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Regionen · Kapitel 3

Amman & Umgebung

Jordanien Reiseführer

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RegionenKapitel 3: Amman & Umgebung
Regionen · Kapitel 3

Amman & Umgebung

Jordaniens Hauptstadt überrascht: Eine Mischung aus 9.000 Jahren Geschichte, lebendiger Foodszene und pulsierendem Nachtleben. Auf den umliegenden Hügeln thronen römische Tempel über einer Stadt, die sich rasant modernisiert — ohne ihre Identität zu verlieren. Im Umland warten Madaba, der Berg Nebo und die charmante Osmanen-Stadt Salt.

Amman entdecken

Amman ist eine Stadt, die man erst auf den zweiten Blick lieben lernt. Auf den ersten Blick ein Meer aus weißen und sandfarbenen Häusern, die über sieben (eigentlich längst neunzehn) Hügel klettern. Auf den zweiten Blick eine der spannendsten Städte des Nahen Ostens: eine 9.000 Jahre alte Geschichte, die man an der Zitadelle ablesen kann; eine pulsierende Gastronomieszene, die von Streetfood bis Fine Dining reicht; und eine Warmherzigkeit der Menschen, die jeden Besucher umfängt.

Die Stadt teilt sich grob in zwei Welten: Downtown (Al-Balad) im Tal ist das alte, chaotische, authentische Amman — hier liegen das römische Theater, die Souks und die günstigsten Falafel der Stadt. Westamman (Abdali, Sweifieh, Abdoun) auf den Hügeln ist das moderne Amman — Cafés, Rooftop-Bars, internationale Restaurants und hippe Galerien.

Plane 1–2 volle Tage für Amman ein, plus einen Tag für einen Ausflug nach Madaba und Berg Nebo.

Orientierung

Amman ist in „Circles" (Kreisverkehre) organisiert, die von 1st Circle (Downtown-Nähe) bis 8th Circle (Stadtrand) durchnummeriert sind:

  • Downtown (Al-Balad): Das historische Zentrum im Tal. Römisches Theater, Zitadelle, Souks, Nymphaeum. Günstige Hotels und das beste Streetfood.
  • 1st–3rd Circle / Rainbow Street: Ammans Trendviertel am Jebel Amman. Cafés, Buchläden, Galerien, Boutique-Hotels. Der beste Ort zum Übernachten für Erstbesucher.
  • Abdali (am 2nd Circle): Das neue Geschäftsviertel mit dem Boulevard, Malls und dem Jordan Museum.
  • Sweifieh / 5th–6th Circle: Gehobenes Wohnviertel mit internationalen Restaurants und Einkaufszentren.
  • Abdoun: Das Nightlife-Viertel mit Bars und Clubs.
  • 7th Circle: JETT-Busbahnhof für Fernbusse nach Petra und Aqaba.

Tipp

Uber/Careem funktionieren in Amman hervorragend und sind günstiger als normale Taxis. Kurzstrecken kosten 1–2 JOD. Für Downtown: zu Fuß erkunden, für die Hügel-Viertel Uber nehmen.

Die Zitadelle (Jebel al-Qala'a)★★★

Sommer: 8:00–19:00, Winter: 8:00–16:00
3 JOD (im Jordan Pass inklusive)

Die Zitadelle — Ammans Krone

Hoch über Downtown thront die Zitadelle auf dem Jebel al-Qala'a, dem höchsten der sieben Hügel Ammans. Hier, auf einem Plateau mit 360°-Panorama über die Stadt, haben sich 9.000 Jahre Zivilisation übereinander geschichtet: von der Bronzezeit über die Ammoniter, Römer, Byzantiner und Umayyaden bis zur osmanischen Periode.

Herkules-Tempel (Tempel des Herkules)

Die gewaltigsten Ruinen der Zitadelle: Der Tempel des Herkules wurde 162–166 n. Chr. unter Kaiser Marcus Aurelius erbaut und war eines der größten Tempel des Römischen Reiches. Von den ursprünglich 10 Meter hohen korinthischen Säulen stehen noch einige — zusammen mit einer riesigen Marmorhand, die zu einer einst 12 Meter hohen Herkules-Statue gehört haben muss. Der Blick durch die Säulen auf das römische Theater unten im Tal ist der ikonischste Fotospot Ammans.

