🇪🇸
Regionen · Kapitel 5

Der Norden

Teneriffa Reiseführer

Übersicht|
RegionenKapitel 5: Der Norden
Regionen · Kapitel 5

Der Norden

Der grüne, wilde Norden ist das authentische Teneriffa: subtropische Gärten, dramatische Steilküsten, koloniale Städtchen und das mystische Anaga-Gebirge. Hier dominieren Passatwolken statt Touristenströme, und in den Guachinches schenken Winzer ihren eigenen Wein aus.

Puerto de la Cruz

Puerto de la Cruz ist das historische Herz des Tourismus auf Teneriffa — und sein komplettes Gegenprogramm zum Süden. Wo Costa Adeje Bettenburgen und Shopping-Malls bietet, wartet hier ein gewachsener Ort mit echter Seele: enge Gassen mit kanarischen Holzbalkonen, ein lebendiger Fischerhafen, botanische Gärten und ein kulturelles Erbe, das bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht.

Sehenswürdigkeiten

  • Playa Jardín: César Manriques Meisterwerk — ein schwarzer Lavastrand, eingebettet in tropische Gärten mit Palmen, Kakteen und Vulkangestein. Einer der schönsten Strände der Kanaren, trotz der dunklen Farbe des Sandes. Die Wellen können kräftig sein — aufpassen mit Kindern.
  • Lago Martiánez: Sieben Meerwasser-Schwimmbecken, entworfen von César Manrique (1977). Vulkangestein, weiße Architektur, subtropische Pflanzen und ein großer zentraler See — ein architektonisches Juwel. Eintritt: 5,50€.
  • Jardín Botánico: Der Botanische Garten (1788, gegründet auf Befehl von König Carlos III.) ist einer der ältesten Spaniens. Auf 20.000 m² wachsen über 4.000 tropische und subtropische Pflanzen — darunter ein gigantischer australischer Feigenbaum, dessen Luftwurzeln ein eigenes Labyrinth bilden. Eintritt: 3€.
  • Loro Parque: Teneriffas meistbesuchte Attraktion. Ursprünglich als Papageienpark gegründet, beherbergt er heute Orcas, Pinguine, Gorillas, Tiger und die größte Papageiensammlung der Welt (über 350 Arten). Umstritten wegen der Orca-Haltung, aber zoologisch hochkarätig. Eintritt: 40€, Kinder 28€. Kombiticket mit Siam Park: 68€.
  • Altstadt & Fischerhafen: Die Calle San Felipe, die Plaza del Charco und der kleine Hafen Muelle Pesquero sind das Herz des alten Puerto. Abends: Tapas-Bars, Live-Musik und das Rauschen der Brandung.

Tipp

Puerto de la Cruz ist der perfekte Standort für Reisende, die Kultur und Natur kombinieren wollen. Von hier aus erreichst du den Teide (45 Min.), La Orotava (10 Min.), das Anaga-Gebirge (1h) und Icod de los Vinos (25 Min.). Und abends hast du eine echte Stadt mit Restaurants und Atmosphäre — nicht nur eine Hotel-Anlage.

La Orotava

La Orotava ist die vielleicht schönste Stadt Teneriffas — ein koloniales Juwel, das sich in einem fruchtbaren Tal vom Teide bis zum Meer erstreckt. Die Altstadt mit ihren prachtvollen Herrenhäusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert, den geschnitzten Holzbalkonen und den blumengeschmückten Innenhöfen ist ein architektonisches Freilichtmuseum.

Highlights

  • Casa de los Balcones: Das berühmteste Haus der Kanaren (1632). Ein zweigeschossiges Herrenhaus mit spektakulären geschnitzten Holzbalkonen aus dunklem Teakholz und einem Innenhof voller Pflanzen. Heute ein Museum für kanarische Handwerkskunst (Stickereien, Keramik). Eintritt: 5€.
  • Iglesia de la Concepción: Die mächtige Barockkirche (1788) mit ihrer Kuppel dominiert die Skyline von La Orotava. Das Innere ist opulent: vergoldete Altäre, Holzschnitzereien und eine beeindruckende Orgel.
  • Jardines del Marquesado de la Quinta Roja: Terrassierte Gärten im Stil des 19. Jahrhunderts mit einem neogotischen Mausoleum im Zentrum. Freier Eintritt und ein wunderbarer Ort für eine Pause.
  • Alfombras de Corpus Christi: Zu Fronleichnam (Mai/Juni) verwandeln die Bewohner die Straßen der Altstadt in ein Kunstwerk aus Blumenteppichen: Riesige Bilder aus Blütenblättern, Vulkansand und gefärbten Erden bedecken die Straßen. Ein UNESCO-immaterielles Kulturerbe und eines der eindrucksvollsten Feste der Kanaren.
  • Orotava-Tal: Das Valle de La Orotava erstreckt sich vom Teide bis zur Küste bei Puerto de la Cruz. Alexander von Humboldt nannte es „den schönsten Ort, den ich je gesehen habe". Bananenplantagen, Weinberge und tropische Gärten füllen das fruchtbare Tal — der Kontrast zum kargen Teide-Gipfel darüber ist atemberaubend.

