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Regionen · Kapitel 8

Schwarzmeerküste

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RegionenKapitel 8: Schwarzmeerküste
Regionen · Kapitel 8

Schwarzmeerküste

Die türkische Schwarzmeerküste ist das bestgehütete Geheimnis des Landes — eine grüne, bergige Welt aus Teeplantagen, Haselnusshainen, nebelverhangenen Tälern und einem Kloster, das an einer 300-Meter-Klippe klebt. Hier verirrt sich kaum ein internationaler Tourist hin, und genau das macht den Reiz aus. Wer die „andere Türkei" jenseits von Strand und Antike sucht, wird hier fündig.

Trabzon

Trabzon — das antike Trapezunt — ist die Metropole der östlichen Schwarzmeerküste und war einst Endstation der Seidenstraße und Hauptstadt eines byzantinischen Kaiserreichs (Kaiserreich Trapezunt, 1204–1461). Heute ist die Stadt mit 800.000 Einwohnern ein lebendiges, authentisches Zentrum, das wenig mit dem touristischen Süden gemein hat.

Highlights

  • Hagia Sophia von Trabzon: Nicht zu verwechseln mit Istanbuls Hagia Sophia — diese ehemalige byzantinische Kirche (13. Jh.) ist kleiner, aber die Fresken im Inneren sind hervorragend erhalten und wenig besucht. Museum mit Eintritt 60 ₺.
  • Boztepe: Der Hausberg Trabzons bietet einen fantastischen Panoramablick über die Stadt und das Schwarze Meer. Abends mit den Einheimischen hier sitzen, Çay trinken und den Sonnenuntergang genießen — das ist Schwarzmeer-Romantik.
  • Bazarviertel (Çarşı): Der Markt rund um die Trabzon Kalesi ist ein Erlebnis — Fisch, Käse (der berühmte Kuymak), Haselnüsse, lokaler Honig und Tee. Keine Touristen, nur Einheimische.
  • Atatürk Köşkü: Die weiße Villa, in der Atatürk 1924 und 1937 residierte — hübsches Museum in einem parkähnlichen Garten oberhalb der Stadt.

Schwarzmeer-Küche

Die Küche der Schwarzmeerregion ist eigenständig und anders als der Rest der Türkei:

  • Kuymak (Muhlama): Geschmolzener Käse mit Maismehl und Butter — das Fondue des Schwarzen Meers. Unbedingt probieren!
  • Hamsi (Sardelle/Anchovis): DER Fisch der Region — gebraten, im Reis, als Brot, sogar als Dessert. Im Winter (Nov–Feb) ist Hamsi-Saison.
  • Pide Trabzon-Art: Die Trabzon-Pide ist geschlossen (wie ein Calzone) und mit Hackfleisch oder Käse gefüllt — anders als die offene Pide anderswo.
  • Karalahana Çorbası: Kohlsuppe mit Mais — herzhaft und wärmend, perfekt für das feuchte Klima.

Tipp

Trabzon ist der perfekte Ausgangspunkt für Sumela (47 km), Uzungöl (99 km) und die Hochalmen von Ayder (165 km). Plane 3–4 Tage für die gesamte Region ein. Am Wochenende die Trabzon-Pide im Cemilusta (seit 1950, in der Altstadt) probieren — eine Institution.

Sumela-Kloster (Sümela Manastırı)★★★

Altındere Vadisi, Maçka/Trabzon
Täglich 9:00–18:00 (Sommer), 9:00–16:00 (Winter). Montag geschlossen in der Nebensaison.
120 ₺ (~3,50 €). Nationalpark-Eintritt: 30 ₺ extra.

Das Sumela-Kloster ist eines der spektakulärsten Bauwerke der Türkei — und der Welt. An einer 300 Meter hohen Felswand klebend, umgeben von dichten Wäldern des Altındere-Nationalparks, sieht es aus wie aus einem Fantasy-Film. Das griechisch-orthodoxe Kloster wurde der Legende nach im 4. Jahrhundert gegründet, die meisten erhaltenen Gebäude stammen aus dem 13.–19. Jahrhundert.

