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Regionen · Kapitel 5

Ostküste — Catania, Taormina & Ätna

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Regionen · Kapitel 5

Ostküste — Catania, Taormina & Ätna

Die Ostküste ist Siziliens dramatischste Region: Der Ätna, Europas höchster aktiver Vulkan, dominiert die Landschaft, das elegante Taormina thront auf seinem Felsbalkon über dem Meer, und Catania pulsiert mit barocker Energie, Nachtleben und der besten Granita der Insel.

Ätna — Der feuerspeiende Berg★★★

Der Ätna (Etna, sizilianisch: Mungibeddu, 3.357 m) ist Europas höchster und aktivster Vulkan — und das unbestrittene Wahrzeichen Siziliens. Der „Berg aller Berge" ist keine abstrakte Naturgewalt, sondern ein lebendiger Teil des Alltags: Für die Catanesen ist der Ätna schlicht „a Muntagna" (der Berg), der gleichzeitig Segen und Bedrohung ist. Seine Ausbrüche versorgen die Flanken mit mineralreichem Boden, auf dem die besten Weine, Pistazien und Orangen Siziliens gedeihen — und können im nächsten Moment Lavaströme schicken, die Dörfer bedrohen.

Den Ätna erleben: Der häufigste Zugang ist die Südseite ab Nicolosi (Rifugio Sapienza, 1.910 m). Von dort nimmt die Funivia dell'Etna (Seilbahn, 36€ hin/rück) bis auf 2.500 m, wo Geländebusse (30€) bis auf ca. 2.900 m weiterfahren. Ab dort geht es zu Fuß weiter zu den Gipfelkratern — die letzten 400 Höhenmeter sind nur mit autorisiertem Bergführer erlaubt (verpflichtend über 2.900 m, ca. 50€ pro Person inklusive Helm und Wanderstöcke). Der Blick in die dampfenden Krater, die Fumarolen und die erkalteten Lavaströme ist ein Erlebnis, das man nie vergisst.

Die Nordseite (ab Piano Provenzana, 1.800 m, erreichbar ab Linguaglossa) ist ruhiger und wilder — hier fährt man durch dichte Birkenwälder und über erkaltete Lavafelder. Geländewagen-Touren (ab 60€) bringen Besucher auf der Nordseite bis zu den Kratern. Im Winter (Dezember–März) verwandelt sich der Ätna in ein Skigebiet — zwei kleine Stationen auf der Süd- und Nordseite bieten Pisten mit dem absurdesten Panorama Europas: Skifahren auf einem aktiven Vulkan mit Blick auf das 30 km entfernte Mittelmeer.

Die Ätna-Weine erleben gerade einen Boom: Die vulkanischen Böden auf 600–1.000 m Höhe produzieren mineralische, elegante Rot- und Weißweine aus autochthonen Rebsorten (Nerello Mascalese, Carricante), die internationale Kritiker begeistern. Weingüter wie Benanti, Planeta, Tenuta delle Terre Nere und Passopisciaro bieten Verkostungen an — eine Ätna-Weintour ist das kulinarische Highlight der Ostküste.

Tipp

Starte den Ätna-Aufstieg möglichst früh (Seilbahn ab 9:00 Uhr, besser um 9:00 Uhr da sein). Am Nachmittag ziehen oft Wolken auf und verdecken die Sicht. Warme Kleidung ist Pflicht — auch im Hochsommer sind es am Gipfel nur 5–10°C, dazu Wind. Sonnencreme mit hohem LSF wegen der Höhenstrahlung.

Taormina — Siziliens Balkon★★★

Taormina (Tauromenion) ist Siziliens berühmteste Stadt und einer der schönsten Orte des Mittelmeers. Auf einer Felsterrasse in 200 Metern Höhe über dem Ionischen Meer gelegen, mit dem schneebedeckten Ätna im Hintergrund, ist Taormina seit dem 18. Jahrhundert ein Magnet für Dichter, Maler, Aristokraten und Filmstars. Goethe war hier, D.H. Lawrence schrieb hier, Liz Taylor und Richard Burton residierten im Grand Hotel Timeo — und Instagram hat Taormina endgültig zum Inbegriff mediterraner Schönheit gemacht.

