Petra — Die Felsenstadt
Petra entdecken
Es gibt Orte, die man von Fotos kennt und die einen dann trotzdem sprachlos machen. Petra ist so ein Ort. Die über 2.000 Jahre alte Nabatäerstadt, versteckt in einem Tal zwischen roten Sandsteinbergen, wurde 1812 vom Schweizer Forscher Johann Ludwig Burckhardt wiederentdeckt, nachdem sie Jahrhunderte lang nur den lokalen Beduinen bekannt war.
Was Petra einzigartig macht: Die Nabatäer haben keine Stadt gebaut — sie haben eine Stadt aus dem Fels gemeißelt. Hunderte von Fassaden, Tempeln, Gräbern, Theatern und Wohnhöhlen wurden direkt in die Sandsteinwände gehauen, in Farbtönen von Rosarot über Orange bis Violett. Die Stadt war die Hauptstadt des nabatäischen Reiches (4. Jh. v. Chr. – 106 n. Chr.) und kontrollierte die Weihrauch- und Gewürzhandelsrouten zwischen Arabien, Ägypten und dem Mittelmeer.
Petra ist riesig: Über 800 archäologische Strukturen verteilen sich auf 264 km². Die meisten Besucher sehen nur einen Bruchteil an einem Tag. Plane mindestens 2 Tage ein — am besten drei.
Übernachtung: Die Stadt Wadi Musa liegt direkt am Eingang zu Petra und bietet Hotels in allen Preisklassen (15–200 JOD/Nacht). Die meisten Besucher übernachten hier.
Praktische Infos
Eintritt & Tickets
| Ticket | Preis |
|---|---|
| 1 Tag | 50 JOD (65€) |
| 2 Tage | 55 JOD (71€) |
| 3 Tage | 60 JOD (78€) |
| Petra by Night | 17 JOD (zusätzlich) |
Im Jordan Pass inklusive! Das ist der Hauptgrund, den Pass zu kaufen.
Öffnungszeiten
Sommer: 6:00–18:00 Uhr. Winter: 6:00–16:00 Uhr. Tipp: Sei um 6:00 Uhr am Eingang — du hast den Siq und das Schatzhaus fast für dich allein, bevor die Reisegruppen ab 8:30 Uhr eintreffen.
Was mitnehmen?
- Mindestens 2–3 Liter Wasser pro Person
- Sonnenschutz (LSF 50+), Hut, Sonnenbrille
- Feste Wanderschuhe (das Gelände ist felsig und teils steil)
- Snacks — es gibt Stände im Inneren, aber teuer
- Kamera mit vollem Akku
Distanzen in Petra
Vom Eingang zum Schatzhaus: 1,5 km (30 Min.). Vom Schatzhaus zum Kloster: weitere 4 km (1,5 Std.). Ein voller Tag bedeutet 10–15 km Fußmarsch mit viel Auf und Ab.
Achtung
Petra ist ANSTRENGEND. Die Hitze, die Distanzen und die Höhenunterschiede werden oft unterschätzt. Starte früh, trinke viel und plane Pausen ein. Im Hochsommer (Juni–August) kann die Hitze gefährlich werden — dann unbedingt in den frühen Morgenstunden laufen.
Der Siq — Der Zugang★★★
Der Siq — Ein Weg wie in einer anderen Welt
Der Siq ist der 1,2 km lange, enge Canyon, der den einzigen Zugang zur antiken Stadt Petra bildet — und gleichzeitig eine der dramatischsten Inszenierungen der Architekturgeschichte. Die Nabatäer haben diesen natürlichen Felsspalt bewusst als Prozessionsweg gestaltet: Die Wände ragen bis zu 80 Meter hoch empor und stehen an der engsten Stelle nur 2 Meter auseinander. Das Licht, das durch die schmale Öffnung fällt, malt spektakuläre Muster auf den roten, gelben, weißen und violetten Sandstein.
Entlang der Wände sind noch Spuren der nabatäischen Wasserleitung sichtbar — Kanäle, die Wasser von den Bergen in die Stadt führten. An den Felswänden finden sich in Nischen kleine Götterfiguren und Reliefs von Kamelkarawanen. Der ganze Weg ist ein langsames Crescendo der Spannung.
