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Regionen · Kapitel 6

Gozo & Comino

Malta Reiseführer

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RegionenKapitel 6: Gozo & Comino
Regionen · Kapitel 6

Gozo & Comino

Maltas grüne Schwesterinsel Gozo ist ländlicher, ruhiger und ursprünglicher — mit barocken Dorfkirchen, der imposanten Citadella, spektakulären Tauchplätzen und der legendären Blue Lagoon auf dem Minieiland Comino dazwischen.

Gozo entdecken

Gozo (auf Maltesisch Għawdex) ist Maltas kleine Schwester — und für viele Besucher die schönere der beiden Inseln. Nur 14 km lang und 7 km breit, mit 37.000 Einwohnern, ist Gozo das, was Malta vor 50 Jahren war: ländlich, entspannt und authentisch. Terrassierte Felder, wildblühende Macchia, verschlafene Dörfer mit überproportional großen Barockkirchen und eine Küstenlandschaft, die von sanften Buchten bis zu dramatischen Klippen reicht.

Gozo erreicht man per Fähre von Ċirkewwa (Nordspitze Maltas) nach Mġarr auf Gozo — 25 Minuten Überfahrt, alle 45 Minuten, 4,65€ hin und zurück (Bezahlung nur auf dem Rückweg). Die Insel lässt sich an einem Tag erkunden, aber wer Gozos Rhythmus wirklich spüren will, bleibt mindestens 2–3 Nächte. Die Abende auf Gozo, wenn die Tagesausflügler weg sind und die Dörfer in goldenes Licht getaucht werden, gehören zu den schönsten Momenten einer Malta-Reise.

Transport auf Gozo: Das Busnetz (Linie 300er) deckt die ganze Insel ab, ist aber weniger frequent als auf Malta. Ein Mietwagen (ab 25€/Tag) oder ein Quad (ab 35€/Tag) gibt maximale Freiheit. Alternativ: Hop-on-Hop-off-Bus (20€/Tag) für die wichtigsten Stationen.

Tipp

Auf Gozo unbedingt in einem Farmhouse übernachten! Die umgebauten Bauernhäuser aus Kalkstein mit eigenem Pool sind Gozos Spezialität — rustikaler Charme, absolute Ruhe, Sternenhimmel ohne Lichtverschmutzung. Ab 80€/Nacht für 2 Personen.

Victoria & die Citadella★★★

Victoria (Rabat) ist Gozos Hauptstadt und einziges urbanes Zentrum — ein lebhaftes Städtchen mit 6.000 Einwohnern, überthront von der Citadella, einer mittelalterlichen Festung, die seit Jahrhunderten über die gesamte Insel wacht.

Die Citadella

Gozos absolutes Highlight. Die Citadella wurde auf dem höchsten Punkt der Insel erbaut und bietet einen 360°-Panoramablick über ganz Gozo, nach Malta und an klaren Tagen bis nach Sizilien. Die Festung war über Jahrhunderte der Zufluchtsort der Gozitaner bei Piratenüberfällen — die gesamte Bevölkerung verschanzte sich hier. Nach einem verheerenden osmanischen Überfall 1551, bei dem fast die gesamte Bevölkerung in die Sklaverei verschleppt wurde, wurde die Citadella massiv ausgebaut.

Innerhalb der Mauern findest du:

  • Kathedrale Mariä Himmelfahrt: Die barocke Kathedrale (1697–1711) hat eine faszinierende Besonderheit: die gemalte Schein-Kuppel. Weil das Geld für eine echte Kuppel fehlte, malte Antonio Manuel eine täuschend echte Kuppel auf die flache Decke — eine optische Illusion, die von unten perfekt funktioniert.
  • Alte Gefängnisse: Zellen mit jahrhundertealten Graffiti der Gefangenen — Schiffe, Kreuze und Namen in den Kalkstein geritzt.
  • Naturgeschichtliches Museum & Archäologisches Museum: Beide klein, aber mit interessanten Funden aus Gozos langer Geschichte.
  • Bastionen: Der Rundgang über die Festungsmauern ist der eigentliche Star — von jeder Seite ein anderer, atemberaubender Blick.

Eintritt Citadella: Die Festung selbst ist kostenlos begehbar. Museen und Kathedrale: je 5€ oder Kombiticket 9€.

Victoria Altstadt

Unterhalb der Citadella liegt Victorias lebendige Altstadt mit der Pjazza Indipendenza (It-Tokk) als Zentrum. Hier treffen sich die Gozitaner zum Morgenkaffee, zum Einkaufen am Markt und zum Abendplausch. Die Gassen rund um den Platz sind voller Bäckereien, Weinläden und kleiner Restaurants. Am besten morgens besuchen, wenn der Markt in vollem Gang ist.

Küste, Tauchen & Natur

Gozos Küste ist spektakulärer als die Maltas: dramatischer, wilder, weniger verbaut. Von Steilklippen über Meereshöhlen bis zu ruhigen Buchten bietet die kleine Insel eine erstaunliche landschaftliche Vielfalt — und einige der besten Tauchplätze des Mittelmeers.

