Nordwesten: Grand Baie, Pamplemousses & Port Louis
Grand Baie & die nördlichen Strände
Grand Baie (Grand Bay) ist das touristische Zentrum von Mauritius — eine lebhafte Küstenstadt an einer wunderschönen Bucht im Norden der Insel. Hier konzentrieren sich Restaurants, Bars, Boutiquen, Tauchschulen und Katamarane. Die Bucht selbst mit ihren bunten Pirogen (Fischerbooten) ist malerisch, aber zum Baden eher ungeeignet — die besten Strände liegen wenige Kilometer entfernt.
La Cuvette Beach
Ein kleiner, versteckter Traumstrand direkt neben Grand Baie. Geschützt durch Felsen und Filao-Bäume bietet La Cuvette ruhiges, türkises Wasser perfekt zum Schwimmen und Schnorcheln. Nie überfüllt, familienfreundlich, mit Parkplätzen und Garküchen in der Nähe. Der Geheimtipp der Einheimischen.
Trou aux Biches
Rund 10 Minuten westlich von Grand Baie liegt Trou aux Biches — einer der schönsten Strände der Welt und regelmäßig in den Top 10 internationaler Strand-Rankings. Über einen Kilometer feiner weißer Sand, schattige Kasuarinen-Bäume (Filao) und ein flach abfallendes Korallenriff, das fantastisches Schnorcheln direkt vom Strand ermöglicht. Seesterne, Papageienfische und Schildkröten sind keine Seltenheit. Im nördlichen Abschnitt ist es ruhiger, im Süden liegen die Resorts.
Mont Choisy
Der längste öffentliche Strand im Norden erstreckt sich über fast drei Kilometer — endloser Sand mit genug Platz für alle. Am Wochenende kommen mauritische Familien zum Picknick, unter der Woche ist der Strand fast menschenleer. Am südlichen Ende liegt ein kleiner Fischerhafen, wo morgens frischer Fang verkauft wird. Perfekt für ausgedehnte Strandspaziergänge.
Pereybère
Die kleine Bucht von Pereybère zwischen Grand Baie und Cap Malheureux ist ein Liebling der Einheimischen: Garküchen am Strand, Musik am Wochenende, Schnorcheln im flachen Wasser und eine entspannte, authentische Atmosphäre. Weniger poliert als Trou aux Biches, dafür voller Charakter.
Tipp
Die Nordküste hat die meisten Sonnenstunden und den geringsten Niederschlag auf ganz Mauritius. Selbst in der Regenzeit (Dezember–März) bekommt Grand Baie deutlich weniger Regen ab als die Ost- oder Südküste. Ideal für Regenzeit-Besucher.
Cap Malheureux & die Nordspitze
Die nördlichste Spitze von Mauritius ist ein Ort von stiller Schönheit und tragischer Geschichte. Das „Kap des Unglücks" (Cap Malheureux) erhielt seinen Namen durch die vielen Schiffsbrüche an den vorgelagerten Riffen. Heute ist es vor allem für ein ikonisches Fotomotiv bekannt: die rote Kapelle Notre-Dame Auxiliatrice mit ihrem leuchtend roten Dach, eingerahmt von tropischen Bäumen und dem tiefblauen Meer — im Hintergrund die Silhouette der Insel Coin de Mire.
Die Kirche (1938) ist ein aktives Gotteshaus und kann außerhalb der Messen besichtigt werden. Der Friedhof nebenan mit seinen von tropischen Pflanzen überwucherten Gräbern erzählt Geschichten aus drei Jahrhunderten. Der kleine Strand vor der Kirche ist ruhig und selten besucht — ein Ort der Kontemplation fernab des Trubels von Grand Baie.
Die nördlichen Inseln
Vor Cap Malheureux liegen mehrere kleine Inseln, die per Boot erreichbar sind:
- Coin de Mire (Gunner's Quoin) — Die markante keilförmige Insel ist ein Naturschutzgebiet mit seltenen Seevögeln und exzellentem Tauch- und Schnorchelgebiet (Felsformationen, Höhlen, Schildkröten). Landgang ist nicht erlaubt, aber die Umrundung per Boot mit Schnorchelstopps ist ein Highlight.
