Der Norden & Westen
Agaete & Puerto de las Nieves
Das Valle de Agaete (Tal von Agaete) an der Nordwestküste ist einer der landschaftlich spektakulärsten Orte Gran Canarias — und Europas einziges Kaffee-Anbaugebiet. Das fruchtbare Tal erstreckt sich von den Bergen bis zum Meer und wird von steilen Felswänden eingerahmt, die an einen Fjord erinnern. Die Finca- und Plantagenlandschaft mit Kaffee-, Mango-, Papaya- und Orangenbäumen verleiht dem Tal eine fast tropische Atmosphäre.
Puerto de las Nieves
Der Puerto de las Nieves (Hafen der Schneemassen — der Name bezieht sich auf den weißen Kalkfelsen Dedo de Dios) ist das malerische Fischerdorf am Fuß des Tals. Hier legen die Fähren nach Teneriffa ab (Fred Olsen, 80 Minuten nach Santa Cruz, ab 30€ pro Person) — aber der Hafen ist auch ein eigenständiges Ziel: entlang der Kaimauer reihen sich Fischrestaurants, die den frischesten Fisch der Insel servieren. Bestelle die Vieja a la espalda (gebratener Papageienfisch) oder den Pulpo a la plancha (gegrillter Oktopus) und blicke dabei auf den Atlantik.
Natürliche Meerwasserpools
Die Piscinas Naturales (natürlichen Meerwasserbecken) an der Nordwestküste sind eine der großen Attraktionen Gran Canarias. Bei Puerto de las Nieves liegen die Charcos — in Vulkanfelsen eingelassene Naturbecken, die bei jeder Flut mit frischem Meerwasser gefüllt werden. Das Schwimmen darin, umgeben von schwarzem Lavagestein mit dem Blick auf den offenen Atlantik, ist ein einzigartiges Erlebnis. Die bekanntesten Pools befinden sich bei Las Salinas (kurz südlich des Hafens) und beim Charco Azul.
Kaffee-Fincas im Tal
Das Valle de Agaete produziert den einzigen europäischen Kaffee — eine kleine Menge hochwertiger Arabica-Bohnen, die aufgrund des besonderen Mikroklimas gedeihen. Mehrere Fincas bieten Führungen mit Verkostung an: Du siehst die Kaffeepflanzen, lernst den Anbau- und Röstprozess kennen und probierst den seltenen Agaete-Kaffee. Empfehlung: Finca La Laja (Führung ab ca. 8€, Voranmeldung empfohlen). Der Kaffee ist ein exklusives Souvenir — limitierte Produktion, nur lokal erhältlich.
Dedo de Dios & El Risco
Der Dedo de Dios (Finger Gottes) war eine filigrane, fingerförmige Felsnadel im Meer bei Puerto de las Nieves — das bekannteste Naturdenkmal Gran Canarias. Leider hat der Tropensturm Delta 2005 die Felsspitze abgebrochen. Die verbleibende Formation ist immer noch beeindruckend und vom Hafen aus sichtbar. Weiter nördlich bietet die Küstenstraße nach El Risco dramatische Klippen und den Zugang zum wilden Strand Playa de El Risco / Playa del Guigüi (Zugang nur zu Fuß oder per Boot).
Tipp
Plane einen entspannten Halbtag in Agaete: Vormittags eine Kaffee-Finca besichtigen, mittags fangfrischen Fisch am Hafen von Puerto de las Nieves essen (Restaurants Dedo de Dios und El Puerto sind exzellent), nachmittags in den natürlichen Pools schwimmen. Perfekt kombinierbar mit der Fähre nach Teneriffa — ein Tagesausflug zum Teide ist von hier aus möglich!
Gáldar & die Cueva Pintada
Gáldar war einst die Hauptstadt des Guanartemato — des Königreichs der Ureinwohner (Altkanaren) auf der nördlichen Hälfte Gran Canarias. Noch heute spürt man die historische Bedeutung: Die Stadt hat ein stolzes Selbstbewusstsein, eine schöne Altstadt rund um die Plaza de Santiago und beherbergt eine der wichtigsten archäologischen Stätten der Kanaren.