Das Herz der Stadt ist das Teatro Greco (Teatro Antico) — ein griechisch-römisches Theater aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., das zu den beeindruckendsten antiken Theatern der Welt gehört. Nicht wegen seiner Größe (4.500 Plätze), sondern wegen seiner Kulisse: Die Bühne öffnet sich auf einen Bogen, durch den man gleichzeitig den Ätna, die Bucht von Naxos und das tiefblaue Ionische Meer sieht — die vielleicht berühmteste Aussicht der gesamten Antike. Im Sommer finden hier Konzerte, Theateraufführungen und das Taormina Film Fest statt — eine Aufführung im Teatro Greco bei Sonnenuntergang gehört zu den unvergesslichen Erlebnissen Siziliens.

Die Corso Umberto I ist Taorminas elegante Flaniermeile: 800 Meter vom Porta Messina zum Porta Catania, gesäumt von Barockkirchen, Antiquitätenläden, Cafés, Restaurants und dem kleinen Piazza IX Aprile — einer Terrasse mit Panoramablick auf die Küste und den Ätna, die zu den fotogensten Plätzen Europas gehört. Unterhalb der Altstadt liegt die Isola Bella (Schöne Insel) — eine winzige, bewaldete Insel in einer türkisen Bucht, verbunden mit dem Festland durch einen schmalen Sandstreifen. Per Seilbahn (3€) vom Zentrum zum Strand — die Bucht ist perfekt zum Schnorcheln.

Taormina hat einen Nachteil: In der Hochsaison (Juli/August) ist es extrem überlaufen und teuer. Die Preise in Restaurants und Hotels gehören zu den höchsten Siziliens. Wer Taormina in Ruhe genießen will, kommt im Mai, Juni oder Oktober — dann ist die Atmosphäre entspannt, die Sicht auf den Ätna oft am klarsten und die Preise erträglich.

Achtung

Taormina ist im Juli/August extrem voll und teuer. Restaurants an der Corso Umberto verlangen teils 20€ für eine einfache Pasta. Bessere und günstigere Restaurants findest du in den Seitenstraßen oder im benachbarten Giardini Naxos.

Catania — Die schwarze Barockstadt

Catania ist Siziliens zweitgrößte Stadt (310.000 Einwohner) und der raue, energetische Gegenpol zum eleganten Palermo. Sieben Mal vom Ätna zerstört, sieben Mal wiederaufgebaut — zuletzt nach dem verheerenden Erdbeben von 1693, als die gesamte Stadt im schwarzen Barock aus dunklem Lavastein neu erstanden ist. Das Ergebnis ist eine Stadt von düsterer Schönheit: schwarze Paläste mit weißen Marmor-Akzenten, dramatische Barockkirchen und breite Boulevards, die im sizilianischen Sonnenlicht einen fast surrealen Kontrast bilden.

Die Piazza del Duomo ist das Zentrum: Hier steht das Wahrzeichen der Stadt — der Elefantenbrunnen (Fontana dell'Elefante): ein Elefant aus schwarzem Lavastein, der einen ägyptischen Obelisken trägt. Dahinter erhebt sich die Kathedrale Sant'Agata (mit den Reliquien der Stadtpatronin, deren Fest am 5. Februar eines der größten religiösen Spektakel Italiens ist). Die Via Etnea, Catanias elegante Hauptstraße, zieht sich 3 km vom Duomo schnurgerade nach Norden — mit dem Ätna am Ende der Sichtachse, der die Straße perfekt abschließt.