Und dann, am Ende des Siq, wird die Schlucht noch enger, das Licht noch dramatischer — und plötzlich öffnet sich ein schmaler Spalt, durch den die ikonische Fassade des Schatzhauses im rosafarbenen Sonnenlicht erscheint. Es ist einer der ergreifendsten Momente, die Reisen zu bieten hat.
Tipp
Laufe den Siq langsam! Viele Besucher hasten hindurch, um zum Schatzhaus zu kommen. Aber der Siq selbst ist ein Wunder: Achte auf die Farbschichten im Sandstein, die Wasserleitungen, die Götterfiguren in den Nischen. Und fotografiere immer wieder zurück — die Perspektive ändert sich mit jedem Schritt.
Al-Khazneh — Das Schatzhaus★★★
Al-Khazneh — Das ikonische Schatzhaus
Das Schatzhaus (Al-Khazneh, „die Schatzkammer des Pharao") ist das bekannteste Bauwerk Jordaniens und das Wahrzeichen des gesamten Landes. Die 40 Meter hohe und 25 Meter breite Fassade wurde im 1. Jahrhundert v. Chr. direkt aus der Felswand gemeißelt — eine unglaubliche Leistung, wenn man bedenkt, dass die Nabatäer von oben nach unten gearbeitet haben, ohne Gerüste, nur mit Meißeln und dem bloßen Auge für Proportionen.
Der Name „Schatzhaus" stammt von einer Beduinenlegende, die besagt, dass in der Urne an der Spitze der Fassade der Schatz eines Pharaos verborgen sei — die Einschusslöcher in der Urne stammen von Beduinen, die versuchten, den Schatz freizuschießen. In Wahrheit war Al-Khazneh vermutlich ein königliches Grabmal, möglicherweise für den Nabatäerkönig Aretas IV. (9 v. Chr. – 40 n. Chr.).
Die hellenistisch beeinflusste Fassade zeigt korinthische Säulen, Adlerfiguren, Amazonen und die Göttin Isis — ein faszinierender Mix aus griechischer, ägyptischer und nabatäischer Kunst. Je nach Tageszeit wechselt die Farbe des Sandsteins von Blassrosa (morgens) über leuchtendes Orange (mittags) bis zu tiefem Rot (nachmittags).
Petra by Night: An drei Abenden pro Woche (Montag, Mittwoch, Donnerstag) wird der Weg vom Siq zum Schatzhaus mit 1.500 Kerzen beleuchtet. Vor der Fassade sitzend, hörst du Beduinenmusik, während das Kerzenlicht auf dem Sandstein tanzt. 17 JOD Eintritt, Start 20:30 Uhr, Dauer 2 Stunden. Reservierung empfohlen.
Die antike Innenstadt★★
Jenseits des Schatzhauses — Die Stadt Petra
Die meisten Besucher verbringen zu viel Zeit am Schatzhaus und verpassen den Rest von Petra. Dabei liegt die eigentliche Stadt erst dahinter:
Straße der Fassaden
Hinter dem Schatzhaus öffnet sich das Tal, und an den Felswänden reihen sich Dutzende Grabfassaden aneinander — von einfach bis prächtig, in den typischen Sandsteinfarben. Die „Straße der Fassaden" zeigt die ganze Bandbreite nabatäischer Grabarchitektur.
Das Theater
Ein komplett aus dem Fels gehauenes römisches Theater für 3.000 Zuschauer. Einzigartig: In die Rückwand des Theaters sind Gräber eingelassen, die beim Bau durchschnitten wurden — die Nabatäer (oder ihre römischen Nachfolger) opferten die Toten für die Unterhaltung der Lebenden.