Der Hauptkirche im Inneren des Klosters ist mit byzantinischen und post-byzantinischen Fresken bedeckt — Szenen aus dem Leben Christi und der Jungfrau Maria, teilweise durch Vandalismus beschädigt, aber immer noch eindrucksvoll. Die Bibliothek, Mönchszellen, Kapellen und ein Aquädukt-System komplettieren den Komplex.

Nach umfangreichen Restaurierungen (2015–2022) ist das Kloster wieder vollständig zugänglich. Der Aufstieg erfolgt über einen asphaltierten Weg und Treppen (ca. 40 Minuten ab dem Parkplatz). Alternativ fährt ein Shuttle-Bus einen Teil der Strecke.

Tipp

Komme morgens früh (ab 8 Uhr), wenn der Nebel noch in den Tälern hängt — die Atmosphäre ist dann am mystischsten. Festes Schuhwerk tragen (Treppen!). Im Altındere-Nationalpark rund um das Kloster gibt es schöne Wanderwege und Picknickplätze. Regenjacke mitnehmen — die Schwarzmeerregion ist feucht, auch im Sommer kann es regnen.

Ayder & Kaçkar-Gebirge★★

Das Kaçkar-Gebirge im Hinterland der östlichen Schwarzmeerküste ist das Trekking-Paradies der Türkei — schroff, wild und wenig erschlossen. Die Gipfel erreichen 3.937 m (Kaçkar Dağı), dazwischen liegen Gletscherseen, Almwiesen (Yaylalar) und dichte Wälder. Die Hochalm Ayder (1.350 m) ist der bekannteste Ausgangspunkt.

Ayder

Das Bergdorf Ayder ist umgeben von steilen, grünen Hängen, Wasserfällen und Teeplantagen. Die Atmosphäre ist alpin — Holzhäuser, Nebel, kühlere Temperaturen. Ayder ist berühmt für seine Thermalquellen (46°C, Schwefelwasser) und die Alm-Kultur: Im Sommer treiben die Hirten ihre Herden auf die Hochalmen (Yaylalar), wo in einfachen Holzhütten Käse und Butter hergestellt werden.

Aktivitäten

  • Wanderungen: Tageswanderungen zu den Yaylalar (Hochalmen) wie Pokut, Hazindak und Sal. Mehrtägige Treks zum Kaçkar-Gipfel (2–3 Tage, Guide empfohlen) oder Querung des Gebirges von der Schwarzmeerseite zur Çoruh-Schlucht.
  • Thermalquellen: Das modernisierte Thermalbad in Ayder — perfekt nach einem Wandertag. Eintritt ca. 80 ₺.
  • Rafting: Der Fırtına Deresi (Sturmbach) bietet Wildwasser-Rafting der Klasse III–IV — einer der besten Rafting-Spots der Türkei.
  • Zipline über das Fırtına-Tal: Eine der längsten Ziplines der Türkei (2 km) über das grüne Tal — Adrenalinkick garantiert.

Tipp

Die Almwanderung von Ayder nach Pokut Yaylası (2.000 m, 2–3 Stunden) ist ein Highlight: Holzhütten auf sattgrünen Wiesen, Blick auf schneebedeckte Gipfel, Wildblumen und Stille. In der Saison (Juni–September) gibt es in Pokut einfache Pensionen mit Frühstück aus lokalen Produkten — Honig, Butter, frisches Brot. Göttlich.

Uzungöl

Uzungöl (Langer See) ist ein kleiner Bergsee auf 1.090 m Höhe, umgeben von dichten Tannenwäldern und steilen Bergen — eine Kulisse, die an die Schweizer Alpen oder Norwegen erinnert. Der See mit seiner kleinen Moschee am Ufer und den Holzhäusern auf dem Hügel ist eines der meistfotografierten Motive der östlichen Türkei.

In den letzten Jahren ist Uzungöl stark gewachsen — besonders bei arabischen Touristen aus den Golfstaaten sehr beliebt. Hotels und Restaurants haben sich vermehrt, und an Sommerwochenenden kann es voll werden. Trotzdem: Morgens früh, wenn der Nebel über dem See hängt, ist die Stimmung märchenhaft.

