland

Industrielle Revolution bis heute

Im 18. und 19. Jahrhundert war Schottland eine intellektuelle und industrielle Supermacht:

  • Die schottische Aufklärung: David Hume (Philosophie), Adam Smith (Wirtschaft, „Wealth of Nations"), James Watt (Dampfmaschine) — Edinburgh wurde zum „Athen des Nordens".
  • Industrialisierung: Glasgow wurde zur „Zweiten Stadt des Empire" — Schiffbau (die Clyde-Werften bauten die berühmtesten Schiffe der Welt), Stahl, Kohle, Textil.
  • Erfindungen: Telefon (Alexander Graham Bell), Penicillin (Alexander Fleming), Fernsehen (John Logie Baird), Radar, MRT, Dolly das Schaf (erstes geklontes Säugetier) — Schottland hat erstaunlich viel erfunden.

Devolution & Unabhängigkeitsdebatte

1997 stimmte Schottland für ein eigenes Parlament, das 1999 in Edinburgh eröffnet wurde — das erste schottische Parlament seit 1707. Im Unabhängigkeitsreferendum 2014 stimmten 55% gegen und 45% für die Unabhängigkeit. Der Brexit 2016 (den Schottland mit 62% ablehnte) hat die Debatte neu entfacht. Die Frage „Should Scotland be an independent country?" bleibt die zentrale politische Frage — und du wirst sie in jedem Pub diskutieren hören.

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