Anaga-Gebirge

Das Anaga-Gebirge (Macizo de Anaga) im Nordosten ist Teneriffas wildestes und ältestes Landschaftsgebiet — ein UNESCO-Biosphärenreservat seit 2015. Hier hat sich ein Stück der kanarischen Urlandschaft erhalten, das es nirgendwo sonst auf der Welt gibt: nebelverhangene Lorbeerwälder, messerscharfe Bergkämme, verstreute Bergdörfer und eine Artenvielfalt, die Biologen in Verzückung versetzt.

Wanderungen im Anaga

  • Cruz del Carmen → Chinamada: Mittelschwere Wanderung (ca. 3h, 8 km) durch dichten Laurisilva-Lorbeerwald — ein Relikt aus dem Tertiär, das nur noch auf den Kanaren, Madeira und den Azoren existiert. Der Nebel, der durch die moosbehangenen Bäume zieht, erzeugt eine mystische Atmosphäre. In Chinamada leben Menschen noch in Höhlenwohnungen.
  • Punta del Hidalgo → Chinamada: Steiler Aufstieg (ca. 2,5h) von der Küste ins Gebirge. Belohnung: spektakuläre Aussichten über den Atlantik und die Nachbarinseln.
  • Chamorga → Playa de Roque Bermejo: Abstieg zum abgelegensten Strand Teneriffas (3h one-way). Der Weg führt durch verlassene Weiler und endet an einem wilden Kieselstrand — Einsamkeit garantiert.
  • Sendero de los Sentidos: Kurzer, barrierefreier Rundweg (1,5 km) im Lorbeerwald bei Cruz del Carmen. Perfekt für Familien und einen ersten Eindruck vom Anaga.

Bergdörfer

  • Taganana: Das fotogenste Dorf des Anaga — weiße Häuser in einer grünen Schlucht, umgeben von Terrassenfeldern und Palmen. Die Kirche Nuestra Señora de las Nieves (1515) gehört zu den ältesten der Insel. Unbedingt in einer Bodega den lokalen Wein probieren.
  • Afur: Winziges Dorf in einer tiefen Schlucht, Ausgangspunkt für die Wanderung zur wilden Playa de Tamadite.
  • El Bailadero: Passübergang auf dem Kamm des Anaga-Gebirges mit einer sagenhaften Aussicht über beide Küsten.

Achtung

Das Anaga-Gebirge ist häufig in Wolken gehüllt, auch wenn im Süden strahlende Sonne herrscht. Bringe immer eine Regenjacke und warme Schicht mit. Die Wege können rutschig sein. Handyempfang ist in den Tälern oft nicht vorhanden — lade dir die Wanderrouten vorher offline herunter.

Icod de los Vinos & Garachico

Icod de los Vinos

Das historische Weinbaudorf im Nordwesten ist vor allem für den Drago Milenario berühmt — den ältesten und größten Kanarischen Drachenbaum (Dracaena draco) der Welt. Die Altersschätzungen schwanken zwischen 500 und über 1.000 Jahren, die Silhouette ist jedenfalls unverkennbar: 16 Meter hoch, ein gewaltiger Stamm und eine schirmförmige Krone. Der Baum steht im Parque del Drago (Eintritt: 5€), aber den besten Gratis-Blick hast du von der Plaza Andrés de Lorenzo Cáceres.

Icod ist außerdem eines der ältesten Weinbaugebiete der Kanaren. Der Malvasía-Wein von hier war schon bei Shakespeare berühmt (er nennt ihn „Canary Wine" in diversen Stücken). In den Bodegas am Ortsrand kannst du den lokalen Wein verkosten.

