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Regionen · Kapitel 7

Süden & Hochland: Grand Bassin, Trou aux Cerfs & Bois Chéri

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Süden & Hochland: Grand Bassin, Trou aux Cerfs & Bois Chéri

Abseits der Strandresorts liegt ein ganz anderes Mauritius: der wilde Süden mit seinen Steilklippen und tosenden Wellen, das spirituelle Hochland mit heiligen Hindu-Seen und Vulkankratern, und die duftenden Teeplantagen von Bois Chéri. Hier erfährst du die Seele der Insel jenseits des Postkartenmotivs.

Grand Bassin — Der heilige See

Grand Bassin (Ganga Talao) ist der heiligste Ort auf Mauritius und einer der wichtigsten Hindu-Pilgerorte außerhalb Indiens. Der Kratersee liegt auf 550 Metern Höhe im zentralen Hochland, eingebettet in erloschene Vulkankegel und umgeben von tropischem Wald — eine Atmosphäre von tiefer Spiritualität und Stille.

Der Legende nach ist das Wasser des Grand Bassin direkt mit dem heiligen Ganges in Indien verbunden. Für die rund 600.000 Hindus auf Mauritius (fast die Hälfte der Bevölkerung) ist der See daher ein Ort von höchster religiöser Bedeutung. Am Ufer stehen farbenfrohe Tempel und Schreine, Gläubige bringen Opfergaben dar, und die Luft duftet nach Räucherstäbchen und Blumen.

Mangal Mahadev — Die Shiva-Statue

Am Eingang zum Grand Bassin steht die Mangal Mahadev — eine 33 Meter hohe Statue des Gottes Shiva, die größte Hindu-Statue auf Mauritius und eine der höchsten der Welt außerhalb Indiens. Die Statue wurde 2007 errichtet und ist von weitem sichtbar. Sie zeigt Shiva in seiner klassischen Darstellung mit Dreizack, Schlange und Wasserstrahl — ein beeindruckendes Monument hinduistischer Kunst und Hingabe.

Maha Shivaratri

Das größte Hindu-Fest auf Mauritius findet jedes Jahr im Februar oder März statt: Maha Shivaratri (die „Große Nacht des Shiva"). Hunderttausende Pilger wandern zu Fuß zum Grand Bassin — manche über 50 Kilometer weit — tragen bunte Opfergaben und singen religiöse Lieder. Die Prozession durch die Nacht, beleuchtet von Fackeln und Kerzen, ist ein unvergessliches Kulturerlebnis und das zweitgrößte Hindu-Pilgerfest der Welt nach dem Kumbh Mela in Indien. Als Besucher bist du herzlich willkommen — die mauritischen Hindus sind stolz, ihre Kultur zu teilen.

Besuchstipp: Der Grand Bassin ist ganzjährig frei zugänglich, kein Eintritt. Angemessene Kleidung (Schultern und Knie bedeckt) aus Respekt vor dem religiösen Ort. Am Eingang gibt es kleine Stände mit Opfergaben, Blumen und Kokosnüssen. Die beste Besuchszeit ist früh morgens, wenn der Nebel über dem See liegt und die Tempel in mystisches Licht getaucht sind.

Tipp

Kombiniere den Besuch am Grand Bassin mit dem nahen Trou aux Cerfs und den Teeplantagen — alle drei liegen im Hochland und sind mit dem Auto in einem halben Tag machbar. Nachmittags kann es im Hochland regnen und neblig werden — starte morgens.

Trou aux Cerfs — Der Vulkankrater

Mitten in der Stadt Curepipe — Mauritius' höchstgelegener Stadt auf 560 Metern — liegt ein schlafender Vulkankrater, der an die feurige Vergangenheit der Insel erinnert: Trou aux Cerfs (wörtlich: „Hirschloch"). Der nahezu perfekt kreisrunde Krater hat einen Durchmesser von 300 Metern und ist 80 Meter tief — gefüllt mit dichtem tropischem Wald und einem kleinen See am Grund.

Der Kraterrand-Spaziergang

Ein befestigter Weg führt in 30–45 Minuten um den gesamten Kraterrand. Der Spaziergang ist leicht und familienfreundlich, und die Aussichten sind spektakulär: Bei klarem Wetter reicht der Blick von hier über fast die gesamte Insel — die Bergkette des Moka im Norden, der Le Morne im Südwesten, die Küstenlinie im Osten und die Stadt Curepipe direkt zu Füßen. Am Morgen, bevor die Wolken aufziehen, ist die Sicht am besten.

Vulkanismus auf Mauritius

Mauritius ist vulkanischen Ursprungs — die Insel entstand vor etwa 8–10 Millionen Jahren durch Vulkanausbrüche über einem Hotspot im Indischen Ozean (derselbe Hotspot, der heute noch die Insel Réunion mit dem aktiven Piton de la Fournaise speist). Die letzte vulkanische Aktivität auf Mauritius liegt etwa 25.000 Jahre zurück. Der Trou aux Cerfs ist einer von mehreren erkennbaren Kratern, aber der am besten erhaltene und zugänglichste.

Curepipe — Die „Stadt des Regens"

Die Stadt Curepipe (ca. 80.000 Einwohner) ist wegen ihrer Höhenlage deutlich kühler und regnerischer als die Küste — die Mauritier nennen sie scherzhaft „Curepipe: deux saisons — la saison des pluies et la saison où il pleut" (zwei Jahreszeiten: die Regenzeit und die Zeit, in der es regnet). Trotzdem lohnt ein Bummel: Das Rathaus im Kolonialstil, der Botanische Garten (kleiner als Pamplemousses, aber charmant) und die Modellschiff-Werkstätten sind sehenswert. Mauritius ist weltberühmt für seine handgefertigten Modellschiffe aus Camphor-Holz — in den Werkstätten von Curepipe und Floréal kannst du den Handwerkern bei der Arbeit zusehen und Schiffe kaufen.

