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Verstehen · Kapitel 9

Essen & Trinken

Jordanien Reiseführer

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VerstehenKapitel 9: Essen & Trinken
Verstehen · Kapitel 9

Essen & Trinken

Die jordanische Küche ist ein Fest der Aromen: Mansaf, das stolze Nationalgericht, klebriges Knafeh, knuspriger Falafel und der allgegenwärtige süße Tee — wer Jordanien schmecken will, muss essen wie ein Jordanier.

Die jordanische Küche

Die jordanische Küche ist arabisch-levantinisch mit starken beduinischen Einflüssen. Sie teilt viele Gerichte mit der palästinensischen, libanesischen und syrischen Küche, hat aber eigene Spezialitäten, die es nirgendwo sonst gibt. Die Grundpfeiler: Olivenöl, Joghurt (Laban), Lamm, Kichererbsen, Gewürze (Za'atar, Sumach, Kreuzkümmel) und natürlich Fladenbrot (Khubz) — das zu jeder Mahlzeit gehört.

Mansaf — Das Nationalgericht

Mansaf ist mehr als ein Gericht — es ist ein kulturelles Ritual. Zarten Lammfleisch in einer cremigen Soße aus Jameed (getrockneter, fermentierter Joghurt aus Ziegenmilch) wird auf einem Berg aus duftendem Gewürzreis serviert, der auf einem riesigen Fladenbrot liegt. Obendrauf: geröstete Mandeln, Pinienkerne und Petersilie.

Traditionell wird Mansaf mit der rechten Hand gegessen: Man formt kleine Kugeln aus Reis und Fleisch und führt sie zum Mund, ohne den Arm auf den Ellbogen zu stützen. Bei Festen wird die Platte auf den Boden gestellt, und die Gäste essen im Stehen darum herum — der Ehrengast bekommt den Kopf des Lamms.

Mansaf gibt es in jedem jordanischen Restaurant (5–10 JOD) und ist die Standardmahlzeit bei Hochzeiten, Beerdigungen, Empfängen und Familientreffen. Wer Jordanien verlässt, ohne Mansaf gegessen zu haben, war nicht in Jordanien.

Weitere Klassiker

Mezze — Die Vorspeisen-Galaxie

Jede jordanische Mahlzeit beginnt mit einer Mezze-Runde: Dutzende kleiner Teller, die den ganzen Tisch bedecken:

  • Hummus: Kichererbsenpüree mit Tahini, Olivenöl und Zitrone. Die Basis von allem.
  • Mutabbal (Baba Ghanoush): Gegrilltes Auberginenpüree mit Tahini — rauchig und cremig.
  • Tabbouleh: Petersilien-Bulgur-Salat mit Tomate und Minze — erfrischend.
  • Fattoush: Brotsalat mit Gemüse und Sumach-Dressing.
  • Labneh: Abgetropfter Joghurt, dickflüssig wie Frischkäse, mit Olivenöl und Za'atar.
  • Falafel: Frittierte Kichererbsenbällchen — in Jordanien perfekt knusprig außen, grün und fluffig innen.

Zarb — Das Beduinen-BBQ

Im Wadi Rum und bei Beduinen erlebst du Zarb — das traditionelle Wüsten-BBQ: Lamm (oder Huhn) und Gemüse (Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln) werden in einen Erdofen geschichtet und unter heißem Sand stundenlang gegart. Das Ergebnis ist unglaublich zartes, aromatisches Fleisch. Der Moment, wenn der Beduine den Sand beiseiteschaufelt und die dampfenden Speisen freilegt, ist ein Erlebnis für sich.

Knafeh — Die süße Sünde

Knafeh ist das beliebteste Dessert der Levante und in Jordanien eine kleine Obsession. Ein Teig aus feinen Engelshaar-Nudeln (Kadaifi) wird mit weichem, salzigem Käse (Nabulsi) gefüllt, in Butter gebacken und mit Zuckersirup (mit Orangenblütenwasser parfümiert) übergossen, gekrönt von gehackten Pistazien. Das Ergebnis: knusprig, käsig, süß, warm — und absolut unwiderstehlich. Die beste Knafeh Ammans gibt es bei Habibah Sweets am Eingang der Rainbow Street (0,50 JOD/Portion).

