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Regionen · Kapitel 6

Bergland & Zentrum

Gran Canaria Reiseführer

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RegionenKapitel 6: Bergland & Zentrum
Regionen · Kapitel 6

Bergland & Zentrum

Das gebirgige Zentrum Gran Canarias ist eine andere Welt: zerklüftete Vulkangipfel, tiefe Schluchten, Kiefernwälder und Dörfer, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Hier thront der Roque Nublo, hier leben Menschen in Höhlenwohnungen und hier erlebst du, warum Gran Canaria zurecht Minikontinent genannt wird.

Roque Nublo — Gran Canarias Wahrzeichen

Der Roque Nublo (Wolkenfels) ist das Wahrzeichen Gran Canarias und eines der bekanntesten Naturmonumente der Kanaren. Der 80 Meter hohe Basalt-Monolith ragt auf 1.813 Metern Höhe aus dem Vulkangestein und war für die Ureinwohner (Altkanaren) ein heiliger Kultplatz. Heute ist er das Symbol der Insel und das Ziel der beliebtesten Wanderung Gran Canarias.

Die Wanderung

Die Wanderung zum Roque Nublo gehört zu den einfachsten und zugleich lohnendsten Wanderungen der Kanaren. Vom Parkplatz an der Straße GC-600 (oberhalb der Degollada de la Goleta) führt ein gut markierter Pfad durch Kiefernwald und über Vulkangestein zum Fuß des Monolithen. Die Route ist ca. 1,5 km pro Strecke mit etwa 100 Höhenmetern — in 25–40 Minuten zu schaffen, auch für Familien mit Kindern (ab ca. 6 Jahren).

Das Panorama

Das Panorama vom Roque Nublo ist spektakulär: Bei klarer Sicht (besonders morgens, bevor die Passatwolken aufziehen) siehst du im Westen den Teide auf Teneriffa (Spaniens höchster Berg, 3.718 m), im Süden die Dünen von Maspalomas als hellen Streifen am Meer, im Norden Las Palmas und rundherum die zerklüftete Vulkanlandschaft der Caldera de Tejeda. Direkt neben dem Roque Nublo steht der Roque del Fraile (Mönchsfels) — zusammen bilden sie eine der ikonischsten Silhouetten der Kanaren.

Risco Caído & die heiligen Berge

Seit 2019 gehört die Kulturlandschaft Risco Caído und die heiligen Berge Gran Canarias zum UNESCO-Welterbe. Dieses Gebiet rund um den Roque Nublo umfasst Höhlen mit astronomischen Markierungen der Ureinwohner, Getreidespeicher und Kultstätten — ein einzigartiges Zeugnis der vorspanischen Kultur. Der Risco Caído selbst ist eine Höhle bei Artenara, in der das Sonnenlicht zu bestimmten Zeiten des Jahres durch eine Öffnung fällt und Felszeichnungen beleuchtet — ein astronomischer Kalender, der über 800 Jahre alt ist.

Tipp

Starte die Wanderung am besten früh morgens (vor 10 Uhr) — dann ist die Sicht am klarsten und die Passatwolken sind noch nicht aufgezogen. Bring eine leichte Jacke mit: Auf 1.800 Metern kann es auch im Sommer frisch sein (10–15°C weniger als an der Küste!). Parken am Ausgangspunkt ist begrenzt — unter der Woche deutlich einfacher als am Wochenende.

Cruz de Tejeda & die Caldera

Das Cruz de Tejeda (Kreuz von Tejeda) auf 1.560 Metern Höhe ist der geografische und symbolische Mittelpunkt Gran Canarias — ein Passübergang, an dem sich seit Jahrhunderten die Wege von Nord und Süd, Ost und West kreuzen. Heute ist es der ideale Ausgangspunkt, um das Bergland zu erkunden.

Der Pass

Am Cruz de Tejeda steht ein Steinkreuz aus dem 15. Jahrhundert (das Original ist im Museum, die Kopie steht am Wegesrand), und rundherum bieten sich atemberaubende Ausblicke in die Caldera de Tejeda — einen riesigen Erosionskrater, der sich über den gesamten Westen der Insel erstreckt. Auf dem kleinen Markt am Pass verkaufen lokale Händler Mandelsüßigkeiten (bienmesabe — „es schmeckt mir gut"), Honig, Käse und Handwerk. Ein paar hundert Meter entfernt liegt das historische Parador de Cruz de Tejeda — ein Luxushotel mit Restaurant und dem besten Panoramablick der Insel.