Teeplantagen & Bois Chéri

Im Hochland von Mauritius, auf sanften Hügeln zwischen 400 und 600 Metern Höhe, erstrecken sich die Teeplantagen — ein grünes Meer aus akkurat geschnittenen Teebüschen, das sich bis zum Horizont wellig über die Landschaft zieht. Tee wurde 1770 von den Franzosen nach Mauritius gebracht und ist seither ein wichtiger Teil der Landwirtschaft und der Kultur.

Bois Chéri — Die Teefabrik

Die Bois Chéri Tea Factory (gegründet 1892) ist die älteste und größte Teeplantage der Insel und bietet die beste Tee-Erlebnis-Tour auf Mauritius. Der Besuch umfasst drei Stationen:

  1. Die Plantage: Ein Spaziergang durch die Teefelder, wo du lernst, wie die Blätter per Hand gepflückt werden (nur die obersten zwei Blätter und die Knospe). Die Teepflückerinnen arbeiten hier seit Generationen — eine Tradition, die auf die indischen Vertragsarbeiter zurückgeht.
  2. Die Fabrik: Von der Welkung über die Fermentation und Trocknung bis zur Verpackung — der gesamte Produktionsprozess wird erklärt. Besonders faszinierend: die aromatisierten Teesorten (Vanille, Kokosnuss, Bergamotte), die nur auf Mauritius hergestellt werden.
  3. Das Teehaus (Le Saint Aubin): Die Verkostung findet in einem kolonialen Pavillon mit Panoramablick über den See und die Teeplantagen statt — einer der schönsten Orte auf Mauritius. Du probierst 5–8 Teesorten und kannst deine Favoriten kaufen. Der Vanille-Tee ist ein beliebtes Souvenir.

Eintritt: 350 MUR (ca. 7€) inklusive Führung und Verkostung. Geöffnet: Mo–Fr 8:30–15:30, Sa 8:30–11:30 Uhr.

La Route du Thé

Die Tee-Route (Route du Thé) ist eine kombinierte Tour, die neben Bois Chéri auch das Domaine des Aubineaux (ein restauriertes Kolonialhaus aus dem 19. Jahrhundert) und das Domaine de Saint Aubin (eine Zucker- und Vanille-Plantage mit kreolischem Restaurant) umfasst. Die Kombitour kostet 750 MUR (ca. 15€) und ist ein halber Tag gut investiert — Geschichte, Natur und Kulinarik in einem.

Der wilde Süden — Steilklippen & authentisches Mauritius

Der Süden von Mauritius ist das Gegenprogramm zu den ruhigen Lagunen des Nordens und Ostens. Hier gibt es kein schützendes Korallenriff — der Indische Ozean trifft mit voller Wucht auf die Küste und hat über Jahrtausende spektakuläre Steilklippen, Felsformationen und wilde Brandungsbuchten geschaffen. Der Süden ist weniger touristisch, rauer und authentischer — hier lebt das mauritische Volk weitgehend unberührt vom Resort-Tourismus.

Gris Gris — Die Klippen am Rand der Welt

Am südlichsten Punkt der Insel ragen die Klippen von Gris Gris schroff über die Brandung. Hier gibt es keinen Strand, kein Riff, kein ruhiges Wasser — nur die rohe Kraft des Ozeans, der gegen die Basaltfelsen donnert und meterhohe Gischt in die Luft schleudert. Ein Aussichtspunkt mit Geländer bietet sichere Blicke in die Tiefe. Besonders beeindruckend bei aufgewühlter See (Juni–September). Die „weinende Felsformation" (La Roche qui Pleure) in der Nähe — wo Wasser durch Felsritzen sickert und wie Tränen herunterfließt — ist ein beliebtes Fotomotiv.

Mahébourg — Koloniale Geschichte

Mahébourg an der Südostküste ist eine verschlafene Hafenstadt mit großer Geschichte: Hier fand 1810 die Schlacht von Grand Port statt — die einzige Seeschlacht, die Napoleon gegen die Briten gewann (und die als einzige Schlacht auf dem Arc de Triomphe in Paris eingraviert ist). Das National History Museum im Château Ghislain erzählt die Geschichte, zeigt Schiffsmodelle und Artefakte aus der Kolonialzeit, darunter Überreste des Wracks der Saint Géran (1744). Eintritt: kostenlos.

Mahébourgs Montagsmarkt ist einer der besten der Insel — bunter, authentischer und günstiger als der Touristenmarkt in Port Louis. Frische Früchte, Gewürze, Kleidung und Streetfood in einer Atmosphäre, die von Touristen kaum entdeckt ist.

Blue Bay Marine Park

Etwas östlich von Mahébourg liegt der Blue Bay Marine Park — Mauritius' einziger Unterwasser-Nationalpark. Die Bucht beherbergt über 50 Korallenarten und Hunderte Fischarten in kristallklarem Wasser. Schnorcheln ist hier ein Muss — Glasbodenboote (ab 300 MUR / 6€) zeigen die Unterwasserwelt auch Nicht-Schwimmern. Der Strand selbst ist klein, aber wunderschön, mit türkisem Wasser in allen erdenklichen Schattierungen. Am Wochenende kommen viele mauritische Familien — unter der Woche ist es ruhiger.

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