Getränke

Tee — Das Nationalgetränk

Jordanien ist ein Tee-Land. Schwarzer Tee (Chai), stark gesüßt und oft mit Salbei (Maramiya) oder Minze (Na'na') gewürzt, wird zu jeder Tageszeit getrunken — morgens, nach dem Essen, beim Geschäftemachen, in der Wüste, überall. Die kleinen Gläser (Istikan) werden mit drei Löffeln Zucker serviert, und es wäre unhöflich, die erste Tasse abzulehnen.

In der Wüste und bei den Beduinen wird der Tee über offenem Feuer in einem rußgeschwärzten Kessel gekocht — mit Salbei, manchmal mit Kardamom. Dieser Wüsten-Tee schmeckt nirgends so gut wie am Lagerfeuer unter dem Sternenhimmel.

Kaffee

Zwei Sorten dominieren:

  • Qahwa Sada (Beduinenkaffee): Hell gerösteter, mit Kardamom gewürzter Kaffee ohne Zucker, aus einer langen Schnabelkanne (Dallah) in winzige Tässchen geschenkt. Wird bei formellen Anlässen und in Beduinenzelten serviert. Tradition: Die Tasse leicht schwenken, wenn man genug hat.
  • Türkischer Kaffee: Stark, süß (sada = ohne, wassat = mittel, helwa = süß), mit Satz in der Tasse. In jedem Café erhältlich. Den Satz nicht trinken!

Alkohol

Jordanien ist kein trockenes Land: Alkohol ist legal und in vielen Restaurants, Bars und Supermärkten erhältlich.

  • Bier: Ammans Craft-Beer-Szene wächst — Carakale ist die erste jordanische Craft-Brauerei. Ansonsten: Amstel, Heineken, Philadelphia (lokal). 2–4 JOD im Restaurant.
  • Arak: Der Anisschnaps der Levante, ähnlich Ouzo oder Raki. Wird mit Wasser und Eis gemischt (wird milchig-weiß). Das traditionelle Getränk zum Mezze-Abend.
  • Wein: Jordanischer Wein ist überraschend gut! Die Weingüter Saint George, Jordan River und Zumot produzieren anständige Rot- und Weißweine. Ab 5 JOD in Restaurants.

Im Ramadan wird in den meisten Restaurants kein Alkohol ausgeschenkt, in Hotels und Bars für Touristen aber schon.

Erfrischungen

  • Frisch gepresste Säfte: Orangensaft, Granatapfelsaft, Zuckerrohrsaft — an jeder Straßenecke. 0,50–1 JOD.
  • Jallab: Süßes Getränk aus Datteln, Traubenmelasse und Rosenwasser, mit Pinienkernen und Rosinen — erfrischend und einzigartig.
  • Ayran (Laban): Salziger, verdünnter Joghurtdrink — perfekt bei Hitze.

Restaurant-Guide

Wo essen?

  • Straßenstände & Falafel-Buden: Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Falafel-Sandwich 0,50 JOD, Shawarma 0,75 JOD, Hummus-Teller 1 JOD. In Downtown Amman an jeder Ecke.
  • Lokale Restaurants: Jordanische Küche mit Sitzpolstern auf dem Boden oder normalen Tischen. Mansaf 5–8 JOD, Maqlubeh (umgestürzter Reis) 4–6 JOD. Authentisch und günstig.
  • Gehobene Restaurants (Amman): Die Hauptstadt hat eine erstaunliche Gastronomieszene: Libanesische, italienische, japanische und moderne arabische Küche auf internationalem Niveau. Westamman (Abdoun, Sweifieh, Rainbow Street). 15–30 JOD pro Person.
  • Rooftop-Restaurants (Amman): Essen mit Blick über die Stadt — besonders auf der Rainbow Street und in Abdali. Shisha dazu ist fast Pflicht.
  • Hotel-Restaurants: Besonders am Toten Meer und in Aqaba, wo die Auswahl sonst begrenzt ist. Buffetstil, international, 15–25 JOD.

Preisniveau

TypPreis pro Person
Streetfood (Falafel, Shawarma)0,50–2 JOD
Lokales Restaurant (Mansaf, Grill)4–10 JOD
Gehobenes Restaurant12–25 JOD
Fine Dining25–50 JOD

Tipp

In Jordanien gilt: Je einfacher das Lokal, desto besser das Essen. Die besten Falafel der Welt kommen aus Hashem in Downtown Amman (Plastikstühle in einer Gasse), die besten Knafeh von Habibah (ein Fenster in der Wand). Und das Mansaf bei einer jordanischen Familie zu Hause schlägt jedes Restaurant.

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