Tejeda — das schönste Dorf

Das Dorf Tejeda, wenige Kilometer unterhalb des Passes, gilt als eines der schönsten Dörfer Spaniens (es steht auf der offiziellen Liste der „Pueblos más bonitos de España"). Weiße Häuser kleben an den steilen Felshängen über dem Barranco, Mandelbäume prägen die Terrassen und der Blick auf den Roque Nublo und den Roque Bentayga ist allgegenwärtig. Besonders schön im Februar, wenn die Mandelbäume blühen und das Fiesta del Almendro en Flor (Mandelblütenfest) gefeiert wird.

Wanderungen ab Cruz de Tejeda

  • Cruz de Tejeda → Artenara: ca. 8 km (2,5–3 Stunden), Höhenpfad mit grandioser Aussicht. Mittelschwer.
  • Cruz de Tejeda → Teror: ca. 12 km (3–4 Stunden), historischer Camino Real durch Kiefernwald. Mittelschwer.
  • Roque Bentayga Rundweg: ca. 5 km (1,5–2 Stunden), vorbei an der Kultstätte der Ureinwohner mit archäologischem Zentrum. Leicht bis mittelschwer.

Pico de las Nieves

Der Pico de las Nieves (Schneespitze) ist mit 1.949 Metern der höchste Punkt Gran Canarias. Der Gipfel selbst ist militärisches Sperrgebiet, aber der Aussichtspunkt wenige Meter darunter bietet ein unfassbares 360-Grad-Panorama. An klaren Tagen sind von hier alle acht Kanareninseln sichtbar — Teneriffa mit dem Teide, Fuerteventura, Lanzarote, La Gomera und sogar das ferne El Hierro. Die Zufahrt ist bequem per Auto über die GC-130 möglich.

Artenara — Leben in Höhlen

Artenara ist die höchstgelegene Gemeinde Gran Canarias (1.270 m) und eines der faszinierendsten Dörfer der Kanaren. Hier leben Menschen bis heute in Höhlenwohnungen (Casas-Cueva), die in den weichen Tuffstein gehauen wurden — eine Tradition, die auf die Ureinwohner (Altkanaren) zurückgeht und über 2.000 Jahre alt ist.

Die Höhlenwohnungen

Was von außen unspektakulär aussieht — ein in den Fels gearbeiteter Eingang mit Tür und Fenster — entpuppt sich innen als erstaunlich komfortabler Wohnraum: gleichmäßige Temperatur (18–20°C das ganze Jahr, ohne Heizung oder Klimaanlage!), trockene Luft und absolute Stille. Viele Höhlenwohnungen sind vollständig modernisiert — mit Küche, Bad, WLAN und Terrasse mit Panoramablick. Du kannst in einer solchen Casa-Cueva übernachten (ab ca. 50€/Nacht auf den üblichen Buchungsportalen) — ein unvergessliches Erlebnis.

Höhlenkirche Virgen de la Cuevita

Die Ermita de la Virgen de la Cuevita ist eine der ungewöhnlichsten Kirchen der Welt: vollständig in den Fels gehauen, mit einem kleinen Altar und der Statue der Schutzheiligen des Dorfes. Die Kapelle liegt am Hang unterhalb des Dorfes und ist über eine steile Treppe erreichbar. Am 15. August wird hier die Fiesta de la Cuevita gefeiert — eine Wallfahrt, bei der die Bewohner die Statue in einer Prozession durch das Dorf tragen.

Mirador de Unamuno

Der Mirador de Unamuno (benannt nach dem spanischen Philosophen Miguel de Unamuno, der Gran Canaria 1924 besuchte und von der Landschaft überwältigt war) bietet einen der grandiosesten Ausblicke der gesamten Kanaren: Die Caldera de Tejeda erstreckt sich unter dir wie ein riesiges natürliches Amphitheater, der Roque Nublo und der Roque Bentayga ragen als monumentale Felsnadeln empor, und bei klarer Sicht erscheint der Teide auf Teneriffa als Schattenriss am Horizont. Dieser Ausblick hat Unamuno zu dem berühmten Satz inspiriert: „Dies ist ein versteinernder Sturm."