- Ile Plate & Ilot Gabriel — Zwei flache Sandinselchen perfekt für Tagesausflüge: kristallklares Wasser, Robinson-Crusoe-Feeling, BBQ-Picknick am Strand. Katamaran-Touren ab Grand Baie fahren hierhin (ab 50€ mit Mittagessen und Getränken).
- Ile Ronde — Streng geschütztes Naturreservat (kein Zugang für Besucher), Heimat seltener endemischer Reptilien und Pflanzen.
Botanischer Garten Pamplemousses
Der Sir Seewoosagur Ramgoolam Botanical Garden — nach dem Gründungsvater der modernen Mauritius benannt und allgemein als „Pamplemousses" bekannt — ist einer der ältesten botanischen Gärten der südlichen Hemisphäre (gegründet 1770) und das meistbesuchte Einzelattraktion der Insel.
Auf 37 Hektar erstreckt sich eine atemberaubende Sammlung tropischer Pflanzen aus aller Welt. Das unbestrittene Highlight sind die riesigen Victoria-Regia-Seerosen (Victoria amazonica) aus dem Amazonas, deren tellergroße Blätter bis zu 3 Meter Durchmesser erreichen und theoretisch ein Kind tragen könnten. Sie blühen nur für 48 Stunden — erst weiß, dann rosa — bevor sie sich wieder schließen. Am besten morgens besuchen, wenn die Blüten geöffnet sind.
Weitere Höhepunkte
- Talipot-Palme — Diese Palme blüht nur einmal in ihrem Leben (nach 40–80 Jahren!) mit dem größten Blütenstand aller Pflanzen, bis zu 8 Meter hoch — und stirbt dann ab. Wer eine in Blüte sieht, hat großes Glück.
- Gewürz-Sektion — Vanille, Zimt, Muskatnuss, Nelken, Pfeffer — alle Gewürze, die einst die Kolonialgeschichte des Indischen Ozeans befeuerten, wachsen hier.
- Aldabra-Riesenschildkröten — Ein kleines Gehege beherbergt die eindrucksvollen Riesenschildkröten von den Seychellen. Einige sind über 100 Jahre alt und lassen sich bereitwillig füttern.
- Château de Mon Plaisir — Das elegante Kolonialhaus im Herzen des Gartens (1823) beherbergt ein kleines Museum zur Geschichte der Zuckerindustrie und der Botanik auf Mauritius.
Eintritt: 200 MUR (ca. 4€), Führungen werden am Eingang angeboten (300–500 MUR, empfohlen — die Geschichten der Guides sind Gold wert). Geöffnet: täglich 8:30–17:30 Uhr. Plane 2–3 Stunden ein, am besten morgens, wenn es noch kühler ist.
Tipp
Komm früh morgens (vor 10 Uhr), bevor die Reisebusse eintreffen. Die Victoria-Regia-Seerosen öffnen ihre Blüten morgens am weitesten. Und nimm unbedingt einen der lokalen Guides am Eingang — sie kennen Geschichten zu jeder Pflanze, die in keinem Buch stehen.
Port Louis — Die Hauptstadt
Port Louis ist das schlagende Herz von Mauritius — eine kompakte, chaotische, faszinierende Hauptstadt, die so multikultuell ist wie kaum eine andere Stadt auf der Welt. Rund 150.000 Menschen leben hier, eingeklemmt zwischen der Bergkette des Moka-Gebirges und dem Hafen. Port Louis ist kein Badeort, sondern eine Arbeitsstadt — und genau das macht sie authentisch.
Zentralmarkt (Central Market)
Der Zentralmarkt ist das Herzstück von Port Louis und ein Fest für alle Sinne. In der historischen Halle und den angrenzenden Straßen findest du alles: bergeweise tropische Früchte (Mangos, Lychees, Ananas, Passionsfrucht), Gewürze in allen Farben (Kurkuma, Kardamom, Kreuzkümmel, Chili), Vanille direkt vom Erzeuger, handgemachte Körbe, Textilien und natürlich Streetfood. Dholl Puri, Briani, Gâteau Piment — der Markt ist der beste und günstigste Ort, um mauritische Küche zu probieren. Handeln ist üblich und erwartet.
