Geschichte & Kultur · Abschnitt 1/3

Geschichte der Kapverden

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Geschichte der Kapverden

Entdeckung und Besiedlung (1456–1600)

Die Kapverden waren unbewohnt, als portugiesische Seefahrer sie 1456 entdeckten — oder wiederentdeckten, denn arabische und westafrikanische Seefahrer könnten die Inseln bereits gekannt haben. Die portugiesische Krone erkannte schnell den strategischen Wert: Die Inseln lagen perfekt auf der Handelsroute zwischen Europa, Afrika und Amerika.

Santiago wurde ab 1462 besiedelt — zunächst mit portugiesischen Siedlern und Sträflingen, bald mit verschleppten Menschen aus Westafrika. Ribeira Grande (heute Cidade Velha) wurde zum Drehkreuz des transatlantischen Sklavenhandels: Hier wurden verschleppte Afrikaner „akklimatisiert", zwangsgetauft und weiterverkauft — nach Brasilien, in die Karibik und die amerikanischen Kolonien. Die Stadt wurde wohlhabend und erhielt 1533 sogar einen Bischofssitz.

Kreolisierung und Kolonialzeit (1600–1975)

Aus dem erzwungenen Zusammenleben von Portugiesen und Afrikanern entstand etwas Neues: die kreolische Kultur der Kapverden. Die portugiesische Sprache vermischte sich mit westafrikanischen Sprachen zum Kriolu, afrikanische Rhythmen verschmolzen mit portugiesischer Melodik zur Morna, und die Küche vereinte europäische und afrikanische Elemente. Die Mestiço-Bevölkerung (gemischt afrikanisch-europäisch) bildete bald die Mehrheit.

Die Kolonialzeit war geprägt von Dürren, Hungersnöten und Vernachlässigung. Portugal investierte kaum in die Inseln, und regelmäßige Dürrekatastrophen forderten Zehntausende Tote. Die schlimmsten Hungersnöte: 1773–1776 (über 40% der Bevölkerung starben), 1830–1833 und 1941–1943 (schätzungsweise 30.000 Tote, während Portugal zusah). Diese Traumata trieben Wellen der Emigration an — vor allem in die USA, nach Portugal und Westafrika. Bis heute leben mehr Kapverder in der Diaspora als auf den Inseln selbst.

Unabhängigkeit und Demokratie (1975–heute)

Der Widerstand gegen die portugiesische Kolonialherrschaft formierte sich unter Amílcar Cabral (1924–1973), einem der brillantesten Unabhängigkeitskämpfer Afrikas. Cabral, in Guinea-Bissau geboren und auf den Kapverden aufgewachsen, gründete die PAIGC (Afrikanische Partei für die Unabhängigkeit von Guinea-Bissau und Kap Verde) und führte den Befreiungskrieg in Guinea-Bissau. Er wurde 1973 ermordet, erlebte die Unabhängigkeit nicht mehr.

Am 5. Juli 1975 wurden die Kapverden unabhängig — nach der Nelkenrevolution in Portugal ein Jahr zuvor. Die ersten Jahre unter der Einparteienherrschaft der PAICV waren geprägt von Aufbau und Stabilisierung. 1991 fanden die ersten freien Wahlen statt — ein Meilenstein für ganz Afrika. Seitdem gilt das Land als stabilste Demokratie Afrikas, mit regelmäßigen friedlichen Machtwechseln, Pressefreiheit und einem funktionierenden Rechtsstaat.

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