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Regionen · Kapitel 7

Nordjordanien

Jordanien Reiseführer

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RegionenKapitel 7: Nordjordanien
Regionen · Kapitel 7

Nordjordanien

Nordjordanien überrascht mit grünen Hügeln, Pinienwäldern und einigen der besterhaltenen antiken Stätten der Welt. Jerash, die „Pompeji des Ostens", die Kreuzritterburg Ajloun, das Panorama von Umm Qais und die geheimnisvolle Wüstenburg Qasr Azraq machen den Norden zu einem Pflichtprogramm für Geschichtsfans.

Jerash — Roms Meisterwerk im Osten★★★

Sommer: 8:00–18:30, Winter: 8:00–16:00
10 JOD (im Jordan Pass inklusive)

Jerash (Gerasa) — Eine der besterhaltenen römischen Städte der Welt

Nur 50 km nördlich von Amman liegt Jerash (antik: Gerasa), die besterhaltene römische Provinzstadt außerhalb Italiens. Was Pompeji für Italien ist, ist Jerash für den Nahen Osten — mit einem entscheidenden Unterschied: Während Pompeji unter Vulkanasche konserviert wurde, stand Jerash einfach vergessen in der Landschaft, bis es im 19. Jahrhundert wiederentdeckt wurde.

Die Stadt war einer der Höhepunkte der Dekapolis — eines Bunds von zehn griechisch-römischen Städten im östlichen Mittelmeerraum. Ihre Blütezeit erlebte Gerasa im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr., als sie 15.000–20.000 Einwohner zählte und zu den wohlhabendsten Städten der Provinz Arabia gehörte.

Die Highlights

  • Hadrianstor: Das monumentale Triumphtor wurde 129 n. Chr. für den Besuch Kaiser Hadrians erbaut. 13 Meter hoch, mit reichen korinthischen Ornamenten — es markiert den imposanten Eingang zur antiken Stadt.
  • Ovales Forum (Ovaler Platz): Der einzigartige ovale Platz (56×80 m) ist nirgendwo sonst in der römischen Welt zu finden. 56 ionische Säulen umgeben die elliptische Pflasterfläche. In der Mitte stand ein Brunnen. Heute finden hier manchmal Konzerte und Festivals statt — die Akustik ist perfekt.
  • Cardo Maximus (Kolonnadenstraße): Die 800 Meter lange Hauptstraße, gesäumt von 500 korinthischen Säulen. Unter dem Pflaster verlief ein ausgeklügeltes Abwassersystem. An Kreuzungen stehen Tetrapyla (Viersäulenmonumente). Man spürt förmlich das Treiben der antiken Stadt.
  • Südtheater: Das größere der beiden Theater (3.000 Zuschauer) ist so gut erhalten, dass dort heute Konzerte stattfinden. Die Akustik ist verblüffend: Ein Flüstern in der Mitte der Bühne ist in der letzten Reihe zu hören. Tipp: Stelle dich in den Mittelpunkt der Orchestra und klatsche — der Nachhall ist magisch.
  • Nordtheater: Kleiner (1.600 Plätze), aber ebenfalls gut erhalten. Wurde für Ratsversammlungen genutzt.
  • Artemis-Tempel: Der Haupttempel der Stadt, der Schutzgöttin Artemis geweiht. 11 der ursprünglichen Säulen stehen noch, 12 Meter hoch. Bei Wind schwanken die Säulen leicht auf ihren Sockeln — ein Beweis für die Erdbebensicherheit der antiken Bauweise.
  • Nymphäum: Der prächtige Zierbrunnen (191 n. Chr.) war einst zweistöckig, mit Marmor verkleidet und mit Löwenkopf-Wasserspeiern verziert.

Jerash Festival

Im Juli/August findet das Jerash Festival of Culture and Arts statt — eines der größten Kulturfestivals des Nahen Ostens. Konzerte, Theater und Tanz in der antiken Kulisse. Wenn möglich einplanen!

Tipp

Plane 3–4 Stunden für Jerash ein, am besten morgens (weniger Touristen, weniger Hitze). Der Eintritt beinhaltet manchmal eine kurze Show der „Roman Army and Chariot Experience" — Soldaten in Rüstung, Wagenrennen und Gladiatorenkämpfe. Kitschig, aber unterhaltsam.