Aktivitäten

  • Seerundgang: Ein einfacher Spazierweg führt um den See (ca. 30 Minuten).
  • Wanderung zu den Hochalmen: Vom See führen Wege auf die umliegenden Almen — Haldizen Yaylası (2.100 m) bietet Panoramablick über die Bergwelt.
  • Forelle essen: Die lokale Spezialität ist frische Schwarzmeer-Forelle (Alabalık), gegrillt oder in der Pfanne — an jedem Restaurant am See.

Tipp

Uzungöl ist an Wochenenden und im Sommer überlaufen — komme unter der Woche oder im Frühling (Mai/Juni), wenn die Rhododendren blühen. Für die beste Fotoperspektive: Zum Aussichtspunkt oberhalb des Dorfes wandern (20 Minuten) — von dort siehst du den See mit Moschee und Bergen als Panorama.

Teeplantagen von Rize

Die Provinz Rize ist die Teehauptstadt der Türkei — und eines der ungewöhnlichsten Landschaftsbilder des Landes. Die steilen Hänge an der Schwarzmeerküste sind bedeckt mit endlosen Teeplantagen, die in leuchtendem Grün schimmern. Die Türkei ist der fünftgrößte Teeproduzent der Welt, und fast der gesamte türkische Tee (Çay) kommt aus der Region rund um Rize.

Die Teeernte findet von Mai bis Oktober statt — in dieser Zeit siehst du überall Pflückerinnen (meist Frauen) mit großen Körben auf den steilen Hängen. Die frisch gepflückten Blätter werden in den zahlreichen Fabriken (Çay Fabrikası) entlang der Küste verarbeitet — der Duft ist allgegenwärtig.

Tee-Erlebnis

  • Çaykur Fabrikası (Rize): Die staatliche Teefabrik bietet Führungen (vorab anfragen). Im zugehörigen Teegarten auf dem Ziraat Tepesi (Agrarhügel) hast du den besten Blick über die Plantagen.
  • Teemuseum Rize: Kleines Museum zur Geschichte des türkischen Tees — Rize baut seit den 1930er Jahren Tee an, als Atatürk die Kultur einführte.
  • Selbst pflücken: Manche Familien bieten Touristen die Möglichkeit, bei der Ernte zu helfen — frage im Hotel nach lokalen Kontakten.

Tipp

Die schönste Zeit für die Teeplantagen ist Mai/Juni — die Ernte beginnt, das Grün ist am intensivsten, und die Landschaft leuchtet. Die Küstenstraße von Trabzon nach Rize (D010) führt durch ein endloses Band aus Teeplantagen — perfekte Road-Trip-Strecke. In jedem Dorf gibt es Teegärten, in denen du den frischesten Çay der Türkei trinkst.

Praktisches für die Schwarzmeerküste

Anreise

  • Flug: Trabzon (TZX) wird direkt ab Istanbul angeflogen (1h 40, Turkish Airlines/Pegasus, ab 400 ₺). Seltener Direktflüge ab Deutschland (SunExpress saisonal).
  • Auto: Von Istanbul 1.100 km (12–14 Stunden). Von Ankara 780 km (9–10 Stunden). Mietwagen an der Küste empfohlen.

Fortbewegung

Ein Mietwagen ist Pflicht — die Sehenswürdigkeiten sind weit verstreut, öffentliche Verkehrsmittel in den Bergen selten. Die Küstenstraße D010 ist gut ausgebaut, die Bergstraßen (nach Ayder, Uzungöl, zu den Yaylalar) sind eng und kurvenreich, aber asphaltiert.

Klima & Kleidung

Die Schwarzmeerküste ist die feuchteste Region der Türkei — Regen ist ganzjährig möglich, auch im Sommer. Regenjacke und warme Schicht sind Pflicht, besonders in den Bergen (Ayder: 10–20°C im Sommer). Die Küste selbst ist im Sommer angenehm warm (25–28°C), aber schwüler als der Süden.

Beste Reisezeit

Juni bis September — am wenigsten Regen, Hochalmen zugänglich, Teeernte. Juli/August kann auch hier voll werden (türkischer Inlandstourismus). Ideal: Juni oder September.

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