Südwesten: Le Morne, Chamarel & Black River Gorges
Le Morne Brabant — UNESCO-Welterbe
Der Le Morne Brabant ist das kraftvollste Symbol von Mauritius — ein gewaltiger, 556 Meter hoher Basaltfelsen an der südwestlichen Spitze der Insel, der 2008 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde. Nicht wegen seiner geologischen Bedeutung, sondern wegen seiner tragischen Geschichte: Im 18. und 19. Jahrhundert flüchteten entlaufene Sklaven (Maroons) auf den Gipfel des fast unerreichbaren Felsens und gründeten dort eine Gemeinschaft in Freiheit. Als 1835 die britische Polizei kam, um die Nachricht der Sklaverei-Abschaffung zu überbringen, warfen sich die Maroons — in dem Glauben, sie würden gefangen genommen — von den Klippen in den Tod. Le Morne ist seither ein Symbol für Freiheit und Widerstand.
Besteigung des Le Morne
Die Wanderung auf den Le Morne ist eines der eindrucksvollsten Erlebnisse auf Mauritius. Der Trail beginnt am Fuß der Halbinsel und führt in 3–4 Stunden (hin und zurück) durch tropische Vegetation bis zum Kreuz auf dem Gipfelplateau. Die letzten 100 Höhenmeter sind steil und felsig — festes Schuhwerk und Schwindelfreiheit erforderlich. Oben angekommen bietet sich ein 360-Grad-Panorama über die gesamte Südwestküste, die türkise Lagune und bei klarer Sicht bis Rodrigues Island. Ein Guide ist empfehlenswert und seit 2023 Pflicht (ab 1.500 MUR / 30€ pro Person).
Strände am Le Morne
Die Halbinsel bietet beidseitig spektakuläre Strände:
- Le Morne Beach (Westseite): Der berühmte Strand mit Blick auf den Felsen — perfekt für den legendären Sonnenuntergang. Flaches, warmes Wasser, ideal für Familien.
- Kite Beach (Südseite): Mauritius' Kitesurf-Mekka. Konstanter Südostpassat, flachwassrige Lagune — einer der weltbesten Spots. Anfängerkurse ab 5.000 MUR (100€) für 3 Stunden.
Tipp
Der berühmte „Unterwasser-Wasserfall" von Mauritius ist eine optische Täuschung, die nur von oben (Helikopter oder Drohne) sichtbar ist: Sand und Sediment werden von der Strömung über die Riffkante in die Tiefe gespült, was aus der Luft aussieht wie ein Wasserfall unter Wasser. Helikopterflüge ab ca. 200€ pro Person.
Chamarel — Siebenfarbige Erde & Wasserfall
Das Dorf Chamarel im hügeligen Hinterland des Südwestens ist Heimat gleich zweier Naturwunder, einer erstklassigen Rum-Destillerie und einiger der besten Restaurants der Insel — ein Pflichtbesuch auf jeder Mauritius-Reise.
Terres des Sept Couleurs (Siebenfarbige Erde)
Die Siebenfarbige Erde ist Mauritius' geologisches Wahrzeichen: Sanddünen in sieben verschiedenen Farbtönen — Rot, Braun, Violett, Grün, Blau, Gelb und Purpur — die durch die Verwitterung vulkanischen Basalts entstanden sind. Das Erstaunliche: Die Farbschichten vermischen sich nie, selbst nach starkem Regen ordnen sie sich wieder in ihre Ebenen. Wissenschaftler erklären das Phänomen durch unterschiedliche Eisen- und Aluminiumoxid-Konzentrationen im Boden, die bei verschiedenen Temperaturen erstarrt sind.
Der Besuch ist über den Chamarel Geopark organisiert: Eintritt 250 MUR (ca. 5€), Parkplatz, Aussichtsplattformen und ein kleines Museum mit geologischen Erklärungen. Im angrenzenden Gehege leben Aldabra-Riesenschildkröten. Am besten morgens besuchen, wenn die Sonne die Farben zum Leuchten bringt.
Chamarel Wasserfall
Ebenfalls im Geopark gelegen stürzt der Chamarel Wasserfall (Cascade Chamarel) über 100 Meter in die Tiefe — der höchste Wasserfall von Mauritius. Die beiden Kaskaden werden vom Rivière de St. Denis gespeist und donnern in ein von tropischem Regenwald umgebenes Becken. Der beste Aussichtspunkt liegt auf dem Parkgelände, ein steiler Pfad führt auch zum Fuß des Wasserfalls (Badeschuhe empfohlen, das Becken ist begehbar).
Rhumerie de Chamarel
Die Rum-Destillerie von Chamarel produziert premium Rhum Agricole aus frischem Zuckerrohrsaft (nicht aus Melasse wie die meisten Rumsorten). Die Führung durch die Produktion — vom Zuckerrohrfeld über die Kupferbrennapparate bis zum Eichenholz-Fassager — ist faszinierend. Im Anschluss: Rum-Tasting mit 6–8 Sorten, vom kristallklaren Weißen über goldene Reserven bis zu aromatisierten Varianten (Vanille, Kaffee, Passionsfrucht). Die angeschlossene L'Alchimiste-Terrasse serviert hervorragendes kreolisches Mittagessen mit Blick über die Berge. Führung + Tasting: 450 MUR (ca. 9€).
Black River Gorges Nationalpark
Der Black River Gorges Nationalpark (Parc National des Gorges de Rivière Noire) ist Mauritius' einziger Nationalpark und bewahrt die letzten 6.574 Hektar des ursprünglichen tropischen Regenwaldes. Seit seiner Gründung 1994 hat er sich vom bedrohten Restwald zu einem Erfolgsmodell des Naturschutzes entwickelt — Heimat von Arten, die nirgendwo sonst auf der Welt existieren.
