Las Palmas de Gran Canaria
Vegueta — Die historische Altstadt
Vegueta ist das Herz und die Seele von Las Palmas — und einer der besterhaltenen Kolonialkerne des gesamten Atlantikraums. Gegründet am 24. Juni 1478 durch den kastilischen Eroberer Juan Rejón, war Vegueta der Ausgangspunkt der spanischen Kolonisierung der Kanaren und später ein wichtiger Zwischenstopp auf dem Weg in die Neue Welt. Christoph Kolumbus machte hier 1492 Station, bevor er Amerika entdeckte — sein Aufenthalt ist im Casa de Colón dokumentiert.
Casa de Colón (Kolumbushaus)
Das Casa de Colón ist das meistbesuchte Museum der Kanaren und ein architektonisches Juwel. Der prächtige Kolonialbau mit geschnitzten Holzbalkonen und bepflanzten Innenhöfen beherbergt Ausstellungen über Kolumbus' Reisen, die Geschichte der Kanaren und die Verbindung zwischen Europa, Afrika und Amerika. Besonders faszinierend: Originalmodelle der Schiffe Santa María, Pinta und Niña und eine Nachbildung der Kapitänskajüte. Eintritt: 4€, sonntags kostenlos.
Kathedrale Santa Ana
Die Catedral de Santa Ana (Baubeginn 1497) dominiert die gleichnamige Plaza und ist das wichtigste religiöse Bauwerk der Kanaren. Ihre Fassade vereint gotische, Renaissance- und neoklassizistische Elemente — ein architektonisches Spiegelbild der Jahrhunderte, die der Bau in Anspruch nahm. Im Inneren beeindrucken die gotischen Gewölbe und der Diözesanmuseum-Schatz. Der Aufstieg zum Turm (2€ extra) belohnt mit einem Panoramablick über Vegueta und den Hafen. Eintritt Museum: 3,50€.
Plaza de Santa Ana & Plaza del Espíritu Santo
Die Plaza de Santa Ana mit ihren acht bronzenen Kanarischen Hunden (den Namenspaten der Inseln!) ist der historische Mittelpunkt der Stadt. Hier stehen das Bischofspalais, die Kathedrale und das alte Rathaus. Wenige Schritte weiter liegt die intimere Plaza del Espíritu Santo — ein kopfsteingepflasterter Platz mit Drachenbäumen, Brunnen und dem wohl schönsten Straßencafé der Stadt. Am Donnerstagabend verwandelt sich Vegueta in den „Vegueta Nights"-Markt mit Live-Musik, Food-Ständen und Kunsthandwerk.
CAAM — Centro Atlántico de Arte Moderno
Das CAAM in einem restaurierten Kolonialgebäude ist eines der wichtigsten Museen für zeitgenössische Kunst in Spanien, mit Fokus auf die Verbindung zwischen Europa, Afrika und Lateinamerika. Wechselnde Ausstellungen internationaler Künstler in spektakulären Räumen. Eintritt: kostenlos.
Tipp
Jeden Donnerstagabend (ab ca. 19 Uhr) verwandelt sich Vegueta in eine lebendige Open-Air-Bühne: „Vegueta Nights" bringt Live-Musik, Food-Trucks, Kunsthandwerk und eine tolle Atmosphäre in die historischen Gassen. Der perfekte Einstieg in das Nachtleben von Las Palmas.
Playa de Las Canteras
Die Playa de Las Canteras ist nicht einfach nur ein Stadtstrand — sie ist einer der besten Stadtstrände Europas und das Herz des modernen Las Palmas. Über 3,2 Kilometer erstreckt sich der goldene Sandstrand entlang des Istmo de Guanarteme, geschützt durch ein natürliches Felsriff namens La Barra, das parallel zum Strand verläuft und das Wellenspiel zähmt.
Der Strand
Las Canteras lässt sich in drei Abschnitte unterteilen:
- Playa Grande (Süden): Der Hauptabschnitt mit dem besten Sand, geschützt durch La Barra. Ruhiges Wasser, ideal zum Schwimmen und Schnorcheln. Hier pulsiert das Leben: Jogger, Familien, Surfer, Skater auf der Promenade.
- La Cícer (Mitte/Norden): Der Surfer-Abschnitt. Hier bricht La Barra auf und die Wellen erreichen ungebremst den Strand. Lokale Surfer und Bodyboarder teilen sich die Wellen mit internationalen Surfern. Am Ufer: hippe Cafés und Surfshops.
- El Confital (Nordende): Naturbelassener Felsenstrand am äußersten Ende, ohne touristische Infrastruktur. Wild, schroff und bei Einheimischen beliebt. Berühmt für die El Confital-Welle — eine der besten Surfwellen Europas, die nur bei großem Swell bricht.