Catanias La Pescheria (Fischmarkt) ist das rohe Pendant zu Palermos Ballarò: Jeden Morgen (außer Sonntag) verwandelt sich der Platz hinter der Piazza del Duomo in ein ohrenbetäubendes Spektakel aus brüllenden Fischhändlern, Schwertfischen, Thunfischen, Seeigeln und Oktopussen. Dahinter: Restaurants, die den frisch gekauften Fisch sofort zubereiten. Die Granita aus Catania gilt als die beste Siziliens — besonders aus Mandeln oder Pistazien, mit warmem Brioche-Brötchen. Am Morgen ist das Pflichtprogramm.

Catania hat auch das beste Nachtleben Siziliens: Die Viertel San Berillo Vecchio und die Gegend um die Via Teatro Massimo bieten Bars, Clubs und Livemusik bis in die Morgenstunden. Die Universität (eine der ältesten Europas, 1434) sorgt für eine junge, lebendige Atmosphäre, die Palermo fehlt.

Tipp

In Catania unbedingt morgens die Pescheria besuchen (ab 7:00 Uhr, vor 12 Uhr) und direkt dort frischen Fisch essen lassen. Danach Granita di Mandorla con Brioche in einer der Bars am Duomo. Das ist das perfekte Catania-Erlebnis — roh, authentisch und unvergesslich.

Äolische Inseln — Vulkane im Meer

Die Äolischen Inseln (Isole Eolie) sind ein Archipel aus sieben vulkanischen Inseln vor der Nordostküste Siziliens — seit 2000 UNESCO-Welterbe und eines der faszinierendsten Reiseziele des Mittelmeers. Jede Insel hat ihren eigenen Charakter, und alle vereinen vulkanische Landschaften, kristallklares Wasser und eine Atmosphäre zeitloser Abgeschiedenheit.

Stromboli ist der Star: Der gleichnamige Vulkan (924 m) ist einer der aktivsten Vulkane der Erde — alle 15–20 Minuten schleudert er glühende Lavafontänen in den Nachthimmel. Die Besteigung zum Gipfel (ab 2024 nur noch mit zertifiziertem Führer, ca. 28€, 5 Stunden hin und zurück) bei Sonnenuntergang, um von oben die Eruptionen in der Dunkelheit zu beobachten, ist ein Naturschauspiel ohnegleichen. Alternativ: Ein Boot chartern und die Sciara del Fuoco (Feuerrutsche) — die Flanke, an der die Lava ins Meer fließt — bei Nacht vom Wasser aus beobachten.

Lipari ist die größte und lebendigste Insel: ein hübscher Hafenort mit Burg, archäologischem Museum (eines der besten im Mittelmeerraum für vorgeschichtliche Funde), guten Restaurants und den Bimsstein-Stränden von Canneto. Vulcano riecht nach Schwefel und bietet ein einzigartiges Erlebnis: Der Aufstieg zum Gran Cratere (391 m, 1 Stunde) führt an dampfenden Fumarolen vorbei und belohnt mit Blick auf alle sieben Inseln. Am Fuß des Vulkans liegen die berühmten Fanghi — natürliche Schwefelschlammbecken, in denen man baden kann (stinkt, aber gut für die Haut).

Salina ist die grünste und kulinarisch interessanteste Insel: Hier werden die berühmten Kapern von Salina (Slow Food Presidium) angebaut, und die Malvasia delle Lipari (bernsteinfarbener Dessertwein) gehört zu den besten Dessertweinen Italiens. Panarea ist das kleine Jetset-Inselchen mit weißen Häusern und exklusiven Bars — Siziliens Antwort auf Mykonos. Filicudi und Alicudi (die westlichsten Inseln) sind wild, einsam und ohne Autos — für Individualisten, die das Ende der Welt suchen.

Tipp

Die Äolischen Inseln erreichst du per Fähre oder Tragflächenboot ab Milazzo (Ostküste, 1–2 Stunden, ab 20€), Messina oder Cefalù. Für Stromboli: Nimm die letzte Fähre, übernachte auf der Insel und besteige den Vulkan bei Sonnenuntergang. Am nächsten Morgen: Frühstück im Café am Hafen, mit Blick auf den rauchenden Gipfel. Unvergesslich.

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