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Verstehen · Kapitel 8

Geschichte

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VerstehenKapitel 8: Geschichte
Verstehen · Kapitel 8

Geschichte

Von den ältesten Tempeln der Menschheit über die legendäre Große Belagerung durch die Osmanen bis zum heldenhaften Widerstand im Zweiten Weltkrieg — Maltas Geschichte ist dichter gepackt als die fast jedes anderen Landes der Welt.

Vorgeschichte & Tempelzeit

Malta wurde um 5.200 v. Chr. erstmals besiedelt — Bauern aus Sizilien überquerten die 80 km breite Meerenge und brachten Getreide, Vieh und Keramik mit. Die Tempelphase (3.600–2.500 v. Chr.) ist das faszinierendste Kapitel maltesischer Frühgeschichte: Eine neolithische Gesellschaft ohne Schrift, ohne Metall und ohne Rad errichtete die ältesten freistehenden Bauwerke der Menschheit.

Die Tempelkultur

Zwischen 3.600 und 2.500 v. Chr. entstanden auf Malta und Gozo mindestens 30 monumentale Tempelanlagen, von denen sieben heute zum UNESCO-Welterbe gehören: Ħaġar Qim, Mnajdra, Tarxien, Ġgantija (Gozo), Ta' Ħaġrat, Skorba und das Hypogäum von Ħal Saflieni. Die Tempel hatten kleeblattförmige Grundrisse, waren aus gewaltigen Kalksteinblöcken (bis 20 Tonnen) errichtet und dienten wahrscheinlich dem Kult einer Fruchtbarkeitsgöttin — die zahlreichen „Fat Lady"-Figuren deuten darauf hin.

Um 2.500 v. Chr. endete die Tempelkultur abrupt — und niemand weiß warum. Die Inseln wurden danach von einer Bronzezeit-Kultur besiedelt, die cremation praktizierte und keine Tempel mehr baute. Klimawandel, Überbevölkerung oder Seuchen? Das Rätsel ist ungelöst.

Antike & Mittelalter

Phönizier, Römer & Araber

Ab etwa 800 v. Chr. kolonisierten die Phönizier Malta als Handelsstützpunkt — ihr Name „Malet" (Zuflucht) gab der Insel ihren heutigen Namen. Die Phönizier hinterließen Gräber, Keramik und die semitische Sprachtradition, die im heutigen Maltesisch weiterlebt.

Die Römer (218 v. Chr. – 395 n. Chr.) machten Malta zu einer wohlhabenden Provinz. Die berühmte römische Villa in Rabat (Domus Romana) mit ihren exquisiten Mosaiken zeugt vom Reichtum der Epoche. Der Überlieferung nach erlitt der Apostel Paulus im Jahr 60 n. Chr. Schiffbruch auf Malta — ein Ereignis, das die Insel bis heute prägt und Paulus zum Schutzpatron machte.

Nach Vandalen und Byzantinern eroberten die Araber Malta um 870 n. Chr. Sie befestigten Mdina (ihr Name: „Medina"), führten Bewässerungstechnik, Zitrusfrüchte und Baumwolle ein. Ihr wichtigstes Erbe ist die maltesische Sprache: Maltesisch ist ein arabischer Dialekt mit starken italienischen und englischen Einflüssen — die einzige semitische Sprache, die in lateinischer Schrift geschrieben wird.

Normannen & mittelalterliches Malta

1091 eroberte der normannische Graf Roger I. von Sizilien Malta von den Arabern — der Beginn der christlichen Wiedergewinnung. Malta wurde Teil des Königreichs Sizilien und wechselte in den folgenden Jahrhunderten zwischen verschiedenen europäischen Herrschern. Die mittelalterliche Periode hinterließ die Festungsstadt Mdina, zahlreiche Dorfkirchen und eine feudale Gesellschaftsstruktur, die erst im 19. Jahrhundert aufgelöst wurde.

Die Johanniterritter & die Große Belagerung

Das goldene Zeitalter Maltas begann 1530, als Kaiser Karl V. die Inseln dem Souveränen Ritterorden vom Hospital zu Jerusalem (Johanniterritter, Malteserritter) als Lehen übergab — für die symbolische Jahresmiete eines Malteserfalken.

