Großmachtzeit & Gustav Vasa (1523–1718)
Die moderne schwedische Geschichte beginnt mit Gustav Vasa (1496–1560), dem Gründer des schwedischen Nationalstaats. 1520 ließ der dänische König Christian II. über 80 schwedische Adlige auf dem Stockholmer Stortorget hinrichten (das „Stockholmer Blutbad" — → Kap. Stockholm, Gamla Stan). Gustav Vasa, ein junger Adliger, der dem Massaker entkam, floh nach Dalarna und versuchte, die Bauern zum Aufstand zu bewegen. Zunächst scheiterte er — enttäuscht machte er sich auf Skiern auf den Weg nach Norwegen. Doch die Dala-Bauern änderten ihre Meinung und schickten ihre schnellsten Skiläufer hinter ihm her. Sie holten ihn in Sälen ein, und Gustav kehrte um, um den Aufstand anzuführen.
Diese Episode wird jedes Jahr mit dem Vasaloppet gefeiert — dem ältesten und längsten Skilanglaufrennen der Welt (90 km von Sälen nach Mora, seit 1922, über 15.000 Teilnehmer). Gustav vertrieb die Dänen und wurde 1523 zum König gewählt — der 6. Juni (sein Krönungstag) ist bis heute Schwedens Nationalfeiertag.
Gustav Vasa reformierte Schweden grundlegend: Er führte die Reformation ein (lutherisch, 1527 — hauptsächlich, um den reichen Kirchenbesitz zu konfiszieren), zentralisierte die Verwaltung, baute eine Armee und Marine auf und machte Schweden zu einem modernen Staat. Er regierte 37 Jahre lang mit eiserner Hand, wurde dreimal verheiratet und hatte elf Kinder. Er gilt als „Vater des Vaterlandes" — und war vermutlich ein ziemlich unangenehmer Mensch.
Die Großmachtzeit (Stormaktstiden, 1611–1718)
Unter den Königen Gustav II. Adolf (1594–1632) und Karl XII. (1682–1718) wurde Schweden zur europäischen Großmacht: Das schwedische Reich umfasste Finnland, das Baltikum (Estland, Lettland, Teile Litauens), Teile Norddeutschlands (Vorpommern, Bremen-Verden, Wismar) und beherrschte de facto die Ostsee als „Mare Nostrum".
Gustav II. Adolf — der „Löwe des Nordens" — griff 1630 entscheidend in den Dreißigjährigen Krieg ein und rettete den Protestantismus in Europa. Die schwedische Armee, diszipliniert und innovativ (Gustav führte leichte Artillerie und Salventaktik ein), wurde zur gefürchtetsten auf dem Kontinent. Bei der Schlacht bei Lützen (1632) gewannen die Schweden — aber Gustav II. Adolf fiel. Sein Tod beendete die Ära des größten schwedischen Königs.
Das Kriegsschiff Vasa, das 1628 im Stockholmer Hafen sank (heute im Vasa-Museum → Kap. Stockholm), ist das perfekte Symbol dieser ehrgeizigen, manchmal überheblichen Großmachtzeit: zu groß, zu schwer, zu stolz — und gesunken vor den Augen aller.
Das Ende der Großmacht kam mit Karl XII.: Der „Krieger-König" bestieg den Thron mit 15, führte Schweden in den Großen Nordischen Krieg (1700–1721) und gewann zunächst spektakuläre Siege gegen Dänemark, Russland und Sachsen-Polen. Dann griff er Russland an. Peter der Große vernichtete die schwedische Armee bei Poltawa (Ukraine, 1709) — ein Wendepunkt der europäischen Geschichte. Karl XII. floh in die Türkei, kehrte Jahre später zurück und starb 1718 bei einer Belagerung in Norwegen — durch eine Kugel, deren Herkunft (Feind oder eigene Leute?) bis heute ungeklärt ist. Schweden verlor sein Imperium und fand sich — verkleinert und erschöpft — auf der Suche nach einer neuen Identität.