Dwejra & das Blaue Fenster (Azure Window)

Die Dwejra-Bucht an der Westküste ist Gozos dramatischstes Küstenstück. Hier stand bis 2017 das berühmte Azure Window (Tieqa tad-Dwejra) — der ikonische Felsbogen, der als Drehort für Game of Thrones weltberühmt wurde und bei einem Sturm einstürzte. Die Ruinen liegen unter Wasser und sind heute ein Top-Tauchspot. Dwejra bietet aber noch viel mehr:

  • Blue Hole: Ein natürliches, kreisrundes Loch im Felsen, das über einen Unterwasserbogen mit dem offenen Meer verbunden ist. Einer der berühmtesten Tauch- und Schnorchelspots der Welt. Von oben spektakulär, unter Wasser atemberaubend.
  • Inland Sea (Qawra): Ein natürlicher Binnensee, durch einen 80 Meter langen Tunnel mit dem Meer verbunden. Fischer fahren mit kleinen Booten durch den Tunnel — eine Fahrt kostet 4€ und ist surreal schön.
  • Fungus Rock (Il-Ġebla tal-Ġeneral): Ein massiver Kalksteinfelsen vor der Küste, auf dem einst ein seltener Pilz wuchs, der für seine heilenden Kräfte geschätzt wurde. Die Ritter schützten ihn mit Wachen.

Tauchen auf Gozo

Gozo gilt als einer der Top-10-Tauchplätze Europas. Kristallklares Wasser mit Sichtweiten von über 30 Metern, Unterwasserhöhlen, Felsbogen, versunkene Wracks und eine reiche Meeresfauna machen die Insel zum Paradies für Taucher aller Erfahrungsstufen. Die wichtigsten Tauchplätze:

  • Blue Hole (Dwejra): Der Star unter Gozos Tauchplätzen. Durch das Blue Hole taucht man zum Unterwasserbogen des ehemaligen Azure Window. Für zertifizierte Taucher.
  • Inland Sea Tunnel: Durch den natürlichen Tunnel tauchen und auf der Meerseite zwischen Felswänden aufsteigen — einzigartig.
  • Xatt l-Aħmar: Einfacher Einstieg, Unterwasserhöhlen und Seegraswiesen. Perfekt für Anfänger.
  • MV Karwela Wrack: Ein 2006 absichtlich versenkter Passagierdampfer bei Xatt l-Aħmar, in 40m Tiefe. Für fortgeschrittene Taucher.

Tauchschulen gibt es in Marsalforn, Xlendi und Mġarr. Ein Discover Scuba (Schnuppertauchen) kostet ca. 55€, ein zertifizierter Tauchgang 35–55€.

Ramla Bay

Gozos schönster Strand: eine weite Bucht mit ungewöhnlich rotem Sand, umgeben von grünen Hügeln. Das Wasser ist flach und klar — perfekt für Familien. Oberhalb des Strandes liegen die Ruinen der Calypso Cave, die Homer der Legende nach als Wohnort der Nymphe Calypso beschrieb, die Odysseus sieben Jahre festhielt. Auch außerhalb der Saison ein wunderschöner Ort zum Wandern.

Comino & die Blue Lagoon

Comino (Kemmuna) liegt zwischen Malta und Gozo und ist die kleinste der drei bewohnten Inseln — obwohl „bewohnt" relativ ist: Nur ein einziges Hotel und eine Handvoll Farmer leben hier permanent. Die Insel ist 3,5 km² groß, autofrei und fast vollständig naturbelassen. Cominosi Name kommt von „Cumin" (Kümmel), der hier einst wild wuchs.

Die Blue Lagoon

Die Blue Lagoon (Il-Bejta l-Blu) ist Maltas berühmteste Attraktion — und das zu Recht. Die flache Bucht zwischen Comino und dem Felsinselchen Cominotto hat Wasser von surrealer Türkis-Farbe, so klar, dass Boote zu schweben scheinen. Der weiße Sandboden und der Kalkstein reflektieren das Licht und erzeugen diese unwirklichen Farbtöne, die jedes Foto wie Photoshop aussehen lassen — aber es sieht wirklich so aus.

Die Realität: Im Hochsommer (Juli/August) ist die Blue Lagoon hoffnungslos überfüllt. Hunderte Boote und Tausende Besucher drängen sich in die kleine Bucht. Wer die Lagune genießen will, hat zwei Strategien:

  • Früh kommen: Die erste Fähre ab Ċirkewwa oder Mġarr nehmen (ca. 8:30 Uhr). Um 10 Uhr ist die Lagune noch paradiesisch leer. Ab 11 Uhr wird es voll.
  • Nebensaison: Im Mai, Juni, September oder Oktober ist die Blue Lagoon deutlich ruhiger — und das Wasser genauso schön.

Anreise Comino

Fähren fahren ab Ċirkewwa (Malta) und Mġarr (Gozo) zur Blue Lagoon. Die Überfahrt dauert 20–25 Minuten und kostet 10–13€ hin und zurück. Im Sommer fahren Boote alle 30–60 Minuten, in der Nebensaison seltener. Alternative: Private Bootscharter ab Sliema oder Bugibba (ab 25€ inkl. Schnorchel-Stops).

Comino jenseits der Lagune

Die meisten Besucher sehen nur die Blue Lagoon — dabei hat Comino viel mehr zu bieten. Die Insel ist von Wanderwegen durchzogen, die zu einsamen Buchten, der Blauen Grotte von Comino, dem Santa Marija Tower (1618) und dem verlassenen Krankenhaus führen. Eine Wanderung rund um die Insel (ca. 2–3 Stunden) belohnt mit spektakulären Klippen, wildem Thymian-Duft und Meerblick ohne eine Menschenseele. Wichtig: Es gibt kein Trinkwasser und keinen Schatten auf Comino — genug Wasser und Sonnenschutz mitbringen!

Achtung

Auf Comino gibt es keine Geschäfte, keinen Schatten und nur wenige WCs (an der Blue Lagoon). Nimm mindestens 2 Liter Wasser pro Person mit, Sonnencreme, Hut und Snacks. Bei Wellengang können die Fähren ausfallen — vorher den Wetterbericht checken.

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