Cueva del Viento: Die größte Lavahöhle Europas und fünftgrößte der Welt — ein 17 Kilometer langes System aus Lavatunneln, entstanden durch den Ausbruch des Pico Viejo vor 27.000 Jahren. Geführte Touren (2h, max. 16 Personen) zeigen einen kleinen Teil der spektakulären Tunnel mit Lavaformationen, Stalaktiten und endemischer Fauna. Reservierung Pflicht: 20€.

Garachico

Garachico war einst der wichtigste Hafen Teneriffas — bis der Vulkanausbruch von 1706 die halbe Stadt unter Lava begrub und den Hafen zerstörte. Heute ist das, was übrig blieb und wieder aufgebaut wurde, eines der charmantesten Küstendörfer der Kanaren:

  • El Caletón — Naturschwimmbecken: Das absolute Highlight. Wo die Lava von 1706 ins Meer floss, entstanden natürliche Pools aus schwarzem Vulkangestein, gefüllt mit kristallklarem Meerwasser. Baden in diesen Naturpools mit Blick auf die historische Altstadt ist ein Erlebnis, das seinesgleichen sucht. Kostenloser Eintritt.
  • Castillo de San Miguel: Die kleine Festung am Hafen überlebte den Vulkanausbruch und ist heute ein Museum mit Ausstellung zur dramatischen Geschichte der Stadt.
  • Plaza de la Libertad: Der hübsche Hauptplatz mit einem jahrhundertealten Lorbeerbaum und historischen Gebäuden. Hier sitzt man in einem Café und schaut aufs Meer.
  • Roque de Garachico: Ein markanter Felskegel im Meer direkt vor der Stadt — er ist das Wahrzeichen von Garachico und bei Sonnenuntergang ein traumhaftes Fotomotiv.

Tipp

Garachico und Icod de los Vinos liegen nur 15 Minuten Fahrt auseinander und lassen sich perfekt kombinieren: Morgens den Drachenbaum und die Cueva del Viento besichtigen, nachmittags in den Naturschwimmbecken von Garachico baden. Ein perfekter Nordteneriffa-Tag.

Wein & Guachinches

Teneriffas Norden ist ein vergessenes Weinparadies. Die Insel hat fünf Denominaciones de Origen (geschützte Herkunftsbezeichnungen) und baut Reben auf vulkanischem Boden in Höhen von 200 bis 1.700 Metern an — einige der höchstgelegenen Weinberge Europas. Die Rebsorten sind teilweise einzigartig auf der Welt, da die Reblaus die Kanaren nie erreicht hat: Hier wachsen noch wurzelechte Reben, die anderswo seit 150 Jahren ausgestorben sind.

Die wichtigsten Weine

  • Listán Negro: Teneriffas dominierende Rotweinsorte. Leicht, fruchtig, vulkanisch-mineralisch. Erinnert an einen eleganten Pinot Noir.
  • Listán Blanco: Frischer Weißwein mit Zitrusaromen. Perfekt zum Fisch.
  • Malvasía: Der historische Süßwein der Kanaren, schon bei Shakespeare gepriesen. Honigfarben, aromatisch, komplex.
  • Negramoll: Aromatische Rotweinsorte für Rosé und leichte Rotweine.

Guachinches — Teneriffas kulinarisches Geheimnis

Ein Guachinche (sprich: gwa-TSCHIN-tsche) ist etwas einzigartiges auf der Welt: ein temporäres Restaurant in einem Privathaus oder einer Garage, in dem Winzer ihren eigenen Wein ausschenken und dazu einfaches, hausgemachtes Essen servieren. Keine Karte, keine Deko, kein Schnickschnack — nur ein paar Plastikstühle, Papas Arrugadas, Fleisch vom Grill und Karaffen mit hauseigenem Wein.

Guachinches sind nur geöffnet, solange der Weinvorrat reicht — dann schließen sie wieder, bis zur nächsten Ernte. Sie sind nicht in Reiseführern verzeichnet und wechseln ständig. Die besten findest du über Google Maps (nach „guachinche" suchen), lokale Facebook-Gruppen oder indem du Einheimische fragst. Preise: Hauptgericht 5–8€, Karaffe Wein 3–5€. Ein Abend im Guachinche kostet für zwei Personen selten mehr als 25€ — inklusive Wein und Vorspeisen.

War dieses Kapitel hilfreich?