Königsgräber
Gegenüber dem Theater, hoch in der Felswand, liegen die vier großen Königsgräber:
- Urnen-Grab: Mit seiner markanten Urne über dem Eingang und dem riesigen Vorplatz (einer natürlichen Felsterrasse) ist es das fotogenste der Königsgräber
- Seiden-Grab: Benannt nach den seidenartigen Farbbändern im Sandstein — ein natürliches Kunstwerk
- Korinthisches Grab: Mit einer stark verwitterten Fassade im korinthischen Stil
- Palast-Grab: Die breiteste Fassade, die an einen mehrstöckigen römischen Palast erinnert
Kolonnadenstraße & Qasr al-Bint
Die gepflasterte Kolonnadenstraße markiert das Zentrum der einst blühenden Handelsstadt. Am Ende steht der Qasr al-Bint (Palast der Pharaonentochter) — der einzige freistehende Tempel Petras und das besterhaltene Bauwerk, das nicht aus dem Fels gehauen wurde. Er war der Haupttempel der Nabatäer, dem Gott Dushara geweiht.
Tipp
Die Königsgräber sind am Nachmittag am schönsten, wenn die Sonne die Fassaden direkt anstrahlt. Der Aufstieg zum Urnen-Grab lohnt sich — von der Terrasse hast du einen phantastischen Blick über ganz Petra.
Ad-Deir — Das Kloster★★★
Ad-Deir — Petras verborgenes Meisterwerk
Das Kloster Ad-Deir ist die größte und, für viele Besucher, die beeindruckendste Fassade Petras. Mit 48 Metern Breite und 47 Metern Höhe ist es noch gewaltiger als das Schatzhaus — und es thront auf einem Berggipfel, zu dem ein Aufstieg von 800 in den Fels gehauenen Stufen führt.
Der Name „Kloster" stammt von den Kreuzen, die in späteren Jahrhunderten in die Wände geritzt wurden, als byzantinische Mönche hier lebten. Ursprünglich war es vermutlich ein nabatäischer Tempel oder ein Versammlungsraum für religiöse Bankette, erbaut im 1. Jahrhundert n. Chr.
Der Aufstieg dauert 45–60 Minuten und ist schweißtreibend, aber die Aussicht von oben ist atemberaubend: ein endloses Panorama über die Berge Edums bis nach Wadi Araba. Oben gibt es ein Beduinen-Café, das Tee und kalte Getränke verkauft — der verdienteste Tee deines Lebens.
Die Fassade selbst ist am späten Nachmittag (ab 15:00 Uhr) am schönsten, wenn die Sonne sie golden beleuchtet. Wer Ad-Deir im Abendlicht sieht, versteht, warum Petra ein Weltwunder ist.
Achtung
Der Aufstieg zum Kloster ist anstrengend: 800 Stufen bei oft praller Sonne. Nimm genug Wasser mit (mindestens 1 Liter), trage gute Schuhe und starte nicht in der Mittagshitze. Esel und Maultiere werden als „Taxi" angeboten — beachte, dass die Tiere oft in schlechtem Zustand sind.
High Place of Sacrifice & Wanderungen★★
High Place of Sacrifice (Al-Madbah)
Der Hohe Opferplatz auf dem Jebel al-Madbah ist einer der am besten erhaltenen nabatäischen Kultplätze und bietet den vielleicht besten Rundblick über Petra. Der Aufstieg beginnt gegenüber dem Theater und dauert etwa 30–45 Minuten über gut erkennbare, in den Fels gehauene Stufen.
Oben findest du einen flachen, in den Fels gemeißelten Altar mit Abflusskanälen für das Blut der Opfertiere — ein Ort, an dem die Nabatäer ihren Göttern Dushara und Al-Uzza huldigten. Der Panoramablick über die gesamte Stadt, das Wadi und die umliegenden Berge ist spektakulär.
Abstieg über Wadi Farasa
Statt denselben Weg zurückzugehen, nimm den Abstieg durch das Wadi Farasa auf der Rückseite des Berges. Hier findest du einige der schönsten und am wenigsten besuchten Monumente Petras:
- Löwen-Triclinium: Ein Festsaal mit Löwenreliefs neben dem Eingang
- Garten-Triclinium: Ein Speisesaal mit einem Garten davor — die Nabatäer aßen mit Blick auf Rosen und Oleander
- Soldatengrab: Eine Fassade mit Nischen für Statuen in römischer Rüstung
Weitere Wanderungen
- Al-Kubtha Trail: Aufstieg zum Aussichtspunkt gegenüber dem Schatzhaus — die berühmte Vogelperspektive auf Al-Khazneh. 30 Min., steil aber lohnend.