Die Promenade (Paseo de Las Canteras)
Die Strandpromenade von Las Canteras ist das soziale Zentrum der Stadt: 3,2 Kilometer lang, gesäumt von Restaurants, Bars, Eisdielen und kleinen Geschäften. Abends flaniert halb Las Palmas hier entlang — der Paseo (Abendbummel) ist eine tief verwurzelte spanische Tradition. Sonnenuntergänge an Las Canteras gehören zu den schönsten der Kanaren: Die Sonne versinkt direkt im Meer, und der Himmel färbt sich in allen Orangetönen.
Schnorcheln an La Barra
Das natürliche Riff La Barra ist ein unterschätztes Schnorchelparadies direkt am Stadtstrand. Bei Ebbe ragen die Felsen aus dem Wasser, bei Flut kannst du über dem Riff schnorcheln und Papageienfische, Trompetenfische, Muränen und gelegentlich Engelhaie beobachten. Maske und Schnorchel gibt es an den Verleihstationen am Strand (ab 5€/Tag). Am besten bei ruhiger See und Flut schnorcheln.
Triana, Hafen & moderne Stadt
Zwischen dem historischen Vegueta und dem modernen Las Canteras erstrecken sich die lebendigen Viertel, die Las Palmas seinen pulsierenden Großstadtcharakter geben.
Triana — Einkaufen & Jugendstil
Triana ist die historische Geschäftsstraße von Las Palmas — eine autofreie Flaniermeile, die sich über fast einen Kilometer durch das gleichnamige Viertel zieht. Die Calle Mayor de Triana (Hauptstraße) ist gesäumt von Jugendstil-Fassaden aus dem frühen 20. Jahrhundert, hinter denen sich lokale Boutiquen, Buchhandlungen, Cafés und die obligatorischen spanischen Modeketten verbergen. Besonders sehenswert: die Casa Museo Pérez Galdós, das Geburtshaus des großen kanarischen Romanciers Benito Pérez Galdós (1843–1920), der als der „spanische Dickens" gilt. Eintritt: 3€, sonntags kostenlos.
Mercado de Vegueta
Der Mercado de Vegueta (Markthalle) ist seit 1854 der kulinarische Mittelpunkt der Stadt. Unter dem schmiedeeisernen Dach findest du alles, was die kanarische Küche ausmacht: fangfrischen Fisch (Vieja, Cherne, Sama), tropische Früchte (Papayas, Mangos, Avocados — alles lokal!), kanarischen Käse, Mojo-Saucen und Gofio (geröstetes Mehl). Am Wochenende gibt es zusätzlich einen Bio-Markt auf dem Vorplatz. Der Markt ist der ideale Ort, um Mitbringsel zu kaufen und die lokale Esskultur zu erleben.
Puerto de la Luz & Santa Catalina
Der Puerto de la Luz ist einer der wichtigsten Häfen des Atlantiks — ein Handelshafen, Kreuzfahrtterminal und Fischereihafen in einem. Im angrenzenden Viertel Santa Catalina liegt das Museo Elder de la Ciencia y la Tecnología — ein interaktives Wissenschaftsmuseum in einem ehemaligen Hafenspeicher, das besonders für Familien mit Kindern spannend ist (Eintritt: 6€). Die Plaza de Santa Catalina ist der Ausgangspunkt für den Karneval von Las Palmas — einen der größten und buntesten Karnevale der Welt, der es mit dem von Rio aufnehmen kann.
Karneval von Las Palmas
Der Carnaval de Las Palmas de Gran Canaria (Februar/März) ist das größte Fest der Kanaren und einer der wichtigsten Karnevale Europas. Drei Wochen lang verwandelt sich die Stadt in einen Rausch aus Musik, Tanz und Kostümen. Höhepunkte: die Drag Queen Gala (ein spektakulärer Kostümwettbewerb, der weltweit Beachtung findet), die Mogollón (Massenparty auf der Straße) und der Entierro de la Sardina (die Beerdigung der Sardine zum Abschluss). Hotels in Las Palmas sind während des Karnevals Wochen im Voraus ausgebucht!
Gastronomie & Nachtleben
Las Palmas hat in den letzten Jahren eine gastronomische Renaissance erlebt und ist heute eine der spannendsten Food-Städte Spaniens. Die Mischung aus frischen atlantischen Meeresfrüchten, kanarischer Tradition und internationalen Einflüssen (besonders lateinamerikanisch und afrikanisch) macht die Küche einzigartig.
Wo essen?
- Vegueta: Die Altstadt bietet gehobene Restaurants in historischem Ambiente. Die Bodega-Bars rund um die Plaza de Santa Ana servieren exzellente Tapas und lokale Weine.
