Die goldene Ära & Einwanderung
Die große Einwanderungswelle (1880–1930)
Zwischen 1880 und 1930 kamen 6 Millionen europäische Einwanderer nach Argentinien — das Land wurde buchstäblich neu bevölkert. Die meisten kamen aus:
- Italien (ca. 44%): Daher klingt argentinisches Spanisch wie Italienisch! Der singende Tonfall, die Gestikulierung, die Liebe zu Pasta, Pizza und Eiscreme — alles italienisches Erbe. Viele argentinische Nachnamen sind italienisch (Kirchner, Macri = Macrì, Messi). Buenos Aires wird manchmal als „die südlichste italienische Stadt" bezeichnet
- Spanien (ca. 32%): Vor allem Galicier (daher werden alle Spanier in Argentinien „Gallegos" genannt)
- Deutschland, Österreich-Ungarn (ca. 5%): Die „Wolgadeutschen" besiedelten die Provinz Entre Ríos. Deutsche Kolonien gibt es bis heute in Patagonien (Bariloche, Villa General Belgrano)
- Osteuropa (Polen, Ukraine, Russland): Vor allem jüdische Einwanderer — Buenos Aires hat die größte jüdische Gemeinde Südamerikas
- Syrien, Libanon: Die „Turcos" (obwohl sie keine Türken sind) — Carlos Menem, ein argentinischer Präsident, hatte syrische Wurzeln
Argentinien war um 1900 eines der reichsten Länder der Erde — das Pro-Kopf-Einkommen übertraf das von Frankreich, Deutschland und Kanada. Buenos Aires wurde die drittgrößte Stadt der Welt. Die Belle Époque hinterließ die prächtigen Jugendstil-Paläste, die Teatro Colón, die breiten Boulevards — Buenos Aires wollte das „Paris Südamerikas" sein, und es gelang. Der berühmte Satz „Reich wie ein Argentinier" war damals ein geflügeltes Wort in Europa.
Was schiefging? Die Reichtümer waren extrem ungleich verteilt: Eine winzige Oligarchie besaß riesige Estancias (Ländereien) und lebte in Pariser Palästen, während die Einwanderer in den Conventillos (Mietskasernen) von La Boca und San Telmo vegetierten. Aus dieser Kluft entstand der Tango — und der Peronismus.