Flora & Fauna
Der Park schützt über 300 Arten einheimischer Pflanzen, darunter den seltenen Tambalacoque-Baum (auch „Dodo-Baum" genannt, weil man lange glaubte, nur der Dodo hätte seine Samen verbreiten können). In den dichten Wäldern leben einige der seltensten Vogelarten der Welt:
- Mauritius-Taube (Pink Pigeon) — In den 1980er Jahren auf nur 12 Exemplare geschrumpft, heute wieder über 400 Tiere dank eines der erfolgreichsten Artenschutzprogramme der Geschichte.
- Mauritius-Falke (Mauritius Kestrel) — 1974 gab es nur noch 4 Exemplare weltweit — der seltenste Vogel der Welt. Heute leben wieder über 300 in freier Wildbahn. Eine beispiellose Erfolgsgeschichte.
- Echo-Sittich (Mauritius Parakeet) — Der einzige überlebende Papagei der Maskarenen, ebenfalls vom Aussterben gerettet.
- Flughunde (Mauritius Flying Fox) — Die großen Fruchtfledermäuse sind häufig zu sehen, besonders in der Dämmerung über den Baumwipfeln.
Wanderwege
Der Park bietet über 60 Kilometer markierte Wanderwege, die von leichten Spaziergängen bis zu anspruchsvollen Ganztageswanderungen reichen:
- Macchabée Trail (10 km, 4–5h) — Der Klassiker: durch dichten Nebelwald zum höchsten Punkt mit fantastischer Aussicht. Mittlere Schwierigkeit.
- Black River Peak Trail (14 km, 6h) — Zum höchsten Punkt des Parks (828 m). Anspruchsvoll, aber belohnend mit Panoramablick über die gesamte Westküste.
- Parakeet Trail (8 km, 3h) — Der beste Weg, um die seltenen Echo-Sittiche zu sehen. Durch Ebony-Wald mit gutem Vogelbeobachtungspotenzial.
- Viewpoint Trail (2 km, 1h) — Kurzer, leichter Weg vom Besucherzentrum zum spektakulären Gorges-Aussichtspunkt. Auch für Familien geeignet.
Eintritt: Kostenlos. Besucherzentrum an zwei Eingängen (Westen: Black River, Osten: Petrin). Öffnungszeiten: täglich 7:00–17:00 Uhr. Am besten in der Trockenzeit (Mai–Oktober) und früh morgens für Vogelbeobachtung. Wasser und Sonnenschutz mitbringen — im Wald kann es heiß und feucht werden.
Achtung
Unterschätze die Wanderungen nicht! Im tropischen Regenwald kann es extrem feucht und heiß werden. Mindestens 2 Liter Wasser pro Person, feste Wanderschuhe, Sonnenschutz und Insektenspray einpacken. Bei Regen werden die Wege rutschig. Auf den Trails gibt es keine Verpflegungsmöglichkeiten.
Tamarin — Delfine & Salzpfannen
Die kleine Küstenstadt Tamarin (Tamarin Bay) an der Westküste ist ein Ort, der unter Reisenden als Geheimtipp gilt — weniger touristisch als Grand Baie, authentischer und mit einer Surfer-Atmosphäre, die an frühe Tage erinnert. Hier leben Mauritier, die morgens fischen gehen und abends am Strand sitzen, während im Hintergrund die Bergkette der Rivière Noire aufsteigt.
Delfinbeobachtung
Die Bucht von Tamarin ist der bekannteste Ort auf Mauritius, um Spinner-Delfine und Große Tümmler in freier Wildbahn zu beobachten. Jeden Morgen kommen Gruppen von 20–100 Delfinen in die ruhige Bucht, um zu ruhen, bevor sie ins offene Meer ziehen. Boote starten in der Regel zwischen 6:30 und 7:30 Uhr — ja, früh aufstehen lohnt sich!
Das Schwimmen mit Delfinen ist auf Mauritius erlaubt und wird von zahlreichen Anbietern angeboten. Wichtig: Wähle einen verantwortungsvollen Anbieter, der die Tiere nicht bedrängt, Mindestabstände einhält und die Gruppengröße begrenzt. Gute Anbieter lassen die Delfine entscheiden, ob sie sich nähern wollen — und die meisten tun es. Preis: 1.500–3.000 MUR (30–60€) pro Person.
Salzpfannen von Tamarin
Die historischen Salines de Tamarin sind die letzten funktionierenden Salzgewinnungsanlagen von Mauritius. Auf flachen Becken verdunstet Meerwasser unter der tropischen Sonne, und das Meersalz wird von Hand geerntet — eine Tradition, die auf die französische Kolonialzeit zurückgeht. Die geometrischen Muster der Salzbecken, gespiegelt im flachen Wasser, sind spektakulär fotogen, besonders bei Sonnenuntergang. Das Salz wird vor Ort verkauft (ab 50 MUR für ein Glas) — ein authentisches, ungewöhnliches Mauritius-Souvenir.
Surfen in Tamarin
Tamarin Bay ist einer der wenigen Orte auf Mauritius, wo echte Wellen brechen — die Riffpassage lässt den Ozean-Swell durch. Die linke Welle von Tamarin ist ein Klassiker und für erfahrene Surfer ein Muss (beste Zeit: Juni–August). Für Anfänger bieten lokale Surfschulen Unterricht an flacheren Strandabschnitten an (ab 2.000 MUR / 40€ für 2 Stunden). Die Surf-Szene ist klein, entspannt und freundlich.
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