- La Isleta: Das ehemalige Fischerviertel am Nordende von Las Canteras hat sich zum Foodie-Hotspot entwickelt: kleine Restaurants mit fangfrischem Fisch, Cevicherías und kreative Fusion-Küche.
- Triana: Café-Kultur tagsüber, gehobene Restaurants abends. Die Nebenstraßen der Fußgängerzone bergen Überraschungen.
- Mesa y López: Das moderne Geschäftsviertel mit guten Alltagsrestaurants und dem Centro Comercial Las Arenas für Shopping und Food-Courts.
Was essen?
- Vieja a la espalda: Papageienfisch, auf der Haut gebraten — das Signature Dish der kanarischen Küche. Am besten im Fischerhafen oder in La Isleta.
- Ropa vieja: Eintopf aus Kichererbsen, Fleisch und Gemüse — das kanarische Comfort Food, hier in Perfektion.
- Tapas: Las Palmas hat eine Tapas-Szene, die es mit Sevilla oder San Sebastián aufnimmt. Tipp: eine Tapas-Tour durch Vegueta und Triana.
- Café mit Barraquito: Der typische kanarische Kaffee — Espresso mit Kondensmilch, aufgeschäumter Milch, Licor 43 und Zimt in einem Schichtglas. Süchtigmachend!
Nachtleben
Las Palmas hat das lebendigste Nachtleben der Kanaren:
- La Isleta & Las Canteras: Bars und Clubs entlang der Strandpromenade, besonders am Wochenende.
- Vegueta: Weinbars und Cocktailbars in historischem Ambiente — stilvoll und entspannt.
- Mesa y López: Clubs und Musikbars für das jüngere Publikum.
Das Nachtleben startet spät (Spanien-typisch): Abendessen ab 21 Uhr, Bars ab 23 Uhr, Clubs ab 1 Uhr. Am Wochenende geht es bis in die Morgenstunden.
Surfen & Strand-Aktivitäten
Las Palmas ist eine der besten Surf-Städte Europas — und das ganzjährig. Die Kombination aus konsistenten Wellen, warmem Wasser (18–24°C), einer kosmopolitischen Surfercommunity und günstigen Lebenshaltungskosten hat die Stadt zum Mekka für Surfer, digitale Nomaden und Winterflüchtlinge aus ganz Europa gemacht.
Surfspots
- La Cícer (Las Canteras): Der Haupt-Surfstrand direkt in der Stadt. Beachbreak mit verschiedenen Peaks, gut für Anfänger bis Fortgeschrittene. Die Surfschulen konzentrieren sich hier. Wellenqualität: Oktober–April am besten.
- El Confital: Die berühmte Rechtswelle am Nordende von Las Canteras — eine der besten Wellen Europas, aber nur für erfahrene Surfer. Bricht über einem Felsriff bei großem Swell (3m+). Am besten im Winter.
- El Lloret: Riffbreak südlich von Las Canteras, für erfahrene Surfer. Schnelle, hohle Wellen.
Surfschulen & Camps
Las Palmas hat Dutzende Surfschulen, die meisten konzentriert am La Cícer-Abschnitt:
- Gruppenkurs (2h): Ab 25–35€ inkl. Brett und Neopren.
- Surf-Camp (1 Woche): Ab 250–400€ inkl. Unterkunft, tägliche Sessions und Theorie.
- Brettverleih: Ab 10–15€/Tag (Softboard), 15–20€ (Hardboard).
- Neopren: Im Winter (Dez–Mär) ein 3/2mm-Neoprenanzug empfohlen, im Sommer reichen Boardshorts oder ein Shorty.
Weitere Strandaktivitäten
- Stand-Up-Paddling: Auf dem ruhigen Wasser hinter La Barra ideal für Anfänger. Verleih ab 10€/Stunde.
- Schnorcheln: La Barra bietet ein überraschendes Unterwasserleben direkt am Stadtstrand — Papageienfische, Trompetenfische, Seeigel und mit Glück Engelhaie.
- Yoga am Strand: Mehrere Studios bieten Morning-Yoga-Sessions am Strand an — die perfekte Ergänzung zum Surfen.
- Beach-Volleyball: Feste Netze am südlichen Abschnitt von Las Canteras, frei zugänglich.
Tipp
Die beste Surfzeit ist Oktober bis April, wenn konsistente Nordwest-Swells die Küste erreichen. Aber auch im Sommer gibt es surfbare Wellen. Für Anfänger ist La Cícer ganzjährig geeignet. Digitale Nomaden aufgepasst: Las Palmas hat Dutzende Coworking Spaces direkt am Strand — Laptop zu, Neopren an, surfen, zurück an den Schreibtisch.
War dieses Kapitel hilfreich?