Ajloun — Die Kreuzritterfestung★★

Sommer: 8:00–18:00, Winter: 8:00–16:00
3 JOD (im Jordan Pass inklusive)

Qal'at Ar-Rabad (Burg Ajloun)

22 km westlich von Jerash, auf einem Hügel über grünen Pinienwäldern, thront die Burg Ajloun (Qal'at Ar-Rabad). Diese muslimische Festung wurde 1184 von einem General Saladins erbaut — als strategische Antwort auf die Kreuzritterburgen jenseits des Jordantals (wie Belvoir in Israel). Ihre Aufgabe: die Kontrolle über die Eisenerzbergwerke, die Handelsrouten zwischen dem Jordantal und Syrien und die Kommunikation via Feuersignale zwischen Damaskus und Kairo.

Die Burg ist beeindruckend erhalten: Massive Mauern, tiefe Gräben, enge Wendeltreppen und Turmzimmer lassen die mittelalterliche Atmosphäre lebendig werden. Von den Türmen bietet sich ein fantastischer Panoramablick über das Jordantal bis zu den Bergen Palästinas und Israels — an klaren Tagen ist sogar der Tempelberg in Jerusalem zu erahnen.

Im Inneren informiert ein kleines Museum über die Geschichte der Burg und die Kreuzzüge. Die Wanderung vom Parkplatz zur Burg (10 Min.) führt durch einen schattigen Wald — im Frühling blühen wilde Orchideen und Mohnblumen.

Ajloun Forest Reserve

Das Ajloun Forest Reserve (13 km²) wird von der RSCN verwaltet und schützt einen der letzten Eichen-, Pistazien- und Erdbeerbaumwälder des Nahen Ostens. Drei Wanderwege (2–8 km) führen durch den Wald, und es gibt gemütliche Holz-Cabins zum Übernachten (35–60 JOD). Im Frühling (März–Mai) ist der Wald am schönsten.

Tipp

Jerash und Ajloun lassen sich perfekt als Tagesausflug von Amman kombinieren: Morgens nach Jerash (1h Fahrt), 3 Stunden besichtigen, dann weiter nach Ajloun (30 Min.), Mittagessen im Dorf, Burg besichtigen, zurück nach Amman zum Sonnenuntergang.

Umm Qais — Blick über drei Länder★★

Täglich 8:00–17:00
3 JOD (im Jordan Pass inklusive)

Umm Qais (Gadara) — Wo drei Welten sich treffen

Umm Qais liegt ganz im Nordwesten Jordaniens, auf einem Hochplateau über dem Jordantal, und bietet einen der atemberaubendsten Aussichtspunkte des Landes: Von der Terrasse des antiken Theaters blickst du gleichzeitig auf den See Genezareth (Tiberias) in Israel, die Golanhöhen in Syrien und das Jordantal — drei Länder, ein Panorama.

Die antike Stadt Gadara war eine der Dekapolis-Städte und berühmt für ihre Philosophen, Dichter und heißen Quellen. In der Bibel ist Gadara der Ort, an dem Jesus die Dämonen in eine Schweineherde trieb (Markus 5,1–20). Die Ruinen sind weniger spektakulär als Jerash, aber die Lage ist unschlagbar.

Sehenswert: Das Westtheater (aus schwarzem Basalt, ungewöhnlich für die Region), die Kolonnadenstraße, das Nymphäum, die byzantinische Kirche mit ihren Basaltsäulen und das kleine Museum im osmanischen Gouverneurshaus. Dazu: Ein Restaurant mit der besten Terrasse Jordaniens — Kaffee mit Blick auf den See Genezareth, während die Sonne untergeht.

Die Wüstenschlösser★★

Qasr Amra: 3 JOD, Kharanah: 2 JOD, Azraq: 3 JOD (alle im Jordan Pass inklusive)

Die Wüstenschlösser — Islamische Juwelen in der Steppe

Östlich von Amman, in der kargen Basaltwüste Richtung Irak und Saudi-Arabien, verstreuen sich die Wüstenschlösser (Desert Castles) — eine Sammlung frühislamischer Bauten aus dem 7.–8. Jahrhundert, die zu den faszinierendsten Monumenten der Umayyaden-Dynastie gehören. Die Bezeichnung „Schlösser" ist irreführend: Es handelt sich um Jagdschlösser, Badepaläste, Karawansereien und Festungen.