Umayyaden-Palast

Am Nordende der Zitadelle liegt der Umayyaden-Palast aus dem 8. Jahrhundert — ein Komplex aus dem goldenen Zeitalter des Islam. Die restaurierte Kuppelhalle mit ihrer geometrischen Kreuzform und dem Tonnengewölbe ist architektonisch beeindruckend. Die Umayyadenherrschaft (661–750) war die erste islamische Dynastie, und dieser Palast zeigt ihren Prunk.

Archäologisches Museum

Das kleine, aber feine Museum auf dem Zitadellenhügel zeigt Funde von den Ausgrabungen: Bronzezeitliche Figuren, die Ain-Ghazal-Statuen (7.000 v. Chr. — die ältesten menschenförmigen Statuen der Welt sind Repliken, Originale im Jordan Museum), nabatäische Keramik und islamische Artefakte.

Tipp

Komme zum Sonnenuntergang! Die Zitadelle ist einer der magischsten Orte Ammans, wenn das Abendlicht die Steinruinen golden färbt, die Stadt sich im Tal ausbreitet und der Muezzin-Ruf aus hundert Moscheen gleichzeitig erklingt. Danach zu Fuß hinunter nach Downtown zum Abendessen.

Römisches Theater & Downtown★★★

Täglich 8:00–18:00 (Winter bis 16:00)
2 JOD (im Jordan Pass inklusive)

Das Römische Theater

Ammans imposantestes antikes Bauwerk: Das Römische Theater wurde im 2. Jahrhundert n. Chr. (138–161) unter Kaiser Antoninus Pius erbaut und fasst 6.000 Zuschauer auf 33 Sitzreihen. Es ist in den Nordhang des Jebel al-Jofeh hineingebaut und erstaunlich gut erhalten — die Akustik ist bis heute perfekt: Ein Flüstern auf der Bühne ist in der obersten Reihe zu hören.

In der Cavea (dem Zuschauerbereich) befinden sich zwei kleine Museen: das Folklore-Museum (traditionelle Kleidung, Beduinenzelte, Alltagsgegenstände) und das Museum für Volkstraditionen (Schmuck, Mosaike, traditionelles Handwerk). Beide sind im Eintritt enthalten.

Gegenüber dem Theater liegt das Nymphaeum, ein teilweise ausgegrabener römischer Brunnen aus dem 2. Jahrhundert, und der Hashemite Plaza, ein gepflegter Platz, der sich als Ausgangspunkt für Downtown-Spaziergänge eignet.

Rainbow Street & Jebel Amman★★

Rainbow Street — Ammans Seele

Die Rainbow Street (offiziell: Abu Bakr as-Siddiq Street) am Jebel Amman zwischen 1st und 2nd Circle ist das Herz des hippen, kosmopolitischen Amman. Auf wenigen hundert Metern reihen sich Cafés, Buchhandlungen, Galerien, Restaurants und Vintage-Läden aneinander — eine Oase der Kreativität in einer Stadt, die sich rasant wandelt.

Hier sitzt man abends mit Blick über die glitzernden Lichter der Stadt, trinkt frisch gepressten Granatapfelsaft, raucht Shisha und beobachtet das bunte Treiben: Studenten, Künstler, Expats und jordanische Familien mischen sich unter freiem Himmel.

Highlights auf und um die Rainbow Street

  • Wild Jordan Center (RSCN): Das Café der Royal Society for the Conservation of Nature bietet fantastischen Kaffee, gesunde Küche und den besten Blick über Downtown von der Terrasse. Hier kannst du auch Wanderungen und Öko-Touren buchen.
  • Jadal for Knowledge and Culture: Kulturzentrum mit Ausstellungen, Lesungen und Workshops.
  • Souk Jara (Freitagsflohmarkt): Im Sommer (Mai–Oktober) verwandelt sich eine Seitenstraße jeden Freitag in einen Kunsthandwerksmarkt mit Musik, Essen und einer tollen Atmosphäre.
  • Duke's Diwan: Ein historisches Osmanenhaus (1924), das als kostenlose Kulturstätte dient. Architektur bewundern und Tee trinken.