- Umm al-Biyara: Der höchste Punkt Petras (1.178 m). Anspruchsvolle 3-Stunden-Wanderung, nur mit Guide. Belohnung: unvergleichliche 360°-Aussicht.
Tipp
Der Al-Kubtha Trail ist DER Fotospot für das berühmte „Schatzhaus von oben"-Bild. Der Weg beginnt bei den Königsgräbern und führt in 30 Minuten steil bergauf. Oben sitzen freundliche Beduinen, die Tee verkaufen und den besten Platz für das Foto zeigen. Am besten morgens, wenn das Schatzhaus von der Sonne beleuchtet wird.
Little Petra (Siq al-Barid)★★
Little Petra — Die kleine Schwester
9 km nördlich von Petra liegt Siq al-Barid, besser bekannt als „Little Petra" — eine kleinere Version der großen Felsenstadt, die vermutlich als Vorstadt und Karawanserei diente. Hier machten die Handelskarawanen Station, bevor sie in Petra einzogen.
Das Besondere an Little Petra: Der Eintritt ist kostenlos, es gibt kaum Touristen, und die Atmosphäre ist intimer als in der großen Schwester. Ein kurzer Siq (350 Meter) führt in ein Tal mit drei Erweiterungen, in denen sich Tempelfassaden, Speisesäle (Triclinien) und Wohnhöhlen befinden.
Highlight: Ein Triclinium mit erhaltener Deckenmalerei — Weinranken, Eroten und Vögel in leuchtenden Farben, die einzige bekannte nabatäische Wandmalerei. Sie zeigt den hellenistischen Einfluss auf die nabatäische Kunst.
Von Little Petra führt ein Wanderweg (ca. 2–3 Stunden, mittel-schwer, nur mit Guide empfohlen) direkt zum Kloster Ad-Deir in Petra — eine der schönsten Wanderungen Jordaniens, die die „Hintertür" zu Petra bildet.
Tipp
Besuche Little Petra am Nachmittag des Tages vor deinem Petra-Besuch. Es ist eine perfekte Einstimmung, kostenlos, und du bekommst ein Gefühl für die nabatäische Architektur ohne den Trubel der großen Schwester.
Stadtrundgang
Klassischer Petra-Rundgang (1 Tag)
Der optimale Rundgang für einen vollen Tag in Petra: Siq → Schatzhaus → Innenstadt → Kloster → High Place. Früh starten!
Visitor Center & Siq-Eingang
Start um 6:00 Uhr am Besucherzentrum. Tickets/Jordan Pass scannen, dann 800 m Fußweg zum Siq-Eingang. Alternativ: Pferdekutsche (Trinkgeld 5 JOD).
15 Min.Der Siq
Der 1,2 km lange Canyon. Langsam gehen, die Farbschichten bewundern, nach nabatäischen Wasserleitungen und Götterfiguren Ausschau halten.
20–30 Min.Al-Khazneh (Schatzhaus)
Am Ende des Siq öffnet sich die Felswand und das ikonische Schatzhaus erscheint. Fotografieren, staunen, auf den Felsen gegenüber setzen und den Moment genießen.
30–45 Min.Straße der Fassaden & Theater
Weiter durch die Straße der Fassaden zum in den Fels gehauenen Theater (3.000 Plätze).
20 Min.Königsgräber
Aufstieg zu den vier großen Königsgräbern an der Ostwand. Urnen-Grab und Palast-Grab betreten. Fantastischer Blick über das Tal.
45–60 Min.Kolonnadenstraße & Qasr al-Bint
Entlang der Kolonnadenstraße zum Haupttempel Petras. Hier gibt es Toiletten, ein Restaurant und Souvenir-Stände. Pause einlegen!
30 Min.Aufstieg zum Kloster (Ad-Deir)
800 Stufen bergauf zum größten Bauwerk Petras. Unterwegs: Löwentriclinium. Oben: Tee im Beduinen-Café mit Panoramablick.
2–2,5 Std. (inkl. Aufenthalt)Rückweg über High Place (optional)
Wer noch Kraft hat: Auf dem Rückweg den Abstecher zum High Place of Sacrifice nehmen. Alternativ: Direkt zurück zum Eingang.
1,5–2 Std.War dieses Kapitel hilfreich?
