Geschichte & Kultur · Abschnitt 3/3

Emigration & Saudade

🇨🇻 Kapverden Reiseführer

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Emigration & Saudade

Die Geschichte der Kapverden ist eine Geschichte der Abwanderung. Seit dem 18. Jahrhundert haben Dürren, Hungersnöte und fehlende wirtschaftliche Perspektiven Hunderttausende Kapverder ins Ausland getrieben. Heute leben schätzungsweise 700.000 Kapverder in der Diaspora — mehr als auf den Inseln selbst (600.000). Die größten Gemeinschaften finden sich in den USA (vor allem New England: Boston, Providence), Portugal (Lissabon), den Niederlanden, Frankreich, Italien und westafrikanischen Ländern wie Senegal und Angola.

Diese massive Diaspora hat die kapverdische Kultur tief geprägt. Das zentrale Gefühl ist die Saudade (Kriolu: Sodade) — eine untröstliche Sehnsucht nach der Heimat, nach den Zurückgelassenen, nach einer Vergangenheit, die unwiederbringlich ist. Saudade ist kein simples Heimweh — es ist ein existenzielles Grundgefühl, das die gesamte kapverdische Kunst, Literatur und Musik durchzieht.

Cesária Évoras berühmtestes Lied heißt „Sodade" — und es erzählt von genau diesem Schmerz: „Wer hat dir gezeigt, diesen weiten Weg? Wer hat dir gezeigt, diesen weiten Weg, diesen Weg nach São Tomé? Sodade, sodade, sodade dieses Landes meines São Nicolau..." Die Melodie ist so melancholisch und universell, dass sie zum inoffiziellen Hymne der Kapverden geworden ist — und zur Hymne aller Menschen, die fern von zu Hause sind.

Für Reisende bedeutet das: Frage Kapverder nach ihrer Familie, und du wirst Geschichten hören, die sich über Kontinente spannen. Ein Onkel in Boston, eine Cousine in Lissabon, ein Bruder in Dakar. Die Überweisungen der Diaspora (Remittances) machen einen erheblichen Teil des BIP aus. Und wenn ein Emigrant nach Jahren in die Heimat zurückkehrt, wird gefeiert, als käme ein Toter wieder zum Leben.

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