Die Ritter kommen (1530)

Die Johanniterritter waren ein militärisch-religiöser Orden, der seit den Kreuzzügen das Heilige Land und dann Rhodos verteidigt hatte. Nach ihrer Vertreibung aus Rhodos durch die Osmanen (1522) waren sie heimatlos — bis Malta ihnen angeboten wurde. Die Ritter verwandelten die Inseln in eine der am stärksten befestigten Regionen der Welt.

Die Große Belagerung (1565)

Am 18. Mai 1565 landeten 40.000 osmanische Soldaten unter Sultan Süleyman dem Prächtigen auf Malta, um die Ritter zu vernichten. Die Verteidiger: 8.000 Mann — 500 Ritter, 4.000 maltesische Soldaten und spanische Söldner. Was folgte, war eine der epischsten Belagerungen der Militärgeschichte.

Vier Monate lang hielten die Verteidiger stand. Fort St. Elmo fiel nach 31 Tagen heldenhaftem Widerstand — die Osmanen verloren dabei 8.000 Mann für eine kleine Festung. Großmeister Jean de Valette persönlich kämpfte auf den Mauern von Birgu (Vittoriosa). Am 8. September traf ein sizilianisches Entsatzheer ein, und die erschöpften Osmanen zogen ab. Malta hatte den Ansturm des mächtigsten Imperiums der Welt abgewehrt — und wurde über Nacht berühmt in ganz Europa.

Valletta wird erbaut (1566–1571)

Sofort nach der Belagerung begann Großmeister Jean de Valette mit dem Bau einer neuen, unüberwindlichen Festungsstadt auf der Halbinsel Sciberras: Valletta, „die von Gentlemen für Gentlemen erbaute Stadt". Die besten Militäringenieure Europas planten die Stadt auf dem Reißbrett — ein Gitterraster aus Straßen, flankiert von Bastionen und einer tiefen Festungsgraben. In nur fünf Jahren stand die Grundstruktur. Die Ritter regierten Malta weitere 230 Jahre und hinterließen Paläste, Kirchen, Befestigungen und die Co-Kathedrale als ihre Meisterwerke.

Kolonialzeit & modernes Malta

Napoleon & die Briten

1798 eroberte Napoleon Malta auf dem Weg nach Ägypten — in nur drei Tagen, ohne große Gegenwehr. Die Ritter kapitulierten schmählich. Napoleons Truppen plünderten die Kirchen und Paläste, was einen Volksaufstand auslöste. Die Malteser baten die Briten um Hilfe — und die ließen sich das nicht zweimal sagen.

1800–1964: Britische Kronkolonie
Malta wurde eine der wichtigsten Marinestützpunkte des British Empire — der Grand Harbour beherbergte die Mittelmeerflotte der Royal Navy. Die Briten brachten Englisch als Amtssprache, Linksverkehr, Briefkästen, Pubs und ein Rechtssystem, das bis heute gilt.

Zweiter Weltkrieg: „Die Insel, die nicht kapitulierte"

Maltas heroischstes Kapitel. Von 1940 bis 1943 war Malta einer der am meisten bombardierten Orte der Welt. Die Achsenmächte (Italien und Deutschland) warfen über 15.000 Tonnen Bomben — mehr als während des gesamten Blitz auf London. Ziel: die strategische Insel aushungern und die britische Mittelmeerflotte ausschalten. Die Malteser lebten monatelang in Felsenhöhlen und Tunneln, die Nahrung wurde knapp. Trotzdem kapitulierten sie nicht.

Am 15. April 1942 verlieh König George VI. dem gesamten maltesischen Volk das George Cross für ihren Heldenmut — eine beispiellose Auszeichnung. Das George Cross ist bis heute auf der maltesischen Flagge abgebildet und eine Quelle tiefen Nationalstolzes.

Unabhängigkeit & EU

Am 21. September 1964 wurde Malta unabhängig von Großbritannien. 1974 wurde es eine Republik, 1979 verließen die letzten britischen Truppen die Insel. 2004 trat Malta der EU bei, 2008 führte es den Euro ein. Heute ist Malta eines der kleinsten, aber wirtschaftlich dynamischsten EU-Länder — mit Tourismus, Finanzdienstleistungen, Online-Gaming und einer wachsenden Tech-Szene als wirtschaftlichen Säulen.

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