Cueva Pintada (Bemalte Höhle)
Die Cueva Pintada ist das bedeutendste archäologische Monument Gran Canarias. Die Höhle enthält geometrische Wandmalereien der Ureinwohner — rote, weiße und schwarze Muster (Dreiecke, Kreise, Quadrate), deren Bedeutung bis heute nicht vollständig entschlüsselt ist. Das Museo y Parque Arqueológico Cueva Pintada wurde um die Fundstätte herum gebaut und zeigt neben der Höhle ein rekonstruiertes Dorf der Altkanaren mit Originalhäusern und Alltagsgegenständen. Die Führung (auf Spanisch und Englisch) dauert ca. 1 Stunde und ist hervorragend gemacht. Eintritt: 6€, Reservierung empfohlen.
Altstadt von Gáldar
Die Iglesia de Santiago de los Caballeros an der zentralen Plaza ist eine der schönsten Kirchen der Kanaren — neoklassizistischer Stil mit einer grünen Taufkapelle, in der angeblich die letzten altkanarischen Könige getauft wurden. Rund um die Plaza findest du hübsche Kolonialhäuser, Cafés und den kleinen Mercado Municipal mit lokalen Produkten.
Cenobio de Valerón
Etwa 5 km östlich von Gáldar liegt der Cenobio de Valerón — ein beeindruckendes System aus über 300 in den Fels gehauenen Kammern, die wie ein riesiger Bienenstock in einer steilen Klippe hängen. Lange als Kloster junger Priesterinnen (Harimaguadas) interpretiert, gilt er heute als kollektiver Getreidespeicher der Ureinwohner: ein Gemeinschaftslager, in dem die Ernte sicher vor Feinden und Witterung aufbewahrt wurde. Die Anlage ist über eine Treppe zugänglich und bietet einen faszinierenden Einblick in die Ingenieurskunst der Altkanaren. Eintritt: ca. 3€.
Sardina del Norte
Der kleine Strand Sardina del Norte (westlich von Gáldar) ist ein Geheimtipp: ein geschützter Naturstrand mit kristallklarem Wasser, ideal zum Schnorcheln und Tauchen (es gibt eine Tauchschule direkt am Strand). Wenig Touristen, dafür lokale Familien und ein paar Fischrestaurants. Ganz in der Nähe liegt der historische Faro de Sardina (Leuchtturm) mit Aussicht auf die Nordwestküste.
Firgas, Teror & das grüne Hinterland
Das Hinterland nördlich von Las Palmas ist die grünste und wasserreichste Region Gran Canarias — ein Kontrast zum trockenen Süden, der kaum größer sein könnte. Hier gedeihen Lorbeerbäume, Kastanien und subtropische Pflanzen, und in den historischen Städtchen Firgas und Teror erlebst du kanarische Tradition in ihrer reinsten Form.
Firgas — Stadt des Wassers
Firgas ist berühmt für sein Mineralwasser — die Marke „Firgas" ist auf den Kanaren allgegenwärtig und wird in der Quelle am Stadtrand abgefüllt. Aber das wahre Highlight ist der Paseo de Gran Canaria: eine über 30 Meter lange Kaskade aus bunten Kacheln und fließendem Wasser, die sich durch die Altstadt schlängelt. Jede Stufe der Kaskade zeigt Kachelmosaike der 21 Gemeinden Gran Canarias — ein farbenfrohes Kunstwerk und beliebtes Fotomotiv. Gegenüber liegt der Paseo de Canarias mit Keramikbänken, die die sieben Hauptinseln darstellen. Firgas ist klein (15 Minuten reichen), aber lohnenswert.
Teror — die spirituelle Hauptstadt
Teror ist das religiöse Zentrum Gran Canarias und eines der hübschesten Kolonialstädtchen der Kanaren. In der Basílica de Nuestra Señora del Pino wird die Schutzpatronin der Insel verehrt: die Virgen del Pino (Kiefern-Madonna), deren Statue der Legende nach 1481 in einer Kiefer erschien. Am 8. September pilgern Zehntausende nach Teror — das größte religiöse Fest der Kanaren.
Der Sonntagsmarkt
Jeden Sonntag von 8–14 Uhr findet in Teror der größte und authentischste Bauernmarkt Gran Canarias statt. Die gesamte Altstadt verwandelt sich in einen Marktplatz: frisches Obst und Gemüse, Queso de Flor de Guía (der berühmte Blumenkäse), Chorizo de Teror (weiche, streichfähige Chorizo — eine lokale Spezialität!), Honig, Mandelsüßigkeiten, Gofio, kanarische Weine und Kunsthandwerk. Komm früh (vor 10 Uhr), solange die Auswahl am besten und die Gassen noch nicht überfüllt sind.