Centro de Interpretación

Das Centro de Interpretación de Artenara in einer restaurierten Höhle erklärt die Geschichte der Höhlenbesiedlung von den Ureinwohnern bis heute. Hier erfährst du, wie die Altkanaren ohne metallene Werkzeuge diese Räume schufen, wie sie Getreide in Felsenkammern speicherten und welche Rolle die Höhlen als Kultstätten spielten. Eintritt: ca. 3€.

Tipp

Für das volle Höhlenerlebnis: Buche eine Nacht in einer Casa-Cueva in Artenara. Morgens aufwachen, die Höhlentür öffnen und auf die Caldera de Tejeda blicken — unbezahlbar. Verbinde es mit dem Sonnenuntergang am Mirador de Unamuno und einem Abendessen im Höhlenrestaurant „Mesón La Silla" (hervorragende kanarische Küche in einer Felshöhle!).

Barrancos & Wanderwege

Gran Canarias Bergland ist von tiefen Barrancos (Schluchten) durchzogen, die sich vom Zentrum strahlenförmig zur Küste erstrecken — gewaltige Erosionstäler, die die vulkanische Vergangenheit der Insel freilegen. Jeder Barranco ist eine eigene Welt: üppige Vegetation an den Nordflanken, karge Felsen im Süden, versteckte Höhlendörfer und archäologische Fundstätten der Ureinwohner.

Barranco de Guayadeque

Der Barranco de Guayadeque östlich von Ingenio ist eine der tiefsten und eindrucksvollsten Schluchten der Insel. Hier finden sich archäologische Fundstätten der Ureinwohner (über 2.000 Jahre alt), eine Höhlenkirche (Ermita de Guayadeque) und mehrere Höhlenrestaurants, in denen du in den Fels gehauen speist. Die Guayadeque-Höhlenrestaurants (Tagoror und Vega) sind legendär: kanarische Küche in natürlicher Felsumgebung, oft mit Kaminfeuer im Winter. Die Schlucht ist per Auto erreichbar (Straße endet an den Restaurants) oder zu Fuß durchwanderbar (verschiedene Routen, 2–6 Stunden).

Barranco de Fataga

Die Schlucht von Fataga verbindet das Bergland mit dem Süden und bietet eine der schönsten Autofahrten der Insel: Die GC-60 windet sich durch dramatische Felsformationen, vorbei am malerischen Dorf Fataga (weiße Häuser, Palmen, ein Kirchlein — Postkartenmotiv) bis hinunter nach San Bartolomé. Der Mirador de Fataga bietet einen Überblick über die gesamte Schlucht. Im Dorf selbst: ein Café, ein kleiner Laden und absolute Ruhe.

Wanderrouten im Bergland

Gran Canaria verfügt über ein Netz von über 30 markierten Wanderwegen (GR, PR und SL), die das Bergland erschließen. Die wichtigsten:

RouteStreckeDauerSchwierigkeit
Roque Nublo Rundweg3 km (hin und zurück)1–1,5hLeicht
Cruz de Tejeda → Artenara8 km (einfach)2,5–3hMittel
Barranco de Guayadeque8–12 km (variabel)3–5hMittel
Camino de la Plata14 km5–6hSchwer
Tamadaba Rundweg6 km2–3hLeicht–Mittel
Pico de las Nieves → Cruz de Tejeda10 km3–4hMittel

Praktische Hinweise

  • Beste Wanderzeit: Oktober–Mai (Sommer kann in der Sonne zu heiß werden, aber morgens geht es).
  • Ausrüstung: Feste Wanderschuhe, Sonnenschutz, mindestens 1,5 Liter Wasser pro Person, leichte Jacke (Wind auf den Gipfeln!).
  • GPS/Karten: Komoot und Wikiloc haben exzellente Kartenabdeckung für Gran Canaria. Offline-Karten runterladen — das Mobilfunknetz ist in den Schluchten lückenhaft.
  • Vorsicht bei Regen: Nach starken Regenfällen können die Barrancos innerhalb von Minuten zu reißenden Flüssen werden. Nie in einer Schlucht wandern, wenn Regen angekündigt ist!

Achtung

Nach starkem Regen können die Barrancos (Schluchten) blitzartig überfluten — sogenannte „Barranqueras". Diese Sturzfluten sind lebensgefährlich. Wandere niemals in einer Schlucht, wenn Regen angekündigt ist, und verlasse die Schlucht sofort, wenn du Donner hörst oder der Wasserpegel plötzlich steigt.

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