Geschichte Schwedens · Abschnitt 1/3

Wikingerzeit (793–1066)

🇸🇪 Schweden Reiseführer

Geschichte Schwedens|
VerstehenWikingerzeit (793–1066)

Wikingerzeit (793–1066)

Während die norwegischen Wikinger nach Westen segelten (Island, Grönland, Nordamerika), zogen die schwedischen Wikinger — die Waräger (Varjager) — nach Osten. Über die russischen Flüsse (Dnjepr, Wolga) gelangten sie bis nach Byzanz (Konstantinopel) und Bagdad, handelten mit Pelzen, Honig, Bernstein und Sklaven und gründeten Handelsposten, aus denen Städte wie Nowgorod und Kiew entstanden. Der Name „Russland" (Rus) stammt möglicherweise von den Waräger-Schweden — „Ruotsi" ist das finnische Wort für Schweden.

Die schwedischen Wikinger waren mehr Händler und Siedler als Plünderer — obwohl sie durchaus auch das Schwert zogen, wenn es sich lohnte. Die Warägergarde in Konstantinopel war die Elitetruppe des byzantinischen Kaisers — schwedische Krieger schützten den mächtigsten Herrscher der Christenheit. Arabische Reisende wie Ibn Fadlan (922) hinterließen faszinierende Berichte über die Waräger an der Wolga — ihre Schiffsbestattungen, ihre Tattoos und ihre (in arabischen Augen) fragwürdige Hygiene.

★★ Birka — Die Wikinger-Handelsstadt (UNESCO)

Auf der Insel Björkö im Mälarsee (30 km westlich von Stockholm) lag Birka — eine der wichtigsten Handelsstädte Nordeuropas und seit 1993 UNESCO-Welterbe. Von ca. 750 bis 975 n. Chr. war Birka das kosmopolitische Zentrum der schwedischen Wikingerzeit: Handelsbeziehungen reichten von Dublin bis Bagdad, von Haithabu (Schleswig-Holstein) bis Konstantinopel. Archäologische Funde zeigen arabische Silbermünzen (Dirhams), byzantinischen Schmuck, fränkische Waffen und chinesische Seide — ein Beweis für die Globalität der Wikinger.

Heute kann man Birka per Bootsfahrt ab Stockholm (1,5 Stunden, ab 320 SEK / 28 €, Mai–September) besuchen. Das Museum auf Björkö zeigt Funde aus den über 3.000 Gräbern, und im Wikingerdorf kann man das Leben der Wikingerzeit nacherleben. Besonders beeindruckend: Das Grab Bj 581 — ein 2017 per DNA-Analyse als Frau identifiziertes Kriegergrab mit Waffen, Pferden und Spielfiguren, das die traditionelle Vorstellung vom „männlichen Wikingerkrieger" auf den Kopf stellte.

Runensteine

Schweden hat mehr Runensteine als jedes andere Land der Welt — über 2.500 bekannte Steine, davon allein 1.200 in der Region Uppland (nördlich von Stockholm). Die Steine wurden im 9.–11. Jahrhundert errichtet, meist zur Erinnerung an Verstorbene oder zur Dokumentation von Reisen. Die Inschriften sind auf Altnordisch in Runenschrift und erzählen von Handelsfahrten nach Osten (Griechenland, Garðaríki/Russland), von gefallenen Kriegern und von Brückenbauten als fromme Taten.

Die bekanntesten Runensteine:

  • Rök-Stein (Östergötland): Der berühmteste Runenstein der Welt — mit über 760 Runen die längste Runeninschrift. Der Text ist rätselhaft und wird seit 200 Jahren diskutiert.
  • Ingvar-Steine (Mälardalen): 26 Steine erinnern an die gescheiterte Expedition des Wikingers Ingvar (1036–1041) zum Kaspischen Meer — keiner der Teilnehmer kehrte zurück.
  • Prästgatan 3, Gamla Stan (Stockholm): Ein echter Runenstein in der Hauswand mitten in der Altstadt — leicht zu übersehen, aber ein Stück uralte Geschichte.

Alt-Uppsala — Das letzte heidnische Heiligtum

Die Christianisierung Schwedens begann im 11. Jahrhundert, später als in Norwegen und Dänemark. Der Tempel von Alt-Uppsala (Gamla Uppsala, 5 km nördlich von Uppsala) war das letzte große heidnische Heiligtum Skandinaviens — hier wurden Odin, Thor und Freyr verehrt, und alle neun Jahre fand ein Opferfest statt (Blót), bei dem der Legende nach neun Männer und neun Tiere geopfert wurden. Heute stehen hier drei große Grabhügel aus dem 5.–6. Jahrhundert (wahrscheinlich Königsgräber) und ein kleines Museum. Die Kirche von Gamla Uppsala wurde direkt über dem heidnischen Tempel errichtet — eine symbolische Übernahme.

Reise nach Schweden planen

* Partnerlinks – bei Buchung erhalten wir eine Provision, ohne Mehrkosten für dich