Kolonialarchitektur
Terors Altstadt ist ein Freilichtmuseum kanarischer Kolonialarchitektur: Die Häuser rund um die Plaza del Pino zeigen die typischen geschnitzten Holzbalkone (balcones canarios), die zum Markenzeichen der kanarischen Architektur geworden sind. Besonders sehenswert: die Casa de los Patronos de la Virgen, ein herrschaftliches Haus aus dem 17. Jahrhundert, das als Museum besichtigt werden kann (Eintritt: 2€). Nimm dir nach dem Marktbesuch eine Stunde Zeit, die Gassen abseits der Hauptstraße zu erkunden — sie sind wunderbar ruhig und fotogen.
Tipp
Der perfekte Sonntagsausflug: Vormittags den Markt in Teror besuchen (Chorizo de Teror und Queso de Flor als Mitbringsel kaufen!), einen Cortado an der Plaza trinken, dann weiter nach Firgas zur Wasserkaskade und von dort die kurvige Bergstraße über Valleseco und Arucas zurück nach Las Palmas oder in den Süden. Zeitplan: ca. 4–5 Stunden.
Arucas, Westküste & Mirador del Balcón
Die Nordwest- und Westküste Gran Canarias gehören zu den wildesten und unberührtesten Küstenabschnitten der Kanaren — dramatische Klippen, die hunderte Meter senkrecht ins Meer fallen, kaum besiedelt und von einer Schönheit, die den Atem raubt.
Arucas — Rum & neogotische Pracht
Arucas, die viertgrößte Stadt der Insel, überrascht mit einer der imposantesten Kirchen der Kanaren: Die Iglesia de San Juan Bautista aus schwarzem Basaltstein sieht aus wie eine gotische Kathedrale — ist aber erst 1917 fertiggestellt worden. Das dunkle Vulkangestein verleiht ihr eine dramatische, fast mystische Aura. Direkt neben der Kirche liegt der üppige Jardín de la Marquesa (botanischer Garten, Eintritt: 5€) und wenige Kilometer außerhalb die Destilería Arehucas — die älteste Rumfabrik der Kanaren (seit 1884). Die Führung durch die Destillerie (kostenlos!) endet mit einer Verkostung des Ron Arehucas, der auf den Kanaren Kultstatus genießt.
Mirador del Balcón
Der Mirador del Balcón an der Westküstenstraße GC-200 ist einer der spektakulärsten Aussichtspunkte der gesamten Kanaren. Von einer Plattform aus blickst du auf die steilen Klippen der Westküste, die mehrere hundert Meter senkrecht ins Meer fallen. Die Weite des Atlantiks, das Tosen der Brandung weit unten und — bei klarer Sicht — die Silhouette Teneriffas am Horizont machen diesen Ort zu einem der unvergesslichsten Momente einer Gran-Canaria-Reise. Sonnenuntergang hier: absolutes Pflichtprogramm.
Die Westküstenstraße GC-200
Die Fahrt auf der GC-200 von Agaete entlang der Westküste nach Mogán ist eine der spektakulärsten Küstenstraßen Europas: Haarnadelkurven, schwindelerregende Tiefblicke, kahle Vulkanfelsen und das endlose Blau des Atlantiks. Die Straße ist gut ausgebaut, aber nichts für schwache Nerven — Geländer sind nicht überall vorhanden. Plane für die gesamte Strecke (ca. 60 km) mindestens 2 Stunden reine Fahrzeit ein — mehr, wenn du an den zahlreichen Aussichtspunkten hältst (und das solltest du!).
Natürliche Pools an der Nordküste
Die gesamte Nordküste ist gespickt mit natürlichen Meerwasserbecken, die in das Vulkangestein eingelassen sind:
- Las Salinas de Agaete: Gut zugänglich, mit Betonstufen und Umkleiden.
- Charcos de San Lorenzo: Natürlicher, weniger erschlossen, bei Einheimischen beliebt.
- Roque Prieto (Santa María de Guía): Spektakuläre Lage in zerklüftetem Lavagestein.
Das Schwimmen in den Naturpools ist kostenlos, aber abhängig von der Tide — bei Hochwasser und starkem Wellengang können die Pools gefährlich sein. Lokale Einheimische kennen die sicheren Bedingungen am besten.
Achtung
Die natürlichen Meerwasserpools an der Nordküste sind bei ruhiger See wunderschön, aber bei Hochwasser und starkem Wellengang lebensgefährlich. Wellen können unvermittelt über die Felsen schwappen und Menschen ins Meer reißen. Schwimme nur bei ruhiger See und Ebbe, und achte auf lokale Hinweisschilder und Flaggen.
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