Caudan Waterfront
Am Hafen liegt das modernisierte Caudan Waterfront-Viertel: Geschäfte, Restaurants, Kinos, ein kleines Kunsthandwerkszentrum und das Blue Penny Museum. Das Museum beherbergt die berühmte Blaue Mauritius — eine der seltensten und wertvollsten Briefmarken der Welt (1847). Nur zwei Exemplare existieren, eines liegt hier unter strengster Bewachung. Eintritt: 250 MUR (ca. 5€).
Chinatown
Ein paar Straßen hinter dem Zentralmarkt liegt Chinatown — ein lebhaftes Viertel mit chinesischen Tempeln, Apotheken der traditionellen Medizin, Asia-Supermärkten und den besten Dim Sum und Nudelsuppen der Insel. Die Pagode Kwan Tee mit ihren roten Laternen ist besonders fotogen. Am chinesischen Neujahr (Januar/Februar) verwandelt sich das Viertel in ein Meer aus Drachen, Feuerwerk und Festlichkeit.
Weitere Sehenswürdigkeiten
- Aapravasi Ghat (UNESCO-Welterbe) — Die Einwanderungsstation, durch die zwischen 1834 und 1920 rund 500.000 indische Vertragsarbeiter nach Mauritius kamen, nachdem die Sklaverei abgeschafft worden war. Ein bewegendes Denkmal der Migrationsgeschichte mit Ausstellung und Führungen. Eintritt: kostenlos.
- Fort Adelaide (La Citadelle) — Die britische Festung auf dem Hügel über Port Louis bietet das beste Panorama über die Stadt, den Hafen und die Berge. Eintritt: kostenlos. Am besten nachmittags, wenn die Sonne die Berge beleuchtet.
- Jummah-Moschee — Die schönste Moschee der Insel (1852), ein Meisterwerk indo-islamischer Architektur mitten im Geschäftsviertel. Kann außerhalb der Gebetszeiten besichtigt werden.
Achtung
Port Louis ist eine Arbeitsstadt — am Wochenende und an Feiertagen ist das Zentrum wie ausgestorben. Der Zentralmarkt schließt um 17:30 Uhr. Plane deinen Besuch unbedingt unter der Woche (Mo–Fr) und am besten vormittags, wenn der Markt am lebendigsten ist.
Aktivitäten & Nachtleben
Wassersport
Der Nordwesten ist das Wassersport-Zentrum der Insel:
- Tauchen: Zahlreiche Tauchschulen in Grand Baie und Trou aux Biches bieten Tauchgänge für Anfänger und Fortgeschrittene an. Highlights: Coin de Mire (Felsformationen, Schildkröten), das Wrack der Stella Maru (in 25 m Tiefe) und die Cathedral — eine riesige Unterwasserhöhle. Ein Tauchgang ab 2.000 MUR (40€), PADI-Open-Water-Kurs ab 18.000 MUR (360€).
- Katamaran-Touren: Ganztages-Segeltörns zu den nördlichen Inseln (Ilot Gabriel, Ile Plate) mit Schnorcheln, BBQ-Lunch und Open Bar. Ab 2.000 MUR (40€) pro Person — eines der besten Preis-Erlebnis-Verhältnisse auf Mauritius.
- Glasbodenboot: Für Nicht-Schwimmer die perfekte Alternative zum Schnorcheln. Die Korallenriffe und tropischen Fische sind durch den Glasboden bestens sichtbar. Ab 800 MUR (16€).
- Parasailing & Jetski: An den Hauptstränden verfügbar, vor allem in Trou aux Biches und Grand Baie. Parasailing ab 1.500 MUR (30€), Jetski ab 2.000 MUR (40€) für 30 Minuten.
Nachtleben
Grand Baie ist der einzige Ort auf Mauritius mit einem richtigen Nachtleben. Die Hauptstraße (Royal Road) und die umliegenden Gassen beherbergen Bars, Lounges und Clubs, die vor allem freitags und samstags bis in die frühen Morgenstunden geöffnet sind. Das Publikum ist eine Mischung aus Touristen und Mauritiern — die Stimmung international und entspannt. Happy Hour gibt es fast überall zwischen 17 und 19 Uhr. Clubs erheben selten Eintritt, verdienen stattdessen über Getränke. Die Szene ist sicher und freundlich — Mauritius ist kein Ort für aggressives Partyleben, sondern für entspanntes Feiern unter Palmen.
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