Die wichtigsten Wüstenschlösser

  • Qasr Amra (UNESCO-Welterbe): Das absolute Highlight. Dieses kleine Badehaus (8. Jahrhundert) birgt die besterhaltenen frühislamischen Fresken der Welt: Jagdszenen, nackte Frauen beim Baden, Musiker, Tänzer und ein Tierkreiszeichen an der Kuppel. Die Darstellung von Menschen und Nacktheit in einem islamischen Bauwerk ist einzigartig und zeigt die Offenheit der frühen Umayyaden. UNESCO-Welterbe seit 1985.
  • Qasr al-Kharanah: Die eindrucksvollste Fassade — ein kompakter, quadratischer Bau mit runden Ecktürmen, der wie eine Festung aussieht, aber vermutlich als Karawanserei oder Versammlungsort diente. 60 Räume auf zwei Etagen.
  • Qasr al-Azraq: Die Schwarze Basaltfestung in der Oase von Azraq. Berühmt als Hauptquartier von T.E. Lawrence (Lawrence von Arabien) im Winter 1917/18 während des Arabischen Aufstands. Sein Zimmer über dem Eingangstor kann besichtigt werden. Die schwere Basalt-Eingangstür dreht sich noch heute auf ihren Steinangeln.

Azraq Wetland Reserve

Neben der Burg liegt das Azraq Wetland Reserve — eine Oase in der Wüste, die einst ein riesiges Feuchtgebiet war und heute mühsam renaturiert wird. Vogelbeobachter finden hier Zugvögel auf ihrem Weg zwischen Afrika und Europa. Holzstege führen durch die Schilflandschaft.

Praktische Tipps

Die drei Hauptschlösser (Amra, Kharanah, Azraq) lassen sich in einer 4–5-stündigen Rundfahrt ab Amman besichtigen (ca. 200 km). Alternativ als Halbtagesausflug auf dem Weg nach Osten. Alle sind im Jordan Pass enthalten.

Tipp

Die Wüstenschlösser-Tour ist der perfekte Halbtagesausflug von Amman, wenn du einen freien Nachmittag hast. Starte um 8:00 Uhr, fahre zuerst nach Qasr Amra (schönstes Licht am Morgen für die Fresken), dann Kharanah, dann Azraq. Mittagessen im Dorf Azraq (einfach, aber authentisch), zurück in Amman zum Abendessen.

Das Jordantal

Das Jordantal — Fruchtgarten zwischen den Welten

Das Jordantal erstreckt sich als grüner Streifen entlang der Westgrenze Jordaniens — vom See Genezareth im Norden bis zum Toten Meer im Süden. Dank künstlicher Bewässerung ist es die Kornkammer Jordaniens: Bananen, Datteln, Tomaten, Oliven und Zitrusfrüchte wachsen hier in der subtropischen Wärme, die auch im Winter selten unter 15°C fällt.

Für Reisende ist das Jordantal vor allem ein Transitgebiet — die Straße Nr. 65 (Jordan Valley Highway) verbindet den Norden (Umm Qais) mit dem Toten Meer und ist eine Alternative zum King's Highway. Unterwegs lohnen sich Stopps:

  • Pella (Tabaqat Fahl): Eine antike Dekapolis-Stadt mit Ruinen von der Bronzezeit bis zur Mamlukenzeit. Wenig besucht, atmosphärisch gelegen über dem Jordantal. Kostenlos.
  • Tell Deir Alla: Ausgrabungsstätte mit Funden aus der Bronze- und Eisenzeit, darunter eine aramäische Inschrift über den biblischen Propheten Bileam.
  • Shuneh (North Shuna): Kleine Stadt mit einem lebendigen Freitagsmarkt, auf dem die Bauern des Tals ihre Produkte verkaufen.

Die Fahrt durch das Jordantal bietet kontrastierende Landschaften: Links die kargen, braunen Berge Jordaniens, rechts die grünen Felder des Tals, und am Horizont die Berge des Westjordanlandes. Im Winter, wenn die Hügel grün sind und Wildblumen blühen, ist die Strecke besonders schön.

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