Tipp

Am Freitagabend (dem jordanischen Wochenend-Abend) ist Rainbow Street am lebendigsten. Plane einen Abend hier ein: Sonnenuntergang auf der Zitadelle, dann zu Fuß zur Rainbow Street für Dinner und Shisha.

Jordan Museum★★

Sa–Do 10:00–17:00 (Do bis 20:00), Fr 10:00–15:00
5 JOD

Jordan Museum — Die Geschichte eines Landes

Das Jordan Museum im Abdali-Viertel ist das wichtigste und modernste Museum des Landes. 2014 eröffnet, erzählt es die Geschichte Jordaniens von den frühesten menschlichen Besiedlungen bis zur Gegenwart — mit zwei absoluten Highlights:

  • Ain-Ghazal-Statuen (7.000 v. Chr.): Die ältesten großformatigen menschlichen Figuren der Welt. Diese 9.000 Jahre alten Gips-Statuen mit ihren großen Augen und stilisierten Gesichtern wurden in Amman ausgegraben und gehören zu den bedeutendsten archäologischen Funden des 20. Jahrhunderts.
  • Kupferrollen vom Toten Meer (Dead Sea Scrolls): Das Museum beherbergt einige der berühmten Kupferrollen, die 1952 in den Höhlen von Qumran gefunden wurden und zu den ältesten biblischen Manuskripten zählen.

Die Dauerausstellung führt chronologisch durch die Epochen: Steinzeit, Bronzezeit, Nabatäer, Römer, Islam, Kreuzfahrer, Osmanen, Haschemiten. Interaktive Displays, moderne Museographie und englische Beschriftungen machen den Besuch auch ohne Guide zum Erlebnis.

Downtown Souks & Streetfood★★

Die Souks von Downtown

Rund um die König-Faisal-Straße (King Faisal Street) und die König-Hussein-Straße erstrecken sich Ammans traditionelle Souks — ein Gewirr aus engen Gassen, in denen sich Gewürzhändler, Goldschmiede, Textilhändler und Gemüsemärkte aneinanderreihen. Hier ist das authentische, arabische Amman lebendig: laut, chaotisch, duftend und faszinierend.

Streetfood-Highlights

Downtown ist das Streetfood-Paradies Ammans. Ein kulinarischer Rundgang kostet fast nichts und sättigt für den ganzen Tag:

  • Hashem Restaurant: Die legendärste Falafel-Bude Jordaniens — seit 1952 serviert sie in einer Seitengasse von Downtown die besten Falafel des Landes. Könige und Botschafter essen hier neben Taxifahrern. Ein komplettes Mahl (Falafel, Hummus, Fuul, Tee) kostet 2–3 JOD. 24 Stunden geöffnet!
  • Habibah Sweets: Direkt am Eingang zur Rainbow Street gelegen, ist Habibah der Tempel des Knafeh — des heißen, käsig-süßen Desserts, das in einem Sirup aus Orangenblütenwasser schwimmt. Die Schlange ist immer lang, aber es geht schnell. 0,50 JOD pro Portion.
  • Shawarma-Stands: An der King Hussein Street reihen sich Shawarma-Stände aneinander. Hühnchen oder Lamm im Fladenbrot mit Pickles und Knoblauchsoße ab 0,75 JOD.
  • Frischsaft-Stände: Frisch gepresster Orangensaft, Granatapfelsaft oder Mango — an jeder Ecke, ab 0,50 JOD.

Tipp

Das Hashem Restaurant ist ein Muss — nicht wegen des Ambientes (Plastikstühle in einer Gasse), sondern wegen der besten Falafel, die du je essen wirst. Bestelle die „Full Meal": Falafel, Hummus, Fuul (Bohnenpüree), Brot, Tee. Alles frisch, alles perfekt, alles für unter 3€.

