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Land & Leute · Abschnitt 3/5

Die Pinochet-Diktatur & ihre Folgen

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Die Pinochet-Diktatur & ihre Folgen

1973–1990: Die dunkelsten Jahre

Die Militärdiktatur unter Augusto Pinochet (1973–1990) ist das traumatischste Kapitel der chilenischen Geschichte und wirkt bis heute nach. Am 11. September 1973 — ein Datum, das in Chile eine völlig andere Bedeutung hat als in den USA — bombardierte die chilenische Luftwaffe den Präsidentenpalast La Moneda, in dem sich der demokratisch gewählte sozialistische Präsident Salvador Allende verschanzt hatte. Allende starb (ob durch Suizid oder Ermordung ist bis heute umstritten), und Pinochet übernahm die Macht.

Was folgte, war ein systematisches Terrorregime:

  • Über 3.200 Menschen wurden ermordet oder „verschwanden" (Detenidos Desaparecidos)
  • Über 40.000 Menschen wurden gefoltert — im Estadio Nacional de Chile (wo heute Fußball gespielt wird), in der Villa Grimaldi und in geheimen Folterzentren im ganzen Land
  • 200.000 Chilenen flohen ins Exil — darunter viele nach Deutschland (die chilenische Gemeinde in Berlin-Kreuzberg existiert bis heute)
  • Die DINA (Geheimpolizei) operierte auch international: Der ehemalige Kommandant der chilenischen Armee, General Carlos Prats, wurde 1974 in Buenos Aires ermordet, der Diplomat Orlando Letelier 1976 in Washington D.C.
  • Die Colonia Dignidad — eine von dem deutschen Ex-Nazi Paul Schäfer gegründete Sekte im Süden Chiles — diente der DINA als Folterzentrum

Gleichzeitig führte Pinochet eine radikal neoliberale Wirtschaftspolitik ein (entworfen von den „Chicago Boys", chilenischen Ökonomen, die an der University of Chicago studiert hatten): Privatisierung von Gesundheit, Bildung, Rente, Wasser und sogar Straßen. Diese Wirtschaftsordnung brachte zwar Wachstum, aber auch eine extreme Ungleichheit, die bis heute nachwirkt.

Die Rückkehr zur Demokratie

1988 verlor Pinochet ein von ihm selbst angesetztes Referendum (Plebiscito) über seine Weiterherrschaft — der Film „No!" (2012) mit Gael García Bernal erzählt diese Geschichte eindrücklich. 1990 wurde der Christdemokrat Patricio Aylwin erster demokratischer Präsident nach der Diktatur.

Die Aufarbeitung ist bis heute nicht abgeschlossen: Die Rettig-Kommission und die Valech-Kommission dokumentierten die Verbrechen, aber viele Täter wurden nie bestraft. Pinochet selbst starb 2006, ohne je verurteilt worden zu sein — obwohl der Haftbefehl des spanischen Richters Baltasar Garzón 1998 in London für Aufsehen sorgte.

Gedenkorte

  • Museo de la Memoria y los Derechos Humanos (Santiago): Das wichtigste Diktatur-Museum Chiles. Erschütternd, brillant kuratiert, Pflichtbesuch. Freier Eintritt
  • Villa Grimaldi (Santiago): Ehemaliges Folterzentrum der DINA, heute Friedenspark und Gedenkstätte. Frei
  • Estadio Nacional: Im September 1973 wurden hier Tausende politische Gefangene zusammengetrieben und gefoltert. Eine Gedenktafel erinnert daran
  • Estadio Víctor Jara: Ehemals Estadio Chile — wo der Sänger Víctor Jara gefoltert und ermordet wurde. Heute nach ihm benannt

💡 Tipp

Der Besuch des Museo de la Memoria in Santiago ist emotional schwer, aber unerlässlich, um Chile zu verstehen. Plane 2–3 Stunden ein. Der Audioguide (auch auf Deutsch) ist hervorragend. Nach dem Besuch: ein stiller Spaziergang im nahen Parque Quinta Normal hilft bei der Verarbeitung.

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