Madaba & Berg Nebo★★★

Madaba: St. George täglich 8:00–18:00 | Berg Nebo: täglich 8:00–17:00 (Sommer bis 19:00)
St. George: 1 JOD | Berg Nebo: 2 JOD (beides im Jordan Pass inklusive)

Madaba — Die Stadt der Mosaike

35 km südlich von Amman liegt Madaba, eine der ältesten christlichen Gemeinden der Welt, berühmt für ihre byzantinischen Mosaike. Das Highlight ist die Madaba-Karte in der griechisch-orthodoxen St.-Georgs-Kirche: ein 6 mal 15 Meter großes Bodenmosaik aus dem 6. Jahrhundert, das die älteste kartografische Darstellung des Heiligen Landes zeigt — Jerusalem, das Tote Meer, den Jordan, Bethlehem und sogar einzelne Gebäude sind identifizierbar.

Madaba hat noch mehr zu bieten: Das Archäologische Museum zeigt weitere Mosaike und nabatäische Funde, der Madaba Archaeological Park bewahrt beeindruckende Bodenmosaike aus verschiedenen Kirchen, und die Stadt selbst ist deutlich ruhiger und authentischer als Amman.

Berg Nebo — Der Blick des Moses

10 km westlich von Madaba erhebt sich der Berg Nebo (817 m), einer der wichtigsten biblischen Orte Jordaniens. Hier soll Moses laut dem Buch Deuteronomium kurz vor seinem Tod das Gelobte Land erblickt haben, das er selbst nicht mehr betreten durfte.

Und tatsächlich: Bei klarem Wetter reicht der Blick vom Gipfel über das Jordantal, das Tote Meer, die Hügel Jerusalems und bei besonders guter Sicht bis nach Bethlehem und Jericho. Die Moseskirche auf dem Gipfel beherbergt wunderschöne byzantinische Mosaike (6. Jahrhundert), und die moderne Brazen-Serpent-Skulptur (Schlange des Moses) ist ein beliebtes Fotomotiv.

Papst Johannes Paul II. besuchte den Berg Nebo im Jahr 2000, Papst Benedikt XVI. 2009 — beide pflanzten hier einen Olivenbaum als Zeichen des Friedens.

Tipp

Madaba und Berg Nebo lassen sich perfekt als Halbtagesausflug von Amman oder als Zwischenstopp auf dem King's Highway nach Petra kombinieren. Von Berg Nebo aus kannst du die spektakuläre Straße hinunter zum Toten Meer nehmen (30 Min.) — einer der beeindruckendsten Höhenunterschiede der Welt: von 817 m über auf 430 m unter dem Meeresspiegel.

Salt — Osmanisches Erbe

As-Salt — Die vergessene Schöne

30 km nordwestlich von Amman liegt die Stadt As-Salt, die 2021 zum UNESCO-Welterbe ernannt wurde — und trotzdem ein echter Geheimtipp geblieben ist. Während der osmanischen Periode (bis 1921) war Salt die Hauptstadt der Region und ein blühendes Handelszentrum. Dann wurde Amman zur Hauptstadt erklärt, und Salt fiel in einen Dornröschenschlaf.

Dieser Dornröschenschlaf hat die Stadt konserviert: Wunderschöne Sandstein-Häuser aus dem 19. Jahrhundert mit gewölbten Fenstern, schmiedeeisernen Balkonen und gelber Kalksteinfassade säumen die steilen Gassen. Es gibt kein McDonald's, kaum Touristen, dafür aber freundliche Einheimische, die staunen, dass jemand ihre Stadt besucht.

Sehenswert: Das Salt History Museum im historischen Haus Abu Jaber, das Harmony Trail (ein Spaziergang durch die Altstadt mit Infotafeln), und die zahlreichen Treppen und Gassen, die sich zwischen den Häusern hindurchschlängeln.

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